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Ayers Kaserne "The Rock" in Kirchgöns/Hessen

Geschrieben von: Alex Leib & Michael Grube   

Auf dem ehemaligen Fliegerhorst der Luftwaffe in Kirchgöns entstand nach dessen totaler Zerstörung durch die Airforce in der Nachkriegszeit eine US Kaserne, die aufgrund der erhöhten Lage und dem sehr steinigen Untergrund von den Amerikanern "The Rock" genannt wurde. Im Jahre 1952 wurde die Kaserne fertiggestellt und in Erinnerung an den im 2. Weltkrieg gefallenen SSG Lovall E. Ayers auf seinen Namen getauft. Die Kaserne beheimatete die 1st Brigade und 3rd Armored Division der US Streitkräfte, die auf diesem riesigen Areal knapp 7.000 Soldaten und ca. 350 gepanzerte Fahrzeuge stationierte. Die Familien der Soldaten wurden in sog. Housing Areas in Wetzlar und im nur fünf Kilometer entfernten Butzbach untergebracht. Es gab mehrere Einkaufsmöglichkeiten in Butzbach, Friedberg und Gießen, wo in allen Städten größere US Einheiten stationiert waren. Auf dem Gelände der Ayers Kaserne wurde nun ein eigener Gleisanschluss samt großen Verladerampen zum Verladen bzw. Transportieren von gepanzerten Fahrzeugen in die Manövergebiete und zum schnellen Abtransport an die möglichen Strategischen Punkte während des Kalten Krieges gebaut. Folgende Einheiten kamen später noch dazu: 1.Btl Air Defense Artillery. 1 Brig., 3.Btl.36.Infantery Brigade, 2.,3.Btl 33 Armoured Brigade, 2 Btl. 32 Armoured Brigade.

Folgende Einheiten waren in Kirchgöns stationiert:

1956-57 1957-63 1963-85 1985-86 1986-92
HHC CCA HHC CCA HHC 1st Bde HHC 1st Bde HHC 1st Bde
75th Tank Bn 2-1 Cavalry 3-33 Armor
5-5 Cavalry
13th Infantry BN 2-46 Infantry 3-36 Infantry 3-36 Infantry 3-5 Cavalry
36th Infantry Bn 2-36 Infantry 2-36 Infantry 2-36 Infantry 2-32 Armor
709th Tank Bn 2-13 Cavalry 2-32 Armor 2-32 Armor 4-32 Armor

3-33 Armor 2-33 Armor 2-5 Cavalry


3-33 Armor

Luftbild
GeländeplanGeländeplan 1998Hinweisstein
Haupttor in den 50er JahrenHaupttor 1963 

In den sechziger Jahren wurde damit begonnen, einen Schießstand sowie eine Flugabwehrstellung innerhalb der Ayers Kaserne zu errichten, desweiteren wurden neue Gebäude wie Schulungsbaracken, eine größere Kantine, ein Baseballfeld; Heizkraftwerk und Tennisplätze gebaut. Vor den Haupttor der Ayers Kaserne gab es eine deutsche Gastwirtschaft, einen Schnellimbiss sowie eine Reinigung und einen Autoverleih. Die zum Teil sehr jungen Soldaten nutzten in ihrer Freizeit diese Einrichtungen und kamen so mit den Deutschen näher in Kontakt. Im nahe gelegenen Butzbach gab es Bars, Kneipen und Clubs, die das große Geschäft mit den Amerikanern witterten und auf Popcorn, Hamburgers und Cola umstellten. Anfang der siebziger Jahre wurde die Flugabwehrstellung weiter ausgebaut (Kosten: über DM 900.000,-) und ein Hawk-Verband aus Gelnhausen wurde in die Ayers Kaserne verlegt. Auch eine neue Tankstelle für Kettenfahrzeuge wurde während dieser Zeit auf dem Gelände gebaut. Die Zusammenarbeit der US Army mit der Gemeinde Kirchgöns war sehr gut. Obwohl durch die unzähligen Panzertransporte auf dem Schienenweg die Lärmbelästigung stark anstieg, besuchten viele Ortsansässige den Tag der offenen Tür 1975 sowie die vielen Paraden zum 4.Juli.

Unterkunftsgebäude
Bahnanschluß und LaderampeCoal PointHawk-Stellung
MunitionsbunkerWachstrasseSchießanlage

Während des ersten Golfkrieges im Jahre 1991 stand bis auf einiges Wachpersonal die Ayers Kaserne leer, da alles an Kettenfahrzeugen und Soldaten per Zug nach Bremerhaven abtransportiert und per Schiff an den Persischen Golf zur "Operation Desert Storm" verlegt wurde. Im Jahre 1995/1996 bekam das 284. Base Support Bataillon in Gießen vom Pentagon die plötzliche Aufgabe, die Ayers Kaserne zu räumen und an das Bundesvermögensamt zu übergeben. Zur gleichen Zeit lagen Pläne vor, das General US Depot in Gießen aufzugeben - dieses stand auch für ca. vier Monate komplett leer. Das Pentagon entschied sich schließlich aber anders und verlegte die Panzerverbände der nun freigewordenen Ayers Kaserne ins Gießener US General Depot, um diesen wichtigen logistischen Punkt der US Streitkräfte weiter zu erhalten. Die Schloß-Kaserne in Butzbach und die Rivers-Kaserne in Gießen waren von der Standortauflösung der US Armee bereits betroffen und es war ein weiterer harter Schlag für die Region, als plötzlich auch die Ayers Kaserne wegfiel. Ob Kneipen, Bars, Discos oder Taxis - jeder verdiente an den Amerikanern gutes Geld, dies fiel jetzt weg.

KinoKircheBowling-Anlage
TankstelleHaupttorWeiterer Fueling Point

Das riesige Gelände der Ayers Kaserne glich nun einer Geisterstadt, ein Wachdienst sorgte dafür, daß dort keine Vandalen rein kamen , eine nahe gelegene Spedition nutzte die Standflächen der Amerikaner als Stellplätze für ihre Auflieger und LKW. Im Jahre 2000 wurden Gerüchte aufgebracht, daß auf dem Areal eine Strafvollzugsanstalt entstehen sollte - was aber wegen der hohen Kosten für Neubauten abgeschmettert wurde. Die benachbarte Spedition, die schon ein großes Logistikzentrum plante, meldete ihr Interesse an dem Ayers Gelände an und es kam zu Gesprächen mit der Bundesvermögensverwaltung. Im Jahre 2003 wurde das gesamte Areal an diese Spedition verkauft, dort rollen seit geraumer Zeit große Baumaschinen und Bagger und sind mit dem Abriss der Baracken, Gebäude und Hallen beschäftigt. Die Munitionsbunker auf dem Gelände werden lediglich mit Aushub bedeckt, da sich inzwischen seltene Tiere darin eingenistet haben un die Bunker diesen auch weiterhin als Lebensraum erhalten bleiben sollen. Auf dem Gelände wird ein riesiges Logistikzentrum gebaut und laut Presseaussagen sollen dort einmal ca. 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen - was für die Region ein Zugewinn wäre.

Wie erst kürzlich bekannt wurde, werden die gesamten US Einrichtungen in Mittelhessen bis zum Jahr 2008 komplett aufgegeben. Darunter fallen auch die Housing Areas in Butzbach, Wetzlar, Gießen, der Rifle Range in Butzbach, das komplette US General Depot in Gießen sowie die Ray Barracks in Friedberg.

Besonderer Dank gilt Walter Elkins von www.usarmygermany.com für die historischen Fotos sowie Herrn Eichhorn und der Firma Bork für die freundliuche Genehmigung zur Begehung des Geländes. Dank für die Aufstellung der Einheiten an Edward T. Kopsick.



 
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