Ende 1937 wurde in der Nähe von Starkshorn, einem kleinen Ort bei
Eschede, auf einem etwa 250 Hektar großen Gelände mit dem Bau
eines Marinesperrzeugamtes begonnen (vergl. auch Marinesperrzeugamt
Druhwald). Bauherr war auch hier die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven.
Um die natürliche Tarnung durch den vorhandenen Hochwald zu erhalten,
wurde bei den gesamten Bauarbeiten sehr vorsichtig vorgegangen. Bis Ende
1939 waren zahlreiche Baracken, Hallen, Häuser und Bunker errichtet,
insgesamt über 200 Gebäude (davon etwa 110 Bunker).
Gebaut wurden nur zwei verschiedene Typen von Bunkern. Die kleineren,
die zur Lagerung von Zündern und ähnlichem Material benutzt
wurden, hatten eine Nutzfläche von etwa 2,5m x 12m, wobei der Innenraum
durch eine Zwischenwand geteilt war. Dieser Bunkertyp besaß an beiden
Seiten je einen Zugang. Der größere Bunkertyp hatte einen Innenraum
von rund acht mal zwanzig Metern mit einer halbzylindrisch gewölbten
Decke und nur einem Zugang an einer der Schmalseiten. Zwei Lüftungsschächte
sorgten für Zirkulation. In diesen Bunkern wurden einsatzbereite
Torpedo- (je Bunker etwa 40) oder Kugelminen (pro Bunker, je nach Typ,
bis zu 80) gelagert.
 
Für die Waffenwarte und Offiziere wurde in einiger Entfernung von
der Anlage eine Siedlung, bestehend aus 23 Doppelhäusern, errichtet.
Dieser Ortsteil trägt noch heute den Namen "Marinesiedlung".
1940 wurden südlich der Anlage nochmals zwei Kasernenbauten errichtet.
Ebenfalls im Süden der Anlage befand sich der gesamte Verwaltungs-
und Werkstattbereich.

Das ganze Gelände war mit einer Kleinbahntrasse (Spurweite 600/640mm)
vernetzt, auf der mehrere Lokomotiven verkehrten. Den Anschluß an
das Netz der Reichsbahn wickelte man über eine rund 100 Meter lange
Rampe an der nahegelegenen Reichsbahntrasse ab.

Laut Zeugen arbeiteten mehr als hundert Zivilarbeiter im Sperrzeugamt,
die meisten kamen mit extra eingesetzen Bussen aus Celle und Eschede.
Zum Ende des Krieges wurde die Belegschaft nochmals verstärkt
und zum Teil in nahegelegenen Baracken untergebracht. Daneben
wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt, darunter Polen, Franzosen
und Russen (aus dem STALAG XI B
Fallingbostel). Die von Zeitzeugen angegebenen Zahlen erscheinen
insgesamt zu niedrig. Vergleicht man sie mit belegten Zahlen ähnlicher
Anlagen, wird dies deutlich.
Im Jahr 1944 kam es zu einem Unfall, bei dem drei Marinesoldaten starben.
Die Ursache der Detonation ist nicht ganz klar - von mehreren Zeitzeugen
wurden hier unterschiedliche Angaben gemacht. Eine weitere Explosion ereignete
sich am 9. April 1945 - auch hier gehen die Meinungen auseinander.
Am 12. April 1945 setzten sich die Offiziere angesichts der näher
rückenden Front in Richtung Norden ab. Zur geplanten Sprenung kam
es nicht mehr. Am 13. April erreichten die britischen Truppen das Sperrzeugamt.
Bis 1947 wurden nun im Gelände umfangreiche Sprengungen vorgenommen.
Munition aller Kaliber und Arten bis hin zu Sprengköpfen der V1 und
V2 wurden aus ganz Norddeutschland nach Starkshorn gebracht und hier vernichtet.
Gleichzeitig holzten die Alliierten den Wald ab und demontierten alle
brauchbaren Anlagenteile, um sie als Reparation einzusetzen. Lediglich
zwei Bunker blieben unversehrt.
In den Nachkriegsjahren frequentierten nun Schrottsammler das Gelände,
um Buntmetallteile zu bergen. Hierbei kam es zu mehreren tragischen Unfällen
mit Toten. Anfang der fünfziger Jahre wurde das Gelände daher
nach damaligen Erkentnissen "fachmännisch" geräumt.
Bis 1991 wurde nun immer wieder geräumt - jedoch ohne dies je richtig
abzuschließen. Auch heute ist das Gelände
immer noch hochgradig verseucht und ein Betreten lebensgefährlich.
Quellen (Auszug):
- Archiv T.Wolf, Stedden
- Gefährdungsabschätzung
von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen, NLÖ
- Unruhige Zeiten - Erlebnisberichte
aus dem Landkreis Celle 1945-1949, Rainer Schulze
- Was wir tun, ist nicht gerade zum Guten..., J.Gries/J.Hoppe
- Celle 45, Bomann-Museum
- versch. Zeitungsartikel
- Aussagen von Anwohnern
- eigene Recherche |