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Marinesperrzeugamt Starkshorn

Geschrieben von: Michael Grube   

Ende 1937 wurde in der Nähe von Starkshorn, einem kleinen Ort bei Eschede, auf einem etwa 250 Hektar großen Gelände mit dem Bau eines Marinesperrzeugamtes begonnen (vergl. auch Marinesperrzeugamt Druhwald). Bauherr war auch hier die Kriegsmarinewerft Wilhelmshaven. Um die natürliche Tarnung durch den vorhandenen Hochwald zu erhalten, wurde bei den gesamten Bauarbeiten sehr vorsichtig vorgegangen. Bis Ende 1939 waren zahlreiche Baracken, Hallen, Häuser und Bunker errichtet, insgesamt über 200 Gebäude (davon etwa 110 Bunker).

Gebaut wurden nur zwei verschiedene Typen von Bunkern. Die kleineren, die zur Lagerung von Zündern und ähnlichem Material benutzt wurden, hatten eine Nutzfläche von etwa 2,5m x 12m, wobei der Innenraum durch eine Zwischenwand geteilt war. Dieser Bunkertyp besaß an beiden Seiten je einen Zugang. Der größere Bunkertyp hatte einen Innenraum von rund acht mal zwanzig Metern mit einer halbzylindrisch gewölbten Decke und nur einem Zugang an einer der Schmalseiten. Zwei Lüftungsschächte sorgten für Zirkulation. In diesen Bunkern wurden einsatzbereite Torpedo- (je Bunker etwa 40) oder Kugelminen (pro Bunker, je nach Typ, bis zu 80) gelagert.

Minen-LagerhausMinen-Lagerhaus

Für die Waffenwarte und Offiziere wurde in einiger Entfernung von der Anlage eine Siedlung, bestehend aus 23 Doppelhäusern, errichtet. Dieser Ortsteil trägt noch heute den Namen "Marinesiedlung". 1940 wurden südlich der Anlage nochmals zwei Kasernenbauten errichtet. Ebenfalls im Süden der Anlage befand sich der gesamte Verwaltungs- und Werkstattbereich.

Fundamentrest

Das ganze Gelände war mit einer Kleinbahntrasse (Spurweite 600/640mm) vernetzt, auf der mehrere Lokomotiven verkehrten. Den Anschluß an das Netz der Reichsbahn wickelte man über eine rund 100 Meter lange Rampe an der nahegelegenen Reichsbahntrasse ab.

Reste der Feuerwache

Laut Zeugen arbeiteten mehr als hundert Zivilarbeiter im Sperrzeugamt, die meisten kamen mit extra eingesetzen Bussen aus Celle und Eschede. Zum Ende des Krieges wurde die Belegschaft nochmals verstärkt und zum Teil in nahegelegenen Baracken untergebracht. Daneben wurden auch Kriegsgefangene eingesetzt, darunter Polen, Franzosen und Russen (aus dem STALAG XI B Fallingbostel). Die von Zeitzeugen angegebenen Zahlen erscheinen insgesamt zu niedrig. Vergleicht man sie mit belegten Zahlen ähnlicher Anlagen, wird dies deutlich.

Im Jahr 1944 kam es zu einem Unfall, bei dem drei Marinesoldaten starben. Die Ursache der Detonation ist nicht ganz klar - von mehreren Zeitzeugen wurden hier unterschiedliche Angaben gemacht. Eine weitere Explosion ereignete sich am 9. April 1945 - auch hier gehen die Meinungen auseinander.

Am 12. April 1945 setzten sich die Offiziere angesichts der näher rückenden Front in Richtung Norden ab. Zur geplanten Sprenung kam es nicht mehr. Am 13. April erreichten die britischen Truppen das Sperrzeugamt. Bis 1947 wurden nun im Gelände umfangreiche Sprengungen vorgenommen. Munition aller Kaliber und Arten bis hin zu Sprengköpfen der V1 und V2 wurden aus ganz Norddeutschland nach Starkshorn gebracht und hier vernichtet. Gleichzeitig holzten die Alliierten den Wald ab und demontierten alle brauchbaren Anlagenteile, um sie als Reparation einzusetzen. Lediglich zwei Bunker blieben unversehrt.

In den Nachkriegsjahren frequentierten nun Schrottsammler das Gelände, um Buntmetallteile zu bergen. Hierbei kam es zu mehreren tragischen Unfällen mit Toten. Anfang der fünfziger Jahre wurde das Gelände daher nach damaligen Erkentnissen "fachmännisch" geräumt. Bis 1991 wurde nun immer wieder geräumt - jedoch ohne dies je richtig abzuschließen. Auch heute ist das Gelände immer noch hochgradig verseucht und ein Betreten lebensgefährlich.

Quellen (Auszug):
- Archiv T.Wolf, Stedden
- Gefährdungsabschätzung von Rüstungsaltlasten in Niedersachsen, NLÖ
- Unruhige Zeiten - Erlebnisberichte aus dem Landkreis Celle 1945-1949, Rainer Schulze
- Was wir tun, ist nicht gerade zum Guten..., J.Gries/J.Hoppe
- Celle 45, Bomann-Museum
- versch. Zeitungsartikel
- Aussagen von Anwohnern
- eigene Recherche

 
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