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An der Magdeburger Strasse 1, auf der Ecke zwischen dem Brooktor- und dem Magdeburger Hafen, steht der Kaispeicher B, das älteste noch erhaltene Bauwerk im Hamburger Freihafen. Der imposante Backsteinbau wurde in den Jahren 1878/79, also noch vor der Ratifizierung des Zollanschlusses und der Einrichtung des Freihafens und etwa 10 Jahre vor dem Bau der Speicherstadt errichtet. Auftraggeber war die Silospeicher Kommandit-Gesellschaft J.W. Boutin, die Architekten waren Bernhard Georg Jacob Hanssen und Wilhelm Emil Meerwein.
 
    
Das Gebäude besteht, wie auch die in der
Konstruktion sehr ähnlichen Bauten der Speicherstadt, aus
einem tragendem Innengerüst aus Holz- und Stahlstützen
und -balken mit ebenfalls tragenden Außenwänden
aus Ziegelmauerwerk. Der Speicher verfügt über acht,
teilweise neun Stockwerke (sogenannte "Böden").
Die Fassaden sind durch einzelne Natursteinteile und farbig
glasierte Backsteinschichten, vor allem aber durch Gesimse,
Spitzbögen, Treppengiebel und Mauerreliefs gestaltet. Sie
kommen ganz ohne die zu der Zeit sehr beliebten Formsteine aus.
Die östliche Außenwand ist als Brandmauer ohne Gliederung
und Öffnungen ausgebildet. Hier befinden sich heute zwei
Verbindungsbrücken in verschiedenen Höhen als Übergang
zu dem nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten Nachbarspeicher.
In den neugotischen Formen, der unterschiedlichen Gliederung
der Bauteile entsprechend ihrer Funktion, ihrer asymmetrischen
Gruppierung und der abwechslungsreichen Kubatur spiegelt sich
der stilistische Einfluss der Hannoverschen Bauschule. Durch diese
anspruchsvolle und aufwändige Gestaltung sollte die Zweckarchitektur
des Speichers aufgewertet und ein repräsentativer Eindruck
erreicht werden. Dieser Eindruck wird beim Betrachter noch heute
erweckt, obwohl das Bauwerk im Laufe der Zeit Verluste hinnehmen
mußte. So fehlen heute u.a. der Schornstein und ein kleiner
Giebel im Bereich der ehem. Kraftzentrale (siehe große Bilder
ganz oben), Aufzugswinden an der Westfassade, eine Eckfiale am
Westgiebel und ein Balkon. Mehrere Fenster in der Westfassade
wurden verschlossen. Die Dampfmaschine zur Energieversorgung des
Speichers wurde mit dem Anschluß an die externe Energieversorgung
entfernt.
Der Bau war ursprünglich als eine Kombination aus Silospeicher
für Getreide und Bodenspeicher für Stückgut angelegt,
nach heutigem Kenntnisstand das einzige derartig kombinierte Gebäude
in Hamburg. Für den Getreideumschlag gab es sogar bereits
ein dampfgetriebenes Becherwerk, an das noch heute der Schornsteintorso
an der nordwestlichen Gebäudeecke erinnert. Angeblich allerdings
rüttelte diese Anlage aber so stark, dass sich bei der Förderung
des Getreides zuviel an Staub und Spellen löste und so das
Gewicht verminderte. Und das rechnete sich offenbar nicht im Vergleich
mit den Lohnkosten des bis dahin üblichen Getreideumschlages
per Hand. So wurde das Becherwerk stillgelegt und bereits 1884
unter der Leitung des Architekten Schäffer auch der östliche
Teil des Gebäudes, der mehrere quadratische Silozellen enthielt,
zu einem Bodenspeicher umgebaut.

  
 
Und auch bei den Umbauarbeiten bewies man damals
bereits Einfallsreichtum und Kostenbewusstsein: "Bei diesem
Umbau wurden schmiedeeiserne Stützen durch Winkeleisen
gebildet, welche von unten nach oben in den Hohlräumen
der hölzernen Silos allmählich hinaufgeführt
wurden. Alsdann legte man die tafelförmig herausgeschnittenen
Wände der einzelnen Silozellen als tragfähige Fußböden
direkt auf eiserne Unterzüge, welche von oben beginnend
und von Stockwerk zu Stockwerk nach unten fortschreitend an
den Stützen befestigt wurden." (1).
Durch diesem Umbau erhielt man im östlichen Gebäudeteil
neun Böden hinzu, gegenüber nur acht Böden im westlichen
Speicherteil bei gleichem Dach und gleicher Traufhöhe. Dadurch
erklärt sich auch der Höhenversprung zwischen den Stockwerken
und den Öffnungen in den Außenmauern. Loses Getreide
wurde aber auch weiterhin gelagert, nun wieder in Körben
und mit Winden nach oben transportiert und in einzelne Zellen
auf den Speicherböden geschüttet. Die Führungsschienen
für die Unterteilung dieser Zellen sind zum Teil bis heute
an den Stützen erhalten. Nach dem Umbau standen insgesamt
etwa 11.000 qm Lagerfläche zur Verfügung. Die Tragfähigkeit
der Böden betrug 1.500 kg/qm.
Neben dem Bodenspeicher- und dem Siloteil umfasste das Gebäude
auf seinem insgesamt fast quadratischen Grundriss noch die Kraftzentrale
im Nordwesten sowie das Haupttreppenhaus mit angeschlossenen Kontorräumen
im Südwesten. Diese verschiedenen Bauteile mit ihren unterschiedlichen
Dachformen und -höhen gruppieren sich zu dem Gesamtkomplex
mit seiner differenzierten und imposanten Silhouette. Die verschiedenen
Nutzungen lassen sich auch an den unterschiedlichen Fenstergrößen
und -höhen in den Fassaden ablesen.
Im Jahre 1890 erwarb die Stadt Hamburg den Komplex, der seitdem
die Bezeichnung "Kaispeicher B" trägt. Am 12.10.2000
wurde das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt Hamburg eingetragen.
Noch bis Ende 2003 diente der Bau in seiner ursprünglichen
Funktion als Lager von Stückgütern.
In den nächsten Jahren soll der Kaispeicher B für das
"Internationale Schifffahrts- und Meeresmuseum Peter Tamm"
umgebaut werden.Das Wissenschaftliche Institut für Schifffahrts- und Marinegeschichte
von Professor Peter Tamm beherbergt die international größte
Privatsammlung zur Schifffahrts- und Marinegeschichte. Die Sammlung
wird von Professor Peter Tamm in die "Peter Tamm Sen. Stiftung"
eingebracht, die sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich
machen will. Die Freie und Hansestadt Hamburg wird der Stiftung
dafür den Kaispeicher B für 99 Jahre unentgeltlich im
Wege des Erbbaurechts überlassen. Das museale und wirtschaftliche
Konzept für den Betrieb des Museums wird zur Zeit erarbeitet.
"Grundzüge dieses Konzepts sollen die Darstellung der
geographischen und maritimen Entdeckungen, der technischen Entwicklung
und deren Konsequenzen für die Menschheit sein. Umfassend
präsentiert werden sollen die Entdeckungen berühmter
Seefahrer, die Öffnung neuer Seewege, die Entwicklung nautischer
Instrumente, die Forschung, die Seekriege, die technische Revolution,
die Emigrantenströme, die Kunst und das Handwerk, die Handelsschifffahrt
und die Entwicklung der Handelsströme." (8).
Nach einer detaillierten Bestandsaufnahme werden derzeit auch
die Pläne für den Umbau erstellt. Mit den Umbauarbeiten
soll noch im Sommer 2004 begonnen werden, die Eröffnung des
Museums ist für August 2005 geplant.
Quellen und Literatur:
(1) Architekten- und Ingenieurverein zu Hamburg e.V. (Hrsg.):
Hamburg und seine Bauten. Hamburg 1890
(2) Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz (Hrsg.):
Aufgaben und Perspektiven der Hafendenkmalpflege : Schriftenreihe
des Deutsches Nationalkomitees für Denkmalschutz Band 40.
Bonn
(3) Kulturbehörde/Denkmalschutzamt der Freien und Hansestadt
Hamburg (Hrsg.): Industriekultur und Arbeitswelt an der Wasserkante
: zum Umgang mit Zeugnissen der Hafen- und Schiffahrtsgeschichte
= Industrial culture and industrial work in costal areas / Internationales
Hafendenkmalpflegesymposium (Arbeitshefte zur Denkmalpflege in
Hamburg Nr. 11). Hamburg 1992
(4) Ralf Lange, Henning Rademacher: Hafenführer Hamburg.
Hamburg 1999
(5) Karin Maak: Die Speicherstadt im Hamburger Freihafen : Arbeitshefte
zur Denkmalpflege in Hamburg Nr. 7. Hamburg 1985
(6) Dieter Maass: Der Ausbau des Hamburger Hafens : 1849 - 1910.
Hamburg 1990
(7) Kulturbehörde/Denkmalschutzamt der Freien und Hansestadt
Hamburg: Gutachten vom 26.07.2000 zur Schutzwürdigkeit des
Kaispeichers B
(8) Internationales Schifffahrts- und Meeresmuseum Peter Tamm
findet Heimat im Kaispeicher B. Pressemeldung der Feien und Hansestadt
Hamburg vom 22.07.2003.
Die Peter Tamm Sen. Stiftung ist Inhaber
der wirtschaftlichen Rechte an dem Gebäude und bat uns, ausdrücklich
darauf hinzuweisen, daß eine wirtschaftliche Nutzung von
Fotografien des Kaispeichers B - hinausgehend über das Urheberrecht
- der schriftlichen Genehmigung der Peter Tamm Sen. Stiftung bedarf. |