Geiersberg oder Geierskopf

Militärische und militärisch (mit)genutzte Fernmeldeanlagen und -einrichtungen, Netze und Infrastruktur (ohne ELOKA)
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HW
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Geiersberg oder Geierskopf

Beitrag von HW » 30.05.2017 17:34

Hallo,

bei unserem Verein für Modelleisenbahn und auch große Eisenbahn gibt es auch Mitglieder, die sich mit Geschichtsspuren befassen. So wurde ich bei einem Thema gefragt, ob ich helfen kann. Es betraf aber Richtfunktürme der US-Streitkräfte und da musste ich passen.

Auf Veröffentlichungen im Netz ist einmal eine Richtfunkstrecke eingezeichnet von Reisenbach zum Geiersberg bei Mönchberg (nördlich von Miltenberg), weiter zum Hexenberg und zum Kolbenberg (Feldberg Taunus). Auf einer anderen Karte ist eingezeichnet von Reisenbach zu einem Berg der auf Karten als Geierskopf eingetragen ist, auch als Breitsol bekannt (Südöstlich von Weibertsbrunn), weiter zum Hexenberg und dann Kolbenberg.
Der Berg Breitsol wird oft auch als geiersberg benannt, obwohl auf Karten Geierskopf steht.

Kann jemand eine Aufklärung geben?

Grüße
HW

HW
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Beitrag von HW » 31.05.2017 17:18

Hintergrundinformation:
Topographische Karte 1 : 50 000 L6320 Miltenberg gibt die Anhöhe bei Münchberg, nördlich von Miltenberg mit Name Geiersberg 512 m an. Hier im Forum sind Fotos davon zu finden.
2 Karten des ADAC geben südlich von Weibertsbrunn (Spessart) die Anhöhe Breitsol 585 m mit Sendeanlagen und etwas nördlich davon die Anhöhe Geiers-Kopf 548 m an.
In einigen Seiten, auch auf Wikipedia, wird diese Anhöhe mit Geierskopf bezeichnet, was nach meiner Auffassung bis jetzt aber nicht richtig wäre. Ich habe eine Anfrage gestartet, wie diese Anhöhe neben der Höhe Breitsol genau bezeichnet wird. Vermutlich gibt es deswegen auch manchmal Verwechselungen.

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Beitrag von zulufox » 31.05.2017 17:48

Hallo HW,

als Bewohner Bayern könnte man ja auch einmal im offiziellen Bayernatlas nachschauen:

https://geoportal.bayern.de/bayernatlas ... gNodes=122

Auf der Lichtung knapp nördlich der St2312 die Sendetürme Breitsol (früher FuSZ), nördlich davon Geiersberg Breitsol und noch weiter nördlich Geierskopf. Alle an der Gemarkungsgrenze entlang :-)

Die Diskussionen um die Namen hatten wir hier https://www.geschichtsspuren.de/forum/f ... 12661.html und hier https://www.geschichtsspuren.de/forum/v ... sc&start=0 schon mehrmals :lol:

MfG
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Beitrag von HW » 01.06.2017 20:10

Danke, die Threads im Forum habe ich schon vorgestern gelesen. Es ging ja eigentlich um die Frage, warum in einer Graphik die Richtfunkstrecke mit Geiersberg-Breitsol bezeichnet wird und in einer anderen Graphik mit Mönchberg bezeichnet wird.

Ich habe aber heute schon 2 Antworten aus den Gemeinden Weibertsbrun erhalten, eine dritte Antwort von einem Heimatpfleger steht noch aus.

Es zeichnet sich aus den Antworten folgendes ab: Die Anhöhen Breitsol und Geiers-Kopf liegen im Landkreis Aschaffenburg. Nebenan gibt es einen Höhenzug ca. 1,5 bis 2 Km, der sich Geiersberg nennt. Man sagte mir aber, er schreibt sich mit Y, also Geyersberg. Dieser Höhenzug reicht vom Aalberg bis in Höhe Geiers-Kopf und liegt im Main-Spessart Kreis. Die Sendeanlage liegt im Main-Spessart Kreis, ein Teilstück der Zufahrt von der St2312 zur Sendeanlage soll aber im Landkreis Aschaffenburg liegen und somit auf der Lärchhöhe wo wiederum der Breitsol ist.
Die Sendeanlage hat aber die offizielle Bezeichnung Sender Breitsol, bei manchen Seiten im Netz wird sie aber als Sender Geiersberg bezeichnet.

Warum der offizielle Name Sender Breitsol ist wurde vermutet, dass es in Deutschland einige Berge und Anhöhen mit dem Namen Geiersberg gibt und um Verwechselungen zu vermeiden wurde die Nennung Sender Breitsol und nicht Geiersberg bzw. Geyersberg genommen.

Nun aber zu den Richtfunkstrecken: Meine Vermutung: Die beiden US-Sendemasten bei der Sendeanlage Breitsol auf dem Geyerberg sind ja schon länger demontiert (ich hoffe, der Heimatpfleger kann mir das Jahr nennen), so wurde die Richtfunkstation Geiersberg bei Mönchberg als Relaisstation genommen.
Vor 2 Jahren habe ich einen Kurzurlaub in Amorbach (südlich Miltenberg) gemacht, natürlich auch gefragt, ob in der Nähe neben dem Eisenbahn-Sonderzug nach Pankow und dem Schlafwagen-Hotel mit Club-Wagen(stehen im Bahnhof Amorbach) auch noch militärisch etwas gegeben hat. Es wurde mir eine ehem. Nike-Stellung bei Mainbullach genannt und eine Fernmeldeanlage bei Mönchberg, beide US-Einrichtungen.

Die Graphiken des Vereinskollegen geben mir aber noch einige weitere Rätsel auf, so wurde der Kolbenberg auf einer Graphik mit Diez bezeichnet und auch bei der Richtfunkstelle Stein gab es Unstimmigkeiten. Diese Richtfunkstelle kenne ich aber, sie war direkt an der Grenze zum Truppenübungsplatz Daaden und war ein Viereck-Gittergerüst.

Gruß
HW

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Beitrag von zulufox » 02.06.2017 09:34

HW hat geschrieben:Es zeichnet sich aus den Antworten folgendes ab: Die Anhöhen Breitsol und Geiers-Kopf liegen im Landkreis Aschaffenburg. Nebenan gibt es einen Höhenzug ca. 1,5 bis 2 Km, der sich Geiersberg nennt. Man sagte mir aber, er schreibt sich mit Y, also Geyersberg. Dieser Höhenzug reicht vom Aalberg bis in Höhe Geiers-Kopf und liegt im Main-Spessart Kreis. Die Sendeanlage liegt im Main-Spessart Kreis, ein Teilstück der Zufahrt von der St2312 zur Sendeanlage soll aber im Landkreis Aschaffenburg liegen und somit auf der Lärchhöhe wo wiederum der Breitsol ist.
Die Sendeanlage hat aber die offizielle Bezeichnung Sender Breitsol, bei manchen Seiten im Netz wird sie aber als Sender Geiersberg bezeichnet.
Hallo HW,

beim Bayernatlas kann man sich ja auch eine Historische Karte als Bildschirmhintergrund einblenden (Schaltfläche oben rechts). Auf der ist die Schreibweise mit Y zu sehen.

Aber bereits auf den Karten aus den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde das y durch i ersetzt.

Zur Geschichte der Sendeanlage Breitsol noch schnell die Zusammenfassung: Dort wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg durch die Bauleitung der Luftwaffe Nürnberg eine Funksendezentrale errichtet. Diese Anlage wurde dann nach dem Krieg durch die US-Streitkräfte weiter genutzt. Wohl erst nach deren Abzug konnte einer der Türme für den analogen Sendebetrieb genutzt werden. 2008 erfolgte dessen Abschaltung.

MfG
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Beitrag von HW » 02.06.2017 17:45

Danke für die Info. Habe jetzt auch mit dem 3. Gesprächspartner gesprochen. Was bis jetzt so gepostet wurde ist soweit korrekt, eine Ausnahme sagte er aber, mit Breitsol ist keine Anhöhe bezeichnet sondern eine Waldabteilung, also ein Waldstück/Waldgebiet.

Folgende Infos wurden mir noch von ihm gegeben: Die US-Station war personel stark besetzt und arbeitete in 3 Schichten. Er kannte einige deutsche Zivilarbeiter, die leider aber schon alle verstorben sind. Auch eine Köchin war dabei.
Auf dem Geiers-Kopf stürzte 1944 eine JU 88 ab, es gibt einen Gedenkstein dazu auf dem Geiers-Kopf. Auch in der Nähe bei Lohr prallte vor Jahren eine Transall der Bundeswehr gegen eine Anhöhe/Höhenzug. Auch hier ein Gedenkstein.
In der Nähe von Breitsol gibt es einen Ort Habichsthal (bei Frammersbach), hier soll, so sagte er, bis zum Ende des WK II eine Radarstellung gewesen sein, die nicht von den Alliierten bis dato entdeckt wurde.

Grüße
HW

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Beitrag von zulufox » 03.06.2017 09:14

HW hat geschrieben:In der Nähe von Breitsol gibt es einen Ort Habichsthal (bei Frammersbach), hier soll, so sagte er, bis zum Ende des WK II eine Radarstellung gewesen sein, die nicht von den Alliierten bis dato entdeckt wurde.
Hallo,

"In der Nähe" ist bei einer Entfernung von rund 17 km allerdings relativ :lol:

Der Hinweis ist trotzdem interessant, denn die "Jägermess-Stellung" Aphrodite-Y (18. Jägerleitkompanie Ln.Rgt. 233 nach Hoffmann II Teil 1 Seite 493) wird auch mit dem Standort Breitsohl b. Aschaffenburg angegeben.

Hier haben wir übrigens auch wieder das Problem der richtigen Schreibweisen:

Breitsohl Breitsol
Weibertsbrunn Weibersbrunn

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Beitrag von turul » 03.06.2017 11:35

HW hat geschrieben:.... mit Breitsol ist keine Anhöhe bezeichnet sondern eine Waldabteilung, also ein Waldstück/Waldgebiet.
'

Auf der Karte 1:25.000, Rothenbuch, Blatt.Nr. 6022, Ausgabe 1961 wird mit "Breitsol" eine Anhöhe mit der Höhenangabe 586 hart westlich des Höhenzuges Geiersberg bezeichnet. Die Karte kann im Bayernatlas als PDF heruntergeladen werden:
https://www.geodaten.bayern.de/histTopo ... N_1961.pdf

Auf dem gleichen Blatt Ausgabe 1939 erscheint zwar eine Höhe 586, aber ohne die Angabe Breitsol, pdf hier:

https://www.geodaten.bayern.de/histTopo ... N_1939.pdf

Grüße
Jörg

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Beitrag von darkmind76 » 05.06.2017 14:14

Hallo!

Soweit ich es ja verstanden habe, war der Geiersberg bei Mönchberg ja u.a. als Relay für die Nike-Station in Mainbullau (nicht Mainbullach ;-) ) vorhanden. Aber auch die Stationen Hardheim und Dallau waren darüber wohl vernetzt. Ein weiteres Relay gab es wohl in Lohr, was unweit des heutigen Oberbeckens des Pumpspeicherwerkes Langenprozelten liegt.

Der Breitsol (frühere Schreibweise wohl Breitsohl da man das öfter man liest) ist sicher zur besseren Abgrenzung so in den Karten aufgeführt und diente doch eher weitergehendem Funkverkehr zwichen Frankfurt und Würzburg/Nürnberg. Auch der Sender der Bundespost wurde wohl immer schon Breitsol genannt.

Hier und da wird Breitsol auch als weiterer Name für den Geiersberg genannt. Auf dem Geiersberg (Breitsol) steht seit 2014 auch ein Gipfelkreuz, das kürzlich geweiht wurde.

Und die Stellung AFFE in Habichsthal gibt es hier: https://www.geschichtsspuren.de/forum/a ... abichsthal

edit: Wenn man im Bayernatlas die Historische Karte auswählt und dieser näher heranzoomt, wird aus dem Geyersberg auch wieder ein Geiersberg mit dem TP Breitsol. Dafür wird aus dem Geierskopf die Geierskuppe :mrgreen: ;)

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