Verlassenes Fabrikgebäude in Hamburg-Billstedt

Fabriken, Kraftwerke, Zechen ...
Benutzeravatar
Käpt´n Blaubär
Forenuser
Beiträge: 1218
Registriert: 25.05.2002 22:34
Ort/Region: Hamburg-Wandsbek

Beitrag von Käpt´n Blaubär » 03.05.2017 21:14

Moinsen,
die historischen Gebäude stehen offenbar vor dem Abriss, das Gelände wird abgeräumt. Die ECE, eine Tochter des Otto-Konzerns, hat das Grundstück erworben und plant dort ein Logistikzentrum für den Hermes Versand.
https://www.welt.de/print/die_welt/hamb ... issen.html
http://www.nexthamburg.de/redlist/userp ... allfabrik/
Verschiedene Quellen berichten, dass der Senat dem Abriss inzwischen, trotz Denkmalschutz, zugestimmt hat. Das ist laut Hamburgischem Denkmalschutzgesetz möglich, wenn andere öffentliche Interessen das öffentliche Interesse des Denkmalschutzes überwiegen. Eine politische Entscheidung, keine fachliche.
Wie es dann demnächst dort aussehen wird, kann man hier sehen:
http://www.ece.de/presse/pressemeldunge ... 90164ccf35
Viele Grüße
Michael
Das Leben ist kurz, behauptet man.
Ansichtssache, sage ich. Die einen sind kurz, die anderen sind lang, und manche sind mittel.
Außerdem hatte ich noch dreizehneinhalb andere davon.
(Walter Moers, Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär)

Benutzeravatar
EPmuc
Forenuser
Beiträge: 592
Registriert: 09.08.2014 15:30
Ort/Region: Südbayern

Beitrag von EPmuc » 03.05.2017 22:13

Geht doch nichts über eine ansprechende Architektur :?
Wieder so ein Hallenklotz von der Stange :x
Gruß, Eugen
Heute ist das Morgen vor dem Du dich gestern gefürchtet hast.

Benutzeravatar
Djensi
Forenuser
Beiträge: 1878
Registriert: 28.08.2003 22:25
Ort/Region: Hamburg

Beitrag von Djensi » 04.05.2017 11:33

Moin,

das wäre sicher sehr schade um die Gebäude, aber deren Zustand ist erbärmlich, muss man leider so sagen. Für Hermes ist der Standort ideal, unmittelbare Anbindung an die B5/A1.
Das dann dort ein Zweckbau errichtet wird ist klar, aber es ist schließlich ein Industriegebiet. Wenn für dieses Gelände keine Zusage gegeben hätte, wäre eine Abwanderung ins Umland unausweichlich gewesen. Was da alles mit enormen Grünflächenverbrauch auf die grüne Wiese gestellt wurde, ist mindestens genauso katastrophal, wie der Verlust eines denkmalgeschützten Objektes. Da schlagen bei mir 2 Herzen in der Brust.

Grüße
Djensi

tobias
Forenuser
Beiträge: 146
Registriert: 03.02.2016 08:24
Ort/Region: hannover

Beitrag von tobias » 05.05.2017 10:05

Käpt´n Blaubär hat geschrieben:Moinsen,
Das ist laut Hamburgischem Denkmalschutzgesetz möglich, wenn andere öffentliche Interessen das öffentliche Interesse des Denkmalschutzes überwiegen. Eine politische Entscheidung, keine fachliche.
Das heisst wenn ein Großkonzern einen guten Standort gefunden hat gibt es automatisch ein öffentliches Interesse und dann muss der Denkmalschutz aufgehoben werden??!!

Geil >.<.....

Benutzeravatar
Djensi
Forenuser
Beiträge: 1878
Registriert: 28.08.2003 22:25
Ort/Region: Hamburg

Beitrag von Djensi » 05.05.2017 10:51

Hallo tobias,

nee, ganz so einfach ist es nicht. Zur Entscheidung, ob der Denkmalsschutz eine sekundäre Rolle spielt, kommen im Rahmen von Vorprüfungen eine ganze Menge anderer Dingen zum Tragen.
Beispielsweise ob es ein Nachnutzungskonzept und einen Investor gibt, der die Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt. Desweiteren Alternativprüfungen für den potentiellen Nachnutzer, der auf den Denkmalschutz keine Rücksicht nehmen kann/will usw., usw..

In diesem Fall steht diese Industriebrache seit Jahrzehnten zum Teil leer, geprägt von Zwischennutzungen, die absolut nicht zum Erhalt des Gebäudeensemble beigetragen haben.
Denkmalschutzverordnungen sind ohnehin weitgehend zahnlose Tiger. Das Objekt ist ja nicht erst mit den Verkaufsverhandlungen denkmalschutzwürdig geworden.
Bekanntermaßen soll Eigentum ja verpflichten, aber wie weit man einen Eigentümer verpflichten kann, ein denkmalschutzwürdiges Objekt baulich zu erhalten, ist mir nicht bekannt. Wenn der die Taschen auf links dreht, weil dort keine Mieteinnahmen zu erzeilen sind, die entsprechende Investitionen möglich machen, kann der Staat wohl wenig machen. Wäre sicher auch ein grundgesetzwidriges Verhalten in die Eigentumsrechte einzugreifen, stelle ich mal ganz laienhaft hin. :?

Grüße
Djensi

Mnevs
Forenuser
Beiträge: 41
Registriert: 05.07.2005 18:52
Ort/Region: Hamburg

Beitrag von Mnevs » 07.05.2017 12:53

Moin!
Hab dieses Thema heute erst gesehen,vor ein paar Jahren war ich fast täglich auf dem Gelände.
Ende der 90er Jahre hatte die Firma Still da ein Aussenlager für Fahrzeuge eingerichtet. Ich hab damals ne Weile bei Still auf dem Hof mit dem LKW den Werksverkehr gefahren und pendelte auf dem Böttcherhof, der Berzeliusstrasse und eben diesem Gelände bei Bedarf. Leider hab ich davon damals keine Ahnung gehabt und darum auch keine Bilder gemacht, und ich weiss leider auch nicht, bis wann Still das Gelände genutzt hat.

Benutzeravatar
Rex Danny
Forenuser
Beiträge: 234
Registriert: 03.01.2009 22:55
Ort/Region: Wriedel
Kontaktdaten:

Beitrag von Rex Danny » 08.05.2017 00:50

Die Villa auf dem nun demnächst eingeebneten Gelände wurde einige Jahre durch die Polizei Billstedt für Trainingszwecke genutzt. Dies ist nun aber auch schon längere Zeit Geschichte, da das Gebäude wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde.

Grüße


Rex Danny

Marek
Forenuser
Beiträge: 85
Registriert: 20.07.2005 16:21
Ort/Region: bei Hamburg

Beitrag von Marek » 14.05.2017 18:54

Vor nicht ganz zehn Jahren stand ich schon mal mit einer Kamera auf dem Gelände.
Damals wurde der Backsteinbau als gemischtes Lager für irgendwas in BigBags genutzt (Tür verrammelt, aber mit Kette so das man reinsehen konnte).

Die Villa sah damals irgendwie bewohnt aus. Wobei das nicht unbedingt der Geldadel war, der da wohnte....

Der Erhaltungszustand der Gebäude war auch damals schon sehr schlecht. Die Hallen waren praktisch entkernt, soweit man das sehen konnte.
Ich glauben nicht, das da besonders viel erhaltenswert ist, besonders da auch das Gesamtensable schon stark verändert wurde.

Die wenigen Bilder, die ich hatte, sind leider bei einem Festplattencrash verloren gegangen.

Benutzeravatar
Rex Danny
Forenuser
Beiträge: 234
Registriert: 03.01.2009 22:55
Ort/Region: Wriedel
Kontaktdaten:

Beitrag von Rex Danny » 15.05.2017 03:33

Die Villa wurde tatsächlich durch osteuropäische Arbeiter als Wohnraum genutzt. Ob das vor, nach oder während der Nutzung zu Übungszwecken geschah, kann ich heute leider nicht mehr sagen. Ich bin aber der Meinung, daß aufgrund der Einsturzgefahr diese Nutzung schließlich untersagt wurde. Ich weiß auch nicht mehr, ob diese Wohnnutzung überhaupt legal war oder nicht.

Grüße


Rex Danny

Benutzeravatar
Käpt´n Blaubär
Forenuser
Beiträge: 1218
Registriert: 25.05.2002 22:34
Ort/Region: Hamburg-Wandsbek

Beitrag von Käpt´n Blaubär » 22.06.2017 21:36

Moin!

Der Fall zieht inzwischen größere Kreise, wohl auch, weil er symptomatisch ist für den Stand des Denkmalschutzes in dieser Stadt.

Zeit online:
http://www.zeit.de/2017/20/denkmalschut ... len-abriss

Hamburger Morgenpost:
http://www.mopo.de/hamburg/historische- ... --27763642

Beitrag im NDR-Kulturjournal:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/k ... l5394.html

Viele Grüße
Michael
Das Leben ist kurz, behauptet man.
Ansichtssache, sage ich. Die einen sind kurz, die anderen sind lang, und manche sind mittel.
Außerdem hatte ich noch dreizehneinhalb andere davon.
(Walter Moers, Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär)

Antworten