die Anfrage von nordfriese: „Weißt du etwas über die Fliegertechnische Vorschule in …“ brachte mich dazu, diesen Institutionen weiter nachzugehen.
Es stellte sich sehr schnell heraus, dass dazu bisher sehr wenig veröffentlicht wurde und das Wenige sich auch noch zumindest zum Teil widersprach. In den Akten des Bundesarchivs taucht z.B. in ARGUS nur eine Akte in denen der Reichsanstalt für Wasser- und Luftgüte auf: R 154/10180 Fliegertechnische Vorschule (Landesjugendschule "Konrad Blenkle").- Landesjugendschule "Konrad Blenkle" (Fliegertechn. Vorschule).- Vaterswille b/Oranienburg, Reg. Bez. Potsdam 1942-1950
In den mir bislang bekannten Akten der Luftwaffe im Bundesarchiv/Militärarchiv tauchte er ebenfalls nicht auf. Auch im Plan „Unterbringung der Schulen, Erprobungs-Kdo. U. Ergänzungseinheiten d. Lw. (ohne Flakartl.)“ mit Stand 1.4.44 ist keine Fliegertechnische Vorschule eingetragen, nur die Fliegertechnischen Schulen und die höheren technischen Lehranstalten sind zu finden.
Dieses Ergebnis wird auch deutlicher, wenn man sich die rechtlichen Grundlagen betrachtet:
Quelle: http://www.deutsche-rentenversicherung- ... 1NR1R3.4.3
Militärschüler Fliegertechnischer Vorschulen
Die Fliegertechnischen Vorschulen waren eine militärische Einrichtung des Reichsluftfahrtministeriums und hatten die Aufgabe, 14- bis 15-jährige Jungen durch gründliche technische und vormilitärische Ausbildung zu Soldaten der Luftwaffe heranzubilden.
Die Militärschüler der Fliegertechnischen Vorschulen wurden im Allgemeinen für bestimmte Berufe, wie z. B. Metallflugzeugbauer, Maschinenschlosser, Elektromechaniker u. ä. ausgebildet. Die Ausbildung erfolgte in Lehrwerkstätten, Betrieben und Werkberufsschulen der Luftfahrtindustrie und dauerte insgesamt vier Jahre. Grundsätzlich nach einer Lehrzeit von 3½ Jahren wurde die Facharbeiter- bzw. Gesellenprüfung abgelegt. Das letzte Halbjahr war der Ausbildung in einem besonderen Übungsfeld vorbehalten. Nach Abschluss der 4-jährigen Ausbildung war eine Verpflichtung auf einen weiteren 4½-jährigen Dienst bei der Luftwaffe vorgesehen.
Die Militärschüler waren, soweit sie für einen Beruf ausgebildet wurden, nach dem Charakter ihres Dienstes Lehrlinge und haben insoweit keinen militärischen Dienst nach § 2 BVG geleistet. Nach dem BSG-Urteil vom 08.07.1969 - 9 KV 380/67 - liegt dagegen militärähnlicher Dienst und damit eine Ersatzzeit für die Zeit einer vormilitärischen Ausbildung vor. Diese kann regelmäßig erst nach Abschluss der Lehrzeit beginnen.
Sollte die Ausbildung nicht wie vorstehend dargestellt als Lehrling in Lehrwerkstätten, sondern ausschließlich als Militärschüler bei der Fliegertechnischen Vorschule erfolgt sein, ist grundsätzlich militärähnlicher Dienst (§ 3 Abs. 1 Buchst. h BVG) und damit Ersatzzeit zu unterstellen.
Im Fachjournal „MILITARIA“ ist im Heft 2/2009 ein Artikel von Klaus D. Patzwall: „Die Militärschüler der Fliegertechnischen Vorschulen 1937-1945“ erschienen. Dieses Heft befindet sich nicht in meinem Besitz.
Nach den bisher von mir ausgewerteten unterschiedlichen Informationen soll es zwischen 30 und 35 dieser Schulen gegeben haben. In der nachfolgenden Liste aufgeführte Ortsangaben habe ich fett dargestellt, wenn die Angaben in mindestens zwei Quellen auftauchte:
Augsburg-Haunstetten Arberstraße (später TBC-Klinik St. Albert) Ausbildung bei der Messerschmitt AG
Berlin-Reinickendorf Adresse und Ausbildungsstelle unbekannt
Berlin-Rudow Adresse und Ausbildungsstelle unbekannt
Berlin-Spandau Adresse und Ausbildungsstelle unbekannt
Berlin-Wedding Adresse und Ausbildungsstelle unbekannt
Brandenburg/Havel
Braunschweig-Waggum oder Querum
Bremen-Hemelingen = Sebaldsbrück laut http://www.relikte.com/brm_focke_wulf/
Bremen-Oslebshausen laut Buch von F. Herbert Wenz - Flieger-Technische Vorschule der Luftwaffe in Bremen-Oslebshausen
Alleine hier erhebt sich schon die Frage: Gab es drei, zwei oder nur eine FlTV?
Dessau = Dessau-Alten Heute ist das Städtische Klinikum Dessau auf dem Gelände
Eisenach Am Weinberg 1, Ausbildung im BMW-Flugmotorenwerk, heute Hotel
Erlangen
Friedrichshafen Seemooser Horn
Gotha Kindlebener Straße Ausbildung in der Gothaer Waggonfabrik
Hakenfelde (Berlin)
Hamburg
Kassel-Altenbauna Henschel-Flugmotorenbau GmbH
Köthen Siebenbrünnerpromenade, später Krankenhaus Süd
Leipzig-Grosszschocher = Leipzig-Grünau: Schönauer Straße 160, Ausbildung bei ATG, heute Ruth-Pfau-Schule
Magdeburg
München BMW-Flugmotorenwerk
Neubrandenburg
Oranienburg = "Vaters Wille ü. Velten/Mark" westlich Leegebruch (auch Bärenklau), nach 1945 Landesjugendschule der Freien Deutschen Jugend "Konrad Blenkle"
Oschersleben Ausbildung bei AGO (Gebäude nicht mehr vorhanden)
Reichenberg (heute Liberec/CZ)
Rostock-Groß-Klein F.-M.-Scharffenberg-Weg 4, 4a und 5 Ausbildung bei Heinkel in Marienehe oder bei Arado Warnemünde-Groß-Klein
Stettin
Stolp-Reitz
Suhl auf der Hofleite Ausbildung bei Krieghoff Spätere Nutzung: Bezirksverwaltung Suhl des MfS
Taucha Ausbildung in Mitteldeutsche Motoren-Werke, Gebäude abgerissen
Als weitere mögliche Standorte wurden noch genannt:
Bad Neustadt (welches?)
Lübeck
Wer kann und möchte zu diesen Angaben Ergänzungen beitragen? Vielleicht gelingt es ja, auf diesem Weg etwas mehr Klarheit in die Geschichte hineinzubringen.
MfG
Zf
P.S. Angefügt die .kmz-file der bisher bekannten genauen Standorte der FlTV