Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

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K Pagel
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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von K Pagel » 02.09.2021 16:29

… Was treiben die Franzosen denn da so weit oben!? …
Ich vermute, wegen der größeren Peilbasis (also dem Abstand zwischen den äußeren Peilposten). Bei KW-Peilungen braucht man für genauere Peilungen über große Entfernungen (sogenannte Peiltiefe) eine entsprechend große Peilbasis. Ist die Peilbasis zu klein, laufen die Standlinien der einzelnen Peiler bei großen Entfernungen fast parallel und man bekommt keine „richtigen“ Schnittpunkte.
Ich war zwar nur Peiltruppführer UKW, aber das Prinzip ist ähnlich.

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Hesse
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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von Hesse » 07.09.2021 14:11

Danke für die ausführliche Erklärung, aber müsste für eine Peilung im Sinne von Punktpeilung nicht noch ein paar mehr davon angebracht werden?
ich kenne das nur aus der Flugsicherung, mit den VOR´s, die haben ja immer einen direkten Bezug zu einem Objekt.
Gruß Markus
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K Pagel
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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von K Pagel » 07.09.2021 19:33

Ja, klar. Mit nur einem Peiler kann man nur die Richtung bestimmen (sogenannte „Standlinie“). Zur (groben) Standortbestimmung benötigt man mindestens zwei Peiler, deren Standlinien sich kreuzen. Genauer wird es erst mit drei und mehr Peilern, deren Standlinien sich auch nur im Idealfall alle in einem Punkt kreuzen. Aufgrund von Gerätefehlern oder Ungebungseinflüssen (wir nannten das „Ortsfehler“) erhält man bei der Peilauswertung eine mehr oder weniger große Fläche, in der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die zu peilende Funkstelle befindet.
Die Franzosen werden ja nicht nur den einen Peiler betrieben haben sondern mehrere, von Norddeutschland wahrscheinlich bis nach Frankreich. Die Standorte der anderen Peiler sind mir aber nicht bekannt.

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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von Hesse » 09.09.2021 09:26

"Mit nur einem Peiler kann man nur die Richtung bestimmen (sogenannte „Standlinie“). Zur (groben) Standortbestimmung benötigt man mindestens zwei Peiler, deren Standlinien sich kreuzen. Genauer wird es erst mit drei und mehr Peilern, deren Standlinien sich auch nur im Idealfall alle in einem Punkt kreuzen. Aufgrund von Gerätefehlern oder Ungebungseinflüssen "

Das meinte, ich danke..so macht das einen Sinn!
Gruß Markus
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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von Gunna » 31.10.2021 10:49

Unsere französischen Freunde haben nachhaltig Interesse an der Anlage..
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

cebulon66
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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von cebulon66 » 04.11.2021 11:29

K Pagel hat geschrieben: 07.09.2021 19:33 Ja, klar. Mit nur einem Peiler kann man nur die Richtung bestimmen (sogenannte „Standlinie“). Zur (groben) Standortbestimmung benötigt man mindestens zwei Peiler, deren Standlinien sich kreuzen. Genauer wird es erst mit drei und mehr Peilern, deren Standlinien sich auch nur im Idealfall alle in einem Punkt kreuzen. Aufgrund von Gerätefehlern oder Ungebungseinflüssen (wir nannten das „Ortsfehler“) erhält man bei der Peilauswertung eine mehr oder weniger große Fläche, in der sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die zu peilende Funkstelle befindet.
....
Jein. Die frz Peilanlage ist eine ähnliche wie die ROHDE & SCHWARZ ADD011, die sich auf freiem Feld direkt südl. der bekannten 'KASTAGNETTE' (noch ?) befindet.
R & S schreibt zum ADD011 :
Anordnung von 9 Antennenelementen (Kreuzrahmen-Elemente HP011) auf einem Kreis von 50 m Durchmesser verteilt; ideal zur Erfassung von steil einfallenden Raumwellen geeignet; Möglichkeit, Antennenelemente an den Drehsinn der meist zirkularen oder elliptischen Polarisation anzupassen; ebenfalls zum Empfang von (vertikal polarisierten) Bodenwellen geeignet.
Weiter schreibt R & S hier https://cdn.rohde-schwarz.com/pws/dl_do ... nas_de.pdf:
Das korrelative Interferometer ermittelt neben dem Azimut-Wert eines Signals auch dessen Elevation. Damit bietet es den Vorteil, mit nur einem Peiler unter Einbeziehung der Ionosphäre den Standort eines Senders ermitteln zu können (SSL: Single Station Location). Voraussetzung dafür ist, dass das Signal an der Ionosphäre nur einmal reflektiert wird (Single-hop Propagation).
Demnach reicht schon eine Station (zwei oder mehr sind natürlich besser ... :-) ).

Empfehle auch das Fachbuch "Funkpeiltechnik - peilen, orten, navigieren, leite, verfolgen" von Rudolf Grabau/Klaus Pfaff;
oder hier Dokument-2 https://www.radiomuseum.org/forum/anten ... er_bw.html

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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von cebulon66 » 04.11.2021 15:57

Ergänzung:
ich habe zum TRC 6500 noch diese Seite gefunden, die das System gut beschreibt:
https://www.thalesgroup.com/en/markets/ ... ons/land-2
Zweckbestimmung also: Strategic network monitoring

Ich hatte mir vor Jahren auch die Antennenelemente N° 1058 und 1053 näher angeschaut. Wie auf dem auch bereits gezeigten Fabrikations-Schildchen zu sehen ist sind die Rahmenantennen wohl im Juni 1990 (06/90) hergestellt worden.

Die fernbediente Peil-Stellung scheint trotz des zumindest damals (2014) z.T. desolaten Zustand des Holzzaunes, aber auch des nun gesichteten frz. Mil-LKW, noch immer in Nutzung zu sein, also (noch) kein lost place.
Nutzer ist (vermutl.) das 44e régiment de transmissions aus Mutzig, Elsaß/FRA sein.
https://fr.wikipedia.org/wiki/44e_r%C3% ... nsmissions

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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von bettika » 25.11.2021 11:26

Gunna hat geschrieben: 31.10.2021 10:49 Unsere französischen Freunde haben nachhaltig Interesse an der Anlage..
Hallo,
lt wiki https://de.wikipedia.org/wiki/Flugplatz_Kaltenkirchen sollen die Anlagen entfernt worden sein
Mit der Abgabe des Standortübungsplatzes wurde auch diese Peilanlage aufgegeben, allerdings wurden weder die Antennen noch das Gebäude für die Empfangstechnik abgebaut. Dadurch hatten sich in den letzten Jahren zahlreiche Verschwörungstheorien entwickelt, dass die Anlage von den französischen Streitkräften noch betrieben wird und es wurde immer wieder von angeblichen Militärfahrzeugen mit französischen Kennzeichen berichtet, die auf dem Gelände abgestellt wurden. Dadurch wurde der nachfolgende Eigentümer des Geländes genötigt, diesen Verschwörungstheorien ein Ende zu setzen und hat im Herbst 2021 alle Antennen, alle Kabel und auch das Tor restlos entfernen lassen, sodass Heute dieses Gelände nur noch eine Freifläche ist.
leider ohne Quellenangabe .
Ob auch unsere Beiträge zu den "Verschwörungstheorien" zählen :mrgreen: ?

Grüsse
Beate
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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Re: Französische Peilanlage in Kaltenkirchen

Beitrag von cebulon66 » 27.11.2021 13:49

... und hat im Herbst 2021 alle Antennen, alle Kabel und auch das Tor restlos entfernen lassen, sodass Heute dieses Gelände nur noch eine Freifläche ist.
War denn mal jemand in den letzten vier Wochen - also nachdem @Gunna dort die Franzosen gesehen hat - vor Ort und hat mal nchgeschaut ?
Sonst muss ich die Tage mal einen längeren Ausflug dorthin unternehmen ... ;)

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