Zentrale Reichssegelflugsschule des Gaus Thüringen

Verkehrsgeschichte - Bauwerke der zivilen Luftfahrt
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pigasus
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Zentrale Reichssegelflugsschule des Gaus Thüringen

Beitrag von pigasus » 17.10.2007 22:38

Bei einem Besuch der Jugendherberge auf dem Harsberg im Sommer stellte ich fest, dass das Gelände eine interessante Geschichte hat, hier lag nämlich u.a. die Zentrale Reichssegelflugschule des Gaus Thüringen:

Mit einem Probeflug des Deutschen Luftssportverbandes DLV begann 1932 die Geschichte des Segelflugs auf dem Harsberg bei Lauterbach in der Nähe von Eisenach. Ende des Jahres folgte der Beschluss, auf dem Harsberg mit finanzieller Unterstützung des Landes Thüringen neben der Wasserkuppe eine zweite Segelflugschule zu errichten. 1933 ging der DLV im NSFK (Nationalsozialistischen Flieger-Korps) auf, auf dem Harsberg wurde die zentrale Reichs-Segelflugschule des Gaus Thüringen errichtet und die Zufahrtsstraße wurde ausgebaut. 1934 wurde die Baugenehmigung für einen Hangar für 24 Segelflugzeuge, ein Unterkunftsgebäude und ein Wohnhaus erteilt, die noch im selben Jahr fertig gestellt wurden.

1934 wurde die Ausbildung begonnen. In 3-wöchigen Kursen wurde jeweils etwa 100 Jugendlichen das Segelfliegen beigebracht. Der Krieg verhinderte zwar den Bau der geplanten zweiten Straße, die Ausbildung wurde aber bis zur Besetzung durch amerikanische Truppen im April 1945 nicht unterbrochen, das Reich hatte einen großen Bedarf an Piloten und am Ende kaum Zeit zur Ausbildung. Eine Segelflugausbildung als Grundlage war da hilfreich. Zur Flugausbildung kam bald schon auch ein militärischer Teil, für viele Piloten folgte der Kriegsdienst auf die Flugausbildung.

Nach dem Krieg kamen für kurze Zeit einige Familien in den Gebäuden unter, anschließend ein holzverarbeitender Betrieb und schließlich eine FDJ-Schule.
Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) übernahm 1952 das Gelände.

1954 wurde das Hauptgebäude gebaut, indem eine Zeit lang das "Erich Weinert Ensemble" der Grenztruppe n der Nationalen Volksarmee einquartiert wurde. 1959 fand der letzte Segelflug statt, da die Fliegerei wegen der Nähe zur innerdeutschen Grenze verboten wurde. Die GST gab das Gelände dann 1960 an die Gemeinde Lauterbach ab. Die Gebäude gingen an das Innenministerium, die sie bis zur Wiedervereinigung für die Grenztruppen nutzte und das Offizierswohnhaus bauen ließ. Das alte Unterkunftsgebäude wurde vermutlich in den 80ern abgerissen.

Mit der Wiedervereinigung kam der Flugsport wieder auf den Harsberg, heute sind Drachen- und Gleitschirmflieger regelmäßige Gäste.

Seit 2002 laufen die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen, so dass der heute unter Denkmalschutz stehende Hangar als Veranstaltungsraum zur Verfügung steht. Das Hauptgebäude ist heute Jugendherberge (2006 eröffnet), im Offiziershaus ist 2007 ein Informationszentrum des Nationalparks Hainich eröffnet worden.

Neben den erwähnten Gebäuden gibt es einige Relikte aus der Geschichte des Harsbergs: eine Zisterne, die Fundamente der Latrine mit den typischen Öffnungen, der ebenso typische Kasernenzaun und alte Kanaldeckel vor dem Hangar (bereits vorgestellt).

Im und am Nationalpark Hainich, der direkt hinterm Haus anfängt, gibt es weitere interessante Plätze, so eine ehemalige Werkstatt der NVA "mitten in der Gegend" (heute "Wildkatzenkinderwald"), einen Agrarflugplatz, einen russischen Übungsplatz... LostPlacler mit Kindern sind in der tollen Jugendherberge gut untergebracht und können unauffällig ihrem Hobby nachgehen :)

Christoph
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pigasus
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Beitrag von pigasus » 17.10.2007 22:44

noch ein paar Bilder:
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Harsberg

Beitrag von Harsberg » 26.06.2011 08:46

1960 war auf dem Harsberg eine Unteroffiziersschule der DGP untergebracht

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Harsberg & Lauterbach

Beitrag von HSE24 » 21.02.2017 09:52

1934/45: Zentrale Reichssegelflugschule des Gaus Thüringen
1945/52: Wohnungen, Holzbaubetrieb
1952/60: GST Modellbauschule, Segelflugbetrieb
1960/71: Ausbildungsobjekt - U Schule der Grenzpolizeibereitschaft Eisenach
1971/73: 1.UAbK US VII Glöwen
1974/75: Ausbildung von Militärangehörigen zur späteren Unabhängigkeit VR Angola und Mocambique durch Grenztruppen
1975/89: Pionierkompanie 1
1989/90: Pionierkompanie GKK 304 Eisenach
1990/95: Standort AVA (Werk Harsberg)
1995: Infozentrum Naturpark Hainich und Jugendherberge

https://postentreffpunkt.de wer mehr zu den Standorten aus der Grenzsicherung erfahren möchte.
Privat immer auf der Suche nach neuen Dingen zwischen 1945 und 1990 zur Geschichte der Grenzsicherung

Geometer
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Re: Zentrale Reichssegelflugsschule des Gaus Thüringen

Beitrag von Geometer » 13.07.2019 20:11

Hier die alte Segelflugschule und der Hangar im aktuellen Luftbild.
Gruß Geometer

Segelflugschule Harsberg 8 Luftbild mit Beschreibung.jpg
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Re: Zentrale Reichssegelflugsschule des Gaus Thüringen

Beitrag von Geometer » 07.10.2019 20:35

Zum Status der Segelschule Harsberg hier noch eine Anmerkung.
In der Zeitschrift "Der Adler"
Sonderheft 20 Jahre deutscher Segelfug
(Herausgegeben unter Mitwirkung des Reichsluftfahrtministeriums)
vom 5.Sept. 1939

steht neben der "Zeichnung Hainisch":
An regionalen Segelflugschulen des NSFK gibt es heute folgende 17:
... Harsberg (NSFK-Gruppe 8)Lauterbach/Thür.

An Reichssegelflugschulen wurden zu dieser Zeit vier Stück aufgeführt.
Rositten, Laucha, Wasserkuppe und Ith

Harsberg muss erst nach dieser Zeit den Status einer Reichssegelflugschule bekommen haben.

Neben den sieben überregionalen Schulen (Reichssegelflugschulen, Reichsschulen für Segelflugsport und einem hochalpinen Segelfluglager) gab es zu dieser Zeit 451 weitere Segelfluggelände.
Quelle: www.oslm.de Oberschlesisches Landesmuseum
"Vom Sportverein zum Fliegerhorst"

Unterhalb der regionalen Segelflugschulen gab es noch zahlreiche Segelflugübungstellen.

Gruß Geometer

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