U-Verlagerungen in Reichsbahntunneln Deckname "Meise''

Rüstungsindustrie, Waffen- und Munitionsproduktion, Munitionsanstalten, Tanklager, Depots, U-Verlagerungen etc.
Antworten
dubbeln

U-Verlagerungen in Reichsbahntunneln Deckname "Meise''

Beitrag von dubbeln » 06.05.2009 00:39

Die Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen "Meise" (oder auch "Meise 1") befand sich in einem Reichsbahntunnel bei Schwelm im Bergischen Land. Genauer gesagt waren, beziehungsweise sind es zwei Tunnel, die parallel durch den Linderhausener Berg von Süden nach Norden (und umgekehrt natürlich auch) verlaufen. Die beiden Eisenbahntunnel stehen im standfesten Gebirge, welches sich überwiegend aus Grauwacken und Kalksteinschichten zusammensetzt. Die Überdeckung im mittleren Tunnelbereich ist mit über 60 Metern mehr als ausreichend für eine bombensichere Produktionsstätte. Besonders deutlich wird die Kalksteinschicht am Südportal des Westlichen Tunnels. Dort befindet sich in der ersten Ausweichbucht (AB) das Mundloch der Schwelmer Tunnelhöhle, einer kleinen Wasserführenden Naturhöhle (Ponorhöhle), welche zufällig beim Tunnelbau angeschnitten worden ist. In dem Östlichen Tunnel befindet sich ebenfalls eine kleine Höhle, die auf den Namen "Lehmhöhle" hört. er östliche Tunnel (Linderhausener Tunnel) hat eine Länge von 935 Metern und beherbergte das Herzstück, die eigentliche Produktionsstätte der Anlage Meise. Der westliche Tunnel (Schwelmer Tunnel) ist etwas kürzer (742 Meter) und diente der U-Verlagerung als Bahnhof für die Arbeiter und als Bombensichere Verladestation für das Material und die Flugzeuge. Der Umbau des Reichsbahntunnels zur unterirdischen Rüstungsfabrik begann im Sommer 1944. Das Projekt "Meise 1" gehörte zum Jägerstab und war ein sogenanntes A-Projekt. Der Jägerstab war für die bombensichere Unterbringung von Flugzeugfabriken zuständig und ein "A-Projekt" war die Untertage-Verlagerung in ein schon bestehenden unterirdischen Hohlraum, wie zum Beispiel Bergbaustollen, Bunker und eben Reichsbahntunnel. Oberaufsicht und Leitung des Projektes "Meise 1" hatte wie bei fast allen Untertage-Verlagerungen die Organisation Todt (OT), welche die Planung übernahm und die Zwangsarbeiter beschaffte, die die Umbauarbeiten durchführen mussten. Die Gleise und das Schotterbett wurden entfernt, der Boden wurden betoniert damit die Maschinen einen sicheren und festen Stand hatten. Unter der Firste wurde über die gesamte Länge des Tunnels ein Schwerlastkran installiert, an dem die Flugzeuge und Teile wie am Fließband zu den einzelnen Stationen im Tunnel gebracht werden konnten. Ausserdem wurden die an der Tunnelwand liegenden Wasserrinnen verrohrt und an beiden Enden des Reichsbahntunnels ein Gebläse zur Bewetterung der U-Fabrik errichtet.
Die Firma Gottlob Espenlaub aus Wuppertal-Langerfeld bezog noch während der Umbauarbeiten den Tunnel und begann am 23.10.1944 mit dem Betrieb in diesem, neuen bombensicheren Ausweichwerk. Die Tunnelportale wurden übrigens nicht wie üblich zugemauert. Die interne Bezeichnung für die U-Verlagerung Meise in der Flugzeugbaufirma Espenlaub war "Werk 4" oder "Ausweichwerk 1". Die Firma Espenlaub Flugzeugbau war neben den Firmen Homann, Vorwerk, Jäger und I.G.Farben eine der grössten Rüstungbetriebe in Wuppertal mit drei oberirdischen Werken und ebenfalls drei unterirdischen Produktionstätten:

Werk1 - Spitzenstrasse
Werk 2 - am Langerfelder Güterbahnhof mit eigenem Flugplatz
Werk 3 - Schwelmer Strasse
Werk 4 - U-Verlagerung Meise in Schwelm (dieser Bericht)
Werk 5 - U-Verlagerung Falke (Reichsbahntunnel Präsident Höft)
Werk 6 - U-Verlagerung Blutstein ( Stollenneubau im Ehrenberg)


Heute erinnert nur noch wenig an das einstige Treiben in den Tunneln. Beide Tunnel wurden nach dem Krieg wieder für den Eisenbahnverkehr hergerichtet und genutzt, wobei der Schwelmer Tunnel heutzutage wieder stillgelegt ist.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Benutzeravatar
pigasus
Forenuser
Beiträge: 430
Registriert: 02.06.2006 23:54
Ort/Region: Lohmar
Kontaktdaten:

Beitrag von pigasus » 15.01.2010 22:29

Hallo,

zur Schwelmer Straße - Werk 3: Heute hatte ich Pläne auf dem Tisch für den Umbau eines Bunkers in der Schwelmer Straße in Wohnungen, Hochbunker mit 3 Etagen und 110er Außenwänden. Kann das Werk 3 sein?

Christoph
Es gibt 10 Arten Menschen: solche, die binär denken, und solche, die das nicht tun.

dubbeln

Beitrag von dubbeln » 15.01.2010 23:19

absolut: NEIN...War drin und habe den Bunker begutachtet. Er ist nur Luftschutzbunker, mehr nicht ;)

Röckebecke
Neu im Forum
Beiträge: 1
Registriert: 30.07.2019 22:45
Ort/Region: Remscheid

Re: Bunker Langerfeld

Beitrag von Röckebecke » 31.07.2019 01:37

pigasus hat geschrieben:
15.01.2010 22:29
Hallo,

zur Schwelmer Straße - Werk 3: Heute hatte ich Pläne auf dem Tisch für den Umbau eines Bunkers in der Schwelmer Straße in Wohnungen, Hochbunker mit 3 Etagen und 110er Außenwänden. Kann das Werk 3 sein?

Christoph
Hallo,
das führt bei mir zu Magenkrämpfen.
Aber nur, weil ich den Bunker seit 1960 kenne!
Das ist ein Hochbunker, der vor einigen Jahren für Wohnzwecke umgebaut werden sollte.
Der Firma ging das Geld aus. Neue große Fenster sind drin, halbfertig. Hätte nie was mit Espenlaub zu tun.
Das Werk 3 am südlichen Rand war Ecke Schwelmer Str./Dieselstr.
Gebäude stehen noch. um 1970 war eine Spedition drin ( Nicht Wohlfahrt/ auch nicht Löwe ).
ich hatte mich schon in den 60ern über die relativ hohen „Falttüren“ gewundert.
Eines Tages erzählte mir der Sohn von dem Feuerwehrchef, dass im Krieg ein paar Stukas
stationiert waren. können nur wenige gewesen sein.
ca. 1974 bekam ich einen 2T-Motor, F+S, stationär .
Der Feuerwehrchef(Heinz) erzählte, er sei aus Kriegszeiten, Antrieb einer Pumpe für Flugbenzin
auf dem Langerfelder Flughafen. Ich habe neue Kolbenringe eingebaut und neue Lager.
Die Leute wollten den für einen Campingplatz in Wipperfürth gebrauchen.
in der Nähe des Altersheim in Langerfeld habe ich mit einem Freund ca. 1965 einen angefangenen
Stollen im Rohbau entdeckt. am Beginn ca. 3-4 m hoch, dann 6-7 m hoch, ca. 30 - 40 m tief.
Keine Reste von Werkzeugen oder ähnlichem. Der Boden vor dem Eingang war sehr eben, in dem
Stollen auch. in der hinteren Hälfte lagen große Gesteinstrümmer wirr durcheinander.
Als ob man mitten in der Arbeit aufgehört hätte.
Der Höhenzug hinter dem Altersheim hat den Namen Ehrenberg!
Ein paar Wochen später erzählte mein Freund, der Eingang sei zugemauert.
Anfang der 60er standen in der Fleute neben der Autobahn Ziegelbauten mit Schrägdach.
mit 2 Meter hohen Schriftzeichen „ Du bist tot ohne Jesus „. Stammte auch von Espenlaub.
Ob die Ziegelbauten in Kriegszeiten entstanden oder später ?
Wir haben die Schrift ca. 10 Jahre (vom Wohnzimmer unserer Eltern ) immer im Blickfeld gehabt.
Heute steht da ein Neubau von EDE.
Ich hoffe, meine Anmerkungen kommen noch an.
Mit freundlichen Grüßen
Röckebecke

Benutzeravatar
pigasus
Forenuser
Beiträge: 430
Registriert: 02.06.2006 23:54
Ort/Region: Lohmar
Kontaktdaten:

Re: U-Verlagerungen in Reichsbahntunneln Deckname "Meise''

Beitrag von pigasus » 26.11.2019 22:16

Danke, das kam an, wenn auch etwas verspätet.
Es gibt 10 Arten Menschen: solche, die binär denken, und solche, die das nicht tun.

Antworten

Zurück zu „Zweiter Weltkrieg - Rüstungsindustrie / Logistik“