Thingstätte(n)

Nichtmilitärische Zweck- und Repräsentationsbauten und -Projekte des Nationalsozialismus 1933-1945
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mucimuc
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Thingstätte(n)

Beitrag von mucimuc » 03.06.2009 13:47

Ich fand im Forum nichts über diesen Ort, der doch ein bemerkenswertes Relikt aus der Zeit ist, als man in die sogenannte Bewegung pseudoreligiöse Züge einbaute und "die Sache" mythisch verklärte. Die Thingstätten waren nicht sonderlich lange zentraler Teil der NS-Folklore, sie sind eher ein Relikt der Frühzeit der "Massenveranstaltungen".

Nichtsdestotrotz ist es interessant, wie weitgehend unbeachtet Relikte dieser Stätten heutzutage erhalten sind.

Ich fange hier mal mit der 1935 eröffneten Thingstätte auf dem Heiligenberg in Heidelberg an. Ich habe mir bei lokalen Verwandten (danke!) sagen lassen, daß die Stätte nicht zu allen Zeiten so verschlafen im Wald liegt, sondern durchaus auch hin und wieder gewisse Treffen verwirrten Nachwuchses stattfinden, dessen "Haartracht" üblicherweise quantitativ mit dem Denkvermögen korrespondiert.

Glücklicherweise sind deutliche Spuren hiervon, z. B. in Form der zweifelhaften Schmierereien nicht zu finden. Mir fallen Gegenden ein, in denen das wohl kaum denkbar wäre.
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mucimuc
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Beitrag von mucimuc » 03.06.2009 13:49

weiter...

Alle Bilder vom März 2009.
Siehe auch z. B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Thingst%C3 ... eidelberg)
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Re: Thingstätte(n)

Beitrag von kuhlmac » 03.06.2009 17:14

mucimuc hat geschrieben:Ich fand im Forum nichts über diesen Ort, der doch ein bemerkenswertes Relikt aus der Zeit ist, als man in die sogenannte Bewegung pseudoreligiöse Züge einbaute und "die Sache" mythisch verklärte. Die Thingstätten waren nicht sonderlich lange zentraler Teil der NS-Folklore, sie sind eher ein Relikt der Frühzeit der "Massenveranstaltungen".

Nichtsdestotrotz ist es interessant, wie weitgehend unbeachtet Relikte dieser Stätten heutzutage erhalten sind.
Wo Du recht hast, hast Du recht... Nun stellt sich natürlich die Frage nach dem "lost", aber die "Zweckbindung" ist auf jeden Fall wohl "lost", ganz klar.
Allerdings hat sich die Nachkriegszeit da auch bedient. Immerhin hat es die TS in Heidelberg bis in die Wiki geschafft:
http://de.wikipedia.org/wiki/Thingstätte_(Heidelberg)
Und da steht doch glatt " .. Einige Jahre lang hielt die US-amerikanische Gemeinde in Heidelberg ihre Ostersonnenaufgangsfeier auf der Thingstätte ab " - was ich noch nicht wusste. Auch sonst ist das recht interessant erläutert.

Thingstätten gab es ja nicht nur dort; mein "Favorit" ist natürlich die TS in Vogelsang. Klein, aber fein, wenn man das so sagen kann. Und die Nutzung bis Kriegsbeginn ist bei beiden ja geschehen.

Wiki hat sogar eine Liste:
http://de.wikipedia.org/wiki/Thingplatz

Fotos aus VS:
http://www.bonnorama.de/2060.html
http://www.roland-harder.de/relikte_dri ... tplatz.jpg

Es grüßt aus der Heimat
Christian

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Beitrag von mucimuc » 03.06.2009 17:30

Nun gut, kuhlmac, natürlich ist der Ort bzw. die Anlage nicht lost, denn dann wäre sie ja verschwunden.

Aber mal ganz blöd gefragt: Gilt das nicht für nahezu alle Themen hier? Wir befassen uns ja nahezu ausschließlich mit den vorhandenen Relikten von Orten und Dingen, deren Zeit vorbei ist, oder nicht?

Grüßle
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Beitrag von Fieldmouse » 03.06.2009 20:51

Hi,
hier kann man noch ein paar Thingplätze mit vielen Fotos finden....
www.thirdreichruins.com/thingplatz.htm
Ansonsten ein sehr interessantes Thema,
da Thingstätten noch nicht so sehr als NS-Bauten bekannt sind.
Gruß Fm.

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Beitrag von chris70 » 04.06.2009 00:34

... ist deshalb vielleicht nicht lost, weil sie als Tingstätte erhalten ist, d.h. jeder kennt ihren Ursprung.
Zu der heutigen Nutzung ist anzumerken, dass sie in erster Linie als Konzert- und Veranstaltungsbühne verwendet wird (v.a. am 1. Mai) (und da sind v.a. Studis am Werk und keine Nazis...)
:-)
"Das Dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass man nie weiß, ob sie wahr sind" Leonardo da Vinci

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Beitrag von ruine13 » 04.06.2009 10:11

chris70 hat geschrieben:... ist deshalb vielleicht nicht lost, weil sie als Tingstätte erhalten ist, d.h. jeder kennt ihren Ursprung.
Völlig lost ist diese kleine Thingstätte in Duisburg im Mattlerbusch. Bis auf einen kurzen Abschnitt in einem Schulbuch zur Stadtgeschichte von 1938 und einem kurzen Absatz auf der HP einer Schule habe ich dazu bisher noch nicht mehr gefunden:

"In der Mitte des Waldes liegt die Dingstätte. Dort versammelt sich an nationalen Feiertagen und am Sonnenwendfeste die Hitler-Jugend. Dann werden Sonnenwendfeuer abgebrannt und Flammensprüche gesprochen. Dann flattern an den Masten die Hakenkreuzfahnen und Wimpel. "

"Im Mattler Busch wurde damals eine Wiese als Thingplatz genutzt und sollte an die "germanische" Vergangenheit erinnern. Hier war auch ein großer Opferstein und es standen mehrere Fahnenmasten dort. Hierhin zogen mit ihren Wimpeln, besonders sonntags, die Kinder- und Jugendgruppen der Hitlerjugend. Man sang Lieder und trug Gedichte vor. Der Abend war den Erwachsenen vorbehalten. Auf dem Opferstein wurden häufig auch Feuer entfacht. Heute sieht man kaum noch etwas davon. Der Opferstein ist verschwunden und die Fahnenmasten sind von Gestrüpp überwuchert." (http://www.du.nw.schule.de/mattlerbusch ... ttlerbusch)

Bis auf die zwei Halterungen für die Masten ist dort heute nichts mehr zu finden. Auf der TK erkennt man noch sehr schön den eigentlichen Grundriss. Aus Copyrightgründen kann ich sie aber leider nicht einstellen.

Viele Grüße

Markus
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Beitrag von Markus » 04.06.2009 13:01

Fieldmouse hat geschrieben:Hi,
hier kann man noch ein paar Thingplätze mit vielen Fotos finden....
www.thirdreichruins.com/thingplatz.htm
Ansonsten ein sehr interessantes Thema,
da Thingstätten noch nicht so sehr als NS-Bauten bekannt sind.
Gruß Fm.
Danke für den Link. Das ist ja sehr interessant. Ich wußte z.B. noch gar nicht, daß die Freilichtbühne der Karl-May-Festspiele in Bad Seegeberg auch einen "Thing"-Ursprung hat. Muß ich mir demnächst mal genauer ansehen, wenn "DerSchatz im Silbersee" geboten wird.
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Beitrag von Bobbele » 04.06.2009 15:02

Hallo zusammen,

ich bin etwas irritiert, aber man lernt ja immer dazu. Mit dem Begriff Thingstätten hätte ich nie die NS-Zeit in Verbindung gebracht. Den Begriff "Thingstätte" haben aber nicht die Nazis erfunden. Ich kann mich erinnern, als Kind irgendwo in Dänemark an einer Wikinger Thingstätte gewesen zu sein. Ich weiß nur nicht mehr wo, ist zu lange her. Thingstätte hatte ich immer mit dem hohen Norden, Sandinavien verbunden, aber das Nordische passt ja ins Nazi-Konzept.
Viele Grüße

Boris

http://www.vergessenes.de.tl/

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Beitrag von Markus » 04.06.2009 16:08

Damit hast Du ja auch Recht! "Thing" paßte den Nationalsozialisten in ihre Weltanschauung; die haben doch alles für sich vereinnahmt, was ihnen genehm war.
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