Wandsbeker Industriebahn Lok 1-3

Verkehrsgeschichte - Bauwerke der Bahn, U-Bahn, S-Bahn etc.
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dtlw
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Wandsbeker Industriebahn Lok 1-3

Beitrag von dtlw » 12.11.2020 21:14

Hallo,

ich suche Informationen über die Loks 1 bis 3 der Wandsbeker Industriebahn. Dies waren Akku-Loks, welche im Übergabebahnhof unter Fahrdraht liefen, über die auch die Akkus geladen wurden. Der Streckenbetrieb erfolgte dann über die Akkus.

Was ich bisher herausgefunden habe:

Baujahr 1916/1917
Ausmusterung bis 1924
Achsfolge Do-el
Gewicht ca. 30 to
Fahrspannung 500 V=
Akkus 500 V =

Offensichtlich haben sich die Loks im Streckenbetrieb nicht bewährt, da bereits 1919 2 zweiachsige Dampfloks angeschafft wurden. Die Akku-Loks übernahmen danach nur noch den Betrieb im Übergabebahnhof. Nachdem dafür 1924 eine gebrauchte E-Lok Nr. 1 gekauft wurde, sind die Akku-Loks ausgemustert worden.

Leider habe ich bisher keine weiteren Informationen über die Loks gefunden, auch das Heimatmuseum Wandsbek konnte nicht weiter helfen. Ich wäre über jede noch so kleine Information dankbar.

Gruß, Volker

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Djensi
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Re: Wandsbeker Industriebahn Lok 1-3

Beitrag von Djensi » 16.11.2020 09:51

Moin Volker,

die FdE sollen ein paar Akten haben, dort schon gefragt? https://www.fde-hamburg.de/das-fde-arch ... nde/akten/

Viele Grüße

dtlw
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Re: Wandsbeker Industriebahn Lok 1-3

Beitrag von dtlw » 16.11.2020 16:30

Hallo Djensi,

vielen Dank für den Tip. Habe die gleich mal kontaktiert.

Gruß, Volker

dtlw
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Re: Wandsbeker Industriebahn Lok 1-3

Beitrag von dtlw » 19.11.2020 15:01

Ein interessantes Thema, für alle Interessierten meine Zusammenfassung.

Der Betriebsbeginn mit 3 Akku-Loks wurde zuerst in der Erstausgabe "Deutsche Klein- und Privatbahnen Teil 1 Schleswig-Holstein und Hamburg" (Gerd Wolff, Zeunert Verlag Gifhorn 1972) erwähnt. Diese wurden im Übergabebahnhof unter Fahrdraht für den oberleitungslosen Streckenbetrieb geladen. Da sich die Loks im Streckenbetrieb nicht bewährt haben (zu geringe Reichweite), wurden diese Loks ab 1919 nur noch im Verschub im Übergabebahnhof eingesetzt. Da keinerlei Belege oder Dokumente auffindbar sind, könnte diese Darstellung aus 1972 noch auf Zeitzeugen beruhen. Jedenfalls wurde diese Darstellung in spätere Publikationen und nach Wikipedia übernommen.

Dem Freunde der Eisenbahn e.V. Ahrensburg liegen Akten der RBD Münster vor, welche bis 1938 für die Wandsbeker Industriebahn zuständig war. Darin werden keine Akku-Loks erwähnt, nach der Aktenlage ist dagegen auszugehen, dass der Betrieb mit 2 gebrauchten, maroden Dampfloks begonnen wurde. Da diese sehr störanfällig waren, stand zeitweise keine betriebsfähige Lok zur Verfügung. Die Heeresleitung hat daraufhin der WI eine Mallet-Lok einer Kleinbahn beigestellt, welche aber nicht durch die engen Radien gelaufen ist. "Höhere Stellen" hätten dann 2 neue Loks von Jung und O&K abgezweigt, welche schließlich 1919 bei der WI in Betrieb genommen wurden.
Auch für die genannten gebrauchten Loks gibt es außer den Aktenvermerken keine weiteren Belege, so sind Ursprung, Hersteller, Fabriknummer usw. nicht bekannt. Das Gleiche gilt für die Mallet-Lok.

Der Betriebsbeginn mit Akku-Loks ist also garnicht und der Betriebsbeginn mit Dampfloks nur sehr wenig belegt.

Kurios wird das Ganze im Hinblick auf die weitere Geschichte der WI. 1924 wurde eine gebrauchte E-Lok von 1899 gekauft, welche bis zur Betriebseinstellung 1966 im mit Oberleitung überspannten Übergabebahnhof eingesetzt wurde. In Verbindung mit den Akku-Loks ergibt sich dann ein rundes Bild. Die Akku-Loks wurden demnach bei Gelegenheit durch die gebrauchte E-Lok ersetzt, die Infrastruktur war ja vorhanden.

Wurde hingegen der Betrieb mit Dampfloks begonnen, ist die Situation unlogisch. Es wäre keine E-Lok vorhanden gewesen, demnach wäre auch der Übergabebahnhof nicht mit Oberleitung ausgerüstet gewesen. Warum sollte man nach 7 Betriebsjahren eine gebrauchte E-Lok ohne vorhandene Infrastruktur - Ausrüstung und fachlich (Elektriker) - anschaffen? Klingt nicht plausibel.

Nebenbei bemerkt, auch zu den Jung/O&K-Loks von 1919 gibt es Unklarheiten. So ist in der Ausgabe 4/2015 der Zeitschrift "Wandsbek Informativ" des Heimatvereins Wandsbek e.V. auf Seite 2 ein Bild der Spirituosenfabrik Helbing (später Norddeutsche Hefeindustrie AG) aus den 1920er Jahren abgebildet, welches eine straßenbahntypische Kastendampflok zeigt. Dass zumindest eine der Jung/O&K-Loks zu Beginn eine Kastendampflok war, wurde bisher nirgendwo erwähnt. Das das Foto höchstwahrscheinlich aus den 1920er jähren stammt, zeigt sich daran, dass auf einem abgebildeten O-Wagen "Deutsche Reichsbahn" zu stehen scheint.

Insgesamt ist die Informationslage mehr als dünn, vielleicht ist am Ende eine Kombination aus beiden Szenarien "richtig". Die WI ist mit 15 Anschließern gestartet und schnell gewachsen, wodurch die Akku-Loks schnell an die Grenzen gekommen sind. Wenn die Reichweite der Loks nicht ausreicht, kann man keinen Streckenbetrieb aufrecht erhalten. Aus der Not hat man dann auf gebrauchte, aber marode Dampfloks zurück gegriffen, die auch nicht richtig funktioniert haben. Ist aber nur Spekulation. Wahrscheinlich müsste man die Archive nach Fotos von den Anschließern der WI durchforsten (wie das Helbing-Foto), um zufällig abgebildete Fahrzeuge ausfindig machen zu können und das Bild abzurunden.

Gruß, Volker

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Re: Wandsbeker Industriebahn Lok 1-3

Beitrag von Djensi » 19.11.2020 15:43

Moin,

danke für das Stückchen Zusammenfassung, ich werde mal demnächst bei mir durch das Papier flöhen und schauen, was ich denn noch so habe und ob es da sachdienliche Hinweise gibt, kann aber ein bisschen dauern.

Beste Grüße

dtlw
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Re: Wandsbeker Industriebahn Lok 1-3

Beitrag von dtlw » 19.11.2020 18:20

Vielleicht war es auch ganz einfach.

Die Akku-Loks sind für mich im Hinblick auf die spätere Entwicklung mit der gebrauchten E-Lok absolut plausibel. Die Anmerkung des 1. Vorsitzenden des FdE, dass solche Loks sicher von den Herstellern beworben bzw. solche Loks in Fachzeitschriften publiziert worden wären, ist für mich kein KO Kriterium, denn es gab gerade im Industriebahnbereich viele kleine, heute wenig oder sogar unbekannte Hersteller, deren Dokumentationen mit Auflösung/Übernahme meistens ins Altpapier gewandert sind. Und - es war Mitte 1. Weltkrieg. Die Aussage, die Loks hätten sich wegen zu geringer Reichweite nicht bewährt, kann auch bedeuten, dass sie nie im regulären Streckenbetrieb eingesetzt waren. Der ist schließlich unmöglich, wenn man bei den ersten Fahrten feststellt, dass es die Loks nicht zurück in den Übergabebahnhof schaffen. Eine Nachbesserung seitens des Herstellers könnte z.B. durch eine Insolvenz oder anderer Prioritäten während des Kriegs verhindert worden sein.

So könnten sich die Akten der RBD Münster auch nur auf den Streckenbetrieb beziehen und trotzdem ihre Richtigkeit haben. Man hat aus der Not auf Dampfloks zurück gegriffen, um den Laden irgendwie ans Laufen zu bekommen.

Aber alles viel "hätte, wäre, wenn" - solange es keine Belege gibt, bleibt sehr viel Raum für Spekulation.

Gruß, Volker

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