Heeresverpflegungsämter

Nichtmilitärische Zweck- und Repräsentationsbauten und -Projekte des Nationalsozialismus 1933-1945
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Leif
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Beitrag von Leif » 22.12.2006 21:36

Hallo,
hier Informationen zu dem Amt in Göttingen. Ob es wirklich das Heeresverpflegungsamt ist, kann ich nicht sagen. Die Scheunen im Norden sehen aber ganz gut aus ;)

Viele Grüße,
Leif

Postgeschichtliche Blätter Hannover / Braunschweig, Heft 1 (1977), S. 42 ff.

Das Fernmeldezentralzeugamt Göttingen von Horst Drogge, Göttingen.
(...)Nach der Beendigung der Kampfhandlungen am 8. Mai 1945 wurde auf Anordnung der britischen Besatzungsmacht alles erreichbare Nachrichtenmaterial der Wehrmacht und der Deutschen Reichspost vom 6. Juni 1945 an in dem in den Jahren 1935/36 begonnenen, aber nicht fertiggestellten Heeresverpflegungsamt in Göttingen als Zentrallager zusammengefaßt. Der größte Teil des Reichspostmaterials stammte aus Ausweichlagern des Reichspostzentralamtes Berlin in Einbeck und Rödermühle und der Reichspostdirektion Köln auf dem Hohen Hagen bei Drans-feld, also alles in unmittelbarer Nähe von Göttingen.
Ebenfalls nach Göttingen wurden die Bestände der Wehrmachtslager Iserlohn, Gon-denau, Grasleben u. a. verlagert, insgesamt etwa 160 Eisenbahnwaggons voll.
(...)
Auf dem 98566 qm großen, mit einem Gleisanschluß ausgestatteten Grundstück standen im wesentlichen 1 Verwaltungsgebäude, 3 hohe Korn- bzw. Mehlspeicher, 10 Scheunen für Heu und Stroh und 1 nicht fertiges Bäckereigebäude. Während die Scheunen und Speicher als Lagergebäude dienten, wurde das Bäckereigebäude später zur Werkstatt umgebaut. Das Amt wurde in 3 Abteilungen gegliedert: I Verwaltung, II Zentrallager und IM Instandsetzung. Aufgabe des Zentrallagers war die Versorgung der Postdienststellen mit Telegrafenbauzeug und -baugerät, Apparaten und Apparatteilen. Da in den — teilweise unbeheizten — Scheunen und Speichern keine Lagerregale oder sonst etwas vorhanden war, wurden die Gegenstände anfangs nur auf den Fußboden gelegt. In dem im Rohbau stehenden Bäckereigebäude sollte eine Zentralwerkstatt eingerichtet werden, die für die britische Zone die Instandsetzung der technischen Einrichtung für Wähl- und Handämter, der Fernsprechapparate und der Meßeinrichtungen übernehmen sollte.

(...)
Im Jahre 1961 wurden dem Amt innerhalb kurzer Zeit von der Bundesvermögensverwaltung als der Eigentümerin des ehemaligen Heeresverpflegungsamtes Teile des Geländes bzw. der Bauten gekündigt; so z. B. zum Ablauf des 30. September das ursprünglich als Getreidesilo gebaute Lagerhaus 2 an das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten abgegeben, damit dort wieder Getreide eingelagert werden konnte. Zum 31. Dezember folgte dann die Südwestecke des Geländes, auf der ein neues Zoll- und Hauptzollamt errichtet wurde. So sah sich die Deutsche Bundespost gezwungen, nach einem anderen Gelände zu suchen, da mit weiteren Kündigungen gerechnet werden mußte. Man fand es schließlich am Nordwestrand des Stadtgebietes. Dort war in den Jahren nach 1935 auf dem Gelände des für das spätere Luftzeugamt angelegten Flughafens eine Flugzeughalle für die Aerodynamische Versuchsanstalt (AVA) der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften errichtet worden. Nach dem Krieg wurde die AVA besetzt und beschlagnahmt. Die leerstehende Flugzeughalle wurde schließlich von der späteren Film-Atelier Göttingen GmbH gekauft, entsprechend umgebaut und erweitert.
Außerdem wurden noch andere Gebäude auf dem Gelände errichtet. Im Jahre 1961 wurde die Filmherstellung wieder eingestellt. Da sich die ehemalige Flugzeug- und nunmehr Studiohalle sehr gut als Lagerhalle eignete, wurde das Gelände gekauft und ging am 1. Januar 1964 in den Besitz der Deutschen Bundespost über. Zunächst mußten jedoch die vorhandenen brauchbaren Gebäude für die Unterbringung der zentralen Lagervorräte entsprechend umgebaut und modernisiert werden. Gleichwohl kündigte die Deutsche Bundespost am 1. Juli 1964 auf dem Gelände des ehemaligen Heeresverpflegungsamtes am Hagenweg einige Lagerhallen und gab sie an die Bundesvermögensverwaltung zurück, da der Mietpreis inzwischen erheblich gestiegen war.
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katschützer
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Beitrag von katschützer » 27.12.2006 18:48

Hier gibts auch noch Infos über die Nachnutzung einiger Heeresverpflegungsämter.

MfG
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Godeke
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Beitrag von Godeke » 15.07.2007 16:36

Hallo :) ,

der letzte Eintrag ist ja nun schon gut ein halbes Jahr her...in Lüneburg ists nun amtlich: das ehemalige Heeresverpflegungsamt und die spätere StoV in der Rabensteinstraße werden zu einem Gewerbepark. Da wird sicher im gesamten Komplex viel abgerissen und umgebaut werden. Wer noch einmal eine Führung haben möchte....Mail an mich!
...und jetzt noch mal schnell zu www.thw-lueneburg.de , der aktuellen Seite mit News aus der wunderbaren Welt des Helfens!

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darkmind76
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Beitrag von darkmind76 » 22.08.2007 19:38

In Aschaffenburg gibt es auch 3 Gebäude, die man wohl einem Heeresverpflegungsamt zuordnen kann. Angeschaut habe ich sie mir im Detail noch nicht und daher auch (noch) keine Fotos. Allerdings wurde das Gelände bis vor einigen Jahren auch noch von den US-Streitkräften genutzt. In direkter Nachbarschaft war z.B. das US-Öllager, allerdings ist dies dann schon Goldbacher Gemarkung (die Str. An der Lache gehört m.W. schon zu Goldbach).

Auffallen tun die hohen Gebäude auf jeden Fall, wenn man z.B. die A3 in Goldbach verläßt und Richtung Aschaffenburg-Innenstadt/Damm fährt, allerdings wie so oft, fährt man einfach dran vorbei....

Hier ein Link zu USAREUR, wo man ein paar Zeilen über das Eck unter "Taylor Barracks" findet:
http://www.usarmygermany.com/USAREUR_Ci ... enburg.htm
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Beitrag von darkmind76 » 26.09.2007 20:58

Hier ein paar Bilder aus Aschaffenburg - Blickrichtung von der Stichstraße "An der Lache" (siehe Beitrag vorher) - bei zwei Gebäuden würde ich sagen HVA - bei dem anderen bin ich mir nicht so sicher, dies hat auf jeden Fall keinerlei Fenster in den Fassaden, nur oben im Dach und allerlei anders (s.Bilder), könnte evtl. also auch ein Reichsnährstandsilo sein=???
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Beitrag von darkmind76 » 26.09.2007 21:02

So, nun die "Auffälligkeiten" am "fensterlosen" Gebäude:
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Beitrag von redsea » 26.09.2007 21:27

darkmind76 hat geschrieben:(...) In direkter Nachbarschaft war z.B. das US-Öllager, (...)

Hallo darkmind76,

interessante Info! Hast Du zu diesem amerik. POL-Depot noch weitere Informationen und kennst die genaue Lage? Ich weiß in dieser Region nur von einem US-Tanklager in Großkrotzenburg, das auch an das CEPS angeschlossen gewesen sein soll. Letzteres halte ich persönlich zwar für sehr fraglich, aber nicht für ausgeschlossen.

Grüße redsea

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Beitrag von darkmind76 » 26.09.2007 21:36

Zum US Tanklager kann ich folgenden Link anbieten (mit gutem Luftbild)
http://www.stbawue.bayern.de/hochbau/projekte/
Das ist praktisch etwa nördlich der HVAs gewesen, allerdings komplett weg, ich kenn es auch nicht, wie es mal war...es lag aber schon auf Goldbacher Gemarkung! Einen Anschluß konnte ich, ebenso wie das in Großkrotzenburg, nicht feststellen. Dort lag es direkter Nachbarschaft des Kraftwerks Staudinger am Main - dort will Staudinger(Eon) ein neues Kohlelager errichten. Gut zu erkennen ist dort die Anlegestelle am Main! Da es hier eher unpassend ist, Vertiefendes in einem anderen Thread?!

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patchman
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Beitrag von patchman » 26.09.2007 21:41

@Darkmind
Das dürften abgedeckelte Schächte sein, wo man Getreide o.ä. vom LKW schütten und in die Silos verbringen konnte. Normalerweise dürften das große Gitter drüber sein und keine Betonplatten.

Doch zu was anderem: Kann mir jemand sagen, ob die Gebäude der LH-Bekleidungsservice der BW in Prossen (http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/ ... ontent.jsp ) auch ein ehem. Heeresverpflegungsamt waren?
Ist zwar nicht so gut zu erkennen, aber trotzdem die KMZ als Anhang.

Gruß
Patchman
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redsea
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Beitrag von redsea » 26.09.2007 22:02

Hallo patchman,

interessanter Bericht zu den Feldflaschen, wozu mir einfällt, dass wir sie damals immer selbst desinfiziert haben. Am geeignetesten schien uns dazu, sie mit Alkohol zu befüllen :lol:

Aber zum Thema: die Anlage sieht mir ganz nach einer solchen aus und auch die Tatsache, dass man in dem Bw-Bericht zwar von "eine historisch wertvolle Anlage sinnvoll saniert und genutzt." spricht, aber auf die frühere Nutzung nicht weiter eingeht, spräche ebenfalls dafür.

Grüße redsea

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