Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Militärische und militärisch (mit)genutzte Fernmeldeanlagen und -einrichtungen, Netze und Infrastruktur (ohne ELOKA)
realundercover
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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von realundercover » 29.09.2019 21:04

Hi,

mein Beitrag stammt ja schon aus 2003 und wurde jetzt wieder "aktuell". :shocked:

Finde bis auf einen Hinweis bei usarmygermany keinen Hinweis bzgl. einer US Army oder Airforce weather Squadron
in Traben-Trarbach.

Ist zwar schon ne Weile her, aber wenn man seinerzeit mal im Radio afn dran hatte und der Wetterbericht für Südwest Deutschland
wurde durchgesagt, war da auch immer die Rede von einer weather Squadron in Traben-Trarbach.

Lag diese Einheit denn dann zusammen mit dem Mil-Geo (ehem. Amt für Wehrgeophysik) Dienst der BW?

realundercover
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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von realundercover » 30.09.2019 08:51

bis 1989: Det 13, 7th WS (Traben-Trarbach)

bis Juli 1999: Det 4, 617th WS (Traben-Trarbach), Unit 7890 (USAFE)

Det (Detachment) WS (Weather Squadron)

HW
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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von HW » 30.09.2019 19:26

Hallo,
einige Ergänzungen dazu, kam ja am 27.09.2019 bei fast allen Medien zur Sprache:
13 Personen gehören zum Kreis der Verdächtigen, 6 Männer und eine Frau sind in U-Haft, darunter auch der als Haupttäter benannte Hölländer. Auch in Hessen in Schwalbach gab es dazu eine Festnahme.
Die Server wurden für fast die gesamte Bandbreite der Cyberkriminalität genutzt: Hackerangriffe (u. a. Telekom), Waffen-, Drogen-, Kinderpornographi-Handel, Falschgeldgeschäfte und Datenhehlerei.

Die relativ große Liegenschaft auf dem Mont Royal in Traben-Trarbach (Rheinland-Pfalz) mit dem Schutzbau, große Antennenfelder und verschiedene Gebäude wurde 2012 von der Bundeswehr (Wehrgeophysik) aufgegeben nach dem nach Euskirchen verlegt worden war. Das Gelände immer noch wie ein Hochsicherheitstrakt gesichert, wurde 2013 von dem besagten Holländer vermutlich unter dem Deckmantel einer Stiftung von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft.
Der Schutzbau wurde in den 70er Jahren erbaut, hat 5 Stockwerke (4 unterirdisch), ist ca. 25 Meter tief und wurde ab 1979 von der Bundeswehr genutzt.
Bei der Razzia waren neben der Polizei Rheinland-Pfalz auch Sondereinsatzkommandos und auch die GSG 9 der Bundespolizei im Einsatz (das Eindringen in einem Hochsicherheitstrakt ist nicht einfach, die SEK und die GSG 9 verfügen aber über entsprechende technische Hilfsmittel).
Laut LKA Rheinland-Pfalz sollen die ersten Erkenntnisse und Ermittlungen schon vor einigen Jahren begonnen haben. Der Zugriff war mehrere Monate vorbereitet worden.

Allerdings habe ich mich früher schon einmal gefragt, warum die "Wetterfrösche" der Bundeswehr einen Schutzbau mit 5 Etagen und vollgepackt mit Rechnern und vermutlich bei den Antennenanlagen auch einen großen Peiler benötigt haben.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sich jetzt einige "unbequeme" Fragen von den Sicherheitsbehörden (ich meine gehört zu haben, dass die Generalbundesanwaltschaft eingeschaltet ist) gefallen lassen muss (Überprüfung des Käufers, vermutlich hat dieser aber ein sehr gutes Angebot abgegeben und konnte deshalb die Anlagen schon ab 2013 nutzen.
"Die Veräußerung der Gesamtliegenschaft erfolgt daher grundsätzlich gegen das beste Kaufangebot. Bei reger Nachfrage entscheidet das Höchsgebot, sofern Bonität nachgewiesen ist")

Grüße
HW

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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von TimoL » 04.10.2019 18:29

HW hat geschrieben:
30.09.2019 19:26
(...)

Allerdings habe ich mich früher schon einmal gefragt, warum die "Wetterfrösche" der Bundeswehr einen Schutzbau mit 5 Etagen und vollgepackt mit Rechnern und vermutlich bei den Antennenanlagen auch einen großen Peiler benötigt haben.

(...)
Wetterbeobachtung und vor allem aber die Auswertung der gesammelten Daten benötigt viel Rechenleistung. Sehr viel Rechenleistung. Vor allem wenn die Auswertung in [nahezu] Echtzeit erfolgen soll/ muss.

Daher kann ich mir vorstellen dass in dem Schutzbauwerk überwiegend Rechentechnik zur Wetterauswertung untergebracht gewesen war.
"Die einen kennen mich, die anderen können mich!"
- Konrad Adenauer (1876-1967), erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1949-1963 -

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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von zulufox » 04.10.2019 20:27

realundercover hat geschrieben:
29.09.2019 21:04
Lag diese Einheit denn dann zusammen mit dem Mil-Geo (ehem. Amt für Wehrgeophysik) Dienst der BW?
Moin,

bitte nicht durcheinanderbringen und durchmischen:

Traben-Trarbach war im vergangenen Jahrhundert und einige Jahre über die Jahrtausendwende hinaus Standort des Geophysikalischen Beratungsdienstes der Bundeswehr,
das Amt für Militärisches Geowesen war am Standort Euskirchen.

Erst am 11. März 2003 wurde aus beiden das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr (AGeoBw) mit Standort Euskirchen gebildet, aus dem das heutige Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr entstand.
Der Umzug aus dem Standort Traben-Trarbach wurde 2012 abgeschlossen. (Alle Angaben aus öffentlich zugänglichen Quellen. ;) )

MfG
Zf :holy:
Friedrich Hebbel: Tagebücher:
"Es gibt nur eine Sünde, die gegen die Menschheit mit allen ihren Geschlechtern begangen werden kann, und dies ist die Verfälschung der Geschichte."

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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von Firefighter112 » 05.10.2019 11:23

HW hat geschrieben:
30.09.2019 19:26

Allerdings habe ich mich früher schon einmal gefragt, warum die "Wetterfrösche" der Bundeswehr einen Schutzbau mit 5 Etagen und vollgepackt mit Rechnern und vermutlich bei den Antennenanlagen auch einen großen Peiler benötigt haben.
Hallo HW,

die Antenne, welche du vermutlich als Peiler identifiziert hast, war kein Peiler.
Es handelt sich hierbei um drei einzelne logarithmisch-periodische Vertikalantennen der Fa. Telefunken vom Typ A 1146
Hier gibt es ein Datenblatt: http://www.classicbroadcast.de/download ... _A1146.pdf
Die Antennen nutzen einen Zentralmast, die Ausrichtungen der einzelnen Antennen liegt bei 60°, 180° und 300°

Neben dem Antennenfeld gab es noch zwei weitere KW-Antennen neben dem Schutzbau.
Hierbei handelt es sich vermutlich um den Antennentyp A188/189 der Fa. Telefunken:
http://www.classicbroadcast.de/download ... n_A189.pdf

Ich vermute das über die Antennen Wettermeldungen versendet oder empfangen wurden.

Neben den KW-Antennen stand vor dem Verkauf der Liegenschaft noch ein großerer Gittermast auf dem Schutzbau, mit einer größeren Parabolantenne sowie weiteren Sat-Antennen. Vermutlich wurden hiermit Wetterdaten empfangen oder versendet.

In Sankt Aldegund an der Mosel gab es ein weiteres Antennenfeld, vermutlich auch vom AWGeophys:
https://goo.gl/maps/aKCJgqJa2pYfeuXv7

Auf älteren Luftbildern erkennt man noch zwei große LogPer-Kurzwelleantennen sowie diverse Dipol-Antennen.
Sonderwaffenlager Fischbach bei Dahn
Interessengemeinschaft „Area 1" militärgeschichtlicher Verein e.V.
http://www.ig-area-one.de

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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von HW » 05.10.2019 17:35

Hallo,
die große Fernmeldeanlage in Sankt Aldegund war die Funksendestelle für das Amt für Wehrgeophysik, später dann (2003) zum Amt für Geoinformationswesen zugehörig. Funkempfang war auf dem Mont Royal (laut Auskunft eines Insider).

Ich meine aber schon auf einem alten Luftbild einen Peiler gesehen zu haben und zwar so einer, wie er in Hof auf der Hohensaas (die Schreibweise hierfür ist auch immer anders, früher Hohe Saas) ist und zwar links der "Hohe Straße", rechts ist der Hubschrauberlandeplatz und die Zufahrt zur Anlage, die im übrigen stark zurückgebaut wurde. Die alten Einrichtungen der US-Streikräfte sind nicht mehr vorhanden (vergleichen alte Bilder mit neuen Bilder).
Ich schau einmal, ob ich noch ein altes Luftbild vom Mont Royal finde.

Auf Wikipedia wurde beim "Amt für Wehrgeophisyk" schon eine aktuelle Änderung vorgenommen (nicht von mir).

https://de.wikipedia.org/wiki/Amt_f%C3% ... rgeophysik

Grüße
HW

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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von Honey » 08.10.2019 18:29

Grüße
Honey

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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von cebulon66 » 10.10.2019 14:11

Ich habe mir 2012 mehr oder weniger zufällig von der Seite der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zwei Dokumente heruntergeladen, a) das Exposé (20 Seiten) und b) Pläne/Seitenrisse der Gebäude und des Schutzbaus(15 Seiten).
Ich habe mal die Lagekarte aus dem Exposé in google earth eingezeichnet:
G1 - G9 = Gebäude (G4 Exposé nicht eingezeichnet)
A1 - A6 = Antennen (G6 im Exposé nicht eingezeichnet)

A2 bis A5 wurden von Firefighter112 schon genannt und erklärt. A1 war augenscheinlich auch eine einzelne HF-Antenne.
MontRoyal_GE2010.jpg
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

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Re: Fernmeldebunker in Traben-Trarbach

Beitrag von bettika » 10.10.2019 19:13

HW hat geschrieben:
30.09.2019 19:26
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sich jetzt einige "unbequeme" Fragen von den Sicherheitsbehörden (ich meine gehört zu haben, dass die Generalbundesanwaltschaft eingeschaltet ist) gefallen lassen muss (Überprüfung des Käufers, vermutlich hat dieser aber ein sehr gutes Angebot abgegeben und konnte deshalb die Anlagen schon ab 2013 nutzen.
Hallo,
Die "unbequemen" Fragen kommen.
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland ... r-100.html
Nach eigenen Angaben hatte das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt Informationen schon vor dem Verkauf des Bunkers an die zuständige Bundesbehörde weitergeleitet. Man habe schon damals nicht ausschließen können, so das LKA auf SWR-Anfrage, dass der Käufer den Bunker benutzen würde, um Straftaten zu begehen oder zu unterstützen.

Bundesbehörde acht Tage vor Verkauf informiert

Diese Information sei im Juni 2013 - acht Tage vor dem Verkauf - an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben weitergegeben worden. Warum diese den Bunker in der Stadt an der Mittelmosel trotzdem an den Interessenten verkauft hat, ist noch unklar. 
...
Die Antwort der BImA
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verteidigte den Verkauf des Nato-Bunkers in Traben-Trarbach. Aufgrund eines vagen Verdachts habe man den Niederländer nicht als Käufer ausschließen können. 
.... .Allerdings sei dem möglichen Käufer damals strafrechtlich nichts Konkretes vorzuwerfen gewesen, argumentierte die Bundesbehörde.

Zudem sei der Mann der einzige infrage kommende Interessent gewesen. Die Bundesanstalt vertritt die Auffassung, dass wirtschaftliche Aspekte jedoch nicht verkaufsentscheidend waren. 
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland ... f-100.html
Grüße
Beate
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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