Nachrichtenmittelversuchsanstalt Pelzerhaken

Funkmess-, Funkpeil-, Funkleit- und Funkstörtechnik des 2. Weltkriegs
ostsee1234
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Bunker Neustadt-Pelzerhaken

Beitrag von ostsee1234 » 12.01.2018 14:22

v.s. hat geschrieben:Hallo aus Norddeutschland !

Mein Name ist Volker Schütt, ich bin Baujahr 1958 und ein eifriger Mitleser dieses Forums.
Das Thema NVA Pelzerhaken betrifft mich persönlich.Mein Opa war Besitzer eines Kiosk am Strand und ich habe dort als Kind oft meine Ferien verbracht.Opa und Oma haben in einer Baracke am Timpenbarg gewohnt, bis sie gegenüber neu gebaut haben.
Nun zum Thema, ich muss dem Deichgrafen beipflichten, es gab diesen U-Bootbunker.
Mein Opa sagte einmal das überlegt werde daraus ein Schwimmbad zu bauen.
In meinen Erinnerungen war er bestimmt 30x50 m und hatte dicke Außenwände.
Es könnte ja ein Bunker für Kleinst U-Boote gewesen sein ?
Eins war mal an der Promenade aufgestellt worden.
Gibt es denn keine Aufklärungs-Luftaufnahmen auf denen man etwas erkennen könnte ?
Ich werde einmal bei meiner Tante nachfragen ob es nicht irgendwelche Fotos gibt.
Wenn ja, werde ich sie hier zeigen.

ich bin Jahrgang 1957 aus Neustadt in Holstein, so wie Volker die Grundfläche angibt kann es stimmen. Ich habe in den sechzigern dort im Sand gespielt und sind geklettert in diesen Bunker oder Strömungskanal. Umgangssprachlich wurde damals immer von einem UBoot-Bunker gesprochen. Die Luftaufnahme bestätigt die Größe. Ich habe ein Foto auf der Seite (Qellenangabe: www.schwarz-neustadt.net) gefunden, welches aus der Richtung der Luftaufnahme, also SSW, gemacht wurde: dort spielt ein Kind im Sand vor dem Bunker, genauso, wie ich es augenscheinlich erinnern kann!
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Deichgraf63
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Beitrag von Deichgraf63 » 13.01.2018 13:53

Hallo,
ich habe noch mal nach alten Postkarten von Pelzerhaken gesucht. Auf der Postkarte 252 ist auf der rechten Seite ein großes rechteckiges Objekt zu sehen: https://www.schwarz-neustadt.net/Ansich ... n/241-270/ Zoom am Computer hilft bei der Ansicht.
Auf dem von mir bereits vorher eingestelltem Link http://www.ebay.at/itm/AK-Pelzerhaken-C ... Sw9KpXAQmg sieht es nach einer Art "Schwimmbad" aus und die Schätzung der Zeitzeugen von 30 x 50 Meter dürfte nicht übertrieben sein.
Die Reste vom Strömungskanal, die ich früher noch selbst gesehen hatte, sind das für mich eher nicht, weil deutlich rechteckigere Form und nur dünne, niedrige Betonwände.
In Neustadt hat ja die Ausbildung für die Seehunde stattgefunden. Könnte das etwas damit zu tun haben? Die Boote konnten ja auch problemlos über Land transportiert werden.
Die Idee, aus dem Objekt ein "Schwimmbad" zu machen brachte mich auf die Idee, dass es möglicherweise ein Tauchbecken für diese Klein-U-Boote gewesen ist bzw.eher werden sollte.
So etwas zum Üben gab es auch anderswo, wie angeblich auf dem Priwall.
Der Begriff "U-Boot Bunker" taucht auch mehrfach in offiziellen Bekanntmachungen der Stadt Neustadt auf: http://mail.neustadt-holstein.de/bi2/vo ... LFDNR=2183 (Punkt 9)
Das wäre auch ein Ansatzpunkt, um die Frage mal eindeutig zu klären. Da in Neustadt nichts ausgebombt wurde, gibt es sicher noch alte Unterlagen.

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zulufox
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Beitrag von zulufox » 13.01.2018 16:29

Moin,

wieder einmal der alten Hinweis: Wie ist es, anstelle von Vermutungen mal in alten Dokumenten nachzusehen?

Nachfolgend eine kleine Auswahl von Signaturen, die die online-Suche des Bundesarchivs auf das Stichwort Pelzerhaken ausspuckt:

RM 43/575 Mar. Nachr. Stelle Pelzerhaken 31. Juli 1914 - 12. Mai 1916
Benutzungsort Freiburg

RL 14/160 Gerätebeschreibung Schrägdipolantenne Fu.M.B. Nov. 1942 - Dez. 1943
Enthält: technische Zeichnungen
Benutzungsort Freiburg

Oberfinanzdirektion Kiel.- Ehemalige Marine-Nachrichtenmittel-Versuchsanstalt Pelzerhaken 1956 – 1967
B 126/52751 Bd. 1, Beihefte 1956 - 1967
Bezugsjahr 1967
Benutzungsort Koblenz Endarchiv

BW 1/21306
Pinneberg, Pelzerhaken, Quickborn.- Grunderwerb 1956 - 1961
BMVg Abt U I 2, Bezugsjahr 1961
Benutzungsort Freiburg

Pelzerhaken, Marineküstenstation, Fernmeldesektor M, ehemalige Marinenachrichtenmittel-Versuchsanstalt.- Unterbringung, Baumaßnahmen 1956 - 1971
BW 1/83016 Bd. 1 1956 - 1963
Benutzungsort Freiburg

BW 1/104855 Bd. 2 1964 - 1971
Benutzungsort Freiburg

Unterbringung und Stationierungsplanung HEER.- Liegenschaftsdatei (Finanzierung der Baumaßnahmen, Angaben über Belegungstärken und zur Stationierung vorgesehene Truppenteile) 1956 - 1957

BH 1/552 Bd. 12 1956 - 1957

Enthält:
Wehrbereich I, u.a.: Flensburg, Kiel, Lübeck, Neumünster, Alt Bülk, Eckernförde, Dän.- Niendorf, Bülk, Fried-richsstadt, Tönning, Eutin, Todendorf, Stadtbek, Glücksburg, Kappeln-Ellenberg, Habernis, Falshöft, Egge-beck, Fehmar, Tarp, Langballig, Twedterholz, Schwarzenbek, Wentorf, Ratzeburg, Husum, Lütjenholm, Heide i. Holstein, Hedwigenkoog, Putlos, Pelzerhaken, Stuberhuk/Fehmarn, Dameshöved Krs.Oldenburg, Weißen-haus, Neustadt (Holstein), Fehmarn - Puttgarden, Großenbrode
Fü H III
Benutzungsort Freiburg

BM 1/5983
Marinefernmeldestelle 711/723 Pelzerhaken.- Forderungen für die Fernmeldetürme 1962 - 1966
Fü M IV 4
Benutzungsort Freiburg

Da könnte schon die ein oder andere interessante Information enthalten sein :-)

MfG
Zf :holy:
Demosthenes (384 - 322 v. Chr. Athen)
"Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr."

ostsee1234
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Beitrag von ostsee1234 » 13.01.2018 17:48

Deichgraf63 hat geschrieben:Hallo,
ich habe noch mal nach alten Postkarten von Pelzerhaken gesucht. Auf der Postkarte 252 ist auf der rechten Seite ein großes rechteckiges Objekt zu sehen: https://www.schwarz-neustadt.net/Ansich ... n/241-270/ Zoom am Computer hilft bei der Ansicht.
Auf dem von mir bereits vorher eingestelltem Link http://www.ebay.at/itm/AK-Pelzerhaken-C ... Sw9KpXAQmg sieht es nach einer Art "Schwimmbad" aus und die Schätzung der Zeitzeugen von 30 x 50 Meter dürfte nicht übertrieben sein.
Die Reste vom Strömungskanal, die ich früher noch selbst gesehen hatte, sind das für mich eher nicht, weil deutlich rechteckigere Form und nur dünne, niedrige Betonwände.
In Neustadt hat ja die Ausbildung für die Seehunde stattgefunden. Könnte das etwas damit zu tun haben? Die Boote konnten ja auch problemlos über Land transportiert werden.
Die Idee, aus dem Objekt ein "Schwimmbad" zu machen brachte mich auf die Idee, dass es möglicherweise ein Tauchbecken für diese Klein-U-Boote gewesen ist bzw.eher werden sollte.
So etwas zum Üben gab es auch anderswo, wie angeblich auf dem Priwall.
Der Begriff "U-Boot Bunker" taucht auch mehrfach in offiziellen Bekanntmachungen der Stadt Neustadt auf: http://mail.neustadt-holstein.de/bi2/vo ... LFDNR=2183 (Punkt 9)
Das wäre auch ein Ansatzpunkt, um die Frage mal eindeutig zu klären. Da in Neustadt nichts ausgebombt wurde, gibt es sicher noch alte Unterlagen.

hier das digitale Geändemodell der Küstenlandschaft zwischen Pelzerhaken und Rettin.
Auch der zugeschüttete "Bunker" im Maßstab und mit Höhenangaben ist eingezeichnet.
Herkunft hier und öffentlich: http://mail.neustadt-holstein.de/bi2/vo ... LFDNR=2183

siehe Anlage 5

hier der Link ohne Anhang:
http://mail.neustadt-holstein.de/bi2/__ ... odells.pdf

Deichgraf63
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Beitrag von Deichgraf63 » 19.01.2018 19:41

Hallo,
ich bin jetzt an der Geschichte dran. Möglicherweise kann ich nächste Woche neue Fakten liefern. Falls der Versuch nichts bringt, könnte ich noch die Zeitung auf den Fall aufmerksam machen. Die Zeitzeugen sterben aber leider langsam aus, da ist es fünf vor Zwölf.

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Das Bauwerk in Pelzerhaken war ein überdachtes Unterwasser-Versuchsbecken von 100 x 40 Metern.

Beitrag von Deichgraf63 » 23.01.2018 17:41

Hallo,
inzwischen konnte ich das Rätsel lösen.
Bei dem Bauwerk handelte es sich um das sogenannte Unterwasser-Versuchsbecken (31) mit den Abmessungen von 100 x 40 m und einer Wassertiefe von 4 Metern.
Das Bauwerk war gekachelt, völlig überdacht und außen herum auf einer Art Balkon zur Beobachtung begehbar.
Gespeist wurde es mit Wasser aus der Ostsee, was auch erwärmt werden konnte.
Es diente beispielsweise "für Schleppversuche mit verschiedenen Schiffsmodellen, Verwendung von Unterwasserminen,Magnetzündungen. Strömungsversuche sollten das Geräuschverhalten von U-Bootbauteilen.....ermitteln".
Möglicherweise kommt von daher der Spitzname U-Bootbunker, wie das Bauwerk bis heute im Volksmund heißt.
Es gab noch mehr Anlagen zur Forschung mit Wasser, wie eben den Strömungskanal (25), ein U-Becken (24) und Drucktanks, wo bis zu 30 Bar erzeugt werden konnten.
Der Strömungskanal wurde erst bei den Engländern zum Kavitationstunnel.
In Pelzerhaken hat man damit die "Absorption von Geräuschstrahlungen" gemessen.
Die Engländer haben da nach dem Krieg kräftig aufgeräumt und massig Dinge abtransportiert.
Wie schon von mir wegen einer anderen Publikation vermutet, wurden in Pelzerhaken Versuche mit der U-Boot Beschichtung "Alberich" durchgeführt.
Die Sprengung vom U-Becken musste von den Deutschen selbst durchgeführt werden,klappte aber nur sehr bedingt, was für ein Wunder...
Die Dachkonstruktion (Stahlträger mit Glasdach) soll für die Ostseehalle in Kiel benutzt worden sein.
Damit gibt es dafür gleich 3 Versionen, außer List und Hörnum.
Diese Masche der Engländer, dass die Besiegten selbst Dinge zerstören mussten war gängige Praxis. Ich habe das vor etwa 25 Jahren auch mal von einem Zeitzeugen gehört, der mithelfen musste, einen Flugplatz zu schleifen.
Eine zivile Nutzung des Beckens (Fischzucht, Schwimmhalle) lehnten die Engländer ab, auch spätere Pläne zur Nutzung als Tiefgarage mit Restaurant (1970) wurden nicht genehmigt.
1975 wurde das Bauwerk auf Wunsch der Bundeswehr zugeschüttet, weil es den Turm "störte."
Auch über die Forschung an den Ortungsgeräten (GEMA etc.) gibt es in meinen Quellen viele Informationen.
Wie die Geschichte mit 40 intakten Freya Geräten samt Diesel Stromaggregaten auf dem Neustädter Bahnhof. Vom Osten her als Geheimtransport vor den Russen gerettet.
Die wollte kurz vor Kriegsende die NVA nicht mehr haben und so landeten sie per Güterwagen in Burg/Fehmarn.
Bei Kriegsende wurden die Geräte dann nicht mehr bewacht, von den Insulanern geplündert und die Teile für Radiobasteleien benutzt.
Auch die Stromerzeuger fanden auf Fehmarn in der Landwirtschaft Verwendung.
Die Quelle für die sinngemäß zitierten Dinge sind zwei Bücher, die alles über die NVA von der Kaiserzeit bis zur Schleifung und Entwendung durch die Engländer 1946/47 beschreiben, mit entsprechenden Fotos und namentlichen Zeitzeugenberichten.
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Beitrag von bettika » 23.01.2018 17:55

Wie heißen die o.g 2 Bücher?
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

Deichgraf63
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Beitrag von Deichgraf63 » 23.01.2018 18:46

Jahrbuch für Heimatkunde Oldenburg/Ostholstein (Jahrgang 44) also von 2000 und
Jahrbuch für Heimatkunde Oldenburg/Ostholstein (Jahrgang 45) von 2001.
Die enthalten je einen Artikel zu dem Thema.
Momentan ist noch je ein Exemplar im Internet zu finden.
Den Tipp bekam ich durch meine Anfrage an die Stadt Neustadt.

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Re: Nachrichtenmittelversuchsanstalt Pelzerhaken

Beitrag von Methusalixxxx » 25.06.2019 19:24

Guten Tag zusammen.
Mein Name ist Andreas und bin Baujahr 1962.
Seit frühester Kindheit habe ich mit meinen Eltern Jeden Sommerurlaub(!!) auf dem Campingplatz Pelzerhaken "Am Leuchtturm" verbracht.
Ich erinnere mich an die riesige Betonplatte auf dem Campingplatz und der Campingwärter hat gesagt, das die mit dem benachbarten Bunker für Kleinst U-Boote zu tun hat.
Ich kann mich auch noch an eine große Bunkerruine in der Nähe des Leuchtturms erinnern.
Ich bin als Kind gerne bis zu den Knieen ins Wasser gegangen, und habe an einer Schnur ein Segelboot hinter mir her gezogen.
Das Wasser war überall gleich tief. Nur paralel zur Bunkerruine wurde es urplötzlich so tief, sodaß ich dort nicht mehr stehen konnte.
Der Campingplatzwärter sagte, das es die Auslaufrinne für Kleinst U-Boote war, die hier stationiert waren.
Ich kann mich auch noch an ein Kleinst U-Boot erinnern, das auf der Promenade in der Nähe der Schullandheims ausgestellt war.
Weiss jemand, wo das abgeblieben ist?
Liebe Grüße
Andreas

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Re: Nachrichtenmittelversuchsanstalt Pelzerhaken

Beitrag von bettika » 25.06.2019 19:51

Hallo Andreas,
das von Dir erinnerte Kleinkampfmittel war ein HECHT ,Ausbildungsboot für Lehrkommando 300 der Kriegsmarine in Neustadt
https://www.historisches-marinearchiv.d ... e_value=54
Heute in Dresden.
Grüße
Beate
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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