GÜST Marienborn

Bauliche Infrastruktur der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und des Eisernen Vorhangs
Gast

Beitrag von Gast » 17.12.2005 16:09

Und hier das entsprechende Warnschild:
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Lasse
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Beitrag von Lasse » 17.12.2005 18:04

Was soll dieses eingezäunte Minenfeld denn überhaupt bewirken? Minen sollen doch schrecken verbreiten weil man nicht weiß wo sie genau sind. Deshalb betreten einige Bauern in Vietnam ja auch heute noch nicht ihre Felder. Die Schilder dürften Nachts allerdings recht schwer zu lesen gewesen sein.
"Siehst Du einen Atompilz: Schau gut hin, Du bekommst so etwas nie wieder zu sehen."

Lasse
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Beitrag von Lasse » 18.12.2005 12:00

Nächste Woche sind die Fotos Fertig, dann gibts ein paar Bilder von dem Panzer zu sehen.
"Siehst Du einen Atompilz: Schau gut hin, Du bekommst so etwas nie wieder zu sehen."

ReinhardG
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Beitrag von ReinhardG » 18.12.2005 14:06

Lasse hat geschrieben:Nächste Woche sind die Fotos Fertig, dann gibts ein paar Bilder von dem Panzer zu sehen.
Wahrscheinlich meinst Du das Teil, das hinter der ehemaligen Kantine abgestellt ist? Irgendwo in der Ausstellung ist wird gesagt, dass diese Panzerattrappe nicht zur GÜSt gehört und irgendwann in der Nachwendezeit da abgestellt worden ist.

Gruß - Reinhard.

Lasse
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Beitrag von Lasse » 18.12.2005 16:19

Panzeratrappe würde ich bezeifeln. Das ganze Ding sieht so aus als hat es auch mal funktioniert. Neben dem Panzer steht ein Grenzturm den man mit Hilfe der Kufen auf denen er stand verschieben konnte. Jetzt steht der Panzer allerdings auf diesen Kufen. Dann stehen da noch 4 DDR Telefonzellen und hinter dem Panzer auf der Wiese liegen die Schilder von der PKW Abfertigung auf denen "Abfertigung" draufsteht. Mannometer was alles so in so eine kleine Ecke passt.
"Siehst Du einen Atompilz: Schau gut hin, Du bekommst so etwas nie wieder zu sehen."

RADOM

Beitrag von RADOM » 18.12.2005 18:29

es handelt sich um den rest eines trainingsmodells
gruß
radom
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Lasse
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Beitrag von Lasse » 18.12.2005 19:22

Der Turm ist von einem T55.

Klick
klack
"Siehst Du einen Atompilz: Schau gut hin, Du bekommst so etwas nie wieder zu sehen."

sentry

Beitrag von sentry » 22.12.2005 08:12

Hallo Leute,
ich nutze diesen thread 'mal gleich, um mich vorzustellen.

Ich bin hier gelandet, weil die GÜSt Marienborn mich in meinem Leben ziemlich beschäftigt hat und immer noch beschäftigt.

Ich war dort 87/88 als Wehrpflichtiger bei der Sicherungskompanie (SiK). Das heisst, ich bin ganz zuversichtlich, dass ich einige der auftauchenden Fragen beantworten kann.

Die SiK war, im Gegensatz zu den Passkontrolleinheiten (PKE) eine "echte" Grenztruppenkompanie und mit der Grenzsicherung im Umfeld der GÜSt betraut. Mit der Kontrolle hatte sie nichts zu tun. Tatsächlich durften Soldaten der SiK das Kontrollterritorium nicht einmal betreten.

Mit anderen Worten: Wir waren zwar die mit den "Maschinengewehren", aber nicht die, die den Durchreisenden schikaniert haben. ;)

Zu ein paar der Fragen und Meinungen in diesem thread:
An anderen Staatsgrenzen ist aber um dich herum kein Minenfeld und es stehen nicht ganz so viele Grenzer mit Machinengewehren rum.
Tatsächlich gab es im Umfeld der GÜSt Marienborn keine Minenfelder. Selbst die Benutzung von Handleuchtzeichen (aka Pyrotechnik) war untersagt. Grund war sicher die potentielle Gefährdung des fließenden Verkehrs und natürlich wollte auch keiner unter den Augen von so vielen Zivilisten irgendwelche spektakulären Aktionen starten.
Grenzer mit Maschinengewehren, genauer Maschinenpistolen AK-47KMS hätte der einreisende Westgermane theoretisch nur drei sehen können. Da aber meistens die Dienstdurchführung sehr locker gehandhabt wurde und die Grenzer sowieso meist auf einem Turm saßen, konnte der AUFMERKSAME Einreisende eigentlich nur exakt einen Grenzer mit MPi sehen. Die anderen sah er gar nicht bzw. sie trugen keine MPi oder er konnte die Bewaffnung auf keinen Fall erkennen.
Weiß jemand was für ein Panzer das war dessen Wrack bei dem Garagenkomplex herumstand und was der bei dem Grenzübergang zu suchen hatte?
Das ist ein sogenanntes Tankett. Einheiten mit Panzern hatten solche Dinger für das Schießtraining. Es war praktisch ein vollwertiges Panzermodell, das, montiert auf eine bewegliche Vorrichtung, die Panzerbesatzung das Schießen aus der Bewegung simulieren ließ, ohne sich vom Fleck bewegen zu müssen.

An der GÜSt ist das Ding erst nach der Wende gelandet. Es hat mit der Grenzsicherung in der Tat überhaupt nichts zu tun...Herkunft unbekannt.
Neben dem Panzer steht ein Grenzturm den man mit Hilfe der Kufen auf denen er stand verschieben konnte.
Das ist der ehemalige Postenpunkt A2 der GÜSt Marienborn. Im Laufe der Zeit wurden in Marienborn Postenpunkte der SiK wegrationalisiert, weil sie nicht unbedingt erforderlich waren.
Dieser kleine Blechturm stand ca. 150 m östlich des großen Turmes, der heute noch neben der Grenzlinie steht. Das ist die A1, von den Grenzern "das Schiff" genannt. A steht ganz banal für "Autobahn", respektive hießen die Postenpunkte auf der Eisenbahn-GÜSt B1, B2 usw.,... B wie Bahn.

A2 nun wurde irgendwann nicht mehr für erforderlich angesehen, da das von ihm zu beobachtende Gebiet durchaus vom Schiff mit abgedeckt werden konnte. Also wurde der Turm abgebaut. In der Folgezeit wurde der Postenpunkt A2 nur noch bei besonderen Lagen besetzt. Häufigster Fall war der sogenannte "Nebelposten", also die Verdichtung der Postenabstände schlicht, weil man nicht mehr so weit gucken konnte. Da der Turm weg war, war A2 dann eine Streife im sogenanten Abschnitt "Süd3", dem Teil westlich der ehemaligen Kfz-Rollsperren, südlich der Autobahn.

Analog wurden auch der Postenpunkt A6 zwischen heutigem Eingang zur Gedenkstätte (ehem. PP A5) und OT AUtobahn sowie der PP B3 mittig an der Nordflanke der Eisenbahn-GÜSt entfernt.
Letzterer sollte interessanterweise kurz vor der Wende reaktiviert werden. Allerdings war ich da schon wieder Zivilist und weiss nicht, ob der neue Turm noch errichtet wurde.

sentry

Beitrag von sentry » 22.12.2005 08:50

Ein echter "Lost Place" ist übrigens die Eisenbahn-GÜSt in Marienborn.

Nicht nur dass sie durch die Gedenkstätte an der Autobahn recht stiefmütterlich behandelt wird. Sie ist für den Ortsunkundigen, so er denn weiß, dass es sie gibt, gar nicht so leicht zu finden. Und wenn er dann mal am Bahnhof angelangt ist, dann sieht er bloß noch eine ICE-Rennstrecke. Von Sicherungsanlagen keine Spur, die ehemals 9 Gleise sind auf 4 geschrumpft, nicht mal ein Gebäude ist zu sehen.

Wenige wissen, dass hier nachts Militärzüge der Alliierten, voll mit Panzern und anderem schweren Gerät auf Warschauer-Pakt-Gebiet rollten. Die Russen, die sie kontrollierten sind verschwunden, ihre Kaserne ist eine Schrauber-Bude geworden.

Mit ein bisschen Spürsinn findet man nur noch den "Raum der Sicherstellung", das rückwärtige Gebiet der GÜSt. Ein paar Gebäude stehen noch da...zugenagelt oder demoliert oder beides. Ein Schießplatz ist noch zu sehen. PKE und Zoll trainierten da mit der Makarov...Mann war das ein Mist, wenn die uns nicht vorher Bescheid sagten. Wenn der Posten "Knall aus Richtung RDS" meldete, konnte er ja nicht wissen, ob ein SIgnalgerät ausgelöst hatte oder die PKEler uns 'mal wieder vergessen hatten...

Verschwunden ist auch der bei den Grenzern recht beliebte Postenpunkt B5 am Eingangstor zum RDS...vielleicht der einzige Postenpunkt an der Staatsgrenze, wo ein einzelner Soldat Dienst tat und nicht, wie üblich, mindestens 2...

petzolde
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Beitrag von petzolde » 22.12.2005 09:12

danke, sentry, für die tollen Informationen. Als häufiger Berlin-Transitreisender habe ich mich über vieles an der Grenze gewundert und hätte damals gern jemanden dazu befragt - aber das war vor November 1989 schlecht möglich. Danach wurden manche Grenzer plötzlich redselig.
Die Autobahn-Gedankstätte kann man ja gut besichtigen. Ich frage mich jedoch, was dort seit 1989 alles abgerissen oder verschwunden ist.

An der Eisenbahn-Grenze bin ich 1985 auf dem Weg zu einer internationalen Tagung in Dessau mal für ein paar Stunden "gestrandet", weil das am Grenzbahnhof Marienborn zu hinterlegende Einreisevisum zur Autobahn-GÜSt gelangt war und erst geholt werden mußte. Das war den Grenzern wohl etwas peinlich, und daher die Behandlung durchaus freundlich. Herumwandeln auf dem Bahnsteig war nicht verboten, und die Eindrücke durchaus interessant.
Wann wurde dieser Grenzbahnhof abgerissen? Hat irgendwer Fotos davon?
gruß EP

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