Munitionsdepot Drabenderhöhe - Brächen

Depots, Tanklager, Munitionsniederlagen, Versorgungs- und Nachschub-Infrastruktur des Militärs
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oberberberger85
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viel verändert

Beitrag von oberberberger85 » 15.06.2015 09:42

Hallo zusammen,
ich wollte mal schnell hier ein paar Infos zum Depot los werden.

Leider ist das Gelände in den letzten Jahren ziemlich heruntergekommen. Viele Gebäude sind mit Graffiti besprüht oder auch einfach durch Vandalismus ziemlich kaputt.

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht um zu erfahren wem das Grundstück gehört.
Von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (https://www.bundesimmobilien.de) hab ich erfahren, dass es nicht mehr in Ihrem Besitz ist.

Leider darf man aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Aussage zu dem Käufer geben. Es steht aber jeden frei, Einsicht in das Grundbuch beim Grundbuchamt zu nehmen.

Grundbuchamt: Gummersbach
Grundbuchbezirk: Ober-Engelskirchen
Blattnummer: 21
Flur: 7
Flurstück: 2

So das wars auch schon an Infos.

Gruß

Mathias

CW
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Beitrag von CW » 15.10.2015 12:09

Hallo,
ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen und wenn ich solch verlassene Gelände sehe, mache ich mir ja auch immer meine neugierigen Gedanken: Was das wohl war und wofür …. ??

Lang lang ist´s her, wo noch Leben im Munitionsdepot Engelskirchen war und ich dort als kleiner Junge einen wahnsinnig tollen Spielplatz hatte...

Wen die Neugier packt, über ein oder andere Mutmaßungen hier, kann gerne weiterlesen. Wer aber lieber weiterhin das große Geheimnis vermutet : Nicht weiterlesen, denn alle hier im Depot entdeckte Dinge sind einfach nur gar nicht so geheimnisvoll!

Ich war vor fast 10 Jahren das letzte Mal da und stand ein wenig erschüttert vor dem Tor, weil alles vergammelt.

Abgekürzt MunDepot Engelskirchen, weil es kommunal zur Gde. Engelskirchen gehörte, obwohl es direkt neben Drabenderhöhe, also der Gde. Wiehl liegt.
Nichtsdestotrotz hatte man den besten Draht zu beiden Gemeinden.

Das „taktische Zeichen“ mit der Patrone und der 6 war dem MunDep. Engelskirchen zugeteilt und man hatte eigene Lkw, Gabelstapler, Lagerhaus-Schlepper, einen VW-Bus, einen Passat, nachher auch einen Vectra und ein FAG. (FAG=Feldarbeitsgerät: Also ein Radlader mit großer Schaufel zum Schneeräumen und abladen größerer Kisten, sowie eine eigene kleine Feuerwehreinheit mit allem drum und dran.

Das Depot wurde Ende der 70er Jahre neu errichtet. Es war in den Zeiten des kalten Krieges und der Bedrohung durch die Terrorgruppe RAF im Betrieb, deswegen wurde es nach dem kalten Krieg auch nicht mehr benötigt und eingespart, was für den Verlust von über 100 Arbeitsplätzen in der Region geführt hat.

Hier fiel mal der Begriff „Teildepot“. Das stimmt bedingt, denn es gab einen eigenen militärischen Führungsstab, man war aber ja einem Versorgungskommando untergeordnet, wie viele andere Depots im Bereich. Aber dennoch war das Depot weitestgehend autark.

Die sehr gut ausgebaute Zufahrt war aufgrund des LKW-Verkehrs wichtig, denn es wurde tatsächlich Munition dort gelagert und bearbeitet. Sogar auf den Wiesen neben der Straße wurde eine Luftverlastung mit großen Transporthubschraubern geübt.
Die Munition wurde zum Teil im nicht weit entfernten und damals schon stillgelegtem Güterbahnhof Wiehlmünden mit Güterzügen angeliefert, auf Lkw umgeladen und ins Depot verbracht.

In einiger Entfernung zum Depot auf der anderen Seite der BAB 4 steht noch ein Funkturm, der war aber seinerzeit niederländisches militärisches Sicherheitsgebiet und es gibt keinen Zusammenhang mit dem Mun.Depot Engelskirchen.

Zurück zum Munitons Depot....ich beginne mit der rechten Seite vom ersten bis zum zweiten Tor:

Vor dem Einfahrtstor rechts befindet sich noch ein eingezäuntes Verwaltungsgebäude, welches erst Ende der 80er dort errichtet wurde. Vorher war dort noch ein weiterer Parkplatz.

Am Eingangstor befand sich links die sondergeschützte Wache. Diese wurde im Zuge der geplanten Angriffe durch die RAF auf diverse Mun.Depots mit schußfestem und verblendetem Glas ausgestattet um die Wachmannschaft zu schützen. Das Depot wurde durch eine private, aber handausgewählte Wachmannschaft mit Diensthunden rund um die Uhr gesichert.
Hinter der Wache befinden sich noch die Aufnahmen der Flaggenmasten, es wurde jeden Morgen ein Fahnenappell durchgeführt und vom Spieß überwacht :-)

Rechts der Wache befindet sich der Verwaltungsbungalow in dem die wenigen Soldaten mit den vielen Zivilangestellten untergebracht waren.

Hinter dem ersten verklinkerten Gebäude führt ein Weg hinunter zur ersten von zwei Diensthunde-Zwinger-Anlangen und Freilauf und weiter hinunter zum „Feuerlöschteich“ , der mittlerweile ja ein Tümpel ist und damals für Schwimmwettkämpfe genutzt wurde. :-)
Ganz unten ist ein langes Gebäude, in dem sich eine Kegelbahn befunden hat.

Dahinter im nächsten verklinkerten Haus war u.a. die Bundeswehr-Feuerwehr und die Sanitäts-Station untergebracht. Die Betriebsfeuerwehr hatte eigene Löschfahrzeuge mit Wasserkanonen, sogar später ein großes Löschgerät, wie man es auf Flughäfen findet und einen SanKW. Unterhalb diesem Gebäude war ein weiteres kleines Gebäude mit u.a.der Hauseigenen Sauna :-)

Die eigene Feuerwehr hat oftmals die damals schlechter ausgestatteten Löschzüge in der Nachbarschaft unterstützt.

Oben hinter dem Feuerwehrgebäude befindet sich ein weiterer Verwaltungsbau , daneben befindet sich ein schmaler Weg hinunter zu einem weiteren Gebäude, vorbei an einem wundervoll gemauerten überdachten Grillplatz.

In diesem Gebäude befindet sich übrigens der ominöse kleine Tunnel, von dem hier geschrieben wurde...

Bei dem Gebäude handelt es sich um das Casino. Hinter der Theke war eine super ausgestattete Restaurantküche, dann die wundervolle Theke vorne und der Casino-Raum mit eigenen Kaminraum. Links herum ein weiterer Theater-Raum mit erhobener Bühne.

Jetzt kommt´s: neben der Theke geht’s rechts die Treppe herunter zu einem recht kleinen Kellerraum mit dem ominösen Tunnel, welcher eine Klappe hinter dem Gebäude auf der Wiese hat:

Es war echt nur ein Luftgewehr-Schießstand, es tut mir leid :-) !!! Manchmal hat die elektrische Zielkartenrückführung geklemmt, und bevor man durch den Tunnel kriechen muss, geht man von oben und außen herum an die Zielvorrichtung und kloppte mal ordentlich dagegen.

Im vorderen linken Bereich des Casino war auch die Fahrbereitschaft untergebracht.

Gegenüber des Casinos befindet sich der Gedenkstein:

Das Mun.Depot war seinerzeit eine richtig nette kleine Familie und deshalb wurde auch den verstorbenen Mitarbeitern, seien es zivile Angestellte oder Soldaten gedacht. Es waren Mitarbeiter, Freunde und Mitmenschen die gestorben sind und deren dort damals neben der Beerdigung noch ein würdiges Andenken geschaffen wurde. Dieser Stein hat nichts mit dem Terror des Weltkrieges zu tun, war und ist eine Würdigung des menschlichen Miteinanders unter den Mitarbeitern.

Hinter dem Gedenkstein gibt es weitere Hallen.

Von der Wache aus die erste links, weiter zurückliegend- dort parkten die Lkw. Dahinter war auch eine Reparaturhalle mit Rampen für die Fahrzeuge, denn es gab im Depot auch Kfz-Mechaniker.

Die Hallen hinter dem Gedenkstein waren die Fahrzeughallen der BW-Feuerwehr, des Sani-Kw und dort waren auch einige Werkstätten der Schreiner und Metallarbeiter. Hinter diesen Hallen hat sich eine eigene Tankstelle befunden.
Der Wald an der Stirnseite der Hallen, links der Wald neben der Wache, wurde damals auch mit einer militärischen Hindernisbahn ausgestattet. Man sieht villeicht noch einige Holzwände oder Gruben und Seile in den Bäumen. Es war ein Abenteuerspielplatz :-)

Nun betritt man das zweite Tor, welches stets geschlossen war und den zweiten Sicherheitsbereich bedeutete.
Ich habe mal ein Bild hier gesehen, mit einer zerstörten grauen Telefonanlange- dies diente der Wachmannschaft zur Kontaktaufnahme mit der Wache auf ihren festgelegten Streifengängen und diese Telefonkisten waren im gesamten Sicherheitsbereich stationiert. Die schußfesten Kegel wurden zur Sicherheit der Wachmannschaft im gesamten Sicherheitsbereich als Notfall-Rückzugsraum aufgestellt. Eigentlich waren sie Überbleibsel aus einem anderen Standort und wurden dort „recycled“. Man konnte von dort aber auch prima die Wildtiere beobachten, die im Sicherheitsbereich eine Heimat gefunden hatten. Es hat zum Glück nie einen gewalttätigen Angriff gegeben, dennoch wurde das Depot im kalten Krieg öfters von der Sowjetischen Militärmission ausspioniert und war auch mal gedachtes Ziel der RAF.

Im eigentlichen Sicherheitsbereich, in dem übrigens eine Herde Heidschnucken das Gras gemäht hat, gibt es direkt links einen eingezäunten Bereich, der wurde für die Hundeausbildung und als Freilauf genutzt. Daneben gibt’s im gesamten Bereich wieder einige Hallen für Fahrzeuge und Material und auch die sog. Bunker.
Letztendlich haben die Bunker ihre bewachsene Form, eingebettet in an drei Seiten befindlichen Erdaufschüttungen wegen der theoretischen Explosionsgefahr bei der Munitionslagerung und auch von oben wegen dem „Täuschen und Tarnen“ im kalten Krieg.

Explosionen muss man ja einen kanalisierten Weg lassen und deswegen gab´s nur die Erdaufschüttungen daneben.

Im Sicherheitsbereich findet man auch einen weiteren Hundezwinger auf der rechten Seite neben einem weiteren keinen Verwaltungsbungalow.

Ein Stück weiter geradeaus gibt’s wieder ein längeres Gebäude, welches von Erdwällen an drei Seiten umgeben ist. Dort wurde an und mit Munition gearbeitet. Hier habe ich auch ein Foto gesehen mit den Schutzwänden im inneren. Das war eine reine Sicherheitsmaßnahme um evtl. Druckwellen abzulenken.
Sobald dort mit Munition gearbeitet wurde, waren die beiden Schranken vor und hinter dem Gebäude geschlossen, deswegen gibt’s noch einen Weg außen herum.

Es wurden aber keine ABC-Waffen gelagert, es gibt auch keine unterirdischen Bunker oder Tunnel.
Es wurden auch keine M1-Panzer der Amis dort untergestellt.
Man hatte guten Kontakt zu den „Besatzungsmächten“ Großbritannien und besonders Belgien- man hatte Patenschaften aufgebaut und gerne im Casino gefeiert.:-)

Der große Turm auf dem Gelände im zweiten Sicherheitsbereich wurde ja nun vor 10 Jahren gesprengt:
Es handelte sich um einen hohen Holzturm, von wo man das gesamte Waldgebiet rund um Drabenderhöhe im Blick hatte. Dieser wurde regelmäßig bei Waldbrandgefahr besetzt.
Die Bundeswehr hatte diesen Turm also seinerzeit als Feuermeldeturm für die Sichtung von Waldbränden im Umkreis errichtet. Dort waren keine Funk-oder Abhöranlagen angebracht.

Das gesamte Gelände war mit einem Sicherheitszaun und S-Draht umgeben, es gab überall Wege, auch neben den geteerten Straßen, am Sicherheitszaun gab es einen gerodeten Bereich und alles wurde rund um die Uhr gut bewacht.

Es wurden früher auch tatsächlich Mobilmachungsübungen für die Reservisten dort durchgeführt, auch Feuerwehr und THW waren dort zu Gast.

Das Mun.Depot war übrigens auch nie ein geheimnisvoller Ort.

In den gesamten Achtzigerjahren war das Mun.Depot Engelskirchen in Brächen aktiver Teil der Gemeinden und immer gut besucht. Es wurden im Casino u.a. Skatabende und offizielle Empfänge veranstaltet, einmal jährlich gab es einen über die Grenzen der Gemeinden bekannten Wandertag mit gut ausgeschilderten Strecken von 5, 10, 20 und 30 km mit etlichen tausend Besuchern.
Im Gelände im ersten Verwaltungsbereich war alles geöffnet, es waren viele Kirmesbuden von Dosenwerfen über Losbuden bis zum Luftgewehr-Schießen aufgebaut. Der Grill und das Casino offenbarten Köstlichkeiten, es gab Kaffe und Kuchen und auch eine Gulaschkanone mit Erbsensuppe war mit vielen Bierbuden am Start. Die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden waren immer da und auch die Handballer vom VfL Gummersbach ( Andreas Thiel und Heiner Brandt ) , einige Fußballspieler des 1.FC Köln, die Eishockey-Mannschaft vom KEC sowie die Deutsche Ringer-Nationalmanschaft und viele andere Promis aus Funk und Fernsehen waren gerne und oft Gast im Depot. Sogar der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat die Schirmherrschaft über die Wandertage übernommen.
Jeder Wanderer hat einen kleinen Obulus bezahlt und nachher eine Plakette bekommen. Es wurden sogar Fahrten mit alten Militärmotorrädern und kleinen Kettenfahrzeugen aus einem Museum in den zweiten Sicherheitsbereich durchgeführt, auch Schnitzeljagden zu Fuß wurden organisiert, der Brandschutz-Turm wurde erklettert und der gesamte Reinerlös ging immer an den
„ Verein zur Selbsthilfe krebskranker Kinder u. Jugendlicher e.V.“ in Wiehl. Die Kinder waren auch neben den Wandertagen oft zu Gast und es wurde immer etwas tolles für die Kinder organisiert.
Auch die Grundschule in Drabenderhöhe und auch andere gemeinnützige Vereine wurden immer tatkräftig unterstützt, man hat Veranstaltungen für den guten Zweck organisiert und man war ein gern gesehener Teil der Gemeinden.

Ich hoffe ich konnte alles soweit zur Zufriedenheit aufklären.

CW
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Beitrag von CW » 16.10.2015 14:43

Ich habe mich nochmal informiert: Das MunDepot Engelskirchen wurde ab dem 01.07.1971 betrieben und war ein reines Munitionsdepot.
Bei Interesse könnte ich noch einige alte Bilder, Zeitungsberichte und eine Chronik einscannen und hier einstellen.

Daniel88nrw
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Beitrag von Daniel88nrw » 15.11.2015 11:25

CW hat geschrieben:Ich habe mich nochmal informiert: Das MunDepot Engelskirchen wurde ab dem 01.07.1971 betrieben und war ein reines Munitionsdepot.
Bei Interesse könnte ich noch einige alte Bilder, Zeitungsberichte und eine Chronik einscannen und hier einstellen.
Hi,

ich bin durch diese Gerüchte mit dem Tunnel wieder auf diesen Thread gestoßen und würde mich freuen die von dir gennanten Dokumente zu sehen :)

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pigasus
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Beitrag von pigasus » 16.11.2015 21:32

Danke an CW für die Schilderung, besonders auch zum kleinen Tunnel! Schwimmen im Feuerlöschteich war wohl BW-üblich und wurde manchmal schon beim Bau (inoffiziell) berücksichtigt, zum Teil auch übertrieben, wenn der Feuerlöschteich beheizt wurde und über Umkleiden verfügte ;-)

Christoph
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Nachnutzung Brächen

Beitrag von LamFlo » 20.05.2017 13:16

Hier Neuigkeiten zur Nachnutzung vom Depot in Brächen:

http://www.ksta.de/region/oberberg-ks/m ... e-26885720

marc73
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Re: Nachnutzung Brächen

Beitrag von marc73 » 22.08.2018 09:26

LamFlo hat geschrieben:Hier Neuigkeiten zur Nachnutzung vom Depot in Brächen:

http://www.ksta.de/region/oberberg-ks/m ... e-26885720


Und das Neuste:

Eine Teilfläche wird zum Übungsgelände.

http://www.oberberg-aktuell.de/index.ph ... ws]=203498


Viele Grüße

Asiti Ekaf
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Re: Munitionsdepot Drabenderhöhe - Brächen

Beitrag von Asiti Ekaf » 09.04.2021 23:28

Ein Hallo an die Forumgemeinde

Bin auf der Suche nach Anderem auf dieses Thema gestossen.
Ist schon toll, was man so alles an Vermutungen hier aufgestellt hat um was es im Lager Engelskirchen Brächen gegangen ist. Geheimnisvolles oder Triviales, dabei ist alles so einfach – mit ein wenig Logik!

Und dann schreibt einer, er hat da gespielt und kennt sich aus!
Und beschreibt lange und ausführlich das Grundstück, Gebäude und Anderes der Liegenschaft…
Nur, auf das Wichtige kommt er nicht zu sprechen.
Also, wenn man einen Zoo besucht und dann nur die Wege, die Gebäude, Käfige und den Kiosk beschreibt, hat man doch eigentlich nichts über den Zweck des Zoos gesagt!
Und damit gibt sich die Gemeinde dann zu frieden – das Thema ist abgeschlossen!
Um Euch nicht zu lange auf die Folter zu spannen, dieses „Munitionslager“ war eines der wichtigsten Lager für die Hauptstadt Bonn im Kalten Krieg! Der Zweck der Anlage musste heruntergespielt werden, warum?

Asiti Ekaf
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Re: Munitionsdepot Drabenderhöhe - Brächen

Beitrag von Asiti Ekaf » 09.04.2021 23:30

Anfang der 60er Jahre war es zum ersten Mal möglich, schnell fliegende Flugzeuge und sogar Raketen mit Antiraketen abzuschießen. Schon 1959 wurden deutsche Soldaten in den USA an modernen Flak-Raketen Nike Ajax und später Nike Herkules, welche sogar Boden-Bodenraketen abschießen konnte, ausgebildet. Im Westerwald bei dem kleinen Ort Hof entstand die erste provisorische Abfang- Einrichtung mit Nike Ajax Raketen. Nach und nach wurden rund um Bonn, Köln und Leverkusen 8 Raketenbasen errichtet, jede mit 9 Abschussrampen für die Nike Herkules, welche ab 1963 zur Verfügung standen.
Ende der 60er Jahre wurde es eng in der Untertage-Munanlage Mechernich. Hier wurde der Raketen-Nachschub für die Luftwaffe atombombensicher eingelagert. Im Wappen des Luftwaffen- Versorgungsregiments 8 ist denn auch eine Rakete abgebildet. Daraufhin musste Material und Munition ausgelagert werden. Außerdem war der Nachschubweg zu den Raketenbasen, vor allem den vier östlich von Köln im Verteidigungsfall viel zu weit.
Also wurde noch Ende der 60er Jahre eine Raketentechnische Basis östlich des Rheins geplant. Die Wahl des Standortes fiel auf ein großes Waldgebiet südlich von Engelskirchen welches 1970 ausgebaut wurde. Es war nicht die einzige Außenbasis des LW V-Rgt 8. Es entstanden mehrere Depots, welche aber als Außenlager von Mechernich nicht auffallen durften. Trotzdem musste es ja Soldaten in der Nähe geben und so entstand in alten Gebäuden in Gummersbach-Vollmerhausen, Vollmerhauser Strasse 43 das Luftwaffenmaterialdepot 83.
Aber, mitten in der Stadt lagert und wartet man eben nicht hunderte Raketen, dafür gab es das geheime abgesetzte Lager.

Asiti Ekaf
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Re: Munitionsdepot Drabenderhöhe - Brächen

Beitrag von Asiti Ekaf » 09.04.2021 23:33

Strategisch liegt die Basis optimal zwischen den Feuerstellungen Marienheide und Bladersbach und über den nahen Autobahnanschluss waren die Stellungen in Oedingen und Burbach auch gut zu erreichen, jedenfalls viel besser als von Mechernich aus.
So, jetzt denke ich ist klar, warum die Raketentechnische Basis so angelegt werden musste.
Jeder, der sich für Raketenwaffen interessiert, weiß von dem schrecklichen Unglück bei Dannerwalde in der DDR wo dutzende Soldaten umkamen, als ein Raketenlager nach einem Blitzeinschlag nach und nach explodierte, Die Raketen waren dort zu eng und ohne Blitzschutz gelagert. Mehrere hundert Raketen zündeten über Stunden hinweg nacheinander und flogen kilometerweit übers Land!
In Brächen war jedes Gebäude in welchem Raketen gelagert waren, von einem faradayschen Käfig umgeben. Die Entladungsdrähte waren über die Dächer und Stützen rundum die Hallen gezogen. Das ist auf den Bildern, welche hier eingestellt sind, gut zu erkennen. Zusätzlich waren die Hallen weit getrennt von einander. Ein Brandwachturm und eine große Feuerwache war unbedingt notwendig. In zwei Abseits gelegenen Gebäuden konnten Prüfarbeiten durchgeführt werden. In den 8 Hallen mit den hohen Erdaufschüttungen lagen die konventionellen Gefechtsköpfe, welche neben dem Sprengmittel auch Elektronik beinhaltete. Deshalb mussten dort besondere Bedingungen herrschen. Diese wurden von den kleinen, technischen Gebäuden rundum sichergestellt.
In dem Gebäude mit den Trennwänden und den vielen Toren wurden parallel die Nike Herkules, welche aus fünf Stufenmotoren bestanden endmontiert. Die fertig montierten Raketen wären dann zu den Abschussbasen gefahren worden. Im Warhead-Building wurden dann die atomaren Gefechtsköpfe auf die Rakete montiert. Die Atommunition kam aus einem ebenfalls nahe gelegenen Sonder-Lager mit US Hubschraubern in die Feuerstellung.
Jetzt kann jeder für sich entscheiden, ob es nur ein normales „Munlager“ war, oder eben doch etwas ganz besonderes und geheimnisvolles.

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