Ballon-Batterien

Luftverteidigung durch Flak und andere Fliegerabwehr, Scheinwerferstellungen, Scheinanlagen und ähnliche Objekte
Gast

Beitrag von Gast » 07.06.2005 16:54

Hallo Eric und alle anderen!

Ohne jetzt die von EricZ bezeichneten Quellen zu kennen möchte ich doch mal die These aufstellen, das Beobachtungsballone für die Flakabwehr recht unsinnig sind.
Wieso sollte ich zur Beobachtung gegnerischer Flugzeuge/-taktiken in einen Ballon steigen, wenn ich Flugzeuge genausogut von Boden aus beobachten kann. Einzige denkbare Erklärung wäre ein´durch Gebäude o.ä. behindertes Sichtfeld. Aus ähnlichen Gründen wurde auch bei den Flugmeldediensten Türme errichtet. Allerdings erkaufe ich mir diesen Vorteil bie den Ballonen mit einer nach oben sehr eingeschränkten Sicht vom Korb aus gesehen, weil da ja dann der Ballon im Weg ist. Zudem besteht sicherlich ein gewissen Risiko das Ziel von Tieffliegern zu werden.

...aber wie gesagt, das nur spontane Gedanken die mir bei den Bildern direkt durch den Kopf gegangen sind!

Gruß
Zet

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Deichgraf (†)
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Beitrag von Deichgraf (†) » 08.06.2005 06:47

das waren auch meine ersten Gedanken zu Eric´s Antwort. Aber Eric trau ich zu, daß er weiß was er schreibt. Und nix ist unmöglich...
Bis dann
Deichgraf

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EricZ
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Beobachtungs-Ballone - Turmbeobachter

Beitrag von EricZ » 08.06.2005 13:06

Moin,

Danke erstmal für den regen Gedankeaustausch! :thumbup:

Zum Thema Beobachtung vom Boden bzw. von höheren Gebäuden folgendes Zitat:
Während eines
Angriffs meldeten die Turmbeobachter nach der Melderose, so daß der LS-Leiter sich möglichst schnell ein Bild von Umfang, Art und Ort der Schäden machen konnte.
Mit diesen genannten Turmwachen sind übrigens wiederum nicht die Flugwachen des Flugmeldedienstes gemeint...
Die Turmwachen meldeten an den örtlichen Leiter der LS-Polizei.
Von dort gingen Informationen allerdings auch weiter zu anderen Nutznießern.

Auch ist eine Einschränkung zu machen, weil nach der mir vorliegenden Quelle diese Ballon-Beobachtung bei Nacht nur in den ersten Kriegsjahren durchgeführt wurde.

Grüße, Eric


Daneben wollte aber sicherlich
And I'm hovering like a fly, waiting for the windshield on the freeway...

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Henschel
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Beitrag von Henschel » 10.06.2005 13:21

Hiyaz,

vor ca. 3 Jahren hatte ich einen Gesprächspartner, damals Unteroffizier, der 1938/39 bei der Beobachtungsabteilung 6 in der Bleidorn-Kaserne in Lemgo stationiert war.
Der Ballonabteilung der er angehörte war damals - wegen des Wasserstoffs - am Biesterberg untergebracht.

Der Gesprächspartner konnte von Einsätzen seines Ballonzuges bis Herbst 1944 berichten.

Während der Zeit in Lemgo führte die Ballonabteilung auf dem Truppenübungsplatz Meppen erfolgreiche Versuche mit Schallmessverfahren aus dem Ballon durch. Des weiteren wurde die Abteilung zu Vermessungsaufgaben am Westwall eingesetzt.

Das direkte Beobachten (auf Sicht) wurde eigentlich nur noch am Anfang des Angriffs auf Polen und Frankreich ausgeführt. Schon durch den Transport der Einheit durch Pferdekarren hinkten diese weit hinter der Front hinterher. Auch durch den Wasserstoff war die Einheit in der Nähe von Lagern nicht gern gesehen. Schnell merkte man das die Kampfführung in einem Blitzkrieg auf Beobachtungen aus der Luft (durch Flugzeuge) angewiesen war.
Da auch die Artillerie fast ausschließlich auf Pferde angewiesen war, wurde die Aufgabe der Artillerie stark zurückgesetzt. Deren Aufgabe wurde auch immer mehr durch Luftwaffe (Stukas) übernommen.

1940 oder 41 führte die Einheit wieder Versuche in Meppen durch. Diesmal wurde das Lichtmessverfahren getestet. Dabei wurden die Ballons auf ca. 80 – 100m aufgelassen. Das Lichtmessempfangsgerät wurde mit Kabel mit der Lichtmessbatterie verbunden. Diese Versuche verliefen trotz guter Umstände allerdings nicht erfolgreich. Auch wurde die Zusammenarbeit mit den Wetterpeilzügen geübt.

Beim Angriff auf Russland wurden wieder Ballons eingesetzt. Mittlerweile soll das Schallmessverfahren vom Ballon aus nochmals verbessert worden sein. Desweiteren wurden die Ballonabteilungen dann in Ballontrupps (und auch eigenständige Wasserstoff-Aufbereitungstrupps) aufgeteilt. Diese wurden dann auch über die Regimentsgrenze eingesetzt. Gleichzeitig konnten sie von anderen Truppenteilen angefordert werden.

Der Trupp wurde so in Russland mehrmals auch an die Luftwaffe abgestellt. Dabei organisierte man sich gern die beliebten Flieger-Kombis die im Heer nicht zu bekommen waren. Aufgaben waren vor allem die schnelle Vermessung von Feldflughäfen. Auch wurden von der Luftwaffe Sperrballons abgegeben (nach Beschädigung oder Verlust) die dann feldmäßig als Beobachtungsballons umgebaut wurden.

Die Meinung das Ballons nur in Kasernen für Übungen benutzt wurden ist nicht richtig ! Schon aus Eifersüchteleien zwischen Heer und Luftwaffe wurden die Heeresballonfahrer mindestens bis Herbst 44 (Hürtgenwald) auch als solche eingesetzt.

Leider habe ich keinen Kontakt mehr zu dem Gesprächspartner. Ein weiteres Gespräch ist leider auch nicht zustande gekommen. Auch konnte er nur sehr ungenaue Ortangaben machen (z.B. Heeresgruppe Mitte oder Eifel - statt Hürtgenwald).

Doch nun --- lange Rede, kurzer Sinn --- warum erzähle ich das alles...

Der gute Mann berichtete von einem Kameraden (auch Unteroffizier) der Mitte 1941 mit seinem Ballontrupp zu Schallmessverfahren ins Ruhrgebiet versetzt wurde. Später war der dann bei der Luftwaffe (!) – als Ballonführer. Der Kamerad war im Ruhrgebiet bis zum Kriegsende, angeblich in der Nähe von Düsseldorf ( Jaja, ich weiß das ist nicht das Ruhrgebiet das ist da schon Rheinland...hat mir grade auch wieder meine Lebenspartnerin unter die Nase gehalten). „Der hat sich da einen Lenz gemacht...“ Und dann erwähnte er noch das der Kamerad ja gar kein Schallmessspezialist war (das war eher er) sondern ein Vermesser. Hat sich darüber auch noch fast 60 Jahre später geärgert. Damals hatte ich die Aussage gar nicht so interessant gefunden, aber als ich jetzt angeregt durch eure Mails noch mal nachsah fiel mir auf, das mein Gesprächspartner bei seinen Übungen und Manövern immer von Meppen sprach und nur in diesen Fall vom Ruhrgebiet.

Soweit Fact – jetzt kommt Fiction:

Die Erklärung könnte Folgende sein:

Ein Beobachtungsballon wird in die Nähe eines sicheren Ziels gebracht. Beim Angriff kann nun durch Schallmess (???vielleicht auch Lichtmess???) die Einschläge korrekt erfasst werden. Dadurch würde z. B. ein Reihenabwurf analysierbar. Man vergleiche die verschiedenen Messungen und kann Aufschlüsse über Angriffstaktik, aber vor allem auch über die Genauigkeit von Zielgeräten und ähnliches erfahren. Durch Vergleich von Sicht-Daten und/oder Radar kann ich auch auf die Angriffstaktik schliessen.
Warum so fragt man sich nun macht man das nicht in aller Ruhe nach dem Angriff ??? Kann doch die Effizienz genauso gut geprüft werden! Ja, aber der Faktor Zeit ist unberücksichtigt. Da menschliche Eindrücke in Extremsituationen sehr schnell täuschen muss man hinter solchen technischen Daten hinterhergewesen sein wie der Hund hinter der Katze.
Warum ein Vermesser ??? Die Fronteinsätze mit Schallmess wurden in einer Höhe von etwa 300m durchgeführt – vor allem bei Nacht und Nebel. Bei Einsätzen im Ruhrgebiet kann ich nicht auf gutes Wetter warten. Also muß ich den Standort des Ballons immer wieder neu vermessen (weil der sich ja in der Luft bewegt). Das Haltetau kann bei 300m ja wesentlich länger ausgefahren sein, da die Höhe - aber nicht der Standpunkt exakt gehalten werden kann. Das könnte ein Vermesser dann besser als ein Schallmessmann. Die Ergebnisse helfen dann auch dem Bunkerbau und dem Luftschutz.


Hoffe damit etwas geholfen zu haben.

Bis denne

Henschel

Seeniak

Beitrag von Seeniak » 19.02.2011 14:03

Auf dem Biesterberg bei Lemgo waren die ehemaligen Ballonhallen. Zu Kinderzeiten konnte man dort in den "Bunkern", die sich auf der der Stadt abgewandten Seite des Standortübungsplatzes befanden rumklettern. Später habe ich dann realisiert dass die Bunker nur Kellergeschosse von Gebäuden waren. In den 90er Jahren wurden die anziehenden Ruinen entfernt.

Imme
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Beitrag von Imme » 24.03.2011 08:11

Moin,

hier mal zwei Sperrballon-Standorte: Bremen (Neustadt) und Kiel-Holtenau.

In Kiel wurden Sperrballone auch auf Prahme installiert. Das Einzelfoto ist ebenfalls inm Kieler Hafen aufgenommen worden.

Gruß
Andreas
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bettika
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Sperrballonstandorte

Beitrag von bettika » 03.04.2011 17:50

Hallo,
aus der Chronik "MÖNKEBERG IN BEWEGTER ZEIT" 1920-1950 von Hans Schöner.(Dank an Leif)
Bericht eines Zeitzeugen:
"Aber ab abends 10 Uhr lagen wir lauschend in den Betten und achteten auf die Geräusche, die vom Wasser her den nächtlichen Fliegeralarm ankündigten. Das waren die Kommandos, die Zum Vernebeln der Förde auf den ,Nebelbooten gegeben wurden, und das
surrende Geräusch, das beim Aufsteigen des Sperrballons auf der Germaniakoppel entstand....Unser Vater kam einmal fast zu spät, er hatte sich in dem künstlichen Nebel,
der überall unterwegs aus den Nebeltonnen aufstieg, verirrt."


(Ergänzend auch noch zum Thema Vernebelung)
viewtopic.php?t=3659&postdays=0&postorder=asc&&start=0

Grüsse
bettika
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

flugschüler
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Beitrag von flugschüler » 02.05.2011 21:24

Hallo,
ein Auszug aus" Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg" bearbeitet von Erich Hampe: Rauch und Qualm machten es den Turmbeobachtern häufig unmöglich, in Horizontalsicht die Gefahrenpunkte zuerkennen. Daher wurde bereits, wie schon geschildert, im Raum Berlin ein Flugzeug mit Sprechfunk eingesetzt.
Warum sollte das eventuell in anderen Regionen nicht mit BEOBACHTUNGSBALLONE gemacht worden sein. Wäre doch eine simple Erklärung.
Mfg Flugschüler

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janne
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Beitrag von janne » 03.05.2011 00:45

Ein weiterer Beleg für Sperrballone in Bremen findet sich in dem buch Bunkerwelten.
Dort findet sich ein Foto mit einem Hochbunker im Bau und einem Sperrballon im Hintergrund.
Die Bildunterschrift lautet:
"...Eingerüsteter Luftschutzbunker in Bremen Anfang 1941 mit einem aufgelassenem Sperrballon gegen Tiefflieger..." (Foedrowitz: Bunkerwelten, Luftschutzanlagen in Norddeutschland,
S. 31)

Gruß
Jan

Tom Riddle

weiterer Beleg

Beitrag von Tom Riddle » 13.05.2011 08:43

Brunswik "Feuersturm über Hamburg",
Seite 178, Bild 61

TR

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