Küstengeschütz oder -batterie

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g.aders
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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von g.aders » 27.02.2021 11:12

Noch ein Nachtrag:
Im I. WK wurden aus einigen der alten Küstzenpanzerschiffe der Siegfrid-Klasse die 24 cm/L 35 Kanonen ausgebaut und damit die Küstenbatterien "Bremen" auf Nordernay und "S1" auf Sylt ausgerüstet - könnte das Foto eine dieser Baterien zueigen?
Beste GHrüße
G, Aders

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janne
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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von janne » 27.02.2021 11:55

Dann werfe ich nochmal den Bereich von Bremerhaven bis Cuxhaven in den Raum. Dort gab es die Weserforts, die Haubitzenbatterie Wremen und das Fort Kugelbake.
In Wremen lag die 3. Matrosen- Artillerie-Abteilung. Dort gibt es auch vergleichbare Spiele.

OWW
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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von OWW » 28.02.2021 10:50

Hallo,
erneut vielen dank für Eure Hinweise.
Polen (Pillau) oder noch weiter östlich bzw. nordöstlich wurde von polnischen Experten ausgeschlossen.

Batterie Bremen auf Norderney oder S 1 auf Sylt wären grundsätzlich denkbar. ich kenne keine Fotos dieser Batterien, wo sie mit Geschützen bestückt sind. Insofern fehlt mir da eine Möglichkeit des Abgleichs. Allerdings möchte ich S1 ausschließen, da diese Batterie im Norden der Insel inmitten einer Dünenlandschaft lag/liegt. Norderney mit Batterie Bremen bleibt aber eine Option!! Die Geschütze der dortigen Schwesterbatterie Hamburg sahen allerdings vom Schutzschild her anders aus! Aber auch dazu sind mir nur zwei sehr schlechte Bilder bekannt.
Batterie Wremen war eine Haubitzbatterie. Geschütze und Bettung sahen anders auch!
Die Weserforts Langlütjen II und Brinkamahof II hatten Panzertürme, insofern wäre das auch keine Option. Fort Langlütjen I war mit einer Panzergallerie armiert, passt also auch nicht. Brinkamahof I wäre denkbar. Da fehlen mir leider auch Vergleichsbilder! Das Fort lag aber mitten im Hafengebiet. Das passt also bedingt mit dem Hintergrund, aber nicht so sehr mit den Einfamilienhäusern.
Cuxhaven/Fort Kugelbake wurde von dem dortigen Experten G. Wildfang ausgeschlossen. Kugelbake passt von den Geschützen und der Bettung her gar nicht. Fort Thomsen oder die Kanonenbatterie waren auch meine ersten Favoriten, sind es aber leider auch nicht.
Insofern bleibt als Resümee, dass Batterie Bremen oder Fort Brinkamahof I in die engere Wahl gerückt sind.
Schönes Wochenende
Oliver

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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von HaVo79 » 28.02.2021 12:53

Hallo zusammen,
vielleicht hilft es ja irgendwie weiter,
in dem Buch " Festungsbau an Nordsee und Ostsee" von Frank Gosch findet sich zum Fort Brinkamahof I die Informationen ,das dort im Zeitraum 1867 - 1872 10 21 cm Ringkanonen L 22 befanden, welche paarweise offen aufgestellt waren. Ferner wird geschrieben das überlegt wurde das Fort schon 1903 zu verkaufen, da es veraltet war.
Da Wolf schrieb das die Matrosen eher wie Urlauber wirken würden, hätte ich eine Frage/ Anregung:
Kann man an den Uniformen sehen ob es sich um an Land stationierte Matrosen handelt oder Schiffsbesatzungen, die vielleicht die Kanone bei einem Auslandsbesuch besichtigen?
Schönen Sonntag
V.Harms

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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von wobo » 28.02.2021 22:24

HaVo79 hat geschrieben: 28.02.2021 12:53 Kann man an den Uniformen sehen ob es sich um an Land stationierte Matrosen handelt oder Schiffsbesatzungen, die vielleicht die Kanone bei einem Auslandsbesuch besichtigen?
Dazu kann ich nur mit meinem pers. Bauchgefühl antworten:

1.) Die Gruppe wirkt extrem entspannt, losgelöst von jeglicher militärischer Hierarchie.
Sitzend = eine Person in Freizeitkleidung (Zivilist ?) ein Matrose mit Schirmmütze (Bootsmann ?),
auf dem Rohr, in dem Geschütz 2 Matrosen die eher wie übermütige Kinder wirken.
Gut sichtbar tragen die Matrosen Segeltuchschuhe, was sehr gut zu diesem "privaten" Foto passt.

2.) Auslandbesuch ... halte ich für ausgeschlossen, ich denke da würden zumindest die Matrosen
in voller Montur und wie aus dem Ei gepellt dastehen, die kämen so sicher nicht von Bord.

Gruß Wolf

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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von g.aders » 01.03.2021 12:12

Guten Tag,
hängt Euch doch nicht so sehr an dem Aussehen der Jungs an dem Geschütz auf. Auch bei Preußens in der Kaiserzeit dürfte der Dienst in einer Küstenbatterie zum größtenteil Gammeldienst gewesen sein, erst recht an einem Sonntag im Sommer, da konnten sich die Jungs mal locker geben..
Das Geschütz war jedenfalls eine Ringkanone, wie sie gegen Ende des 19. Jh hergestellt wurde, und sehr wahrscheinlich eine 24 cm/L 35, mit den die deutschen Küstenpanzerschiffe der Siegfried und Beowulf-Klasse ausgerüstet wurden und die im Ersten Weltkreg nach Außerdienststellung der Küstenpanzer in den Küstenbatterioen Verwendung fanden.
Vielleicht hat eine Anfrage im Marine-Forum Erfolg?
Beeste Grüße G. Aders

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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von wobo » 01.03.2021 13:30

g.aders hat geschrieben: 01.03.2021 12:12 Das Geschütz war jedenfalls eine Ringkanone, wie sie gegen Ende des 19. Jh hergestellt wurde, und sehr wahrscheinlich eine 24 cm/L 35, ...
Moin, ich habe mal gestöbert:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Cate ... _artillery
von Krupp scheint das gesuchte Geschütz nicht zu stammen
und um als 24 cm/ L35 durchzugehen ist es zu klein :?:

Gruß Wolf

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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von janne » 01.03.2021 17:29

In "Die Weserforts" DAWA Sonderheft 28 steht zu Brinkamahof 1 ebenfalls:
"Das einer Lünette gleichende Werk von etwa165m Länge und 75 m Breite besaß einen leicht nach außen gebrochenen Frontal mit zwei Flankenwällen. Auf dem Wallstsnden 5 x je zwei 21 cm R.K L/22 zwischen Hohltraversen...."

"Das Werk wurde Ende der 20er Jahre wegen der erforderlichen Erweiterung des Hafens von Bremerhaven abgerissen..."

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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von g.aders » 02.03.2021 11:42

Guten Tag,
die von Janne erwähnten 21-cm-Geschütze können es nicht sein, das waren mit einer Kaliberlänge von 22 relativ kurze "Stummel".

Wolf:
für 24cm/L 35 zu klein? Also kleiner als 24 cm?Ü Vergleich mal die Unterarme des Matrosen auf dem Rohr mit den Deckeln auf der Mündung.
Aber wo könnte außerhalb des Reiches dieses Geschütz gestanden haben. Nicht in Belgien. Vielleicht in Libau?
An der 1918 eroberten Schwarzmeerküste - dazu passen nicht die Gebäude im Hintergrund. Aus dem gleichen Grund fällt Gallipoli auch weg, abgesehen davon, dasss hier türkische Kanoniere waren.

Wieder mal mein Tipp: im Marineforum nachfragen.
Beste Grüße
G. Aders

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Re: Küstengeschütz oder -batterie

Beitrag von janne » 02.03.2021 11:54

Zu Norderney habe ich mal im DAWA Sonderband 6 „Die Festung Norderney im Zweiten Weltkrieg“ von Friese und Röben gestöbert.

Batterie Bremen:
„Drei Bettungsschießgerüste von Krupp für 24 cm SK L/35 Geschütze in offenen Ringbettungen (1938 demontiert)“
„Die Geschütze der Batterie Bremen kamen 1916/1917 nach Norderney und stammen von der SMS Hagen… die 1915 außer Dienst gestellt wurde."

Auf einem Foto ist ein Geschütz versenkt in Ringbettung mit Schild in Tarnfleck zu erkennen.

Es gibt und gab dort keinen Deich und kein Wasser im Hintergrund. Das gesuchte Geschütz scheint auch eher in den Deich eingelassen zu sein, statt in Ringbettung.

Batterie Hamburg:
„vier Bettungen für 24 SK L/40 Geschütze“
„…vier 24 cm SK L/40 Schiffsgeschütze in Bettungsschießgerüsten der Firma Krupp in offener betonierter Ringbettung.“


Auch hier das gleiche Ausschlusskriterium wie bei Batterie Bremen.

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