Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Luftverteidigung durch Flak und andere Fliegerabwehr, Scheinwerferstellungen, Scheinanlagen und ähnliche Objekte
Streckenläufer
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Re: Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Beitrag von Streckenläufer » 29.04.2019 12:30

Mahlzeit,
ist zwar nicht mein Fachgebiet, stell aber trotzdem mal eine Frage. Ich bin ca. 20km südlich von Nürnberg aufgewachsen in einen kleinen Dorf nahe Altdorf. Laut Aussage von ein paar "Uhreinwohner" gab es dort eine Flakstellung am Ortsrand. Als Kind haben wir Kinder nach dem das Ackerland gepflügt wurde abgesucht und hunderte von Patronenhülsen von ca. 2-3cm Durchmesser gesammelt. Ende der 70er wurde durch Kanalarbeiten mehrere Hülsen ca. 10cm Durchmesser gefunden. Gibt es irgend ein Kartenmaterial oder Dokumente aus dieser Gegend?

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niemandsland
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Flakstellungen im Raum Nürnberg

Beitrag von niemandsland » 29.04.2019 14:49

Moin,

vielleicht schaust Du mal in diesen Beitrag: viewtopic.php?f=25&t=20060 hier im Forum. Oder besuchst mal das Nürnberger Stadt- bzw. Staatsarchiv. Da solltest Du schon fündig werden.

Wenn Du den Ort etwas genauer beschreiben könntest, dann wäre es vielleicht auch möglich, nachzusehen ob man Daten zur Stelle hat, die Dich interessiert. Ortsteil wäre für einen nichts Ortskundigen schon mal ein Beginn. Eine Koordinate sicherlich auch nicht falsch.

https://www.google.com/maps/place/90518 ... 11.3564834
Altdorf (südwestlich von Nürnberg) ist als Ortsangabe ein ziemlich großes Gebiet. Es vergrößert sich noch einmal, wenn nicht wenigstens das Dorf genannt wird, wo Du damals gelebt und aufgewachsen bist. ;-)

Sorry... aber da kann ich auch gleich alle Flakstellungen rings um Nürnberg raussuchen.

Und beim nächsten mal vielleicht einfach einen neuen Thread öffnen. So recht passt - meiner Meinung nach - Deine Frage hier im Thread nicht.

Gruß aus Hannover
Guido Janthor
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Re: Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Beitrag von Zwackelmann » 29.04.2019 20:10

Hallo Guido,

Sei mal gnädig ;)
Recht hast Du ja, dass die Frage in einem eigenen Thema besser untergebracht wäre, aber die Frage ist doch interessant und recht vielversprechend vorgebracht. In diesem Sinn:

Weiter so und Gruß, Thomas!
Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!

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Re: Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Beitrag von Zwackelmann » 03.01.2020 22:30

Hallo zusammen,

Sozusagen als Abfallprodukt meiner Atlantilwallrecherche zu einer Tour nach Walcheren habe ich für die Marine-Flakabteilung 810 'Holzschuh' herausgearbeitet, dass jede ihrer schweren Batterien mit 4 x 10,5 cm SK C/32 über zwei 2 cm Flakvierling 38 und ein FuMG 62 A Würzburg verfügte.

Also ganz ähnlich wie bei der Luftwaffe, s. viewtopic.php?f=48&t=21923

Gruß, Thomas
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Re: Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Beitrag von Pinguin der 2. » 04.01.2020 13:26

Ich bin öfters mit Besuchern auf dem Flakbunker in HH-Wilhelmsburg. Unterhalb der vier 12,8 Zwillingsgeschütze ist der frei zugängliche Umlauf mit den 20mm Geschützstellungen bebildert dokumentiert. Ein Besuch dort ist jedesmal wieder beeindruckend.
sapere aude

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Re: Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Beitrag von Zwackelmann » 04.01.2020 18:22

Die Turmflakabteilungen sind natürlich ein besonders durchschlagender Beweis, wenn sie auch deutlich umfangreicher mit leichten Flak ausgestattet waren.

Gruß, Thomas
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Re: Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Beitrag von Leif » 09.01.2020 16:40

Hallo,

ich gehe davon aus, dass es grundsätzlich vorgesehen war, die großkalibrigeren Waffen mit leichen zu schützen. Evtl. kann ja ein Experte mal sagen, ab wann die Zünder der 8,8 oder 10,5 erst scharf waren.
Ich kenne es eigentlich auch nur so, dass eine Marineflakbatterie mit leichten Waffen für Nahbereichsbekämpfung ausgestattet war. In Hupp ist auf den Zeichnungen jeweils bei der Scheinwerferstellung und der schweren BAtterie eine leichte Waffe verzeichnet. Ich muss die Tage nochmal suchen, ob ich irgendwo eine Dienstvorschrift zu den Batterien finde. Dort müsste es ja geregelt sein.

[Nachtrag] Anbei eine Seite aus dem Planheft für ortsfersten Einbau von Flakkampfmitteln des OKM von 1940.

Ich stelle hier unkommentiert Zitate aus dem Koch – Flak (Auflage 1965) ein.
Aussage zum Zeitraum ~ 1936, Seite 42 f.

Die schwere Flakbatterie in Feuerstellung gliederte sich in:
Befehlsstelle I
Befehlsstelle II
Feuerstellung
Funkstelle
leichter Flaktrupp
Der leichte Flaktrupp (im Frieden 2 2 cm-Flak, im Kriege später 3) wurde je nach Gelände geschlossen so eingesetzt, daß er Tiefangriffe auf die Batteriestellung wirksam abwehren konnte.
Die Protzenstellung
Seite 47 (Auch ~ 1936):
Zum Schutz der eigenen Feuerstellung gegen Tiefangriffe erhielten alle s.Bttr. einen le. Flaktrupp mit zunächst 2 2 cm-Flak 30. Daneben waren für die Tieffliegerabwehr in der Kampfzone und in der Heimat leichte Flakabteilungen (je 2 Bttr. 2 cm-Flak und 1 Bttr. 3,7 cm-Flak 36/37) gebildet worden. Zunächst war vorgesehen, aus je einer der genannten Abteilungen ein Regiment zu bilden. Dieser Plan kam nicht zur vollen Durchführung, weil sich nach langem Widerstreit der Meinungen und unter dem Einfluß der Erfahrungen in Spanien andere Vorstellungen über die Gliederung der Flak durchsetzten.
Seite 195 (Osten, ca. 1942)
Die aus den Erfahrungen des Vorjahres resultierenden Forderungen auf Verbesserung der Gliederung und Bewaffnung der mot. Flakabteilungen konnten vom ObdL nur zum geringen Teil erfüllt werden. Gefordert waren u. a.:
Umrüstung einer der 2cm-Bttr. der gem.Flakabt. (mot) von mot. z. auf mot. s., Umbewaffnung der le. Flaktrupps von 2cm-Einlingen auf 2cm-Vierlinge bei den 8,8cm-Bttr., Umwandlung der 3,7cm-Bttr. der le. Flakabt, auf mot. s. und neue Gliederung der le. Bttr. (mot. s.) in 2 Züge mit 2cm-Flak-Einling, 1 Zug 2cm-Flak-Vierlinge und 1 Zug 3,7cm-Flak.
Seite 657:
Gliederungs- und Stärkeübersichten (Luftwaffe)
Die nachfolgenden Übersichten wurden amtlichen G2-(Ic)-Handbüchern der USArmy und der Royal British Army entnommen und entsprechen etwa dem Stand von 1942/44. Sie sind mangels greifbarer K. St. N. der Luftwaffe nur als Anhalt anzusehen, obwohl angenommen werden kann, daß sie aus erbeuteten Original- Unterlagen zusammengestellt worden sind. (…)
Schwere Flakabteilung (v)
Stab mit Nachr-Zug: 6 Offz., 2 Beamte, 20 Uffz., 67 Mannsch. mit 1 le MG, 19 Kfz., 7 Anh. und 4 Krädern.
l._4. Bttr, je: 2 Offz., 21 Uffz., 81 Mannsch. mit 2 le MG, 2 2cm-Flak, 6 8,8cm-Flak, 2 Kfz., 9 Anh. und 2 Krädern.
Angaben über Handfeuerwaffen liegen nicht vor. Ein Teil der Bttr, hatte je 8 8,8cm-Flak und bis zu 4 2cm-Flak Bttr, mit 10,5cm- und 12,8cm-Kanonen enthielten im allgemeinen je 4 Kanonen (vereinzelt auch Zwillingswaffen).
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Re: Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Beitrag von niemandsland » 17.01.2020 05:32

Moin,

ich ziehe jetzt hier mal wieder mein lieblings Beispiel Hannover ran, und schreib mal ein paar Wörter dazu. Bis Herbst 1943 finden sich hier über das Stadtgebiet eher leichte Flak auf Gebäuden und mehrere Züge abgesetzt meistens zum Schutz von Brücken oder anderen relevanten Zielen als Nahschutz. Etwa ab Herbst vollzieht sich dann eine Änderung. Jetzt werden zwischen 1-3 Zügen zu den Großbatterien verlegt, und dienen hier ganz offensichtlich als Nahschutz gegen Tiefflieger. Das ganze wieder einmal nur auf Basis von ausgewerteten Luftbildern. Ich versuche das Thema heute aber noch mal an ein paar wenigen Dokumenten, die ich derzeit hier habe, noch ein wenig auszuführen.

Was die fehlenden K.St.N der Lw betrifft, kann ich nur auf die Bestände "G.D.i.R." verweisen. Inzwischen finden sich dort einige.

Meine Wohnung ist nach dem größeren Wasserschaden immer noch sehr schwer zugänglich, so das es auch noch ein paar Wochen/Monate dauern wird, bis ich wieder an meine Akten komme. Insofern kann ich nur um Geduld bitten. ;-)

Soweit mal...

Gruß aus Hannover,
Guido Janthor.
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Re: Schwere Flak durch leichte Flak geschützt?

Beitrag von Padu » 27.01.2020 13:45

Hallo,
Soweit ich meinen untersuchten Bereich bezüglich der Flakstellungen westlich von Hamburg betrachte, waren immer
an den Flakstellungen zwei 2-cm (bzw. Vierlings-G.) Flakgeschütze stationiert. Dieses wurde mir auch immer wieder von Flakhelfern und Zeitzeugen bestätigt. Die kleinen Flakgeschütze sollten die Tiefflieger abhalten, kamen aber erst richtig voll zum Einsatz ab 1944.
Zum ersten Mal erlebte die deutsche Bevölkerung einen solchen massiven Tieffliegerangriff am 21. Mai 1944. 600 amerikanische
Jäger stiegen in die Luft, um im Tiefflug Lokomotiven, Gleise, Flugplätze, Lastwagen, Schiffe, Umschaltwerke etc. anzugreifen.
Diese ganze Aktion lief unter dem Codwort "Chattanooga 1".

In Neu Wulmstorf, süd-westlich von Hamburg waren zwei Flakbatterien nebeneinander stationiert, eine von der Luftwaffe, die
andere vom Reichsarbeitsdienst. Hier war der Flakhelfer aus Hamburg Jens Jacobsen stationiert und machte an diesem besagtenTag
Dienst an der 2cm Flak. Er war zu der Zeit 15 Jahre alt. Als eine P-38 im Tiefflug über die Stellung sich näherte schoß er und traf
die P-38 so schwer das sie in Heeslingen notlanden musste. Der Pilot, mit dem Leben davongekommen, wurde fast gelyncht, wenn nicht besonnene Kräfte eingegriffen hätten. Jens Jacobsen war der jünste Luftwaffenhelfer, der je im Weltkrieg einen
amerikanischen Jäger abgeschossen hat. ( P-38J # 42-68086 Lt. James H.Weisel)
Quellen: MACR, tel. Gespräche mit Herrn Jacobsen

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