Breitband-Fernkabel der Deutschen Reichspost und ihre Verstärker-Ämter

Funkmess-, Funkpeil-, Funkleit- und Funkstörtechnik des 2. Weltkriegs
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Jürgen Bauch
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Breitband-Fernkabel der Deutschen Reichspost und ihre Verstärker-Ämter

Beitrag von Jürgen Bauch » 10.02.2019 20:36

Nach dem Abschluss meiner Dokumentationen über die Breitband-Fernkabel der Deutschen Reichspost
dem FK503 Berlin-Hamburg und dem FK504 Berlin-Brocken-Frankfurt/M-Gr.Feldberg schreibe ich jetzt an der noch interessanteren Dokumentation über das FK501/502/510.

Trotz vieler neuen Erkenntnisse gibt es doch immer noch eine Menge ungeklärter Fragen:

1. Wo befanden sich die V-Ämter München III,das V-Amt Oberheldrungen,das V-Amt Miltitz,
das V-Amt Hohenkirchen(Thüringen)und das V-Amt Burgwindheim ?

2. Waren die V-Ämter Schleissheim und Grünwald Gefechtsstände ausgerüstet mit
Sternschreibern im System Landbriefträger vom Jagdschloss Harreszell oder hatten
diese eigene Jagdschloss-Anlagen ?

3. Nach Aussagen von Zeitzeugen wurden die Kabel und technischen Einrichtungen auch in
Bayern als Reparationsleistungen nach Russland verladen ! Wer kann dazu was sagen ?

JBauch
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Beitrag von Cremer » 11.02.2019 11:11

Hallo Jürgen,

Zu3) M.E. war die Jagdschlossanlage war in Harreszell (Aal) und mit Tochterschreiber über das Breitbandkabel zu den Gefechtsständen Schleissheim und Gefechtsstand Grunwald, so wie es die Landbriefträgeranlage zeigt, angeschlossen. Zwischen Grunwald und Schleisheim bestand eine "Meldeleitung"

Deine Darstellung müsste insofern geändert werden, da Schleisheim und Grunwald nur Tochterschreibgeräte von Aal (Harreszell) waren. Siehe auch die seinerzeitige Dokumentation über Jagdschlossanlagen und Landbriefträger.
MfG Euer Fernmelder
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Re: Breitband-Fernkabel der Deutschen Reichspost und ihre Verstärker-Ämter

Beitrag von Blechhaferl » 14.02.2019 14:03

Servus J,
ich hab damals Dein Skript in pdf.Form verschlungen, weil ich davon kaum je was gehört hab. Hochinteressant, leider weiß ich nur wenig darüber, aber ich hab versucht, den Verlauf der Leitung südöstlich von München zu rekonstruieren. Theoretisch müsste sich eine Verstärkerstation in Höhenkirchen (heute Höhenkirchen-Siegertsbrunn) befunden haben, an dem Standort befand sich bis vor einigen Jahren ein Postamt.

Mein Vater war in den 70er Jahren für den Kanalbau in Ottobrunn zuständig, und bei Grabungsarbeiten auf der Rosenheimer Landstraße, an der das Fernkabel verlegt gewesen sein sollte, kamen immer wieder unbekannte Kabel zum Vorschein, die teilweise zur LFM gehörten, aber teilweise nicht zugeordnet werden konnten. Ich war damals mit ca. 7 Jahren noch zu klein, kann mich aber noch schwach an ein Kabelstück erinnern, das stark auf eines Deiner Abgebildeten hinweist, umhüllt mit vierkantigem Stahldraht.
Es gibt noch einen kurzen Abschnitt der Rosenheimer Landstraße, der seit der Vorkriegszeit völlig unberührt geblieben ist, da er Anfang der 70er Jahre durch den Bau des münchner Stadtteils Neuperlach vom Straßenverkehr abgetrennt wurde. Unter dem Asphalt ist noch Kopfsteinpflaster. Theoretisch sollte man da bei Grabungen auf das Fernkabel stoßen können, sofern es noch vorhanden ist.
Gruß
Albert

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Beitrag von Cremer » 15.02.2019 02:02

Es ist richtig, dass in Hohenkirchen nach 32,8km ein VA war. Das nächste befand sich nach 33,9 km in Bad Aibling
Der exakte Kabelverlauf läßt sich nur an Hand der alten Kabelbücher exakt verfolgen.
Frage ist, ob diese Kabelbücher noch in den Archiven der Deutschen Telekom existieren.
Als Zeitdokument könnte so etwas noch vielleicht sein.
MfG Euer Fernmelder
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Beitrag von Cremer » 15.02.2019 12:07

Die VA's, nicht die Zwischenverstärker waren in:
Hohenkirchen, Aibling, Hemhof, Waging, Salzburg, Wolfgangsee, Ausee, Stainach, Triebing, Kammern, Bruck, Langenwang, Wörth, Herrnst, Hochrotherd, Wien
Ich kann leider die Karte hier nicht einstellen, da wir z.Z. auf den Philippinen in Urlaub sind und das Netz die Übermittlung nicht hergibt.
MfG Euer Fernmelder
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Beitrag von Cremer » 19.02.2019 09:55

Hier die Leitungsskizze beim Landbriefträger München für die Weiterleitung der Signale des Sternschreibers in der Funkmess Aal zu den Gefechtsständen Grünewald und Schleissheim
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Beitrag von Cremer » 20.02.2019 01:08

Hier noch der Hinweis auf die Verfügung
in der Niederschrift einer Besprechung vom 12. März 1937 im RPM heisst es u.a.: 

„zu 1.) gab MinDir Höpfner im Auftrage des RPM bekannt, daß die DRP bereit sei, künftig die Kosten der aus Gründen der Luftgefährdung zu verlegenden alten VerstÄmter zu übernehmen. 
Die DRP will damit die unter den früheren Systemregierungen begangenen Fehler, derart wichtige Anlagen ohne Rücksicht auf die Notwendigkeiten der Luftsicherung zu erstellen, nach und nach beseitigen.“ 

In einem von Ohnesorge unterzeichneten umfangreichen Schreiben mit dem Betreff "Sicherung der Verstärkerämter" heisst es am 29. Mai 1937 u.a.: 

„(…) 
Es wird daher folgendes bestimmt: 
1. Die technischen Einrichtungen neu zu bauender Verstärkerämter, also sämtliche Fernsprech- und Rundfunkverstärkereinrichtungen, sowie die Einrichtungen der Unterlagerungs- und Wechselstromtelegraphie, sind in unterirdischen Räumen unterzubringen. 
(…)“ 

Gleiches galt für Knotenämter. In Städten, wo solche Anlagen ungeschützt in den Innenstädten lagen, sollten unterirdische Ausweichämter außerhalb der Städte errichtet werden. 

Deshalb gehe ich davon aus, dass das VA Mchn III gebunkert war da es neben dem bombengefährteten Gleisanlagen lag. FK510 und andere FK wurden in einem wdtslichen Bogen um den Innenbereich von München herumgeführt. Deshalb betrug die Leitungslänge zum ZVA Harlaching auch ca. 14km. Das Amt Sigfried, vermutlich Sendling, auch gebunkert ausgeführt wurde.
MfG Euer Fernmelder
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