Schefehaus in Hamburg Wandsbek

Zivile und sonstige Bauten mit geschichtlichem Hintergrund und deutlichem Bezug zu den Fachthemen, die jedoch nicht eindeutig zuzuordnen sind
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J.P.
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Schefehaus in Hamburg Wandsbek

Beitrag von J.P. » 23.04.2017 16:26

In Hamburger Fotobüchern findet man hin und wieder ein Bild des sogenannten "Schefehauses" am Wandsbeker Markt, welches dort offenbar bis zum Bombenhagel gegen Ende des zweiten Weltkrieges stand.
Vermutlich ungefähr an der Stelle, wo heute die Wandsbeker Allee in Richtung City Nord abzweigt.

Z.B. zu sehen in Hamburg-Wandsbek vom Sutton Verlag auf Seite 18.
Dort ist auch zu lesen, dass u.a. ein Kaufhaus Doberowsky dort untergebracht war.

Ein Foto online findet man hier.

http://www.hamburg-bildarchiv.de/XBA3532.jpg

Mehr habe ich dazu nicht finden können.
Die Architektur dieses Gebäudes hat mich schon immer fasziniert.

Kennt jemand weitere Details zu diesem Bau ? Und warum es Schefehaus geheissen hat ?
Das Internet weiß darüber offenbar nichts und kennt auch keinen Architekten oder prominenten Wandsbeker / Hamburger namens Schefe.

Für jeden Hinweis bin ich dankbar.

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Seb
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Re: Schefehaus in Hamburg Wandsbek

Beitrag von Seb » 23.04.2017 23:23

Im "Wandsbek informativ", dem Werbeblättchen des Heimatvereins, war letztes Jahr in der Juli-Ausgabe auf S. 12 ein Bild abgebildet. Das Haus stand demnach links neben Betten Schwen, also an der heutigen Adresse Wandsbeker Marktstraße 123. Die damalige Adresse lautete Lübecker Straße 39.

Was sich vielleicht lohnt ist ein Gang zum Heimatmuseum, die haben ein sehr umfangreiches Archiv. http://www.buergerverein-wandsbek.de/heimatmuseum

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Djensi
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Beitrag von Djensi » 24.04.2017 08:29

Moin J.P.,

der Tip mit dem Heimatmuseum ist sicher gut, die sind klasse aufgestellt!

Was die Konstruktion des Gebäudes betrifft, wenn Du altes Bildmaterial über Hamburg sichtest, werden Dir einige Gebäude mit einer ähnlichen Dachkonstruktion auffallen. Die Dachgeschosse sind in den Kontorhäusern alter Bauart häufig als Lagerflächen ausgewiesen.

Grüße
Djensi

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Beitrag von Djensi » 24.04.2017 14:15

Moin,

das Schefehaus hieß so, weil es wohl mit der Lokalität des Gastronomen Schefe in Verbindung gebracht wurde: http://agora.sub.uni-hamburg.de/subhh-a ... c1:1146525

Hier unter Hausnummer 36. Auf dem hinterlegten Bild im ersten Beitrag kann ich nicht erkennen, wo die Litzowstraße die Häuserzeile durchbrach, bzw. war diese vielleicht zum Zeitpunkt des Bildes noch nicht durchbrochen? Aus vorliegenden Plänen trennt die Litzowstraße nämlich die Hausnummern 36 und 37.

Edit: Hier kann man es schön sehen, das Schefehaus dürfte also die Nummer 36 gehabt haben!
https://www.flickr.com/photos/christoph ... 486300513/
Die Litzowstraße mündet direkt rechts vom Gebäude in die damalige Lübecker Straße.

Gruß
Djensi

Bildquelle DGK5 historisch, nichtkommerzielle Nutzung frei, LGV Hamburg
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J.P.
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Beitrag von J.P. » 25.04.2017 09:59

Prima, vielen Dank für die Mühe und die Recherchehilfe.

Ich denke mal, dass die Theorie mit der Gastwirtschaft stimmen könnte. Das macht sofort Sinn für mich.

Ich denke, ich werde tatsächlich in Kürze mal wieder ergänzend das Heimatmuseum besuchen.
Eine Idee, auf die ich auch durchaus selbst hätte kommen können, zumal ich dort sogar jedes Jahr einen kleinen Betrag spende.

Also, Danke nochmal.

J.P.
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Re: Schefehaus in Hamburg Wandsbek

Beitrag von J.P. » 20.07.2021 17:25

Hier nochmal eine kleine Ergänzung zum Stand der "Forschung."
Bilder vom Schefehaus sprechen gerne vom "Kaufhaus Doberowsky im Schefehaus."
Wann das genau war, habe ich allerdings nicht herausfinden können. Mit Sicherheit nicht über lange Jahrzehnte.

Hier also eine kleine Zeitreise ins Wandsbek vor dem zweiten Weltkrieg, zusammengestellt aus Adressbüchern und frei zugänglichen Familienunterlagen.

Stand 1873: Ursprünglich lag eine "Wirthschaft" J.H.N. Scheefe an der Schlossstr. 44. Scheefe im Adressbuch mit doppelt "e", aber jeder, der Namens- und Ahnenforschung betreibt, weiß, dass einen sowas nicht verwirren darf. J.H.N. steht für Jürgen Heinrich Nicolaus.

Stand 1891: Nun findet man im Adressbuch Wandsbek eine Witwe J.H.N. Schefe, Lübecker Str. 36, Wirthschaft.
Es handelt sich um die Emma Mathilde Catharina Schefe, die Witwe des 1889 verstorbenen J.H.N.

Stand 1899: ist bereits ein Hermann als Geschäftsführer vermerkt. Es handelt sich um den 1868 geborenen Sohn.

Stand 1906: Im Adressbuch von Wandsbek findet man unter Lübeckerstr. 35/36 nun den Gastwirt Hermann Schefe. Sowohl als Eigentümer als auch als Betreiber. Daher wohl tatsächlich der Ursprung des Namens des Hauses. Das Modegeschäft Albert Doberowsky ist übrigens unter der Nummer 39 verzeichnet.

Stand 1930: Im Adressbuch von Wandsbek ist für die Lübeckerstr. 34/36 als Eigentümerin nun wiederum eine Witwe Schefe (Anna Dorothea Schefe) verzeichnet, sicherlich die Frau des schon 1917 verstorbenen Hermann.
Nummer 37 Lübeckerstr. ist übrigens Heinrich Schwen, ein Geschäft, welches tatsächlich heute noch besteht. Das Kaufhaus als Mieter in der 34/36 hieß damals Petersen GmbH.

Stand 1943:Nach der "Eingemeindung" Wandsbeks 1936 wird es etwas unübersichtlich. Die heutige Wandsbeker Marktstr. und damalige Lübeckerstr. heißt dann in der Gegend um die Litzowstr. plötzlich Wandsbeker Zollstr.
Die Hausnummer ist geblieben, Witwe Schefe ist immer noch (Mit-) Eigentümerin. Im Gebäude sind verschiedene Geschäfte und das Finanzamt ansässig.

Ich hoffe, ich bin nicht zu sehr in die Privatsphäre der Familie Schefe eingedrungen. Falls ja, bitte ich hiermit um Entschuldigung. Meine Absicht ist es vielmehr, die Geschichte rund um diesen interessanten Bau abzurunden. Leider finde ich überhaupt nichts zur Baugeschichte. Jede Ergänzung zum Thema wäre daher sehr willkommen.

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