Alte Sendeanlage bei Altenbeken

Zivile und sonstige Bauten mit geschichtlichem Hintergrund und deutlichem Bezug zu den Fachthemen, die jedoch nicht eindeutig zuzuordnen sind
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redsea
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Alte Sendeanlage bei Altenbeken

Beitrag von redsea » 31.10.2015 19:50

… und hier der östliche Mast, der in der EMF-Datenbank wie folgt gelistet ist:

Standortbescheinigungs-Nr.: 791604
Datum der Erteilung: 19.12.2005
Bewertete Sendeantennen:
Sendeantenne: Sonstige Funkanlage
Montagehöhe über Grund (m): 6,50
Hauptstrahlrichtung (HSR) in °: 280°
Sicherheitsabstand in HSR (m): 0,34
Vertikaler Sicherheitsabstand: 0,08

Quelle: Bundesnetzagentur

Da ich nicht gerade der Funkexperte bin, kann mir vielleicht einer unserer Fachleute verraten, um was für eine Sendeanlage es sich hier handelt.

Viele Grüße

Kai


[edit: abgetrennt von Thema UKW-Rundspruchsende- und Richtfunkverbindungsstellen • redsea]
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Beitrag von Cremer » 31.10.2015 23:27

Wenn bei den Sendeantennen steht "sonstige Funkankage" dann handelt es sich um Anlagen entweder Bundeswehr, BMV oder BMI bzw. den nachgeordneten Bereichen.
Montagehöhe: 6,5m ??? Halte ich für eine falsche Angabe, kann nicht stimmen. Eher wohl 16,5m
MfG Euer Fernmelder
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Beitrag von jgraef » 01.11.2015 14:49

Bist Du sicher, dass es sich um ein- und den selben Standort handelt? Zum einen stimmt die Höhe nicht, zum anderen nennt die Standortbescheinigung eine Hauptstrahlrichtung, die Antenne sieht aber eher nach einem Rundstrahler aus.

Ich würde die Antenne als ein gestocktes System mit horizontaler Polarisation deuten, aus dem Bauch raus am ehesten ein Füllsender für analoges TV mit flacher Abstrahlung.

Der Mast hat noch die alten Eisensprossen, die Steigschutzleiter wurde später nachgerüstet.
Der Mast ist also schon älter, wird aber scheinbar noch "bewirtschaftet".

Schau doch mal in den umliegenden Ortschaften, ob es noch irgendwo Dachantennen gibt, die auf den Mast zeigen.

Jörg.

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Beitrag von redsea » 01.11.2015 18:32

Hallo Jörg und Cremer,

Ihr habt wohl beide Recht, ich habe nochmal genau nachgeschaut und festgestellt, dass der in der EMF-Datenbank erfasste Standort nicht der des Rundstrahlers ist. Der alte Rundstrahler befindet sich etwa 750 m westlich (siehe aktuellen GeoTag). Den in der EMF-Datenbank gelisteten Sender habe ich aber nicht gefunden, was auch schlecht möglich ist, wenn der Mast mit 6,50 m nicht mal an die Baumwipfel heran ragt, was ich sehr merkwürdig finde.

Mit den Hausantennen ist eine gute Idee. Verstehe ich das also richtig, dass der Rundstrahler ein Radio- oder Fernsehsender ist?

Fragt sich nur noch, wie dieser Standort als RV-Stelle 315 in die Sammel-kmz gelangte und was es mit dem anderen Standort des Mobilfunksenders auf sich hat?

Viele Grüße

Kai
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Beitrag von jgraef » 01.11.2015 20:15

Bei der Antenne in 6.5m Höhe wird es sich wahrscheinlich um eine Richtantenne für Telemetrie-Daten, z.B. an einem Wasser-Hochbehälter handeln. Eventuell ist das sogar WLAN. Der Sicherheitsabstand in Hauptstrahlrichtung ist sehr gering, das können nur wenige Watt ERP sein. Das muss also nicht zwangsläufig ein Gittermast sein, sondern kann auch eine Hauswand oder ein Laternenmast sein.

Die eigentliche Antenne von dem Bild gibt mir ein Rätsel auf. Ich beschäftige mich viel mit Antennen, aber diese Bauform habe ich in freier Wildbahn noch nicht gesehen. Kannst Du den Durchmesser der einzelnen Ringe schätzen? Ich habe gerade mal mein UKW-Ringdipol auf dem Dachboden gemessen, der Durchmesser beträgt ca. 50cm. Wenn das hinkommen würde, könnte das tatsächlich eine UKW-Rundspruchsendeantenne sein. Soweit ich weiss müssen Altanlagen auch nicht in der Datenbank aufgeführt werden, wenn sie bereits vor Erscheinen der Verordnung erbaut wurden und seitdem micht verändert wurden.

Jörg.

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Beitrag von Cremer » 01.11.2015 23:59

Hallo Jörg,

Ich halte die Antenne nicht für einen Fernsehfüllsender. Dafür erscheint mir die Zuleitung des Koaxkabels nicht richtig. Die Antennen für Füllsender sehen anders aus.

Ich habe eine solche Antenne auch noch nicht gesehen, weder in natura noch in irgendwelchen Katalogen. Zu meiner dienstlichen Zeit in den vergangenen 20 Jahren im Innenministerium Rheinland-Pfalz war ich zuständig für die Fernmeldeangelegenheiten des Landes für Feuerwehren, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Funk und Draht (112). Ich habe ich sehr viele Relaisfunkstellen gesehen und auch aufgebaut, auch unter Mitnutzung an fremden Antennenträgern wie SWR, Betriebsfunk, Bundeswehr und Nato, Telekommasten.

Halte es auch für möglich, dass es sich um eine gestockte Antenne handelt. Die Verdickung in der Mitte könnte der Antennenanschluss sein.
MfG Euer Fernmelder
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Beitrag von jgraef » 02.11.2015 13:10

Ich habe von einem Funkfreund die Nachricht bekommen, dass es sich wohl um einen flach abstrahlenden Rundstrahler für das 2m-Band von Kathrein aus den 1980er Jahren handelt. Diese Rundstrahler sind u.a. bei der Bahn zum Einsatz gekommen.

Dafür sprechen würden die vielen Bahngleise im Umfeld und auch das Bauwerk des Senders erinnert an die Verteilerhäuschen der Bahn, in dem quadratischen "Fenster" könnte einmal ein Streckenfernsprecher vorgesehen gewesen sein.

Von daher ist es wohl leider doch keine Rundspruchsendestelle.

Jörg.

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Beitrag von Cremer » 02.11.2015 17:32

Das dünne Koaxkabel wurde ich auch in das 2m oder 4m Band legen.
Muss mal in meiner Sammlung nachschlagen, allerdings komme ich erst nächste Woche dazu.

Das Häuschen gibt nicht her. Standdardcontainer der damaligen Zeit. Ich habe die gleichen auch an unseren BOS Relaisfunkstellen installieren lassen.
MfG Euer Fernmelder
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Beitrag von redsea » 03.11.2015 20:20

Hallo,

da diese alte Antenne nichts mit UKW-Rundspruchsende- und Richtfunkverbindungsstellen zu tun haben scheint, habe ich die Beiträge von diesem Thema abgetrennt.

Zu Jörgs Frage nach dem Durchmesser: ich würde ihn so auf 30 bis 40 cm schätzen, wobei das auf Grund der Höhe des Mastes aber wirklich nur eine sehr vage Schätzung ist.

Zug- bzw- Bahnfunk würde durchaus Sinn machen, da der Höhenzug ja auch hierzu überwunden werden musste. Googelt man nach Bahnfunk, so stößt man u.a. auf dieses Foto und dieses Foto mit dem gleichen Antennentyp, nur scheinen diese halb so lang zu sein. Den Beitrag zu diesen Fotos konnte ich nur im Google-Cache öffnen. Im vorletzten Beitrag schreibt dort ebenfalls jemand, dass es sich um eine 2m-Band-Antenne der Fa. Kathrein handeln müsste. Jemand anderes schreibt, dass sich so eine Antenne auch an einem Mast am Bahnhof in München-Johanneskirchen (S-Bahn-Strecke S8) befinden solle.

Eine Liste der analogen Bahnfunkfrequenzen findet sich ebenfalls auf den Seiten der Bundesnetzagentur.

Viele Grüße

Kai

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Beitrag von jgraef » 19.11.2015 22:14

Ein Funkfreund konnte mir bei der Antenne weiter helfen.

Daher hier der Vollständigkeit halber noch mal die Daten der Antenne:

Antennentyp: Kathrein K 55 06 2 oder K 55 07 2
Polarisation: Flachrundstrahler, vertikal polarisiert
Frequenzbereich: 138-178 MHz (bevorzugt 146-174 MHz)
Gewinn: 7dB ( bezogen auf Lambda/2 Dipol)
Material: Feuerverzinktes Stahlrohr mit 320mm Flansch ( bei K55 07 2 auch oben)
Belastbarkeit 300 Watt
Gewicht 115 bzw. 126kg, Länge 7,10 m
Neupreis in 1993 8750 DM

Also leider definitiv keine Rundspruchsendestelle, trotzdem aber eine sehr interessante Antenne. Sie wurde wohl früher auch "Bundesbahn-Antenne" genannt.

Jörg.

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