Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Funkmess-, Funkpeil-, Funkleit- und Funkstörtechnik des 2. Weltkriegs
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niemandsland
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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von niemandsland » 28.02.2021 16:49

Hallo Ralf,

zu Deinem PDF:

Bei den Positionen 1 und 2 handelt es sich um die Sockel, die heute noch vorhanden sind. Wobei bei 2 einen Sockel mit Gerät erkenne und bei 1 der Meinung bin, das es sich um den blanken Sockel handelt. Sprich ohne Gerät.

7 "könnte" evtl. ein Maschinensatz und bei 6 könnte es sich um einen Scheinwerfer handeln.

Bei 3 dürfte was auf einem Sockel stehen, aber was...?

Der ist irgendwo Spekulatius. Ich bin in Sachen Ln-Kram zu sehr Laie, als das ich mich hier kompetent dazu äußern könnte.
Ich möchte auch keine Dinge ins Gespräch bringen, die dann weit entfernt sind von dem, was es dort tatsächlich zu sehen gibt.

Die möchte Dich bitten mir das Bild (wenn vorhanden) noch mal in besserer Qualität zukommen zu lassen. Besten Dank dafür.

Vielleicht kann sich noch jemand zu dem Gerät äußern, der mehr Ahnung davon hat. ;-)

Weiterhin viel Erfolg.

Gruß aus Hannover,
Guido Janthor
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Spooky
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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von Spooky » 01.03.2021 14:28

Hallo Guido,

zunächst einmal vielen Dank für die konstruktiven Ideen. Meine Anmerkungen dazu findest du weiter unten. Ich möchte an dieser Stelle auch darüber informieren, dass ich das Luftbild bereits außerhalb dieses Forums zwei Personen zur Auswertung zur Verfügung stellte, die sich mit LN-Technik auskennen. Leider ist es dann immer so, dass es verschiedene Interpretationen zu den Installationen gibt, weil man sie auf dem Luftbild aufgrund seiner Qualität nicht richtig erkennen kann.


Laut den mir vorliegenden Zeitzeugenberichten hatte es zwei funktionstüchtige Würzburg-Riesen an genau den Stellen gegeben, die ich in der Karte mit Nr. 1 und Nr. 2 markierte (heute sind dort noch die Sockel erkennbar). Irgendwo im Forum hatte ich auch aktuelle Fotos vom Sockel Nr. 1 gepostet, der noch sehr gut erhalten ist und sich in Nähe der Bahnlinie befindet - wie auf dem Foto zu sehen. Wenn ich in das Luftbild zoome, kann ichR en Nr. 1 auch einen etwa kreisrunden Schattenwurf Richtung Norden erkennen, was der Schatten des Parabolspiegels sein dürfte.

Bei Nr. 6 schreibst du, dass es sich um einen Scheinwerfer handeln könnte. Tatsächlich hatte ein Zeitzeuge erwähnt, dass es an der Diebstraße einen Scheinwerfer gab. Und da sich das Gerät Nr. 6 an der Diebstraße befindet, ist das nicht einmal so abwegig. Es bleibt allerdings die Frage, wass die kreisrunde Struktur ist? Es gibt hier von einem LN-Experten die Idee, dass es sich dabei um eine Splitterschutzmauer gehandelt haben könnte, in der sich allerdings kein Freya-Gerät, sondern nur die typische Drahtmatratze befand (man kann da tatsächlich eine Struktur erkennen). Die Nr. 7 und/oder Nr. 8 im Bild könnte ggf. eine Freya-Bedienerhütte gewesen sein, die es in dieser Form auch bei Funkmess-Stellungen gab.

Allerdings gibt zwei Zeitzeugen, die mir berichtet hatten, dass sich eine Antenne (ähnlich wie die oben beschriebene mit Drahtmatratze) nördlich des Würzburg-Riesen Nr. 2 befunden haben soll. Also dort, wo in meiner Karte die Nr. 3 auftaucht. Ein Zeitzeuge fertigte mir sogar eine Skizze mit der Form einer Antenne an, die sich hinter dem Bauernhof befand. Das schließt auf den Standort Nr. 3. Wenn ich mich dort ins Bild zoome, kann ich ggf. eine helle Kreisstruktur entdecken (Splitteschutzmauer?), in der sich etwas befindet, was einen größeren und zum Teil auch breiten Schatten wirft. Vielleicht befand sich also dort das Freya-Gerät? Aber was waren dann Nr. 6, 7, und 8, wobei es sich bei Nr. 8 ggf. um nicht-militärische Gebäude gehandelt haben könnte. Da müsste ich noch einmal auf ein Messtischblatt schauen.

Gut... viele Informationen, Zahlen und Vermutungen. Es bleibt allerdings auch die Frage, ob wir bei all den Installationen so genannte Y-Linien mit Hans- und Heinrich-Peilern außer Acht lassen? Hatte es dir ggf. ringsum die Stellung "Mistkäfer" gegeben?

Ich bin für weitere konstruktive Gedanken sehr dankbar!

Gruß,
Ralf

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niemandsland
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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von niemandsland » 01.03.2021 15:30

Hallo Ralf,

erstmal Danke für Deine Ausführungen. Wie ich schon schrieb werde ich mich an Spekulationen nicht beteiligen.

Leider lässt die Qualität (Auflösung) etwas zu wünschen übrig. Aber Perfekt gibt es wohl nie. Jedoch ist der Bildausschnitt auch wirklich recht klein. Was ich festgestellt habe, als ich das Bild georeferenziert und später auch noch mal auf Sicht in GE eingefügt
habe (die Datei hast Du von mir per Mail erhalten). Alles was ich erkennen konnte, hab ich bereits mitgeteilt.

Daher wünsche ich Dir viel Spaß bei der weiteren Recherche.

Gruß aus Hannover,
Guido Janthor
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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von Spooky » 03.03.2021 17:57

Hallo Guido,

alles gut, auch kein Ergebnis ist ein Ergebnis. Bei solcherlei Recherchen ist eben auch das Spekulieren erlaubt. Das hatte ich dich ja bereits auf anderem Weg wissen lassen. Vielleicht findet sich ja trotzdem noch ein versierter LN-Experte, der hier seine Ideen zum Luftbild einbringen möchte. Es würde jedenfalls sehr helfen. Schauen wir mal.

In diesem Sinne, freundliche Grüße.
Ralf

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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von Michael aus G » 04.03.2021 04:45

Hi Ralf,

bei Nr.6 könnte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit wirklich um eine Scheinwerferstellung handeln. Der für solche Feldstellungen typische Splitterschutzwall aus aufgeworfener Erde lässt darauf schließen. Bei Nr.7 wäre dann der Maschinensatz untergebracht und Nr.8 könnte für die Unterbringung der Scheinwerferbedienung dienen.

Nr.3 zeigt das typische Bild einer Freya-Stellung mit dem engen Splitterschutzmauer.

Grüsse
von um die Ecke
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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von zulufox » 04.03.2021 10:33

Hallo Ralf,

zu einer mittleren Flugmelde-Mess-Kompanie gehörten neben den Flugmelde-Messgeräten mit ihren Bedienertrupps auch
ein leichter Funkfeuertrupp und
ein leichter Leuchtfeuertrupp.

Also eher ein Leuchtfeuer zur Navigation der Nachtjäger bei Bedarf als ein "Flak-" Scheinwerfer.

MfG
Zf :holy:

Ergänzung:
In Freiburg sind zu finden:
RL 1/1035 L.Dv. 283/4 Beschreibung, Bedienungs- und Wartungsvorschrift des Leuchtfeuergerätes für den leichten Leuchtfeuertrupp (mot-Z)

RL 1/1502 L.Dv. 702/2 Luftnachrichtentruppe - Ausbildung am Gerät.- Teil 2: Beladepläne.- Heft 603: Gerätnachweis und Beladeplan für einen leichten Leuchtfeuertrupp (mot Z) auf Zweiachs-Anhänger (Kastenaufbau) März 1940

RL 2-III/1555 Nr. 3788a (L) leichter Leuchtfeuertrupp (mot) 1. Mai 1944 (Ausrüstungsnachweisung)

RL 3/8070 Formänderungsanweisung für Leuchtfeuertrupps 1933 - 1945
Demosthenes (384 - 322 v. Chr. Athen)
"Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr."

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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von Spooky » 04.03.2021 14:31

Hallo Michael, Jürgen und natürlich alle weiteren Rechercheure,

vielen Dank für die neuen Erkenntnisse, die uns ein ganzes Stück nach vorn gebracht haben. Ich gehe weiter unten noch einmal darauf ein.

In der Zwischenzeit hatte ich nach einem Messtischblatt gesucht, um herauszufinden, ob an der Stelle von Nr. 8 bereits vor dem Bau der Stellung "Mistkäfer" Gebäude existierten, die auch auf dem Luftbild zu sehen sind, aber ggf. gar nicht zur Funkmess-Stellung gehörten. Den entsprechenden Ausschnitt des Messtischblattes aus dem Jahr 1939 stelle ich euch zum Download zur Verfügung. Ich habe dort die entsprechende Stelle mit einem Farbkreis kenntlich gemacht.

Mein Fazit: Auf dem Messtischblatt aus dem Jahr 1939 (siehe Foto zum Download) sind drei/vier (?) Gebäude an der Stelle eingezeichnet, die ich im Lufzbild mit der Nr. 8 versehen habe. Weil der "Mistkäfer" alten Luftwaffen-Karten zufolge im August 1943 noch nicht aufgestellt war, handelt es sich dort allem Anschein nach um Wohnhäuser bzw. zivile Objekte. Diese tauchen auf einem Messtischblatt aus dem Zeitrum 1912-1915 übrigens noch nicht auf. Das heißt, es müssen keine weiteren Übrlegungen angestellt werden, um was es sich bei Nr. 8 gehandelt haben könnte. Es sei denn, es gibt eine andere Meinung dazu.

Ich habe dennoch einige Fragen:

1. Gibt es Beispiele dafür, dass Funkmess-Stellungen in Messtischblätter eingezeichnet worden?

2. Ich konnte bislang noch keine topographische Karte bzw. kein Messtischblatt aus dem Zeitraum 1944/1945 finden, die konkret die Sektion Mittweida und/oder Geringswalde abbilden (zum Verständnis: das gesamte Areal der Stellung "Mistkäfer" ist auf zwei Messtischblättern abgebilde). Sollte jemand Karten aus dem gesuchten Zeitraum haben, kann gern einmal nachschauen oder sie hier posten.

3. Es wird davon ausgegangen, dass es sich auf den Luftbild bei Nr. 6 um einen Scheinwerfer und bei Nr. 7 um einen Maschinensatz handelte. Kann mir bitte jemand eine kurze Definition zum "Maschinensatz" mitteilen. Danke.

4. Ähnliche Strukturen finden wir auch bei Nr. 4,5 und 9. Waren das auch Maschinensätze - von Zeitzeugen übrigens beschrieben als "große Streichholzschachteln" :-) .


Ich freue mich an die Antworten. Vielen Dank!
Gruß, Ralf
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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von Michael aus G » 04.03.2021 15:06

Spooky hat geschrieben: 04.03.2021 14:31 3. Es wird davon ausgegangen, dass es sich auf den Luftbild bei Nr. 6 um einen Scheinwerfer und bei Nr. 7 um einen Maschinensatz handelte. Kann mir bitte jemand eine kurze Definition zum "Maschinensatz" mitteilen. Danke.
Sowas hier z.B.: schwerer Maschinensatz
Gib mir genügend Schubkraft und ich bringe dir ein Klavier zu fliegen!

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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von Spooky » 04.03.2021 15:58

Sowas hier z.B.: schwerer Maschinensatz

Auf dem Luftbild sieht es aber wie eine Art "Container" aus. Auch neben den anderen technischen Geräten sind diese Strukturen zu erkennen. Kann man davon ausgehen, dass die "rechteckigen Strukturen" neben den beiden Würzburg-Riesen und dem Freya-Gerät ebenfalls mobile Maschinensätze waren oder kommt hier unter Umständen auch stationäre Einrichtungen in Frage, in denen sich Stellungspersonal aufgehalten hat? Ein Zeitzeuge, der die "rechteckigen Strukturen" als Kind sah und dementsprechend als große Streichholzschachteln beschrieb, meine mir gegenüber, dass sich darin Nachrichtenhelferinnen befanden.

Gruß, Ralf

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Re: Offene Fragen zur Funkmessstellung „Mistkäfer“ in Erlau

Beitrag von zulufox » 04.03.2021 18:07

Hallo Ralf,

noch ein kleiner Nachschlag an Daten;

51 125 (9) 14.10.1943 11.Kp.Ln.Rgt.234, (10) 1.12.1944 11.Kp.Ln.Rgt.231.

Quelle: Kannapin, Norbert; „Die deutsche Feldpostübersicht 1939 – 1945 Band 3…“; a.a.O.; S. 136

Das sieht also so aus, als sei die 11./Luftnachrichten-Regiment 234 zum 14.10.1943 aufgestellt und zum 1.12.1944 umbenannt worden.

MfG
Zf :holy:
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"Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr."

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