Nachforschung zur LV27 : ein Zwischenstand...

Funkmess-, Funkpeil-, Funkleit- und Funkstörtechnik des 2. Weltkriegs
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niemandsland
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Nachforschung zur LV27 : ein Zwischenstand...

Beitrag von niemandsland » 22.01.2015 00:31

Nachdem ich vor einiger Zeit per Zufall ein Fotoalbum erworben habe, das Bilder von Hannover enthielt, fand sich im Innern ein Brief, der wo sich der ehem. Leiter vom Historischen Museum, Herr Röhrbein, bei dem Eigentümer des Fotoalbums für das Überlassen von Fotos (Kopien) und für die Erlaubnis, ein Tagebuch kopieren zu dürfen, bedankte. Dank dieses Hinweises war ich in der Lage, mir eine Kopie von dem besagten Tagebuch zu beschaffen. Es vergingen einige Monate, als vor wenigen Tagen Bilder von der LV27 auf Ebay angeboten wurden. Als ich mir den Verkäufer ansah, erkannte ich den Verkäufer des Fotoalbums wieder, der vor einiger Zeit mir besagtes Fotoalbum verkaufte. Bei einer Kontaktaufnahme und Nachfrage ob noch weiteres Material vorhanden sei, erfuhr ich, das inzwischen auch das Original "Tagebuch", das von 1931 bis 1945 über den Dienst eines Herrn, der in hoher Position in der LV27 tätig war, dessen Sohn mir (Zufall) persönlich bekannt war, was ich aber erst nach dessen Tot erfuhr, weil ich Ihn lediglich als Betreiber eines kleinen Technik-Museums hier in meinem Stadtteil kannte. Leider wusste ich - zu Lebzeiten - nicht von der Existenz von diesem Material. Letztendlich ist das Tagebuch mit 2 von 6 Fotoalben hier nach Ahlem zurückgekehrt. :-)

Aber ich möchte euch nicht langweilen...

Der interessante Teil des Tagebuchs beginnt mit dem öffnen der Befehle für die Luftwaffenvermittlung Nr. 27 / Hannover, am 02.09.1939 und endet im April 1945.

Hier mal einige (wenige) Beispiele...:

28.08.1939: Auf der Dienststelle werden Vorbereitungen für einen evtl. Krieg getroffen, indem in unserem Geheimfach ein Code hinterlegt wird, der bei Ausbruch von Feindseligkeiten nach einem bestimmten Plan durchzugeben ist. Unser Dienststellenleiter hütet den Schlüssel zum Fach. Bei unserem Geheimfach handelt es sich um einen in die Mauer eingelassenen Behälter mit Stahltür.

02.09.1939: Kriegserklärung an Polen. Seit morgens 05:45 Uhr wird (...) wiedergeschossen. Auf der Dienststelle geht es zu wie in einem Bienenkorb. Für den Obfw. Woiske kommt ein Ltn. Jüngst als Dienststellenleiter zu uns. Wir Verheiratete müssen ab sofort auf der Dienststelle bleiben. (...) Nachdem das Stichwort durchgegeben war, schwoll der Fernschreibbetrieb merklich an.

[...]

12.06.1940: Hatte Nachdienst, als mich die Sirenen aus dem Schlafe rissen. Ich ziehe mich an, ein leises Brummen ist zu vernehmen. Scheinwerfer suchen nach dem Feind. Unsere Baracke leuchtet im fahlen Widerschein der Scheinwerfer auf. Ich stehe an der Ecke der Baracke der Rüstungsinspektion. Ich bemerke, dass sie plötzlich einen Tommy im Scheinwerfer haben. Alle Rohre der Flak greifen nach ihm. Er muss beschädigt sein, denn er kommt immer tiefer. Jetzt kann ihn schon die leichte Flak erreichen. Hinter der Eilenriede verschwindet er hinter den Bäumen. Gierig ziehen die bunten Todesfäden der Leuchtspurmunition in ihn hinein. Jetzt ist er verschwunden. Dann ein rotes Aufblitzen, anschließend der Brand zeigt an, dass es der letzte Flug dieser Maschine war. Kurz hinter Grasdorf war er am Boden zerschellt. Das war der erste Abschuss, den ich mit eigenen Augen gesehen habe.

[...]

28.03.1945: (...) Der Dienstbetrieb war nur noch mangelhaft, da durch die Zerstörung der vielen Fernkabel alle Verbindungen bis auf Hamburg(FHB) abgerissen waren. Schon ungefähr 10 bis 14 Tage hatten wir keinen geregelten Betrieb mehr auf unseren Leitungen. Immer mehr Leitungen wurden unterbrochen. Die Deutsche Reichspost war nicht in der Lage, die durch überall erfolgenden Angriffe beschädigten Kabel noch in Ordnung zu halten. Ein dauernder Netzstromausfall seit etwa 8 Tagen zwang uns, noch noch teilweisen Betrieb zu machen. Wir sacken langsam ab. Auch die Fliegerhorste um uns herum melden sich nicht mehr, teils weil die Leitungen zerstört und teilweise schon vom Feinde besetzt waren. Das Fernkabel 59 nach Hamburg ist die einzigste Verbindung, die noch nicht beschädigt ist.
Dieses war die einzigste Leitung, die wir bis zuletzt haben halten können. Nicht nur wir alleine, sondern auch für die ganze Stadt Hannover war dieses die einzigste Verbindung mit der Außenwelt.
Auch die Fernsprech LV hatte nur noch Verbindung nach Hamburg, über die wir laufend Berichte geben mußten an das Regiment in Pinneberg.

Wir nähern uns der Sterbestunde von FHN(LV 27) und der Tommy und Amy nähern sich uns in bedenklicher Weise. Sie stehen vor Minden. (...) da die Dienststelle im Dunkeln lag. Nur um 13 Uhr warfen wir unser Notstromagregat an, um noch ein Lebenszeichen nach Hamburg zu senden und um zu berichten, wie es hier um uns steht. (...) Nach einer kurzen Fahrt in die Stadt... (...) Der Dienstbetrieb ruht so gut wie ganz. Nur die Fernsprech LV hatte einige Leitungen klarbekommen. Es geht dem Ende zu. Der Feind steht vor der Weser. Da es nur noch Tage dauern konnte, musste ich mir über die Zerstörung der Dienststelle
im klaren sein. Ich trat mit dieser Forderung an meinen Dienststellenleiter Oblt. Konrad heran, diese Frage beim Luftgaukommando zu klären. Unzählige Telefongespräche müssen nach Hamburh dadurch geführt werden. Einige entschieden sich für vollkommene Zerstörung (...). Andere schlagen nur eine Lähmung vor. Schließlich nach langem hin und her entschließt man sich zur Lähmung. 10 Jahre hat man nun der Dienststelle das Geleit gegeben und nun soll man die Liquidierung durchführen. Man hat sie aus der Taufe gehoben und trägt sie nun zu Grabe. Als einziger habe ich alle Etappen der Dienststelle erlebt. Man hat aufgebaut, mit der Pinzette gearbeitet und mit der Federwaage justiert und jetzt soll man mit der Axt alles demolieren. Das ist hart und tut weh.
Da die G-Schreiber zerstört werden mußten, habe ich meinen Kameraden Hakenberg damit beauftragt. Ich höre es immer noch, wie er mit der Spitzhacke in den T 52 umherhackte. Wir hatten zwei Stück von den G-Schreibern (Geheimschreibern) (T Typ 52). Jede kostete 30.000 RM. Also 60.000 RM vernicht nur mit einigen Axthieben. Die anderen Einrichtungen sollten wir lähmen, wenn der Befehl dazu kommen sollte.
Sonst ist es langweilig, man wartet förmlich auf die Sterbestunde.

[...]

04.04.1945: (...) Die Bibliothek der Dienststelle soll aufgelöst werden. (...) So löst sich schon alles so langsam auf. (...)

[...]

06.04.1945: (...) Mal wieder mit Hamburg geschrieben auf der WT (Wechselstromtelegrafie), die noch mit Hamburg(FHB) in Ordnung ist. Da wird also Hannover die erste Einheit von unserem Luftgau-Nachrichten-Regiment XI sein, die in Feindeshand fällt.

[...]

08.04.1945: (...) Das Geschäftszimmer verbrennt seine gesamten Akten-Unterlagen, auch ich als NGV-Mann(Nachrichten-Geräte-Verwalter) verbrenne meine technischen Unterlagen bis auf ein Buch, in dem ich die gesamten Beschaltungsunterlagen der Dienststelle aufgeführt hatte. Eine große Räucherei entsteht auf dem Hofe. Ab und zu ein bischen Benzin dazwischen, zumal die dicken Pappdeckel nicht recht brennen wollen. Da wird nun alles das verbrannt, an dem sich eine Menge Menschen jahrelang festgehalten haben. (...)

[...]

Der Krieg endet und der letzte Eintrag (über 4 DIN-A4-Seiten) schließt das Tagebuch am Abend des 10. April 1945 ab, nachdem die 84. US-Infanterie-Division Hannover eingenommen hatte.

Das Tagebuch hat rund 220 Seiten. Darin viele private Unterlagen, wie z.B. Fahrkarten, Eintrittskarten (vom Gautag u.v.a.m.!), usw. ! Auch einige Ausweise sind noch enthalten. Es fehlen zwei Verleihungsurkunden und ein paar Fahrkarten aus Schlesien. Damit kann ich ganz leben. Die Auswertung wird sich aber sicherlich noch einiges hinziehen. Zumal hier unterschiedlichen Themen zusammen kommen. Neben der Tätigkeit in der LV27 hat der Verfasser auch ausführlich über die Luftangriffe auf die Stadt Hannover berichtet. Dazu noch die rund 280 Fotos. Arbeit... aber eine, die man gerne macht. :-)

Die LV27 befand sich im Keller eines Neubaus auf dem Gelände der Tierärztlichen Hochschule Hannover(TiHo). Und zwar ziemlich genau, wenn man von der Marienstraße (damals: Misburger Damm) kommend, den Bischofsholer Damm bis kurz hinter die Unterführung "Am Südbahnhof" fährt (in Fahrtrichtung Bult). Das Gebäude habe ich auch als GeoTag markiert.

Soweit...

Gruß aus Hannover
Guido Janthor
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Cremer
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Beitrag von Cremer » 22.01.2015 03:12

Hi Niemansland,
Sehr schöne interessante Schilderung. Gratuliere für diesen Fund.
MfG Euer Fernmelder
Erich Fellgiebel 1935:Nachrichtentruppen sind kostbare, schwer zu ersetzende Mittel der Führung.

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Beitrag von Cremer » 22.01.2015 03:59

Hi Guido,
Als Hannoveraner könntest Du auch recherchieren, wie die Leitungsanbindung seinerzeit war.

Normalerweise waren die LV's mit eigenen Adern in den Fernkabel der DRP verbunden, d.h. die Luftwaffe lies bei neuen Fern-oder Maschenkabel auf eigene Kosten Leitungsadern in das Kabel als "Beipack" einbinden.
Wo war seinerzeit die Fernvermittlungsstelle in Hannover gewesen? (Heute könnte, muss nicht, sie durch einen Neubau ganz woanders sein). Es gibt zwei Möglichkeiten der Leitungsanbindung. Entweder hat man von der LV extra ein Fernmeldekabel zur DRP-Fern-Vermittlungstelle verlegt und dort auf dem Rangierverteiler im Kabelkeller die Kabeladern mit den anderen Beipackadern" dr anderen Kabel verbunden. Oder man legte die LV ortsmässig in die Nähe des Verlaufes des Fernkabel, hier FK59 nach Hamburg, und "spleiste" die Adern ein. Ich vermute mal den ersteren Fall. Es ist beschrieben auszugsmässig beschrieben, dass ja noch zu anderen LV's Fernmeldeverbindungen und zu Fliegerhorsten bestanden hatten. Das Einspleisen war bei Flak oder Funkmessstellungen eher üblich. (Fk218 Bingerbrück-Saarbrücken in Gensingen für die Stellung Kranich)
MfG Euer Fernmelder
Erich Fellgiebel 1935:Nachrichtentruppen sind kostbare, schwer zu ersetzende Mittel der Führung.

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Beitrag von Djensi » 22.01.2015 08:29

@ Guido

:thumbup: :thumbup: :thumbup:

Echt klasse! In den Erzählungen der Kriegsgeneration gehen ja doch Details verloren, während hier zeitnah das Geschehene und auch die Emotionen niedergeschrieben wurden.

Grüße an die Leine
Djensi

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Beitrag von aflubing » 22.01.2015 10:27

Hallo Guido,
Dank für den Beitrag und Glückwunsch zu der umfangreichen Quelle!
Für die zukünftige Auswertung wünscht viel Erfolg
aflubing.

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niemandsland
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Beitrag von niemandsland » 22.01.2015 11:45

Nachtrag

Die zuletzt verstorbene Person war Betreiber eines kleinen "Technik-Museums", wo z.B. alte Fahrräder, alle Arten von Röhrengeräten (überwiegend Radios). Ich war dort mal vor Jahren und hab mir ne Göbbelsschnauze und ein paar andere Geräte aus der NS-Zeit angesehen.
Wie ich später (erst nach dem Tod) durch einen Freund erfuhr, so hatte der Vater von diesem Herrn bereits das Museum errichtet (was ja auch auf der Webseite steht) und es ab 1970 fortgeführt. Über die Aktivitäten des Vaters und seine Funktion hab ich erst durch den Hinweis eines Freundes erfahren.
Das Erwerben der Fotoalben und letztendlich der Ankauf des Original-Tagebuchs gingen mehrere Verhandlungen voraus. Zeitweilig bewegte sich das Konvolut im 4-Stellingen Bereich. Durchaus auch berechtigt, da die Händler einen größeren Betrag selbst bezahlt hatten und der Ankauf zwei Anfahrten in Hannover notwendig machte. Am Ende lagen die Unterlagen aus Hannover irgendwo am PoPo der Welt. Neben mir der Interesse für einen Teilbestand bekundet hatte, gab es noch unterschiedliche Käufer in Luxemburg, in den USA und irgendwo im Süddeutschenraum. Das Problem lange Zeit war, das neben den Fotoalben und dem Tagebuch jede Menge Uniform-Teile, und Gegenstände, die das ganze Paket nur sinnfrei teuer machten. Und für mich mehr oder weniger uninteressant waren. Ich war bei dem alten Händler dann auch ausgestiegen. Ich muss aber dem Händler, wo ich das erste Fotoalbum erworben habe, danken, für die Vermittlung. Die zwar erstmal zu nix führte, weil ich im 4-Stellingen EURO-Bereich einfach raus war. Dass das Fotoalbum jedoch bis zum Schluss übrig blieb, so das ich es im 3-Stellingen EURO-Bereich mit Restfotos in einem letzten Fotoalbum kaufen konnte, und der "Schatz" (frei nach der Tolkin-Figur: Gollum) wieder in Hannover, ja sogar in Ahlem gelandet ist, war ein echter Zufall. Das mir der Händler noch entgegen gekommen ist, und mein Gebot von sich aus gedrückt hat... einfach nur toll.

Ich schreibe das auch mal auf, das sich Ausdauer und "nerven" bei Händlern durchaus "auszahlen" kann.

Link: http://www.technikmuseum-ahlem.de/

Hinweis

Das Technikmuseum ist seit vergangenen Sommer komplett leergeräumt, die gesamte Sammlung verkauft oder in Altwarmbüchen auf der Müllkippe.

Um nur mal einen Eindruck von der Menge zu haben, hab ich mal zwei Fotos angehängt, die den gesamten - von mir erworbenen - Nachlass zeigen.
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Beitrag von niemandsland » 22.01.2015 11:55

@ Cremer

Klar kann ich schauen, was ich finde. Ich weiß inzwischen das es mehrere Notvermittlungen gab, so z.B. in einem alten Keller in der Calenberger Altstadt, und zwei weitere Orte (ich komme genauer damit, wenn ich es weiß), außerdem ein Lager in Wiesenau (Ortsteil unterhalb der Stadt Langenhagen).

Auch befand sich die Dienststelle des Herrn zuerst neben einer Militär-Baracke in der Haeckelstr.. Die Straße gibt es noch, ist aber heute komplett mit Neubauten zugepflastert. Erst später wurde wohl fest in die TiHo verlegt. Also in das weiter oben (im ersten Beitrag) genannte Gebäude.

Es wird beschrieben das man am Anfang noch in der Bultkaserne "Essen" gegangen ist. Im späteren Verlauf wurde die Kaserne schwer von Bomben gezeichnet und - soweit mir bekannt - nach dem Krieg komplett abgebrochen. Auch wird beschrieben, wie von dieser "Dienststelle" kurz vor dem Einmarsch der "Besatzer" noch schnell überall "gehamstert" wurde. So kletterte man des Nachts, in das alte Wehrmachtsverpflegungsamt und besorgte sich Konserven, die Auflösung der eisernen Notration der "Dienststelle" wird thematisiert, und und und...

Irgendwo stand auch (glaub im Jahr 1945) das in eine Fernleitung 100 Leitungen eingeschleift wurden. Genaueres folgt aber noch in den nächsten Tagen. Es handelt sich bei dem Tagebuch um ca. 220 Seiten die auf sehr dünnem Papier (Pergament) geschrieben wurden. Ich werde die mir fehlenden Seiten digitalisieren und dann "den Schatz" eingepackt im Regal verschwinden lassen. :-)

Bitte etwas Geduld...!

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Beitrag von Cremer » 22.01.2015 12:19

Hallo Guido,
Danke für die schnelle Antwort. Dann sichte mal in Ruhe. Vielleicht können wir uns ja auch mal treffen. Ich bin in der ersten Novemberwoche in Hannover (INFA) sofern bis dahin noch offene Fragen sind. Fernmeldekabel und Leitungen und deren Leitungswege interessieren mich eben.
MfG Euer Fernmelder
Erich Fellgiebel 1935:Nachrichtentruppen sind kostbare, schwer zu ersetzende Mittel der Führung.

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Beitrag von niemandsland » 22.01.2015 13:02

Cremer hat geschrieben:Hallo Guido,
Danke für die schnelle Antwort. Dann sichte mal in Ruhe. Vielleicht können wir uns ja auch mal treffen. Ich bin in der ersten Novemberwoche in Hannover (INFA) sofern bis dahin noch offene Fragen sind. Fernmeldekabel und Leitungen und deren Leitungswege interessieren mich eben.
Sofern nichts privates dazwischen kommt, sehr gerne. Rest am besten per Mail oder PN.

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Beitrag von niemandsland » 23.01.2015 06:51

Nachdem das Interesse an dem Überlieferten Informationen zur LV27 doch größer war, als ich zur erst angenommen hatte. Folgt heute ein kleiner Update. Wirklich primär nur mit Schilderungen über die LV27.
Viel Spaß beim lesen.

Gesammelte Werke: 1941 bis Sommer 1944
10.02.1941: 01:30 Uhr Fliegeralarm. (...) Ein Lehrgebäude der TiHo brannte noch. Die Kasernen der Schackstrasse das Hauptverpflegungsamt, sowie der Pferdestall vom Generalkommando XI brannten ebenfalls. (...) Ich rief (...) den Stabsing. Sternberg im Luftgaukommando XI Hamburg an und erklärte ihm unser Glück. Ich ließ mir erstmal zur Trennung von den übrigen Baracken eine hohe Brandmauer ziehen. Außerdem liess ich die Brandmauer mitten in unserer Bracke um 30 cm über das Dach höherziehen. Das LGK XI beauftragte mich, in der Umgebung nach etwas Passendes für uns umzuschauen.
Die Kellerräume des Heiligengeiststiftes kamen aus Gründen der Räumlichkeit nicht in Frage. Auch einige Kellerräume der TiHo trafen nicht zu. Als Möglichkeit zog ich den nicht vollendeten Bau der TiHo in Betracht.
Nach einer Besichtigung vom Luftgaukommando aus wurde er dann auch für geeignet gehalten. Es begann dann nach einiger Zeit der Ausbau dieser Dienststelle.
Leider hat es auch in der fraglichen Nacht viele Tote in der Stadt gegeben. (...) In dieser Nacht hat es 135 Tote gegeben.

11.02.1941: (...) mittags Essen (... in der) Bultkaserne.

[...]

26.07.1943: (Großangriff) (...) Üffz Schünemann, (stand ...) gerade neben mir (...). Ich fragte Ihn, ob er mit mir zur Hauptpost fahren wolle, denn dort hatten wir eine Fernsprechvermittlung (LV27F) untergebracht. (...) Auf der Dienststelle in der Post angekommen, musste ich feststellen, dass alles noch in Ordnung war. Die Fernsprecherinnen traf ich unten im Keller an; denn dort befand sich eine Ausweichvermittlung (4 Fernschränke, oben befanden sich 16).

[...]

09.10.1943: (Großangriff) (...) da der Regimentskommandeur eintraf, um sich persönlich von der Wiederinbetriebnahme der Fernsprechvermittlung zu überzeugen. Ich mußte ihn nach Stöcken führen, denn dort sollte eine Notvermittlung (FE-Wagen) errichtet werden. Die richtige Notvermittlung in der Calenbergerstr. 1 konnte aus Schaltungsgründen noch nicht gleich in Betrieb benutzt werden.
Es musste somit der Einbau dieses Wagens erst einmal in Stöcken durchgeführt werden. Auf allerhand Umwegen über Wiesenau gelangten wir glücklich nach Stöcken. Dort sollte das Luftwaffeneigene Kabel, welches über Bremen ging, angezapft werden. Nachdem wir einen Puppinspulenkopf geöffnet hatten, gelang uns nach zwei vergeblichen Bemühungen die Verbindung mit Bremen. Es folgte dann noch die Verbindung Hamburg und der Fliegerhorst Vechta. Damit war aber uns nicht viel geholfen; denn es war leitungstechnisch gesehen eine Sackgasse. Wir konnten aber auf diesem Wege wenigstens einen Lagebericht über uns geben. (...) Ich war nun bestrebt, die richtige Notvermittlung in der Calenberger Str. in Betrieb zu nehmen. Ich fuhr darum wieder zurück zur Dienststelle. (...)
Auf der Dienststelle angekommen, holte ich mir 2 OB 17 (Klappenschränke) aus dem lager und fuhr mit dem Wagen zur Calenberger Str.. (... ich) drang (...) mit meinen beiden Vermittlungsschränken in den schon vorher dafür vorgesehenen Kellerraum ein und versuchte, über den schon an der Wand
angebrachten Endverteiler mit der Post (Schaltstelle Steintor) Verbindung zu bekommen.
Bei diesem Endverteiler hatte man das Fernleitungskabel 200 nach Hameln um 100 Adern dort eingeschleift. Nach vieler Mühe gelang mir die Verbindung mit der Post. Ich musste aber von dem Schaltmeister Heinze hören, dass es vor morgen früh nichts werden könne,
(mit Schalten von Teilnehmern). Ich schloß meinen Keller wieder ab und begab mich zurück zur Dienststelle.

[...]

10.10.1943: An diesem Tage begab ich mich schon wieder auf meinem alten Wege zur Dienststelle.
Da ich dort auf der Fernschreibvermittlung noch nichts beginnen konnte, weil die UT./WT der Post noch vollkommen durcheinander waren, ging ich zur NotLV Calenberger Str.. Von dort aus veruschte ich nun, die Verbindung mit der Außenwelt herzustellen. Nach langem Hin und Her war es Magdeburg, welches sich zuerst meldete. Das erste Gespräch welches ich auf dieser Leitung führte, war, daß ich
meine Schwester, welche auf dem Fliegerhorst Stendal war, anrief. Es glückte mir und sie war heilfroh, daß sie Nachricht von uns hatte. Es war immer ein Freudenfest, wenn sich mal wieder ein Teilnehmer meldete. In kurzen Worten mußte man dann jedem einen Lagebericht geben.
So gelang es mir, 12 Teilnehmer aus allen Himmelsrichtungen wieder auf den Klappenschrank zu bekommen.
Gegen Mittag konnte ich dort nicht mehr weiter, da die Post anderweitig noch zu schalten hatte. (...)

- 154 -

??.10.1943: Ich hatte Nachtdienst. Das Warnkommando meldete starken Einflug Richtung Hannover. Neben meinem Feldbett hing ein Telefonhörer, durch den laufend die Warnmeldung vom Gaubefehlstandbunker Schützenplatz aus zu hören waren.

[...]

??.10.1943: (...) Auch in der Nähe der Fernsprech LV in der Calenberger Str. sind einige Bomben gefallen. Die Decke in dem Keller, sowie die Wände waren gerissen. Man konnte durchsehen. Die Landser, die gerade am Vermittlungsschrank Dienst hatten, haben sich nicht schlecht erschrocken.
Ein Verbleiben dieser Dienststelle in diesem Raum ist nicht mehr möglich. Die Soldaten haben ungeheures Glück gehabt, da die gegenüberliegenden Keller alle verschüttet wurden. Bei diesen Räumen handelte es sich noch dazu um Luftschutzräume, die zum Glück nicht besetzt waren, da das Finanzamt ja schon vollkommen ausgebrannt war.

??.??.1944: Tagesangriff auf die Conti. Dabei ist eine Bombe so unglücklich gefallen und zwar in den Lichtschacht eines Luftschutzkellers dass etwa 100 Menschen dabei den Tod fanden, unter ihnen auch der Sohn der Familie R. aus der Nachbarschaft, den sie erst nach 3 Wochen haben bergen können.
Nur an der Brieftasche haben sie ihn wieder erkannt. (...)

[...]

12.07.1944: Anfang der Umschaltung der LV 27 aus der Humboldstr. (Militärlehrschmiede) zum Bunker Rupsteinstr. Kleefeld. Aus Gründen der Sicherheit wurde die LV in den Bahnhofsbunker Kleefeld verlegt. Alles wurde soweit vorbereitet, daß heute mit der Umschaltung begonnen werden konnte.
Durch Vereinbarung mit dem örtlichen Luftschutzleiter, Herrn Major Schiele, wurde der Dienststelle 2 Räume im I.Stock rechter Hand im Bunker abgetreten. (...) Alles wurde nach und nach abgebaut und in den Bunker überführt, bis alles wieder geschaltet war. Zu diesem Umzug ist es gekommen, weil die LN-Helferinnen sich geweigert haben, in dem kaum geschützten Keller der Militärlehrschmiede noch Dienst zu tun.

15.07.1944: Heute, Sonnabend, fertig mit der Umschaltung. Nun geht es wieder darum, Ordnung zu machen. (...) Auch das noch, daß plötzlich die Kunde von der Kompanie aus Bremen kommt, daß die Hälfte der Soldaten abzugeben sind. Von 56 Mann der Kompanie mußten das etwa 25 Soldaten noch sein. Jetzt ist alles in Aufregung, wer das wohl ist. Nachmittags ist immer noch nicht heraus, wer fpr die Abgabe in Frage kommen soll. Da ruft Feldw. Hakenberg die Kompanie an und erfährt, das es gelöst ist, der Oberfeldw. Zschau, Uffz. Schirmer, Gefr. Gallert und Kohl.
Das hat mir auch noch gefehlt, mitten in der Umschaltung, mir die beiden letzten Fernsprechmechaniker wegzuholen. Da kann ich man einpacken mit meiner ganzen Mechanikerei.
Auch der G-Schreibmechaniker Wolfgang Schirmer sollte auch noch weg. Wie (ich) das jetzt noch machen soll, weiß ich nicht mehr. Habe um die beiden Mechaniker gleich bei der Abteilung angerufen.
Paul Maywald wollte noch beim Hpt. Krüger vorsprechen und versuchen, was sich noch machen ließ. Abends um 22 Uhr rief mich Paul an und teilte mir mit, daß es nicht mehr rückgängig zu machen sei.
Außerdem hatte ich die Dienststellengeschäfte von Hakenberg mit zu übernehmen. (...)
Die für die Abgabe vorgesehenen Soldaten mußten noch in derselben Nacht nach Ahlhorn(Oldenburg) fahren. (...)
Hinweis

Kurz zur Erklärung: ich nutze (...) wenn ich in einem Eintrag etwas auslasse. Und [...] wenn ein oder mehrere komplette Einträge fehlen.

Wie gesagt: ich veröffentliche nach und nach die Einträge zur/über die LV27. So wie ich sie in dem mir vorliegenden Tagebuch finde (inkl. Schreibfehler usw.), also wie das üblich ist. Sämtliche Einträge stammen aus dem Tagebuch das zwar nach dem Krieg von Handschrift in Schreibmaschinenschrift übertragen wurde, aber soweit unverändert ist. Wenn man mal von einigen "Plünderungen" im Innern durch einige Händler absieht. Wie es der Zufall will, hab ich von den meisten der Fehlstellen "Fotos" vorliegen, so das zumindest der Inhalt rekonstruierbar ist. Ausnahmsweise habe ich einige Textstellen übernommen, die nicht "direkt" mit der LV27 zutun haben, die aber den Text sonst aus dem Zusammenhang gerissen hätte. Auf Kursivschrift habe ich verzichtet. Der gesamte Text ist als Quote dargestellt.
Zuletzt geändert von niemandsland am 23.01.2015 08:16, insgesamt 1-mal geändert.

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