Das Richtfunknetz (Schmalband) der Partei und der NVA

Militärische und militärisch (mit)genutzte Fernmeldeanlagen und -einrichtungen, Netze und Infrastruktur (ohne ELOKA)
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jobakampe
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Das Richtfunknetz (Schmalband) der Partei und der NVA

Beitrag von jobakampe » 02.06.2013 12:58

Ein Thema, umstritten in Foren und auf Webseiten. Ein Führungsmittel in der DDR, dessen Nutzungsdauer in den 1950er Jahren als Richtfunknetz der Partei (SED) begann, um das Richtfunknetz der NVA erweitert und schließlich 1990 als Richtfunknetz der Deutschen Post abgeschaltet wurde. Um die Geschichte dieser Netze ranken sich noch heute Gerüchte, werden aus kleinen, große Irrtümer und Märchen.

Der 17.Juni 1953 (Volksaufstand) in der DDR ist vorbei. Die Partei schlussfolgert erhebliche Mängel in der Führung und Kommunikation. Ein eigenständiges Netz, ohne Mitarbeiter und Einrichtungen der Deutschen Post muss geschaffen werden, hat in Zukunft unabhängig von allen anderen Netzen wirksam zu sein. Am schnellsten und einfachsten zu realisieren ist das mit Hilfe eines Richtfunknetzes. Die Geräte aus Radeberg sind in ihrer Leistung und Kanalbildung begrenzt. Zunächst sind nur bis 12 Kanäle möglich.
Das Netz wird in zwei Netzebenen errichtet. In der Netzebene 1 (bis ca.1960) sind erfasst das Zentralkomitee und alle Bezirksleitungen der Partei, in der Netzebene 2 (bis ca.1973) alle Kreisleitungen der Partei. Errichtet wird das Netz in der Regie der 1946 gegründeten parteieigenen "Fundament GmbH" mit ihren Töchterunternehmungen. Dabei ist Geheimhaltung und Verschleierung garantiert. Das Netz gehörte niemals zum Ministerium des Innern der DDR.

In allen Bezirken der DDR enstanden Bezirksrichtfunkzentralen in so genannten A-Türmen (rechteckig, ca. 25m hoch, grüner Anstrich oder holzverschalt - fälschlicherweise als Aufklärungs- und Abhörtürme der Stasi bezeichnet). Auf allen Richtfunkstrecken sind ähnliche Türme als Relaisstellen oder als passive Richtfunkumlenkung entstanden.
Es entstand so ein reines Parteinetz, die Mitarbeiter waren Angestellte der jeweiligen Bezirks- und Kreisleitungen der Partei.

Während der Errichtung der Netzebene 2 ergaben sich neue Führungsanforderungen für die Landesverteidigung. Bezirks- und Kreiseinsatzleitungen waren militärisch zu führen. Die NVA stieg in das Parteinetz ein und investierte erhebliche Mittel. Es entstanden eine Hauptrichtfunkzentrale in Stülpe, zwei Bereichsrichtfunkzentralen auf dem Sorgenberg bei Machern und auf dem Keulenberg bei Neubrandenburg. In den Bezirksrichtfunkzentralen der Partei wurde Vermittlungs- und kanalbildende Technik der NVA beigestellt. Das Netz der NVA ist bis 1969 entstanden. Über die Bezirks- und Kreisleitungen der Partei wurden die Einsatzleitungen in den Bezirken und Kreisen sowie eine definierte Anzahl von Sonderobjekten der NVA gedeckt in die Netze integriert. Auch hier wirkte die "Fundament GmbH"
Beide Netze wurden per 1.Januar 1984 an die Deutsche Post übergeben. Sie haben mit der Indienststellung des Sondernetzes 1 (Integriertes Stabsnetz der Partei und Staatsorgane und der bewaffneten Organe) ihre Bedeutung verloren. Außerdem sind die Netze durch die Fernmeldeaufklärung der Bundeswehr aufgeklärt. Verschlüsselungstechnik war nicht eingesetzt.

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http://jobakampe.magix.net/public/rfn.htm


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