Preußische Höhenmarke in Duisburg

Militärische Objekte des Ersten Weltkriegs, der Kaiserzeit etc.
Antworten
ruine13
Forenuser
Beiträge: 353
Registriert: 02.11.2005 19:54
Ort/Region: Duisburg

Preußische Höhenmarke in Duisburg

Beitrag von ruine13 » 17.02.2008 10:59

Angeregt durch die beiden Grenzstein-Threads habe ich mal ein paar Bilder ausgegraben, die ich zwischen Duisburg-Baerl und Binsheim am Rhein gemacht habe. Da ich im Netz dazu keinerlei Informationen gefunden habe, habe ich das Vermessungstechnische Museum angeschrieben und heute diese sehr ausführliche Antwort erhalten:

"Offensichtlich handelt es sich um eine heutzutage sehr seltene, gut erhaltene Höhenmarke eines Rheinstrom-Nivellements aus dem 19. Jahrhundert. Eine vergleichbare Höhenmarke mit Höhenbolzen (!) ist mir nicht bekannt. Ausführende Vermessungsstelle war vermutlich die preußische Rheinstrom-Verwaltung, bestimmt nicht die Preußische Landesaufnahme in Berlin oder eine Katasterverwaltung der Rheinprovinz. Als Entstehungszeit ist ein Datum deutlich vor 1891 anzusetzen, weil in diesem Jahr die Niederlande die Kennzeichnung ihres Höhenbezugssysztems von früher „AP“ (= Amsterdams Peil) auf das bis heute gültige „NAP“ (= Normaal Amsterdams Peil) wechselte. Somit ist „AP“ auf dem Stein die Kennzeichnung des Höhensystems des Rheinstrom-Nivellements. Die römische Ziffer „LXII“ (= 62) ist als eine Art Stationsnummerierung zu deuten, nicht etwa als ungefähre Höhenangabe, weil diese bei Duisburg nur etwa 25 Meter NN-Höhe (direkt vergleichbar mit einer AP-Höhe!) beträgt. Die horizontale Linie zwischen Stationsnummer und Höhenbolzen ist als Trennstrich zu sehen, nicht etwa als Höhenmarke. Träger der Hoheninformation ist die Oberfläche des Bolzens! Die metergenauen Kilometerangaben entstammen der seinerzeit parallel zum geometrischen Nivellement ausgeführten Rheinstrom-Polygonierung und als deren Ergebnis der Rheinstrom–Kilometrierung. Angegeben sind die wohl damals üblichen Angaben zu den preußischen Landesgrenzen nach Hessen zwischen Bingen und Bingerbrück bzw. nach Holland zwischen Kleve-Bimmen und Millingen/Rijn sowie den bis heute für die Schiffbarkeit des Rheins maßgeblichen Orte Rotterdam und Basel.

Die Höhenmarke der preußischen Rheinstrom-Nivellements ist ein schönes Beispiel dafür, mit welchem Selbstbewußtsein und Stolz die preußische Verwaltung ihre Arbeiten dokumentierte und dauerhaft vermarkte; sie waren sich sicher, dass ihre Vermessungsergebnisse nicht nur für den Tag von Bedeutung waren, sondern sie glaubten, dass sie auch über Jahrzehnte noch aussagekräftig und brauchbar sein würden. Ich erachte die Höhenmarke für so wertvoll, dass sie von der heute zuständigen Stelle (Wasserschifffahrtsamt Duisburg bzw. Bundeamt für Gewässerkunde in Koblenz) gepflegt werde sollte und dann in die kommunal zuständige Liste der Bodendenkmale der Stadt Duisburg als bedeutsames „Denkmal der vermessungstechnischen Geschichte“ eingetragen werden sollte. Ich empfehle Ihnen, mit den Dienststellen Kontakt aufzunehmen."

Das werde ich dann wohl mal machen...

Gruß

Markus
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

andreas_jott

Rheinkilometerstein

Beitrag von andreas_jott » 23.03.2008 22:29

Hallo Markus,

gestern habe ich einen ähnlichen Stein, wie du ihn hier beschrieben hast, im Süden von Köln am Rheinufer gefunden. Nachdem ich heute recherchiert habe, hat sich herausgestellt, dass wir auf sogenannte Myriametersteine gestoßen sind (Myriameter = 10.000 Meter). Die römische Zahl LXII ist also keine "Art von Stationsnummerierung", wie es der Herr / die Dame vom Vermessungstechnischen Museum vermutet hat, sondern die Nummer des Steins: Am Kilometer 620 ab Basel steht der Myriameter-Stein Nr. 62.

Nachzulesen ist das in einem pdf zum Thema Rheinkilometrierung auf der Webseite des Schulschiffes Rhein:
http://www.schulschiffrhein-adb.de/wiss ... ierung.pdf
Sehr interessant zu lesen. "Dein" Stein ist dort nochmal genau beschrieben.

"Mein" Stein (Nr. LI = 51 = 510 km ab Basel) weist ähnliche Merkmale auf, nur fehlt der Bolzen zur Angabe des Höhennivellements. Ansonsten ist er leider in einem sehr schlechten Zustand, aber die wichtigsten Daten waren trotz Moosbewuchses zu erkennen.

Andreas J.

Alle Fotos: 22.3.2008
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

petzolde
Forenuser
Beiträge: 2103
Registriert: 05.09.2004 14:03
Ort/Region: Münster

Beitrag von petzolde » 23.03.2008 23:15

Interessanter Link zum "Schulschiffrhein".
Der Begriff "Myriameter" bzw. "Myriade" ist eigentlich etwas unscharf. Damals - d.h. vor etwa 2000 Jahren - zählte man allenfalls bis in die Größenordnung von 1000. Eine Zehnerpotenz weiter ging nicht, bzw. war auch nicht nötig.
Wesentlich damals (so habe ich es aus meiner Schulzeit in Erinnerung) war das Zählen der feindlichen Krieger. Wenn es über etwa 1000 waren, sagte man, es waren "Myriaden". Demnach egal, ob 2000, 5000, 10000 oder 20000.

Insofern ist die Zuweisung "1 Myriameter = 10 000 Meter" ein gewaltiger Schritt für die Menschheit etwa 2000 n.Chr. - die alten Griechen hätten sich dazu kaum in der Lage gesehen.
gruß EP

ruine13
Forenuser
Beiträge: 353
Registriert: 02.11.2005 19:54
Ort/Region: Duisburg

Beitrag von ruine13 » 25.03.2008 11:16

Klasse Link, das PDF hatte mir der Herr vom Museum zusammen mit einigen anderen, etwas ausführlicheren Quellen mittlerweile auch geschickt, allerdings nur zum privaten Gebrauch. Bei Interesse schickt mir eine PN.

Viele Grüße

Markus

ruine13
Forenuser
Beiträge: 353
Registriert: 02.11.2005 19:54
Ort/Region: Duisburg

Beitrag von ruine13 » 29.05.2008 07:24

Hier noch ein paar Bilder vom Myriameterstein Nr. LIX bei Kaiserswerth, 590 km von Basel.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Benutzeravatar
EricZ
Forenuser
Beiträge: 3460
Registriert: 06.05.2003 17:43
Ort/Region: Venloer Scholle

Beitrag von EricZ » 29.05.2008 09:31

Hallo Markus,

zum Aspekt Rheinstrom-Nivellement ein noch ein ergänzendes Zitat:
Bereits im Jahre 1806 begann Johann Gottfried Tulla, der Leiter des Flussbauwesens in Baden mit der Herstellung einer zusammenhängenden Karte des Rheins. Eine zusammenhängende Längenvermessung wurde aber erst 1839 beendet und im Jahresbericht der „Central-Commission für die Rheinschifffahrt“ von 1844 veröffentlicht. Das bedeutete aber nicht, dass damit auch eine einheitliche Kilometereinteilung eingeführt worden wäre. Vor 1939 hatten die selbständigen Rheinuferstaaten Baden, Bayern, Hessen und Preußen ebenso wie die Niederlande für ihre Rheinabschnitte eine eigene Kilometrierung, die jeweils an der Landesgrenze mit Null anfing und stromabwärts anstieg. So lag z. B. Königswinter am preußischen Kilometer 143 (heute km 645).

Das 1863 beschlossene Gesamt-Nivellement (Höhenvermessung) des Rheines erforderte auch eine erneute Längenvermessung, die 1890 abgeschlossen wurde aber wegen mangelnder Genauigkeit wiederholt werden musste. 1904 machte Hessen der Zentral-Kommission Mitteilung über den erfolgreichen Abschluss und die Ergebnisse der Längen- und Höhenvermessung auf der hessischen Stromstrecke. Die anderen Länder schlossen ihre Messungen in den darauffolgenden Jahren ab.

Die einzelnen Länder hatten den Sichtzeichen (Kilometertafeln und Einhundertmetersteine) größte Aufmerksamkeit gewidmet und sie teilweise, wie z. B. Hessen, für ihr Stromnivellement mit Höhenbolzen versehen. Da man bei der Gesamtvermessung ab Konstanz an den fest eingemessenen Kilometerpunkten festhielt, kam es zwischen km 22 und km 23 bei Stein zu einer Verkürzung um rund 400 m, zwischen km 436 und km 437 bei Roxheim zu einer Verkürzung um rund 365 m und zwischen km 529 und km 530 bei Bingen zu einer Verkürzung um rund 475 m. Daraus resultiert, dass der Rhein rund 1,2 Kilometer kürzer ist als die ausgewiesene Kilometerzahl an der Mündung.
Q: http://de.wikipedia.org/wiki/Rhein

Zu Myriametersteinen folgender Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Myriameterstein

Viele Grüße, Eric
And I'm hovering like a fly, waiting for the windshield on the freeway...

Benutzeravatar
EricZ
Forenuser
Beiträge: 3460
Registriert: 06.05.2003 17:43
Ort/Region: Venloer Scholle

Beitrag von EricZ » 29.05.2008 10:14

Noch eine Ergänzung:

Bei Stromkilometer 780 (Mündung der Ruhr in den Rhein) muß sich auch noch einer dieser alten früher schwarz-weiß gestrichenen (Sand-)Steine befinden...
Zwischen Köln und Landesgrenze sollen ingesamt nur noch 19 Steine erhalten geblieben sein, die ursprünglich beidseitig des Rheins gesetzt wurden.

http://www.wdr.de/studio/duesseldorf/lo ... CQKYRSUTIQ
http://www.meerbusch.de/C1256B53003449A ... 4CA66?Open

Grüße, Eric
And I'm hovering like a fly, waiting for the windshield on the freeway...

ruine13
Forenuser
Beiträge: 353
Registriert: 02.11.2005 19:54
Ort/Region: Duisburg

Beitrag von ruine13 » 29.05.2008 17:42

EricZ hat geschrieben: Bei Stromkilometer 780 (Mündung der Ruhr in den Rhein) muß sich auch noch einer dieser alten früher schwarz-weiß gestrichenen (Sand-)Steine befinden...
Moin Eric,

der Stein Nr. 61 steht auf der Homberger Seite, ich bin heute mit dem Rad daran vorbeigekommen.

Beste Grüße

Markus
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

andreas_jott

Beitrag von andreas_jott » 20.01.2009 00:37

Hallo zusammen,

habe gerade gesehen, dass das pdf zur Geschichte der Rheinkilometrierung nicht mehr unter www.schulschiffrhein-adb.de zu finden ist (die Webseite scheint lost zu sein), sondern unter http://rheinangeln.de/rheinkilometrierung.pdf .

Grüße
Andreas J.

ruine13
Forenuser
Beiträge: 353
Registriert: 02.11.2005 19:54
Ort/Region: Duisburg

Beitrag von ruine13 » 28.02.2009 19:44

Der Stein gegenüber Kaiserswerth steht ebenfalls noch, leider in einem bescheidenen Zustand...

Viele Grüße

Markus
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Antworten