[geklärt] Geschützerprobung ?

Hier landen die inzwischen gklärten (und somit nicht mehr ungeklärten) historischen Fotos.
Antworten
OWW
Forenuser
Beiträge: 595
Registriert: 31.07.2004 16:32
Ort/Region: Schleswig-Holstein

Geschützerprobung ?

Beitrag von OWW » 08.11.2017 16:41

Hallo kann jemand was zu dieser Postkarte sagen ? Ich denke da insb. an Aufnahmezeitpunkt (wohl 1. Weltkrieg), Geschütztyp, Örtlichkeit, was wird da mit dem Geschütz gemacht ?
Die Rückseite des Fotos ist beschriftet. Ich kann das leider nicht komplett entziffern.

Der Text lautet:

" XXX einer
15. Kanone in
XXXlafette

Seidel

Karte habe ich von einem#
Kameraden bekommen,
Rgt. ist mir XXX unbekannt."

Wer kann helfen ?
Gruß
Oliver
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Benutzeravatar
VitaminB11
Forenuser
Beiträge: 169
Registriert: 21.05.2008 18:02
Ort/Region: Ulm und drulm herulm

Beitrag von VitaminB11 » 08.11.2017 16:55

" Rohrauflegen einer
15. Kanone in
Schirmlafette

Seidel

Karte habe ich von einem
Kameraden bekommen,
Rgt. ist mir heute unbekannt."

"Schirmlafette" taucht z.B. auf bei https://en.wikipedia.org/wiki/15_cm_L/40_Feldkanone_i.R.

Benutzeravatar
raven63
Forenuser
Beiträge: 39
Registriert: 23.01.2017 17:12
Ort/Region: Traunstein

15 cm Kanone in Schirmlafette (KiSL)

Beitrag von raven63 » 19.11.2017 14:39

Hallo zusammen,

das Bild zeigt das Rohr einer 15 cm KiSL. Beispiel hier: http://www.passioncompassion1418.com/Ca ... opton1.jpg

Problematisch bei diesem Geschütztyp war der Rückstoß. Eine Räderlafettierung grub sich komplett ein, besser war eine Beton-Barbette (Geschützbank) mit (Schutz-)Schirm (englisch: 15cm gun in armoured shield). Vielleicht wird das Rohr gerade auf dem Bild in eine solche gehoben :-)

Cheers,
Axel
"Ich habe keine besondere Begabung, ich bin nur leidenschaftlich neugierig" (Albert Einstein)

Bunkerbob
Forenuser
Beiträge: 171
Registriert: 01.11.2002 18:51
Ort/Region: Bad Kleinen

Re: 15 cm Kanone in Schirmlafette (KiSL)

Beitrag von Bunkerbob » 21.11.2017 13:10

raven63 hat geschrieben:
das Bild zeigt das Rohr einer 15 cm KiSL.
In der Tat ein interesantes Geschütz:
Im Jahr 1900 forderte die deutsche Armee Krupp auf, für die befestigten Stellungen Metz und Strasburg eine Langstreckenwaffe zu konstruieren, die mit Hilfe von Spezialwaggons schnell in mehrere vorbereitete Positionen geschoben werden konnte, um bei Angriffen flexibel reagieren zu können.

Das Ergebnis dieser Studie, von der ab 1903 insgesamt nur 12 Waffen geliefert wurde, wurde "15cm KiSL" (15cm Kanone in SchirmLafette) genannt und gilt als erster Vorläufer der schweren deutschen Eisenbahngeschütze (auch wenn sie nicht vom Gleis aus schießen konnten, sondern erst in die vorbereiteten Stellungen umgesetzt werden mussten). In dieser Festungsgeschützkonfiguration wurden von einige der Geschütze der Feste Wagner (Metz) im August 1914 die angreifenden französischen Truppen beschossen.
Bemerkenswert für diese Geschütze war die hohe Reichweite von 15.600 Metern mit der 15 cm Granate 03 (später sogar 19.500 m mit der Haubengranate 16)

Aufgrund der geringe Anzahl von schweren Langstreckengeschützen der Fußartillerie (Standardgeschütze bei Kriegsausbruch 1914 waren die 15 cm Haubitze und der 21 cm Mörser mit geringer Reichweite, von der 13 cm Kanone 09 waren zu Kriegsbeginn nur 32 Stück verfügbar) forderte das deutsche Hauptquartier bereits Ende August 1914 die Verwendung der 15 cm KiSL mit ihren beeindruckenden ballistischen Eigenschaften in der Belagerungs- und Feldarmee.

8 der 12 vorhandenen Geschütze wurden daher in 4 Batterien zu jeweils 2 Geschützen im Rheinischen Fussartillerie Regiment 8 verteilt und an den Fronten von Nancy, Antwerpen und in Flandern eingesetzt. Hierzu wurde das Geschütz entweder mit entsprechendem Tranportwagen
auf der Straße (mit Dampftraktor) oder auf dem Eisenbahnweg verlegt.

Noch ein Superlativ: In der Nacht des 6. Juli 1916 wurden aus einem dieser Geschütze in einem zweistündigen Feuerkampf mehr als 200 Granaten verfeuert.


Zu dem Foto:
Bemerkenswert ist, dass hier nur das Rohr bewegt wird, denn wie auf den Bildern ersichtlich wurde die 15 cm KiSL ja inklusive der sehr schweren Schildlafette verlegt, sowohl bei Straßen- als auch bei Schienentransport. Bei andere Kanonen der Größenordnung (z.B. die 15 cm Kanone 16 oder die 15 cm K 18) wurden Geschützrohr und Lafette getrennt verlegt. Möglicherweise wird hier nur das Rohr gewechselt.
Die Hebevorrichtung im Hintergrund sieht ähnlich aus wie diese hier.

Gruß
Robert
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Antworten