"Lichterstrassen" im Luftverkehr

Verkehrsgeschichte - Bauwerke der zivilen Luftfahrt
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petzolde

Beitrag von petzolde » 01.05.2010 00:43

Hannover-Heek-Köln als Flugstrecke ist ja wirklich nicht der direkteste Weg. Wie kam es zu dieser Route?

Sollten Nachtflugstrecken möglichst weit weg von Städten und Industriegebieten verlaufen, weil dort damals schon das eine oder andere - störende - Licht brannte?
gruß EP

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daniel.bijkerk
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Beitrag von daniel.bijkerk » 01.05.2010 00:54

Hallo petzolde

ich habe gelesen, dass die Mittelgebirge umflogen werden sollten, daher der "Umweg".

Gruß Daniel

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zulufox
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Beitrag von zulufox » 01.05.2010 10:10

petzolde hat geschrieben:Hannover-Heek-Köln als Flugstrecke ist ja wirklich nicht der direkteste Weg. Wie kam es zu dieser Route?
gruß EP
Hallo,

etwas weiter vorne hatte ich schon einmal aus den Nachrichten für Luftfahrer zitiert. Die Hauptstrecke war Berlin - Hannover - Amsterdam. Von der zweigte dann bei Plantlünne der Abzweig nach Köln ab (zu dem das Luftfahrtfeuer Heek gehörte). Von Köln aus ging es dann nach Westen über Ober-Aussem - Mersch - Neu-Teveren wieder in die Niederlande.

Mit Sicherheit bot die Strecke Plantlünne - Köln weniger Hindernisse und erforderte damit eine geringere Flughöhe als Hannover - Köln im Direktflug. Es kam aber noch ein politischer Grund hinzu: Der Ausbau der Nachtflugstrecken nach Westen begann ja Ende der 20-er Jahre. Damals war das Rheinland noch durch die Alliierten (Franzosen, Belgier, Briten) besetzt. Der Flugbetrieb für deutsche Flugzeuge wurde durch die alliierten Besatzungsverwaltungen sehr restriktiv geregelt.

MfG
Zf :holy:
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"Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahrhaben möchte, hält er auch für wahr."

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Neu Teveren

Beitrag von radar » 01.05.2010 22:32

Hallo,
Zulufox kennt die Örtlichkeiten ganz gut. Bei Grotenrath gab es auch einen Notlandeplatz. Wenn die Flugzeuge nach Westen flogen, wurden Petrolium Latenen auf dem Feld bei Grotenrath aufgestellt. In Grotenrath gab es eine Person die dafür verantwortlich war und hatte für den Zweck sogar ein Telefon. Am Rand der Teverener Heide habe ich vor Jahren einen Beton Sockel gesehen, der zu diesem Zeitpunkt keinen Sinn machte. Ich vermute, dass er für das Leuchtfeuer war. Ich war kürzlich schon 2 Mal dort und habe den Beton Sockel gesucht aber nicht gefunden. Ich bleibe aber am Ball.

heba
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Leuchtfeuer Aschau

Beitrag von heba » 13.06.2010 17:10

Hallo @all,

wie alles begann:

Vor einiger Zeit erzählte mir ein Freund von einem alten Betonsockel, den er
bei einem Ausflug in der Nähe von Aschau am Inn am Rande eines Feldes
gesehen habe, und der sehr wahrscheinlich der Rest eines Streckenleuchtfeuers
sein müsse. Da der Glückliche nicht mal einen PC besitzt, bat er mich um
eine Recherche nach näheren Informationen. Im deutschsprachigen Web
gibt es zu diesem Thema anscheinend nur diese beiden Artikel:

Der einstige Leuchtturm auf dem Oberaußemer Driesch.
Betrachtung von Ulrich Reimann
http://www.stadtteilforum-oberaussem.de ... id=598&L=0

und

Bemerkungen zu einem Streckenfeuer für die Zivilluftfahrt in Oberaußem um 1930-1940
von Josef Krings, Kerpen
http://www.stadtteilforum-oberaussem.de ... nfeuer.pdf

Da mir der Ort durch die Schilderung meines Freundes schon bekannt war und
der Sockel quasi "auf dem Präsentierteller" steht, war er mühelos zu finden

Das Leuchtfeuer Aschau mit den Koordinaten 48 11 0 N 12 19 35 E stand auf der
Nachtflugstrecke "München Oberwiesenfeld - Reichenhall/Berchtesgaden (Ainring)".
GE liefert - mit einer Abweichung von ca. 128 Meter - die Koordinaten 48 10 57 N
12 19 30.7 E. Der Sockel liegt in GE im Schatten des Waldrandes und ist daher
nicht zu erkennen.


Gruß
Henry
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Leuchtfeuer Winden

Beitrag von heba » 13.06.2010 17:31

Hallo,

mein nächstes Objekt war das Leuchtfeuer "Winden" mit den FBO-Koordinaten
48 29 9 N 11 25 25 E auf der Nachtflugstrecke "Nürnberg - München".

In GE ist der Sockel auf 48 29 5.74 N 11 25 19.18 E sehr gut zu erkennen,
die Abweichung zum Standort lt. FBO beträgt etwa 157 Meter.


Gruß
Henry
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Leuchtfeuer Eitensheim

Beitrag von heba » 15.06.2010 02:34

Hallo,

die Gegend um das ehemalige Leuchtfeuer "Eitensheim" (FBO-Koordinaten: 48 48 26 N 11 19 18 E)
auf der Nachtflugstrecke "München - Nürnberg" sieht in GE sehr aufgeräumt und nicht gerade
vielversprechend aus. Ich fuhr dennoch hin, parkte meine Auto neben einer kleinen Kapelle und
ging die umliegenden Wege ab - absolut nichts zu sehen. Als ich leicht frustriert vor dem nachhause
fahren nochmal für's kleine Geschäft hinter die Kapelle ging, wurde mir klar, daß ich schon die ganze
Zeit direkt neben dem Betonsockel gestanden hatte, ohne es zu wissen bzw. Verdacht zu schöpfen ;-(

Auf dieser Seite http://www.altmuehlnet.de/gemeinden/eit ... onik_7.htm steht dazu:
1971 Die Eheleute Karl und Maria Heigl (Bergbauer) errichten auf dem Fundament des ehemaligen
Luftfahrt-Leuchtturms am Breitwieser Feldweg eine Kapelle; diese wird am Fest Maria Himmelfahrt in einer
Prozession von Pfarrer Bauernfeind der Muttergottes geweiht.
Die GE-Koordinaten: 48 48 21.5 N 11 19 13.3 E, die Abweichung vom FBO-Standort beträgt etwa 168 Meter.

Gruß,
Henry
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Fieldmouse
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Beitrag von Fieldmouse » 15.06.2010 20:54

:thumbup: Klasse ! Da erlebt man einiges, oder ?
Vielen Dank für die erste Unterstützung für dieses Thema aus südlichen Gefilden, mach weiter so !
Und ne Menge Gegend lernt man kennen`.....

Was bedeutet FBO ?

Habe ich erst jetzt gemerkt :
Hier schneiden sich die Leuchtfeuer-StreckenKopenhagen-Frankfurt und Berlin -Amsterdam: viewtopic.php?t=14503&highlight=vahrenheide
Bin selbst mit meinen Erkundungen ins Hintertreffen geraten, aber es geht weiter !
Gruß von Fm.

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Käptn Blaubär
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Beitrag von Käptn Blaubär » 15.06.2010 22:21

Moin!
Fieldmouse hat geschrieben::thumbup: Klasse ! Da erlebt man einiges, oder ?
Oh ja! :mrgreen:

Sehr schöne Fotos! Besonders interessant finde ich ja das Fundament Aschau, deutlich kleiner als alle, die ich bisher gesehen habe. Und in Aschau und Winden sollen Masten mit den gleichen Abmessungen gestanden haben - die Fundamente sehen aber sehr unterschiedlich groß aus.
Sehr interessant jedenfalls - gerne mehr! :thumbup:
Viele Grüße
Michael
Das Leben ist kurz, behauptet man.
Ansichtssache, sage ich. Die einen sind kurz, die anderen sind lang, und manche sind mittel.
Außerdem hatte ich noch dreizehneinhalb andere davon.
(Walter Moers, Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär)

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Leuchtfeuer Schnaupping

Beitrag von heba » 16.06.2010 00:03

Hallo,

das Leuchtfeuer "Schnaupping" der Nachtflugstrecke "München Oberwiesenfeld - Reichenhall/Berchtesgaden (Ainring)"
stand laut FBO-Koordinaten auf 48 10 25 N 12 5 49 E. Da auch im weiteren Umkreis rein garnichts zu sehen war,
dachte ich mir, daß mir vielleicht ein Bewohner des nächstgelegenen Anwesens (48 10 6 N 12 5 46.5 E) weiterhelfen
könnte.

Wie der glückliche Zufall so spielt, stand auf dem Hof gerade ein ziemlich alter Mann, und als ich ihn nach einem
ehemaligen Gitterturm oben auf der Anhöhe fragte, sagte er: "Ja freilich kenne ich den noch, ich kann ihnen auch
noch den Betonsockel zeigen, wo der gestanden hat!". Freudige Überraschung!! :-) Er holte gleich ein uraltes
Zündap-Moped aus der Garage und fuhr vor mir her bis zu einer Stelle auf einem Waldweg, von der man den
etwas tiefer im Wald gelegenen Sockel schon sehen konnte. Der alte Mann wußte auch zu erzählen, daß die
Amerikaner noch kurz vor Kriegsende den Leuchtturm und das Anwesen bombardiert, aber nicht getroffen hatten.
Er und noch ein paar Leute aus der Gegend hätten nach Kriegsende gleich das Stromkabel ausgegraben, um
das Kupfer zu Geld zu machen ;-) Der alte Mann hat sich jedenfalls richtig gefreut, daß er mir zu dem Turm einiges
erzählen und mir helfen konnte :-)

Die GE-Koordinaten: 48 10 20.2 N 12 5 39.2 E, die Abweichung vom FBO-Standort beträgt etwa 245 Meter.

@Fieldmouse: FBO = Fernmeldebetriebsordnung von 1939

Gruß,
Henry
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