Versuchssender der Wehrmacht bei Bayrischzell?

Funkmess-, Funkpeil-, Funkleit- und Funkstörtechnik des 2. Weltkriegs
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Beitrag von SuR » 01.11.2007 09:20

Das ist ja ganz nah am Sudelfeld-Parkplatz. Da braucht man keine Mat-Seilbahn, denn da kommt man auch so auf vier Rädern hin.

Off topic:
Den Weg weiter hinter kommt die Talstation der Mat-Seilbahn zur Soinhütte.
LG,
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Beitrag von Gast » 01.11.2007 09:38

Jep...vor allem da früher dahin auch n Weg oder Straße war (erscheint mir zumidn.so bei GE). Wiegesagt, weiterer Ortstermin bei mir mal "demnächst", aber voller TErminkalender (zweite Hälfte nächste Woche+WE btw in Berlin sogar) :\

Grad überrascht von Deiner Ortskenntnis, da ja eigtl. Berliner ;)...original von hier "unten" dann oder fleissig zum Skifahren in der Ecke?

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Beitrag von SuR » 01.11.2007 09:43

Oberbayer. Aber schon lange in Berlin... :)
LG,
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Beitrag von Handlampe » 01.11.2007 10:36

floro hat geschrieben:Jep...vor allem da früher dahin auch n Weg oder Straße war (erscheint mir zumidn.so bei GE).
Mal nach Robert-Lemke-Art gefragt: Gehe ich richtig in der Annahme, dass die vermuteten Fundamentereste in 1140m ü. NN auf dem Kamm des Berrückens gemeint sind, der durch einen Sattel in ca. 1108m ü. NN vom Rest des Wendelsteinmassivs getrennt ist ?

Wenn ja dann ist auf der Topokarte 1:25k dort ein Gebäude eingezeichnet. Außerdem kann man auf dem GE Bild eine Linie beginnend vom Abzweig der Straße zur Talstation der Mat-Seilbahn zur Soinhütte in Richtung NNW erkennen, die w des Fundaments endet. In der Baumgruppe ö davon findet sich auf 1120m ü. NN ein Wasserbehälter.

Die Stelle lohnt sicher eine Vor-Ort Untersuchung.

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Beitrag von SuR » 01.11.2007 10:45

Nur wer´s noch nicht weiß: die Soinhütte wurde (wird?) militärisch genutzt.
LG,
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Beitrag von Gast » 01.11.2007 10:53

meine Garmin Topo D2 sagt, daß das Schweinderl bisher noch nix verdient hat...die Annahme war richtig ;)

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Beitrag von Handlampe » 01.11.2007 10:58

@floro

Wenn du schon in der Gegend bist, kannst du dir noch zwei Gebäude mit "Vergangenheit" anschauen:

1. Das ehemalige SS-Berghaus Sudelfeld, ein Erholungsheim für SS-Angehörige. Planung und Ausführung 1937/38. Seit 1948 Erholungsheim des bay. Jugendrings, seit 1981 Jugendherberge. Es gibt Berichte über dort 1943/44 an Häftlingen durchgeführte Kälteanpassungsversuche.

2. ehem. Polizei-Skischule bei den Grafenherbergsalmen. Heute als "Polizeiheim" in den Karten verzeichnet und auch so genutzt.

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Beitrag von MikeG » 16.04.2012 21:31

Moin!

Kürzlich erreichte mich eine Email mit Fotos und einem Text zur Anlage, der in fast identischer Form auch schon als Artikel in Wikipedia zu lesen ist:
Um den Vorsprung der Alliierten in der Radarforschung aufzuholen, wurde eine „Reichsstelle für Hochfrequenzforschung“, mit ungefähr 1500 Hochfrequenz- Experten in verschiedenen Instituten des Deutschen Reiches eingerichtet. Schon frühzeitig hatte sich der Reichsführer–SS Heinrich Himmler in diese Arbeiten eingeschaltet, indem er Räumlichkeiten und fachkundige KZ-Häftlinge zur Verfügung stellte. Eine Experimentieranlage der Luftwaffe mit der Bezeichnung „Planungsstelle Sudelfeld für Sonderaufgaben der Luftwaffe Braunschweig, Sudelfeld b. Bayrischzell“ befand sich auf dem Sudelfeld bei Bayrischzell im Landkreis Miesbach, Oberbayern, zur Erforschung der Hochfrequenztechnik. Dies wurde in einem Rechenschaftsbericht der damaligen Führung des Beauftragten für Hochfrequenzforschung in Person des Staatsrates Dr. Ing. H. Plendl in Berlin-Gatow an Feldmarschall Göring, Reichsminister der Luftfahrt, lobend hervorgehoben.

So war in Räumen des Konzentrationslagers Dachau im August 1943 ein „Hochfrequenzforschungs- Institut“ eingerichtet worden. Dieses Kommando war der Vorläufer des im Juni 1944 zum KZ Groß-Rosen in Schlesien verlegten Kommandos „Wetterstelle“ und bestand aus Fachleuten der Elektro- und Funktechnik aus den Reihen KZ-Häftlinge. Eine Außenstelle entstand wie oben erwähnt am Sudelfeld. Das Verzeichnis der Haftstätten unter dem Reichsführer-SS (ITS-Liste) unterscheidet allerdings nicht zwischen dem in Sichtweite gelegenen SS-Berghaus Sudelfeld (Bergsport- und Erholungsheim der SS) und der Planungsstelle der Luftwaffe „Bau einer Versuchsanlage des Bevollmächtigten für Hochfrequenzforschung“. Allerdings wird letztere in der Abteilung „Arbeitseinsatz des Konzentrationslagers gesondert unter der Bezeichnung „Sudelfeld - Luftwaffe“ geführt. (Zwei Veränderungsmeldungen dieser Abteilung Arbeitseinsatz tragen die Bezeichnung „Sudelfeld – Luftwaffe“ und sind erhalten geblieben, sie nennen die Namen Franz J. und P. als Häftlinge, die in das Krankenrevier des Stammlagers Dachau zurückverlegt wurden). Ebenfalls erscheint in der Liste „Häftlingseinsatz für Zwecke der Luftfahrtindustrie“ des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes (WVHA) vom Januar 1944 Luftwaffen-Außenkommando unter der Bezeichnung „Bau einer Versuchsanlage Bev.[ollmächtigten] f.[ür] Hochfrequenz[forschung]“ Die Stärke des KZ-Kommandos wird darin mit fünfundzwanzig Mann und 4660 Arbeitsstunden angegeben.

Die Bauten für die „Versuchsanlage für Hochfrequenztechnik“ des Außenkommandos „Sudelfeld – Luftwaffe“ wurden auf dem Kamm eines Bergrückens nördlich und oberhalb der Deutschen Alpenstraße errichtet. Erhalten geblieben sind Fundamentreste für eine Materialseilbahn und Betonblöcke, die Aggregate von Antennenanlagen trugen, sowie ein Bunker und das massiv betonierte Gehäuse mit den ungefähren Maßen 6,00 x 6,00 x 6,00 Meter in Form eines Scheinwerfers, mit einer talwärts gerichteten Ausnehmung in Form eines Parabolspiegels zur Aufnahme eines Spiegels aus Metall. Seine Form und Bauweise lässt auf die Erprobung von Funkmessverfahren (Radar) schließen. Die Spiegelachse weist in Richtung der kleinen Bergkuppe auf der gegenüberliegenden Talseite mit Namen Waldkopf, Von der Verbindungsstraße Wirtshaus Grafenherberg zum Wirtshaus Mittleres Sudelfeld zweigt eine ca. zwei Meter breite und ganz mit Gras überwachsene Straße ab, deren noch gut sichtbare Trasse in zwei Windungen den Gipfel des Waldkopfs erreicht, um dort zu enden, ohne einem heute ersichtlichen Zweck zu dienen. Die Verlängerung der Spiegelachse über den Waldkopf hinaus trifft auf eine waagrecht angelegte und mit Gras bewachsene Plattform mit der ungefähren Fläche von ca. zehn mal sechs Me tern. Sie stellt den Endpunkt eines im oberen Teil noch gut erhaltenen grasbedeckten Weges dar, der westlich der Zufahrt zum Wirtshaus Obersudelfeld, Meter unterhalb desselben, noch gut zu erkennen ist. Beide Stellen, Waldkopfgipfel und die Plattform, könnten die Endpunkte einer Messstrecke Irgendwelche Überreste von stationären Versuchseinrichtungen vorhanden. An der Talstation der Materialseilbahn im Bereich des Großparkplatzes befand sich die so genannte „Luftwaffenbaracke“.

Gegen Ende des Jahres 1944 wurden unweit der Versuchsstation zwei hölzerne Munitionsbaracken zur Lagerung von je einer Tonne Sprengstoff errichtet, deren Fundamente erhalten geblieben sind. Im entsprechenden beim Landratsamt Rosenheim eingereichten Bauantrag wurde erwähnt, dass die Lagerung des Sprengstoffs im Auftrag der „Bau- und Betriebsstelle des Braun – Helmhlotz (sic!) – Instituts [wahrscheinlich Helmholtz] in Landsberg/Lech Fliegerhorst“ erfolgen sollte. Beigefügt war ein Lageplan im Maßstab 1:5000 mit dem schematisch dargestellten Versuchsstand und den „Muni-Baracken“, dem einzigen bis jetzt bekannten schriftlichen Nachweis dafür, dass die noch erhaltenen Betonreste mit der Versuchsanlage identisch sind.

Die Bauweise eines Spiegels aus Beton scheint darauf hin zu deuten, dass diese Forschungsarbeiten denen der Rüstungsindustrie weit hinterher hinkten. Bis heute halten sich Gerüchte, die Anlage habe der Entwicklung und Erprobung eines „rauchlosen Schießpulvers“ gedient, was wahrscheinlich seitens der SS als eine bewusste Irreführung der ansässigen Bevölkerung diente. Alle erhalten gebliebenen schriftlichen Hinweise deuten aber auf eine Radarforschung hin.

Die baulichen Reste stehen unter Denkmalschutz und werden privat genutzt. Um sie vor willkürlicher Veränderung durch Ortsansässige zu bewahren, wird darum gebeten, diese nicht durch eine auffällige Besichtigung zu provozieren.

Quellen:
Bundesarchiv, Außenstelle Ludwigsburg (BArch Ludwigsburg)
Staatsarchiv München (StAM)
KZ-Gedenkstätte Dachau, Archiv (DaA)
Privatarchiv des Verfassers

Literatur
Kaienburg, Hermann, Die Wirtschaft der SS, Metropol-Verlag, Berlin 2003
Trenkle, Fritz, Die deutschen Funkmessverfahren bis 1945, Hüthig Verlag Heidelberg, 1986.
Wolfgang Benz, Dr. Barbara Distel, Der Ort des Terrors, Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 2, C.H. Beck Verlag München, 2005
Vor allem die Fotos sind sehenswert, daher hänge ich sie hier an. Errhard Klein, der Einsender, bat mich, darauf hinzuweisen, dass der Pächter des Geländes über Besichtigungen nicht unbedingt erfreut ist.

Mike
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Beitrag von EricZ » 16.04.2012 22:01

Moin Mike,

Bild Nr. 6 scheint eine deutsche Spielart eines Sound Mirrors zu sein, nach der Leif 2003 mal hier im Forum gefragt hat: viewtopic.php?t=2072

Viele Grüße, Eric
And I'm hovering like a fly, waiting for the windshield on the freeway...

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Leif
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Beitrag von Leif » 16.04.2012 22:07

Hallo Mike,

sehr interessant ist auch die Diskussion bei den Erdwurm-Kollegen: http://www.unterirdisch-forum.de/forum/ ... php?t=5011 , bei der reichlich Informationen zusammengetragen wurden!

Viele Grüße,
Leif

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