Führungsfernmeldebrigade 900

Militärische und militärisch (mit)genutzte Fernmeldeanlagen und -einrichtungen, Netze und Infrastruktur (ohne ELOKA)
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vladdes
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Führungsfernmeldebrigade 900

Beitrag von vladdes » 11.08.2004 14:45

Hallo zusammen.
Es geht um die Führungsfernmeldebrigade 900 in der Zeit zwischen 1969 und 1989 (Heeresstrukturreform 3 + 4). Im Bedrohungsatlas findet sich folgendes dazu:

Führungsfernmeldebrigade 900
-Brigadestab Meckenheim
Stabskompanie Rheinbach
-Fernmelderegiment 90 (Rheinbach) mit:
-3 schweren Fernmeldebetriebsbataillonen (sFmBetrBtl 910 Worms, 920 Kastellaun, 930 Gerolstein)
-2 schwere Fernmelde-Verbindungsbatallione (FmBtl 940 Daun)
-Funkkompanie
-Fernmelde-Nachschub- und Instandsetzungskompanie und
-3 Fernmeldeausbildungskompanien (FmAusbKp 961 Kastellaun)

Auf dieser Homepage:
http://home.t-online.de/home/hgkampe/bundeswehr.htm
findet sich unter Heeresstruktur 3 die Angabe: Führungs-Fernmeldebrigade 900 mit zwei Regimentern und 5 Fernmeldebataillonen

Nun meine Fragen:
Wo war das FmBtl 950 stationiert ?
Wo war das andere Regiment und welche Nummer trug es?
Wie unterscheidet sich die Ausrüstung der sFmBetrBtl von denen der FmBtl und waren sie ortsfest oder mobil ?
Laut diesen und anderen Angaben war in den 80igern in Kastellaun also
SFmBetrBtl 920
FmAusbKp 961
Und außerdem noch Korpstruppen des III. Korps:
KrTrpBtl 330
Wie viele Kompanien hatte damals ein sFmBetrBtl und ein KrTrspBtl?
Müßten das nicht insgesamt über 10 Kompanien gewesen sein? Und alles in der kleinen Kaserne?

Wer ist so nett und hilft mir?
Gruß Tobias

JW

Beitrag von JW » 11.08.2004 17:25

1967 wurde aus dem bestehenden Stab des "Höheren Fernmeldeführers Territorialverteidigung" die Führungsfernmeldebrigade 700 aufgestellt, daraus wurde 1970 die Führungsfernmeldebrigade 900 in Meckenheim. Die gab es aber nur bis 1982 (nicht bis 1989), da in diesem Jahr daraus das Fernmeldekommando 900 in Rheinbach entstand. Aufgelöst wurde dieses Kommando 1994.

Die Gliederung der FüFmBrig 900 war im Jahre 1972:
Brigadestab mit Stabskompanie Meckenheim, später Rheinbach

Fernmelderegiment 90
-Stab/Stabskompanie in Rheinbach
-schweres Fm-Betriebs-Btl 910 Rheinbach
-schweres Fm-Betriebs-Btl 920 Kastellaun mit unterstellter FmAusbKp 961 Kastellaun
-schweres FmBetriebs-Btl 930 Gerolstein mit unterstellten FmAusb-Kompanien 911 und 931 Gerolstein
-Funkkompanie 902 Rheinbach

Fernmelderegiment 95 (erst 1972 aufgestellt, Bataillone bestanden teilweise schon)
-Stab/Stabskompanie Köln
-schweres Fm-Verbindungs-Btl 960 Mayen
-schweres Fm-Verbindungs-Btl 970 Mannheim mit unterstellter FmausbKp 971 Mannheim
-Fernmelde-Instandsetzungskompane 900 Mainz (später Fernmelde-Versorgungskompanie)

Ein Bataillon mit der Nummer 950 gab es zumindest während der Heeresstruktur 3 nicht.

Die Gliederung des FmKdos 900 ab 1982 habe ich nur summarisch, ohne Nummern und Stationierungsorte. Die beiden Regimentsstäbe wurden mit Übergang in die Heeresstruktur 4 aufgelöst.
Das Fernmeldekommando 900 hatte somit 1982:
-Stab und Stabskompanie
-drei schwere Fernmeldebetriebs-Btl
-drei schwere Fernmelde-Verbindungs-Btl
-einen Fernmelde-Versorgungs-Zug

Bei der Nachbesserung der Heeresstruktur 4 kam 1986 wieder eine Funk-Kp dazu.

Zur Gliederung der Btl:
1971:
Schweres Fernmeldebetriebs-Btl
-Stabs- u. Vers.kp
-2 Fernschreibbetriebskompanien
-1 Fernsprech-Betriebs- und Verbindungskompanie
-1 gemischte Fernschreib- und Fernsprechbetriebskompanie, im Frieden Geräteeinheit.

Die Mobilität der Bataillone war unterschiedlich, teilweise vollmobil, teilweise nur verlegefähig (etwa 20 Fahrzeuge pro Kp).
Die Bataillone waren stark gekadert (Friedensumfang knapp 600, V-Fall über 1100 Soldaten).

Schweres Fernmelde-Verbindungs-Btl
-Stabs- u. Vers.Kp
-1 schwere Fernmelde-Verbindungskompanie, V-Stärke ca. 250 Soldaten
-1 schwere Fernmelde-Verbindungs- und Forward-Scatter-kompanie, ca. 200 Soldaten
-1 schwere Fernmelde-Verbindungskompanie - Geräteeinheit, V-Stärke, ca. 290 Soldaten.
Auch hier starke Kaderung (Btl im Frieden etwa 540, im V-Fall ca. 950 Soldaten)

1981:
Schweres Fernmeldebetriebs-Btl Typ 1 (V-Stärke 660, 116 Fahrzeuge)
-Stabs- u. Vers.kp
-1 gemischte Fernschreib- und Fernsprechbetriebskompanie,
-1 Funkkompanie

Schweres Fernmeldebetriebs-Btl Typ 2 (V-Stärke 816, 64 Fahrzeuge)
-Stabs- u. Vers.kp
-2 gemischte Fernschreib- und Fernsprechbetriebskompanien

Schweres Fernmeldebetriebs-Btl Typ 3 (V-Stärke 651, 131 Fahrzeuge)
-Stabs- u. Vers.kp
-1 gemischte Fernschreib- und Fernsprechbetriebskompanie
-1 Fernmeldeverbindungskompanie

Schweres Fernmelde-Verbindungs-Btl (Gliederung aller drei Btl gleich, Stärken zwischen 784 und 895 Soldaten bzw. 292 bis 312 Fahrzeugen)
-Stabs- u. Vers.Kp
-3 schwere Fernmelde-Verbindungskompanien

Ein Krankentransport-Btl des Korps hatte 1981 (V-Stärke 898, 335 Fahrzeuge)
-Stabs- u. Vers.Kp
-5 Krankentransportkompanien
-1 Sanitätsmaterialkompanie

Die Krankentransport-Btl waren allerdings fast ausnahmslos Geräteeinheiten, es war allenfalls eine Kompanie aufgestellt. Zusammen mit der erwähnten starken Kaderung der Fernmeldebataillone ist es also durchaus möglich, das die genannten Truppen in Kastellaun untergebracht waren.
Die Fahrzeuge der Geräteeinheiten befanden sich meist in gesonderten Mob.Stützpunkten außerdem wurden z.B. die meisten Fahrzege der Krankentransportbataillone erst im V-Fall im Rahmen der materiellen Mobilmachungsergänzung eingezogen, bzw. kamen von anderen Bw-Dienststellen (KOM).

P.S.
Nur zur Vervollständigung:
Der für die fachliche Führung der Eloka-Einheiten zuständige Fernmeldestab 60 bzw. später 94 unterstand nicht der Führungsfernmeldebrigade, auch wenn dies immer wieder so auftaucht.

Literatur/Quellen:
Berrenberg, Peter: Geschichte der Fernmeldetruppe des Heeres in der Bundeswehr. Im Wandel der politischen und technischen Rahmenbedingungen unter besonderer Berücksichtigung der Zeit seit 1970. Bonn 1999.
Hoffmann, Emil: Die Fernmeldetruppe des Heeres in der Bundeswehr. Herford 1978.
Lehnert, Peter / Krause, Hans-Peter: Das feldmäßige Weitverkehrssystem der Führungsfernmeldebrigade. In: Truppenpraxis 7/1974, S. 505 - 512.

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Beitrag von EricZ » 11.08.2004 17:38

Moin,

Bei der Menge an Personal müssen aber neben der von Vladdes angesprochenen Kaserne eine Reihe von "Außenposten" aktiv gewesen sein.

Spielte eigentlich der Fernmeldebereich 92 Trier (zumindest heißt er heute so) eine Rolle in der aufgezeigten Struktur?

Grüße, Eric

Rick (†)

Beitrag von Rick (†) » 11.08.2004 17:47

Zum FmKdo 900 dann noch (mit Stand Mitte 1987) die folgenden FmZentren (GerEinh):
900, Dernau
901, Mayen
902, Kastellaun
903, Gerolstein
904, Daun
905, Rheinbach
906, Rheinbach
907, Rheinbach
908, Kastellaun

FmZentrale 950, Gerolstein
FmVersZg 900, Rheinbach
FmKp 901, Kastellaun
FmBtl 910, 920, 930, 960, 970 wie von HW dargestellt.

Gruß
Rick

Rick (†)

Beitrag von Rick (†) » 11.08.2004 17:49

FmBer 92 gehört zum Strategischen Kommando Aufklärung (SKA), also EloKa.

Rick (†)

Beitrag von Rick (†) » 11.08.2004 17:58

Bei Clemens Range: Das Heer der Bundeswehr, mit Stand ca. 1977, befand sich das sFmBetrBtl 910 angeblich noch in Worms. Genannt wird noch ein sFmVerbBtl 940 in Daun. Wie zuverlässig diese Angaben sind, kann ich nicht abschätzen, denn dieses Buch war einer der ersten Versuche, einen Überblick zu diesem Thema zu geben.

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Beitrag von EricZ » 11.08.2004 18:00

Danke Rick für die Ergänzung :thumbup:

Wenn man mehr über das 'Kommando Strategische Aufklärung' erfahren möchte, findet man einige Informationen auf der Streitkräftebasis.

Eric

Rick (†)

Beitrag von Rick (†) » 11.08.2004 18:21


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Beitrag von MikeG » 11.08.2004 18:22

Interessant auch der Ort Dernau -> Dienststelle Marienthal ...

Rick (†)

Beitrag von Rick (†) » 11.08.2004 18:25

Ja, MikeG, genau der. Alle anderen FmZentren waren in MobStützpunkten beheimatet.
Gruß
Rick

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