Fundamente mitten im Wald

Militärische Objekte und Anlagen des 2. Weltkriegs (und 1933-1945)
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wolfi
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Beitrag von wolfi » 03.11.2012 18:46

Hab heute in der Peripherie nichts mehr entdecken können.Bin mit dem Rad je etwa 1 Kilomter in beide Richtung an der Amper entlanggefahren.

Toliman
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Rundfunksender Fürstenfeldbruck

Beitrag von Toliman » 04.11.2025 13:36

1933 hat der Maler Georg Schrimpf einen Rundfunksender mit 3 Türmen gemalt, die sich in der Nähe von Fürstenfeldbruck befinden soll ( https://www.meisterdrucke.com/kunstdruc ... ck%29.html ). Nun gab es in Fürstenfeldbruck seinerzeit keinen Rundfunksender, entsprechende Anlagen (seinerzeit mit 2 Holztürmen) existierten in Stadelheim und Ismaning, welche aber anders aussahen und auch die Umgebung der auf dem Bild nicht ähnelten.

Gab es in Fürstenfeldbruck und Umgebung seinerzeit eine andere Sendeanlage, die der auf dem Bild ähnelte oder ist die auf dem Bild dargestellte Anlage ein reines Phantasieprodukt?
Zuletzt geändert von redsea am 11.01.2026 13:07, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Beitrag an bestehendes Thema angehängt.

PJ
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Re: Rundfunksender Fürstenfeldbruck

Beitrag von PJ » 10.01.2026 13:06

Ehemalier Polizeisender in Emmering.

Siehe hier:

xxx
Zuletzt geändert von redsea am 10.01.2026 21:41, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: xxx = Link entfernt, da die Themen zusammengeführt wurden

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Re: Fundamente mitten im Wald

Beitrag von redsea » 10.01.2026 21:39

Hallo Toliman,

wie PJ schreib, handelt es sich bei der Darstellung offensichtlich um den ehemaligen Polizeisender bei Bruck nahe Emmering.

In den OVB Heimatzeitungen heißt es zu dem Bild "Rundfunksender (Fürstenfeldbruck)" von Georg Schrimpf:
[…] Das Bild mit den Rundfunksendern entstand wohl um 1933. Die Sender gab es wirklich, nicht in Fürstenfeldbruck, sondern in der Nachbargemeinde Emmering, Ortsteil Untere Au. Der Fürstenfeldbrucker Stadtarchivar Gerhard Neumeier, der das Bild nicht kannte, hat auf Bitten unserer Redaktion nachgeforscht – mit Erfolg: In seinem Archiv gibt es eine Niederschrift vom 20. Juli 1927 über eine Ortsbesichtigung „zur Prüfung des Bauplatzes für einen Polizei-Funksender“. Neben den Bürgermeistern waren der Vorsitzende eines Verschönerungsvereins, die Schriftleiter der örtlichen Zeitungen und ein „Geheimer Kriegsrat“ Dr. Frank vom Landespolizeiamt zugegen.

Zwei Jahre später, am 4. Juni 1929, berichteten die Münchner Neuesten Nachrichten über den „Rundfunksender bei Bruck“: „Auf der Fahrt nach Fürstenfeldbruck gewahrt man bei Roggenstein in der Richtung Emmering auf freiem Feld drei Funktürme, zwei mit 180 Meter Abstand in Stahlkonstruktion und 100 Meter hoch, ein dritter in Holz, 35 Meter hoch.“ Weiter hieß es, die „dazwischen stehenden Baulichkeiten“, ein Stationshaus mit Maschinenraum sowie ein Büro- und Wohnhaus mit fünf Dienstwohnungen, gingen „der Vollendung entgegen“. Und: „Die vom Landbauamt München (Baurat Hocheder) durchgeführte Bauanlage ist bestimmt für den Polizeisender München (Südbayerischer Verkehrskreis). Dieser wird vom Armeemuseum hinausverlegt, um den Sender von den Einflüssen der engen Bebauung zu befreien und seine Reichweite zu vergrößern.“ Zur Erläuterung: Das Armeemuseum befand sich damals am Münchner Hofgarten – dort, wo heute die Staatskanzlei ist.

Die Sender sind längst wieder abgebaut – doch überdauert haben bis heute, versteckt im Wald und überwuchert mit Pflanzen und Moos, die Betonfundamente. Vielleicht hatte Schrimpf den Zeitungsartikel gelesen und die Sender gesucht. Er war 1929 mit seiner zweiten Frau Hedwig sowie den Söhnen Markus und Peter nach Lochhausen gezogen – das liegt nicht weit weg von Fürstenfeldbruck. […]
Quelle und ganzer Artikel: OVB-Heimatzeitungen | Ein Stück Bayern in Berlin

Man findet im Netz zwar auch anderweitige Meinungen, wie z.B. im Blog vom Schlaufen Verlag, in dem auch Stadelheim und Ismaning angesprochen wird, jedoch erscheint mir die Darstellung der OVB Heimatnachrichten zweifellos schlüssig.

Deinen Beitrag habe ich daher an das zu diesem Sender bereits bestehende Thema angehängt.
wolfi hat geschrieben: 02.11.2012 12:45 In welchem Umkreis wären denn, evtl. noch weitere Fundamente zu suchen?Gab es da Richtlinien?
Hallo wolfi,

vielleicht sind die Angaben der OVB Heimatzeitungen: "drei Funktürme, zwei mit 180 Meter Abstand in Stahlkonstruktion und 100 Meter hoch, ein dritter in Holz, 35 Meter hoch", ein Anreiz für Dich nochmals vor Ort nach eventuellen weiteren Relikten zu schauen.

Auf Merkur.de heißt es unter einem Foto der Sockel allerdings: "Monolith aus Beton: Vier solche Quader sind die letzten Zeugnisse der Funktürme".

Weiter heißt es dort:
[…] In den späten 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts errichtet der Staat nahe des Amperufers zwei riesige Funktürme.

Die beiden Bauwerke sprengen in der damaligen Zeit alle Rekorde. Mit 100 Metern sind die Stahlgittermasten mit Abstand die höchsten Bauwerke im Landkreis. Das hat der Emmeringer Chronist und ambitionierte Hobby-Historiker Roland Bartmann recherchiert. „Die Anlage war damals Deutschlands größte Polizeileitfunkstelle“, erklärt Bartmann.

Die Betonblöcke, die im Wald bis heute überdauert haben, dienen als Fundamente für die Masten. Die Türme werden schnell zum Wahrzeichen der Ampergemeinde. Sie schmücken bald auch Ansichtskarten aus Emmering. Und sie schaffen es sogar bis in die katholische Kirche. Dort, im Hintergrund eines großen Wandgemäldes über dem Altar, sind sie bis heute zu bestaunen. […]
Quelle und ganzer Artikel mit weiterführenden Informationen und Fotos:

Merkur.de | Vergessene Orte im Kreis Fürstenfeldbruck: Das versunkene Wahrzeichen von Emmering


Viele Grüße

Kai

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