HGÜ Elbe-Projekt

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Frank K.
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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Frank K. » 12.05.2024 09:58

Moin,
ja - könnte sie. Die Objektstruktur östlich direkt daneben sieht interessant aus. Aber auch hierfür gilt:
Toliman hat geschrieben: 07.05.2024 13:24 Im Übrigen sieht das Ding auf dem historischen Luftbild bei 52.43707 N und 13.36609 O nicht der Halle in Vockerode ähnlich.
Beide genannten Stellen sind auf TK 1945 noch unbebautes Gelände. Auf TK Blatt 3546 Update 1951 ist diese Objektstruktur (Halle + etwas daneben) eingezeichnet.

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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Toliman » 12.05.2024 17:58

Die HGÜ "Elbe-Projekt" wurde 1945 fertig gestellt und kurz nach Ende des 2. Weltkriegs von den Sowjets demontiert. Die historischen Luftbilder von 1945 bei Google Earth zeigen bei 52,43707 N 13,36609 O keine Halle, wohl aber bei eine bei 52.427507 N 13.370262 O, welche der bei Vockerode in den Abmessungen übereinstimmt und neben der ein langgezogener Bau wie in Vockerode steht. Interessanterweise fehlt bei der Halle bei 52.427507 N 13.370262 O das Dach komplett - vermutlich kein Kriegsschaden, sondern Demontage - und man erkennt, dass im Inneren die Halle in zwei Abteile unterteilt ist. Da die HGÜ "Elbe-Projekt" eine bipolare Anlage war dürfte jedes dieser Abteile einen Stromrichter für einen Pol beherbergt haben.

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Frank K.
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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Frank K. » 13.05.2024 11:01

Toliman hat geschrieben: 12.05.2024 17:58Interessanterweise fehlt bei der Halle bei 52.427507 N 13.370262 O das Dach komplett - vermutlich kein Kriegsschaden, sondern Demontage.
Moin,
da bist du aber der Geschichte im Jahr 1945 weit voraus ;)

Das Luftbild ist vom 19. März 1945.

Die Lage am Sonntag, den 18. März 1945 sagt u.a.:
• Kolberg (Kołobrzeg) wird von der Roten Armee eingenommen. Küstrin kapituliert Ende März.
• Berlin: 1.250 amerikanische Bomber fliegen einen Luftangriff auf die Stadt.

Vllt war die Aufnahme vom 19. eine Kontrolle dieses Angriffs.

Da gab es logischerweise noch keine Demontage. Mir sagt dies, daß offenbar die HGÜ Anfang 1945 real noch nicht komplett gefertigt und funktionsbereit war. Das erklärt auch mit warum das System bei Moskau nach der Demontage als eine monopolare HGÜ-Verbindung in Betrieb genommen wurde, es fehlten schlicht die Stromrichteranlagen aus Marienfelde. Möglich ist auch, daß die Alliierten später den vorhandenen Teil der Technik auf ihrem Gebiet nicht rausrückten.

mfg Frank

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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Toliman » 13.05.2024 18:26

Das Datum unten habe ich echt übersehen! Dann war wohl die HGÜ seinerzeit doch nicht "betriebsbereit" wie häufig behauptet wird.

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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Frank K. » 14.05.2024 11:09

In der Dokumentation 'Historie Energieübertragung' steht dazu für 1945 »
Bis April Fertigstellung wesentlicher Teile (Stromrichterwerk Elbe und Gleichstromkabel) zur Inbetriebnahme der 400-kV-Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsanlage (HGÜ) der Ewag vom KW Elbe [...]
Nun, immerhin haben wir hier gemeinsam etwas mehr Licht in das Projekt gebracht :-)

mfg Frank

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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Toliman » 14.05.2024 16:34

Es stellt sich auch die Frage, wann genau die Bauarbeiten an der Stromrichterstation Marienfelde eingestellt wurden. Laut der Dokumentation "Historische Energieübertragung" wurde an der Anlage bis April 1945 gearbeitet. Da das Luftbild vom 19. März 1945 stammt, kann durchaus noch manches hinzugefügt worden sein.

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HGÜ in Vockerode

Beitrag von Frank K. » 15.05.2024 10:58

Im Anhang der Blick auf das HGÜ-Objekt Vockerode vom Dach des Braunkohlen-Kraftwerkes 'Elbe'. Blickrichtung nach Süden. In den offenen Boxen-Kammern links (östlich des Betriebsgebäudes) standen Quecksilberdampfgleichrichter von AEG, diese waren das Hauptelement zur Wandlung von Wechselspannung AC in Gleichspannung DC.

Die Anlage war vor Kriegsende fertiggestellt, der Probebetrieb stand an. Diesen untersagte die Besatzungsmacht und ließ die Technik demontieren.

Originalaufnahme © Abditus 2011 - das Veröffentlichungsrecht dafür für dieses Forum liegt mir vor
VR_30mod2.JPG
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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Toliman » 15.05.2024 13:26

Ich dachte immer, die Quecksilberdampfgleichrichter standen in der Halle. Mir ist kein Fall bekannt, dass man derartige Objekte im Freien aufstellte. Auch bei modernen HGÜ-Anlagen mit Thyristoren sind diese im Regelfall in einer Halle.

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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Frank K. » 15.05.2024 18:21

Ja, und ?! Nur weil es dir nicht bekannt ist, heißt das nicht, daß es nicht so vorgesehen war. Die Bemerkung stammt aus einem Bericht von Ing. K.Bebber. Für die Boxen könnten nach Installation auch eine obere Abdeckung vorgesehen gewesen sein.
Als Leistungs-Thyristoren zur Verfügung standen haben sie sich schnell auch die HGÜ-Technik erobert. Sie haben u.a. eine wesentlich geringere Verlustleistungserzeugung und Anlagen sind damit deutlich kleiner und lassen sich digital steuern. Das war das Ende der QS-Gleichrichter.

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Re: HGÜ Elbe-Projekt

Beitrag von Toliman » 16.05.2024 13:19

Wenn die Quecksilberdampfgleichrichter in den externen Boxen aufgestellt waren, was war dann in der Halle drin bzw. was sollte dort hinein? Die Schaltanlage?

Interessanterweise sind an den Endpunkten der aus den Komponenten des Elbe-Projekts aufgebauten HGÜ in Russland in Moskau bei 55°39'30"N 37°38'15"O und in Kaschira bei 54°51'29"N 38°14'45"O keine derartigen Boxen zu finden (und auch bei keiner anderen Anlage ist mir so etwas bekannt)

Generell werden bei Stromrichterstationen die Stromrichterventile - sein es Quecksilberdampfventile oder Thyristoren - in einer Halle untergebracht. Im Freien findet man nur die Transformatoren, Oberwellenfilter und Schaltanlagen. Es gibt aber auch Ausnahmen (allerdings existiert dann keine Halle) und zwar zum Beispiel bei der HGÜ Cahora Bassa, wo die Stromrichter in ölgefüllten Containern untergebracht sind, wie man auf https://de.wikipedia.org/wiki/HG%C3%9C_ ... e_Merkmale nachlesen kann.

Gab es andere Anlagen mit Quecksilberdampfgleichrichtern (zum Beispiel Unterwerke von Bahnen, die mit Gleichstrom fahren) bei denen zu deren Aufstellung derartige Boxen zum Einsatz kamen?

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