Schutzräume bei der Bundespolizei

Zivile bzw. nicht-militärische Schutzbauwerke und Anlagen des Kalten Krieges
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bettika
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Schutzräume bei der Bundespolizei

Beitrag von bettika » 04.02.2024 21:38

Hallo,
Gab es hier schon das Thema "Schutzräume bei der Bundespolizei"?
Bei der Forensuche hatte ich kein Erfolg.
Ich erinnere mich an eine Baustelle bei der Bundespolzei Anfang der 80'er Jahre.
Dort wurde im Keller eines neuen Wirtschaftsgebäudes ein "Bunker " :8): mit errichtet.
Auf einem anderen Standort der Bundespolizei habe ich den Eintrag "BW 50" im Plan gefunden.
Grüsse
Beate
P.S,. Da es sich um aktive Standorte handelt, keine näheren Ortsangaben.
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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MikeG
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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei

Beitrag von MikeG » 04.02.2024 22:23

Moin!

Die heutige Bundespolizei hieß ja bis zum 30.06.2005 noch Bundesgrenzschutz (BGS) - da muss es in den 1980ern dann schon dort gewesen sein :) Hast

Aber ich meine, Schutzräume von Polizei und BGS waren hier noch nicht oft Thema.

Mike

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redsea
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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei / Bundesgrenzschutz

Beitrag von redsea » 05.02.2024 21:10

Hallo Beate,

ich war 1984/85 in der Sachsenwald-Kaserne an der B207 in Elmenhorst stationiert. Etwa zwei Kilometer Richtung Schwarzenbek befand sich auf der linken Seite eine BGS-Kaserne, die wir ab und an mal besucht haben.

Die Gebäude waren in ähnlichem Baustil errichtet, wie unsere Unterkunftsgebäude. Ich meine mich daran erinnern zu können, dass sich hinter einigen Gebäuden auf der Rasenfläche Lüftungs-/Notausstiegssockel wie die unserer BW50-Schutzräume befanden.

Vielleicht ist diese Info für Deine Recherche ja hilfreich.

Luftbild auf Lauenburgische Landeszeitung

Viele Grüße

Kai
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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei / Bundesgrenzschutz

Beitrag von redsea » 06.02.2024 00:39

Hallo Beate,

mit Deinem Thema hast Du mich neugierig gemacht und ..... voila: ehem. BGS-Kaserne Uelzen - Hainberg oder auf geschichtsspuren.de. ;)

Viele Grüße

Kai

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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei

Beitrag von Thunderhorse » 07.02.2024 18:24

Das es Schutzräume in den Standorten des BGS gab kann man nicht pauschal mit Ja beantworten.
In den Planungen für die Standortneubauten ab 1958ff waren keine Schutzbauten vorgesehen.

Beim durchschauen von Bauplänen kann man u.a. sehen dass bei Bauobjekten erst im Nachgang (während der Bauphase) noch "Bunker" eingetragen wurden.
Dies waren ein Notbefehlsbunker für den Abteilungsstab und sofern vorhanden dem Gruppenstab (dann beide zusammen) mit ein / zwei Besprechungsräumen, Notvermittlung, Notfunkstelle, kleiner Raum für Ausrüstung, kleines Abort, Filteranlage und daneben das unterirdisch montierte Notstromaggregat mit Tankbehälter
Ein kleiner Schutzraum wurde im Untergeschoss des Krankenrevier errichtet.

Für die Gebäude der Stabshundertschaft, Jägerhundertschaften war dies nicht vorgesehen.
Wobei es hier im Untergeschoss mindestens zwei Treppenabgänge gab, die jedoch an einer Betonmauer endeten.???

viewtopic.php?t=18094
Hier wäre es interessant an welchen Gebäuden (Stabsgebäude, Stabshundertschaft, Krankenrevier,...) sich diese Objekte befanden/befinden.

In all den Standorten des BGS die ich bisher kennen gelernt habe gab es keine Schutzbauten wie bei der BW vorhanden.
https://www.dokumentationszentrum-hainb ... unker.html
MfG. TH

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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei / Bundesgrenzschutz

Beitrag von redsea » 11.02.2024 22:02

Hallo TH,

meinst Du Treppenabgänge innerhalb der Gebäude?

Der Schutzraum in unserer Bw-Kaserne in Elmenhorst war sowohl durch einen kurzen Gang im Keller (ziemlich mittig im Gebäude), als auch über einen Treppenabgang außerhalb des Gebäudes zugänglich, über den auch der Keller betreten werden konnte. Dieser Treppenabgang lag außerhalb des Trümmerbereiches, also nicht unmittelbar am Gebäude.

Solche, außerhalb des Trümmerbereichs liegenden Treppenabgänge, sind auf Luftbildern einiger BGS-Kasernen zu erkennen.

Ein weiterer BGS-Standort mit Schutzraum/-räumen war Gifhorn. In einem Bericht des THW Gifhorn heißt es zu einer Übung:
[...] Auf dem ehemaligen BGS-Gelände angekommen, wurde die Lage erkundet: Eine verletzte Person lag im drei Meter tiefen Bunkereingang. [...]
Quelle und ganzer Artikel: Jugendgruppe übt auf ehemaligen BGS-Gelände

Auf dem Google Earth Screenshot habe ich Objekte gekennzeichnet, bei denen es sich um Lüftungs-/Notausstiegssockel handeln könnte. Vielleicht wohnt ja jemand dort in der Nähe und mag sich mal vor Ort umschauen, sofern das Gelände mittlerweile frei zugänglich ist.

Viele Grüße

Kai
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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei

Beitrag von Thunderhorse » 12.02.2024 16:28

Das Bild von der Bergung zeigt für mich einen typischen Zugang zu einem Keller-/Untergeschoß eines Gebäudes.
Es könnte dieses Gebäude sein: 52°29'43.78"N 10°30'54.66"E

Diese Art von Zugängen gab/gibt es z.B. bei Lehrsaalgebauden, technischen Hallen (früher als Halle für den Notstandszug bezeichnet), Werkstätten, Kammergebäude.

Die Neubauten ab 1957ff /Unterkünfte hatten/haben grundsätzlich im Kellerbereich / Untergeschoß an jeder Seite bzw. seitlich zwei Zugänge.
Manche Gebäude, da kleiner nur einen.

Im Netz gefunden:
https://www.braunschweiger-zeitung.de/g ... chlaf.html

Erst mal soweit.
MfG. TH

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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei / Bundesgrenzschutz

Beitrag von redsea » 12.02.2024 22:02

Hallo TH,
Das Bild von der Bergung zeigt für mich einen typischen Zugang zu einem Keller-/Untergeschoß eines Gebäudes.
Damit gehe ich nicht konform.

Es gibt (gab) sowohl BGS-Liegenschaft mit Treppenabgängen unmittelbar an den Gebäuden, wie auch Liegenschaften mit Treppenabgängen abgesetzt von den Gebäuden. Bei letzteren finden sich im Umfeld der Gebäude Objekte, bei denen es sich um Lüftungs-/Notausstiegssockeln von Schutzträumen handeln könnte/dürfte.

Ebenfalls gibt es Liegenschaften, bei denen man beide Varianten vorfindet, wie u.a. in Speyer (siehe anhängender GE-Screenshot).

Pauschal “typisch“ ist hier folglich nicht treffend. Wohl aber typisch in Bezug auf “typisch mit Schutzraumzugang“ und “typisch ohne Schutzraumzugang“.
Es könnte dieses Gebäude sein: 52°29'43.78"N 10°30'54.66"E
Das sehe ich auch so.
Diese Art von Zugängen gab/gibt es z.B. bei Lehrsaalgebauden, technischen Hallen (früher als Halle für den Notstandszug bezeichnet), Werkstätten, Kammergebäude.
Diesen Zusammenhang sehe ich nicht.

Diese Art von Treppenabgängen mit den Merkmalen “abgesetzt vom Gebäude“ und “hinter dem Abgang geteilt“, findet man bei kombinierten Abgängen (zum Schutzraum und zum Keller) vor.

Für mich stellt sich der Abgang augenscheinlich wie in anhängender Skizze dar.

Auf dem Foto der Bergung ist hinter der hervorstehenden Ecke an der gegenüberliegenden Wand eine blaue Einfassung (Rahmen/Zarge?) zu erkennen. Dies entspricht übrigens, nur spiegelbildlich, der von mir oben geschilderten Situation des außen liegenden kombinierten Keller- und Schutzraumzuganges in Elmenhorst.

Leider finde ich auf die Schnelle kein entsprechendes Foto einer baugleichen Situation. Daher anhängend zur Verbildlichung Fotos eines ähnlichen kombinierten Abgangs einer Bw-Liegenschaft. Da es sich um eine noch aktive Liegenschaft handelt, ohne Ortsangabe.
Die Neubauten ab 1957ff /Unterkünfte hatten/haben grundsätzlich im Kellerbereich / Untergeschoß an jeder Seite bzw. seitlich zwei Zugänge. Manche Gebäude, da kleiner nur einen.
Dies wäre gesondert zu betrachten. In vielen Fällen war der BGS ja lediglich Nachnutzer.

Beates Ausgangsfrage zielt für mich darauf ab, ob beim BGS überhaupt Bedarf an Schutzräumen bestand. Daher dürften wohl vor allem diejenigen Liegenschaften interessant sein, die eigens für BGS-Nutzung errichtet wurden und über Schutzräume verfügen und diejenigen, für die bei Nachnutzung durch den BGS Schutzräume nachgerüstet wurden.

Viele Grüße

Kai
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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei

Beitrag von Thunderhorse » 13.02.2024 07:59

Zum Standort Speyer:
Speyer war eine Zwischenlösung und kein typischer Neubau für den BGS.
Umzug von dort ging in 1993 nach Bad Bergzabern.

In der Anfangsphase 1951 bis 1959 war der BGS Nachnutzer von Objekten.
Ab 1957 mit der sog. Neuaufstellung begann man auch mit einem Neubauprogramm da die BW in 1956 16 Standorte des BGS übernommen hatte.
Neubauten waren z.B.: Grafenau, Uelzen, Bad Hersfeld, Bad Bramstedt, Bayreuth, Oerlenbach, Gifhorn, Nabburg, etc..
In Rosenheim gab es im Standort Neubauten z.B.: für FB-Dienste.

Auf dem Foto der Bergungsübung kann ich keinen separaten Zugang zu irgendeinem Bunker erkennen.

Zu Bunkern in Neubauobjekten hatte ich hier etwas geschrieben.
07.02.2024 18:24
Übernommen hat man, falls baulich machbar, vorhandene Bunker aus der Wehrmachtszeit als Lagerräume.
Dies waren jedoch keine Schutzbauten sondern Lagerbunker und nicht an Gebäude angeschlossen.
MfG. TH

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Re: Schutzräume bei der Bundespolizei

Beitrag von Thunderhorse » 13.02.2024 08:51

Bezüglich Luftschutz gibt es eine Anweisung des BMI aus 1962.

Quelle Dierske: In seinem umfänglichen Buch zum BGS findet sich dazu kein Himnweis mehr.

Zur Herstellung eines gewissen Schutz in BGS-Unterkünften.
In Bundesgrenzschutz-Unterkünften, in denen keine trümmersicheren und strahlengeschützten
Keller- oder Schutzbauten bestehen, sind unverzüglich geeignete
Kellergeschosse oder Kellerteile trümmersicher und eingeschränkt strahlengeschützt
herzurichten.
Ausstattung der behelfsmäßig hergerichteten Kellerräume mit Trinkwasser! Verpflegung,
Sanitätsmaterial , Notbeleuchtung und Gerät wird gesondert angeordnet werden.

Die Arbeiten sollten von den GSA T und den Notstandszügen durchgeführt werden.
Selbst gesehen habe ich in einzelnen Standorten dass im Keller in den Wänden einzelne "Ventile" eingebracht wurden.
Die Räume dahinter waren in den 1970er und ff jedoch als Lagerraum genutzt.


Planungstechnisch wäre dies bei Neubauten ab 1962 machbar gewesen.

Die Masse der Neubauten wurde in 1963 fertig gestellt und bezogen.
Schwarzenbek hat sich bis 1972 hingezogen.
Und im Großraum Bonn hat man in den 70er Jahren etwas mehr gebaut.
MfG. TH

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