Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Vorbereitete Sperren, Sperranlagen und zugehörige Infrastruktur
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Hajo Behrendt
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Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Beitrag von Hajo Behrendt » 26.07.2019 15:55

Eine der letzten im Raum Mittelholstein vorhandenen Trichtersperren befindet sich auf der Kreisstraße zwischen Neumünster-Einfeld und Großharrie. Im Stadtgebiet Neumünster stellt sie gar die letzte (mir bekannte) erhaltene Sprengschachtanlage-Anlage dar.

Da ich den Erhalt einzelner Anlagen als Relikt des Kalten Krieges sehr wichtig finde, habe ich in der letzten Woche das Landesamt für Denkmalpflege kontaktiert und auf die Existenz der noch vollständig vorhandenen Anlage hingewiesen. Dem LD war das Vorhandensein solcher Anlagen bislang gar nicht bekannt (!) und man zeigte sich sehr interessiert. Bislang ist in Schleswig-Holstein noch keine Sprengschachtanlage unter Schutz gestellt worden, lediglich einige Steckträger-Sperren an Lübecker Brücken wurden vor Kurzem in die Denkmalliste aufgenommen.

Anfang des Monats wird das LD mit dem archäologischen Landesamt die Zuständigkeit klären (da die Schachtanlagen ja hauptsächlich im Boden verbaut sind könnten auch die Archäologen zuständig sein) und über die Schutz- und Erhaltenswürdigkeit der zentral in SH gelegenen Anlage beraten.

Hoffentlich mit positivem Ergebnis...

Hier ein paar Bilder der Sprengschachtanlage.

Interessant finde ich die mit Vorhängeschloss versehene Öffnung im Brückenlager. Ich vermute, dass es sich hier um eine Austrittsöffnungen für die Zündkabel handelt. Wie ist da die Meinung der Experten?
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Re: Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Beitrag von Geograph » 26.07.2019 18:26

Hajo Behrendt hat geschrieben: 26.07.2019 15:55 Eine der letzten im Raum Mittelholstein vorhandenen Trichtersperren befindet sich auf der Kreisstraße zwischen Neumünster-Einfeld und Großharrie. Im Stadtgebiet Neumünster stellt sie gar die letzte (mir bekannte) erhaltene Sprengschachtanlage-Anlage dar.

[…]

Hier ein paar Bilder der Sprengschachtanlage.

Interessant finde ich die mit Vorhängeschloss versehene Öffnung im Brückenlager. Ich vermute, dass es sich hier um eine Austrittsöffnungen für die Zündkabel handelt. Wie ist da die Meinung der Experten?

Hallo,
nach derzeitigem Kenntnisstand gab es insgesamt acht vorbereitete Sperranlagen im Stadtgebiet Neumünster; sieben davon wurden bereits rückgebaut (zwei Anlagen im Jahre 1992, vier Anlagen 1994, eine Anlage 2005).

Die von dir vorgestellte und noch existierende vorbereitete Sperranlage [Objektnummer NMS 0108] besteht aus sechs Straßensprengschächten. Bei Auslösung der Anlage wäre auch die Dosenbek-Brücke zerstört worden.

Im Widerlager ist in der Tat ein »Anschlusskasten« integriert, in dem die Zündkabel für die Sprengung eingebracht werden können; unter dem »Hydrantendeckel« verbirgt sich ebenfalls ein »Anschlusskasten«.


Es wäre nett, wenn du bezüglich der möglichen Unterschutzstellung am Ball bleiben und hier darüber berichten würdest.


Grüße,
GEOGRAPH

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Re: Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Beitrag von Hajo Behrendt » 26.07.2019 19:47

Ja, natürlich. Ich stehe in telefonischem und Mail-Kontakt mit der (eventuell) zuständigen Sachbearbeiterin im LD.

Der zuständige Abteilungsleiter im ÄLA ist zurzeit leider noch bis Beginn des kommenden Monats in Urlaub, der Vorschlag ist dort schon auf Abteilungsleitungs-Ebene. Sie haben dort „die Witterung aufgenommen“.

Perspektivisch könnten ja vielleicht drei oder vier im Land verteilte, charakteristische Anlagen aufgenommen und entsprechend „bildungstechnischen aufbereitet“ werden, z. B. mit Hinweistafeln.

+++

Ich war mir in der Tat nicht sicher, ob die Anlage aus fünf oder sechs Schächten besteht, da wohl ein Deckel im Radwegbereich schon mal ersetzt wurde (oder sich der ehem. Radweg-Deckel jetzt auf der Straße befindet...).
Vielleicht kann man aber (falls es zu einer Aufnahme in die Denkmalliste kommt) einen Deckel einer anderen, zurückgebauten Anlage als Ersatz organisieren. Vielleicht haben BW oder LBV ja noch welche liegen. Aber das ist ja noch Zukunftsmusik ...

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Re: Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Beitrag von Rex Danny » 28.07.2019 20:54

Um genauere Details und möglicherweise auch Unterstützung für Dein Vorhaben zu bekommen, solltest Du Dich mal mit dem zuständigen Wallmeister, Stabsfeldwebel Siedentopf, aus der Rettberg-Kaserne in Eutin in Verbindung setzen. Der dürfte bspw. auch die für die Denkmalschützer wichtigen Unterlagen zur Trichtersperranlage NMS 0108 in seinem Bestand haben. Nach meinen Unterlagen, die allerdings nicht mehr ganz aktuell sind, ist die Anlage auch immer noch im Bestand der Bundeswehr.

Grüße


Rex Danny

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Re: Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Beitrag von Hajo Behrendt » 28.07.2019 21:53

Danke für den Tipp und die Kontaktdaten, Rex Danny.

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Re: Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Beitrag von Seemann » 07.07.2023 13:58

Ein spannendes Projekt.

Gibt es dazu was Neues?

Ich fürchte, es ist wohl im Sande verlaufen und nicht umgesetzt worden.

Hajo Behrendt
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Re: Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Beitrag von Hajo Behrendt » 04.08.2023 13:28

Zumindest ist die Anlage noch existent, es gab tw. neue Schachtdeckel.

Da Sprengschachtanlagen ausschließlich im Boden verbaut sind, ist hierfür das archäologische Landesamt zuständig, nicht der bauliche Denkmalschutz.

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Re: Erste Sprengschachtanlage in SH bald unter Denkmalschutz?

Beitrag von 76er » 06.01.2024 19:02

Ich habe vor 4 Wochen dem Landesamt für Denkmalpflege vorgeschlagen, die Sperre SL0313 an der Bondenau unter Schutz zu stellen. Bis heute keine Antwort/ Eingangsbestätigung. Telefonisch wurde durchaus Interesse an Zeugnissen des Kalten Krieges bekundet. Das Amt ist stark unterbesetzt. Von einem Archäologen hörte ich, dass Denkmalpfleger und Archäologen sich um Objekte "geradezu reissen". ::ironie::

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