Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Luftschutzbunker, zivile Bunkeranlagen und Schutzbauwerke des 2. Weltkriegs
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Talpa
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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von Talpa » 14.11.2021 16:25

Ja, sehe ich auch so,
Splitterschutz für den Sprengmeister im Steinbruch. :thumbup:
Taktik ohne Technik ist hilflos,
Technik ohne Taktik ist sinnlos.

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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von Fieldmouse » 14.11.2021 17:44

Fieldmouse hat geschrieben: 13.11.2021 13:27 ... Wohl ehemals für Mitarbeiter des noch aktiven Steinbruchs. . .
:holy:
Fieldmouse hat geschrieben: 13.11.2021 17:12 Ja und komischerweise ist dieses Exemplar bisher im Netz nicht zu finden.
Vllt. neu aufgestellt ?
:?: :?:

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Zwackelmann
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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von Zwackelmann » 20.12.2021 12:38

Hallo allerseits,

Bereits 2017 erschien diese Meldung in der Archäologie in Deutschland, wonach zwei Luftschutzzellen des Typs RL 3-41/63 der DYWIDAG in Schleswig-Holstein geborgen wurden:

Platzangst im Minibunker
Im April 2017 wurden bei Bauarbeiten in Ahrensburg im Kreis Storman zwei zylindrische
Stahlbetonkonstruktionen geborgen. Bei einer Begutachtung durch Mitarbeiter des Landesamts stellte sich heraus: Es handelte sich um zwei Ein-Mann-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Die einfachen Schutzbauten wurden industriell gefertigt und boten ein bis zwei Personen Schutz vor umherfliegenden Splittern und Trümmern. Die Bunker sind sehr klein, ihre Stehhöhe beträgt nur knapp 180 cm, der Innenraum misst 109cm im Durchmesser. Durch vier Sichtschlitze konnte die
Umgebung beobachtet werden und Luft in den Bunker gelangen. Zwei relativ kleine
Wandöffnungen in Bodennähe ermöglichten es, in den Schutzbau hineinzukriechen. Dabei diente eine Öffnung als regulärer Zugang, der mit einer Betontür verschlossen wurde. Ein weiteres Bauelement war als Notausgang konzipiert und ließ sich nur von innen entfernen. Beide Bunker gehören zum Typ »DYWIDAG-Zelle«, die von der Dyckerhoff & Widmann AG vorgefertigt und in vier Teilen angeliefert wurden. Der Bunkerraum wurde vor Ort auf ein Fundament aus Stampfbeton gesetzt. Danach hängte man die Türen ein, platzierte das Dach und verschraubte alles. Die beiden geborgenen Bunker unterscheiden sich in einigen Details, so ist bei einem die Tür anscheinend einfacher konstruiert, was darauf schließen lässt, dass er später aufgestellt wurde.
Sehr häufig wurden diese Bunker in der Nähe von Gleisanlagen und Fabriken errichtet. Sie
dienten solchen Personen als Schutz, die es bei einem Alarm nicht mehr rechtzeitig in einen
normalen Bunker schaffen konnten. Bis heute stehen diese Zeugen einer schrecklichen
Vergangenheit an vielen Orten Schleswig-Holsteins. Als Bodenfunde traten sie jedoch bislang selten in den Fokus der archäologischen Forschung (AiD 05/2017, S. 54).

Soweit die Meldung. Leider enthält sie keine Angaben, wohin die beiden Luftschutzzellen nach der Bergung gelangt sind.

Gruß, Thomas
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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von Zwackelmann » 24.04.2022 11:59

Per Zufall bin ich noch auf diese alte Meldung des Stormarner Tageblattes gestoßen:

https://www.shz.de/lokales/stormarner-t ... 1-amp.html

Dort heißt es:

Er wird gehütet, wie ein Staatsgeheimnis – der Lagerort der beiden so genannten Splitterbunker, die bei Bauarbeiten auf dem Ahrensburger Lindenhof-Gelände entdeckt wurden. „Wir haben Angst, dass Leute aus bestimmten politischen Richtungen die Bunker mutwillig zerstören oder mit Nazi-Emblemen beschmieren“, sagt Bürgermeister Michael Sarach, „in anderen Städten ist so etwas geschehen.“

Auch Stadtarchivarin Dr. Angela Behrens teilt diese Sorge, sie möchte mit den Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg ein Ausstellungsprojekt schaffen – dazu gab der Kulturausschuss jetzt grundsätzlich grünes Licht. Zusammen mit Fachleuten des Archäologischen Landesamtes hatte sie die Funde untersucht und für echt befunden, die Objekte sollen nun in die Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragen werden. Wolfgang Schäfer (FDP) nannte die Bunker ein „erhaltenswertes Gut“. Wenn die Förderanträge positiv beschieden werden, dann solle die Stadt diesen Erinnerungsort zusammen mi den Schulen verwirklichen.

[...]

Das Ahrensburger Stadtarchiv beabsichtigt, diesen Fund zum Anlass eines Kooperationsprojekts mit den Ahrensburger Schulen (ab den zehnten Klassen) zu machen. Zusammen mit den Fachlehrern und Experten soll ein Erinnerungsort und ein Ausstellungsforum geschaffen werden, für das die Schulen eine Patenschaft übernehmen sollen.

Das Projekt kann mit Fördermitteln aus dem Bundesprogramm „Land-Kultur“ und der Sparkassenstiftung Stormarn unterstützt werden. Den Standort und die Ausgestaltung des Erinnerungsorts sollen die Schülerinnen und Schüler bestimmen. Das Projekt, das im kommenden Jahr realisiert werden soll, kostet rund 45 700 Euro. Davon müsste die Stadt rund 7100 Euro tragen. Je 1000 Euro kommen von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn und der Sparkassen-Stiftung Stormarn, 36 000 Euro kommen aus Bundesmitteln.
Der Kulturausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, die entsprechenden Anträge zu stellen.


Das sind natürlich vorbildliche Ansätze, und ich wüsste gerne, was daraus geworden ist.

Zur Ergänzung:

https://www.abendblatt.de/region/storma ... EVPbVp4NC0.

https://www.google.com/amp/s/www.abendb ... ervice=amp

Und als skurrile Randerscheinung, die zeigt, wie verblödet mancher Zeitgenosse sich gibt:

Meine Meinung: Mit einer Ausstellung dieser Bunker, um damit an den Zweiten Weltkrieg zu erinnern, wird der Krieg geradezu verniedlicht. Die Bunker wirken heute wie Schutzschilde, mit denen sich die Ritter dermaleinst vor den Lanzen und Streitäxten ihrer Feinde geschützt haben. Die beiden „Objekte“ sind keine Mahnmale vor einem Weltkrieg in heutiger Zeit, der so grausam werden würde wie nie ein Krieg zuvor.
https://www.szene-ahrensburg.de/2017/07 ... harmlosen/

Gruß, Thomas!
Zuletzt geändert von Zwackelmann am 24.04.2022 12:20, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von Zwackelmann » 24.04.2022 12:07

Auch schon bald drei Jahre her, aber auch 'schön':

https://rp-online.de/nrw/staedte/wesel/ ... d-38860209

Es könnte sein, dass die auf den Bildern zu sehenden Funde denkmalwert gewesen wären“, teilte das Büro der Bürgermeisterin Ulrike Westkamp auf Anfrage mit. Beide Bunker sind inzwischen von einer Baufirma zerstört worden.

Wie berichtet, lagen in der vergangenen Woche zwei Ein-Mann-Bunker, offenbar aus dem Zweiten Weltkrieg, am Straßenrand der Bundesstraße 8 (Oberndorfstraße). Direkt angrenzend laufen derzeit die Bauarbeiten am Autohaus Schmeink. Der Weseler Conrad Reinhard entdeckte die Bunker und machte ein Foto. Kurze Zeit später waren die Anlagen verschwunden. Der Stadt Wesel wurde der Fund zeitnah mitgeteilt. „Unverzüglich am nächsten Morgen sind eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter der Stadt Wesel zum besagten Fundort gefahren, um den Fund persönlich zu begutachten. Allerdings wurden vor Ort keine Bunker mehr vorgefunden“, erklärt die Verwaltung.

Unsere Redaktion hatte Anfang der Woche die zuständige Baufirma befragt – ohne Ergebnis. Nun teilte die Verwaltung mit, dass ihr schon direkt beim Besuch am Ort von zwei Mitarbeitern der zuständigen Baufirma mitgeteilt worden sei, dass am Vorabend zwei Objekte vom Fundort abtransportiert und zerstört worden waren.

Ob die Anlagen wirklich einen Denkmalwert hatten, ist aus Sicht der Verwaltung schwer zu beantworten. „Die Objekte konnten nicht begutachtet werden. Frühere vergleichbare Funde in Wesel sind nicht bekannt.“


Gruß, Thomas
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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von Zwackelmann » 16.05.2022 23:02

Hi,

Ich weiß nicht, ob wir sie schonmal irgendwo hatten, aber hier ist ein britischer Consol-Shelter im Imperial War Museum in London:
IWM-Consol Shelter.jpg
Gruß, Thomas!
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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von Zwackelmann » 01.07.2022 18:25

Hallo zusammen,

Bereits 2006 war man in Kreuztal so weitsichtig, zwei Luftschutzzellen unter Denkmalschutz zu stellen:

https://www.google.com/url?sa=t&source= ... l0aTtpv3UV

https://www.google.com/url?sa=t&source= ... uW3OajMrXa

Die Bauart ist mir übrigens nicht bekannt!

Gruß, Thomas
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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von redsea » 03.07.2022 22:06

Hallo Thomas,

vielleicht hilft da eine Anfrage beim LWL weiter, wenn dort die Bauart dieser augenscheinlich baugleichen Splitterschutzzelle mittlerweile bekannt ist.

Viele Grüße

Kai

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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von Zwackelmann » 03.07.2022 22:36

Hey Kai,

Wie ich mich freue, wenn jemand mit Kennerblick und Verstand mitliest und sich einbringt!
Du hast mich nämlich angestiftet, nochmal ins Bildarchiv zu schauen und siehe da: In

Attendorn
Kreuztal
Koblenz-Lützel

scheinen baugleiche Einmannbunker / Luftschutzzellen, ausweislich der Herstellermarken in Lützel RL 3-42/239 Bauart Menk zu stehen bzw. gestanden zu haben!

In allen drei Orten sind die einteiligen SSZ zylindrisch mit kegelförmigem Dach (etwa 45°-Spitze) und haben eine recht hohe Tür, die von zwei knapp darüber liegenden, nicht langrechteckigen Sehschlitzen flankiert wird.

Da die Artendorner Einmannbunker anscheinend nicht erhalten blieben, ist es wohl eher umgekehrt so, dass wir hier durch den typologischen Abgleich mehr über Bauart und -zeit herausgefunden haben, als es die Archäologen bei ihrem Zufallsfund in Attendorn konnten.

Dank und Gruß, Thomas!

P.S.: Auf die Gefahr der Urheberrechtsverletzung hin hänge ich mal uralte Bilder aus dem Luftschutzbunker-Forum (+) der Koblenz-Lützeler Menk-LSZ an:
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Re: Splitterschutzzellen / Einmannbunker

Beitrag von redsea » 03.07.2022 23:13

Hallo Thomas,

Du hast mich mit diesem Exemplar auch angestiftet weiter zu suchen. Dabei musste ich hier nur ein paar Seiten zurück blättern. ;-)

Gerfried Eisen hat in diesem Beitrag über die augenscheinlich baugleiche Splitterschutzzelle der Fa. Gebr. Menk aus Westerburg schon mal berichtet.

Viele Grüße

Kai

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