Sperren in Bayern

Vorbereitete Sperren, Sperranlagen und zugehörige Infrastruktur
Benutzeravatar
EPmuc
Forenuser
Beiträge: 654
Registriert: 09.08.2014 15:30
Ort/Region: Südbayern

Re: Sperren in Bayern

Beitrag von EPmuc » 06.08.2021 10:25

Danke für die Info.
Gruß, Eugen
Heute ist das Morgen vor dem Du dich gestern gefürchtet hast.

sjwhn
Forenuser
Beiträge: 242
Registriert: 08.05.2005 22:25
Ort/Region: Heilbronn

Re: Sperren in Bayern

Beitrag von sjwhn » 10.11.2021 20:17

Hallo zusammen,

auch am Inn gibt/gab es interessante Sperranlagen:

Zwei kann ich benennen:

Wehranlage Jettenbach (Stand 04/2018)
am nördlichen Ende des Einlaufwehres in den Innkanal zum Kraftwerk Töging, evtl. zwischenzeitlich rückgebaut.
https://www.google.com/maps/place/Jette ... 12.3774195

Kraftwerk Gars am Inn (Stand 2010)
am südöstlichen Ende der Wehranlage, zwischenzeitlich rückgebaut.
https://www.google.com/maps/place/Gars+ ... 12.2766415
Leider kann ich dazu kein Foto beitragen.

Was mir beim Vergleich der beiden Anlagen auffällt: einmal ist die Sperranlage rechts und einmal links des Inns. Gab es keine Konstruktionsgrundsätze, auf welcher Seite des Wasserhindernisses man den erwarteten Gegner aufhält?

Gruß
Stefan
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Benutzeravatar
Michael aus G
Forenuser
Beiträge: 410
Registriert: 01.03.2003 21:44
Ort/Region: OTH

Re: Sperren in Bayern

Beitrag von Michael aus G » 15.11.2021 00:14

Bei den Lechstaustufen sind die Löcher für die Trägerstecksperren auch noch vorhanden. Bei einigen Brücken infolge Sanierungen allerdings schon rückgebaut.
Gib mir genügend Schubkraft und ich bringe dir ein Klavier zu fliegen!

Benutzeravatar
turul
Forenuser
Beiträge: 238
Registriert: 10.04.2009 17:47
Ort/Region: Mühldorf am Inn

Re: Sperren in Bayern

Beitrag von turul » 15.11.2021 13:23

Inn, Salzach, Alz und die sperrgünstigen sonstigen Gewässer im Abschnitt südlich Passau waren auf jeden Fall in die Verteidigungsplanung des sog. „Inn-Salzach-Abschnittes“ einbezogen. Man befürchtete hier den Vorstoß des Warschauer Paktes durch das an sich neutrale Österreich. Ich habe zu diesem Thema vor einigen Jahren mal einen Vortrag beim Heimatmuseum Mühldorf gehalten.

Der Innwerkkanal läuft auf einer Länge über 20 km parallel zum Inn, teilweise nur wenige hundert Meter entfernt vom Fluß. Beide Gewässer stellen über weite Strecken ein nur schwer zu überwindendes Panzerhindernis dar, da sowohl Inn wie auch der Kanal tief eingeschnitten mit steilen Böschungen verlaufen, der Kanal zum Teil auch zwischen aufgeschütteten Böschungen.

Nördlich des Inns beginnt die niederbayerische Ebene um Eggenfelden – Pfarrkirchen, die bis hoch zur Donau und Isar kaum natürliche Hindernisse für mechanisierte Verbände aufweist, die hier vorhandenen Flüsse wie Isen, Rott und Vils sind größtenteils schmale Wasserläufe mit weitgehend flachen Ufern, die problemlos mit Panzerschnellbrücken bzw. mit den zu Zeiten des Kalten Krieges bei den Streitkräften des Warschauer Paktes in großer Zahl vorhandenen Begleitbrücken TMM überwunden werden konnten.

Bis ca. 1970 standen hier kaum frei verfügbare Truppen zur Verfügung, das II. Korps hätte sofort seine Korpsreserve einsetzen oder CENTAG hätte Truppen freimachen müssen. Nach 1970 plante man mit dem sog. „Sperrverband Inn-Salzach“ in wechselnder Zusammensetzung. Vorgesehen waren hier zeitweise:
- das Heimatschutzkommando 18 zwischen 1970 und 1980.
- Teile der Fallschirmjäger- bzw. LL-brigade 25, verstärkt durch ein Korpspionierbataillon und – wenn verfügbar – durch PAH.
- nach 1980 zur Überwachung der Grenze auch das Heimatschutzregiment 86 und Teile von Feldausbildungsregimentern, was aber wegen der fehlenden Panzerabwehrfähigkeit dieser Truppenteile wahrscheinlich genauso im Chaos geendet hätte, wie der Volkssturm anno 1945.
- eventuell auch die Heimatschutzbrigade 66, soweit diese nicht anderweitig, z.B. durch Luftlandungen gebunden war
Dieser Sperrverband sollte unter Nutzung der zahlreichen vorbereiteten Sperranlagen den Gegner solange aufhalten bis die Korpsreserve (10. PzDiv aus dem Raum Ingolstadt – Neuburg) oder CENTAG-Reserven (französische Truppen) einen Verteidigungsraum ostwärts von München und südostwärts von Landshut bezogen hätten.
Die Heimatschutzbrigade 56 des WBK VI stand bekanntlich nicht zur Verfügung, weil sie seit Anfang der 1980er Jahre der 1. Gebirgsdivision und damit der NATO unterstand.

Eine einigermaßen vernünftige Lösung für das Problem Angriff aus Österreich fand man erst um 1985, als man sich zu einer radikalen Änderung der bisherigen Einsatzplanung an der bayerischen Ostgrenze entschloss. Die diesbezüglichen GDP-Planungen wurde vor wenigen Jahren im Bundesarchiv freigegeben.

Bis 1985 hatte das II. Korps in der Oberpfalz und im bayerischen Wald die 4. PzGrenDiv und die 1. Gebirgsdivision eingesetzt. Korpsreserve war die 10. PzDiv und wie bei allen deutschen Korps eine LL-Brigade. Außerdem konnte man in Absprache mit CENTAG auf die 4. CMBG zurückgreifen, die sich aber auch auf Einsätze beim VII. US-Korps einstellen musste.
1985 hatte man endlich eingesehen, dass das Konzept der LL-Brig als luftbewegliche Reserven mangels ausreichendem Lufttransportraum und vor allem wegen der Unfähigkeit der ungepanzerten Fallschirmjägerbataillone einen Gegenangriff gegen gepanzerte Kräfte zu führen, meistens nicht durchführbar war. Gerade die Gegenangriffsfähigkeit ist für eine Korpsreserve aber unabdingbar.
Man entschloss sich dazu, statt der 1. Gebirgsdivision nun die 1. Luftlandedivision im bayerischen Wald einzusetzen. Die LL-Div erhielt dazu die beiden LL-Brig 25 und 26, das III. (GE)-Korps hatte also keine LL-Brigade mehr. Außerdem trat die Gebirgsjägerbrigade 23 unter das Kommando der 1. LL-Div, sowie zeitweise Teile der Heimatschutzbrigade 56. Durch den Einsatz im sehr durchschnittenen Gelände des bayerischen Waldes konnte die genannten infanteriestarken Brigaden ihre Stärken zur Wirkung bringen. So hatte die Division den klaren Auftrag sich nötigenfalls auch einschließen zu lassen.
Dadurch wurde die 1. Gebirgsdivision mit zwei vollmechanisierten Brigaden (PzGrenBrig 22, PzBrig 24), den Divisionstruppen und Teilen der HSchBrig 56 frei. Damit standen für eine Verteidigung in Südostbayern zwei vollmechanisierte Divisionen zur Verfügung

Die Bedeutung, welche die Bundeswehr diesem südostbayerischen Raum zumaß, geht z.B. aus folgenden Episoden hervor:
Die Eisenbahnbrücke über den Inn bei Jettenbach war 1978 so baufällig, dass sie für den Verkehr gesperrt wurde. Die Bundeswehr bestand jedoch auf der weiteren Nutzung der Inntalbahn, um Truppen in den Raum Mühldorf – Eggenfelden – Pfarrkirchen verlegen zu können. So wurde die Brücke 1986 abgerissen und ab 1987 ein aufwendiger Neubau errichtet. Die Brücke wurde erst 1992 fertiggestellt, als die Bedrohung aus dem Osten nicht mehr existierte.
Die Verladeanlagen (Kopframpen usw.) im Bahnhof Neumarkt-St.Veit zwischen Mühldorf und Landshut sollten von Seiten der Bundesbahn schon ab 1980 wegen abnehmenden Güterverkehrs weitgehend abgebaut werden. Auch hier bestand die Bundeswehr auf Erhalt der Anlagen, weil dieser Bahnhof als Knotenpunkt der Bahnlinien Mühldorf- Landshut, Mühldorf – Eggenfelden-Passau, Mühldorf-Neumarkt/St.Veit – Mamming-Pilsting eine entscheidende Bedeutung für Aufmarsch, schnelle Verlegung von Gegenangriffskräften und Logistik hatte.
1982 fand in diesem Raum die Gefechtsübung „Leuchtendes Morgenrot“ statt, in der das Zusammenwirken von Feld- und Territorialheer bei einem Angriff aus Österreich heraus, der Einsatz des angesprochenen Sperrverbandes und das Heranführen von Korps- und CENTAG-Reserven geübt wurde. Ich war damals als Feldjägeroffizier eingesetzt und habe mir einige Nächte auf diesem Bahnhof Neumarkt-St.Veit um die Ohren geschlagen, der einer der Hauptentladeplätze war.

Am Rande sei noch angemerkt, das es bereits seit den frühen 1960er Jahren ständige Absprachen zwischen dem II. deutschen Korps und den in Norditalien stationierten italienischen Truppen für den Fall eines Angriffs des Warschauer Paktes durch Österreich gab, da damit neben der Bedrohung Südostbayerns auch Norditalien gefährdet war. Somit hätte sich für Italien eine weitere Front im Norden aufgetan.

Neben den üblichen Trichtersprenganlagen waren auch viele Brücken über Inn- und Innwerkkanal zur Sprengung vorgesehen oder mit Steckschachtsperren gesichert. In Mühldorf gibt es immer noch eine Fallkörpersperre an der Brücke über den Kanal im Zuge der Münchner Straße (bei Ecksberg). Eine Liste dieser Sperranlagen füge ich bei.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Benutzeravatar
Wilhelm94
Forenuser
Beiträge: 136
Registriert: 07.05.2011 12:57
Ort/Region: Westheim

Re: Sperren in Bayern

Beitrag von Wilhelm94 » 15.11.2021 13:54

Hallo hab hier mal 2 Listen der vorgesehenen Sperranlagen im Ldkr. Mühldorf am Inn
und Alttötting
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Antworten