"Ley-Häuser"

Nichtmilitärische Zweck- und Repräsentationsbauten und -Projekte des Nationalsozialismus 1933-1945
jettie
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Re: "Ley-Häuser"

Beitrag von jettie » 18.05.2021 10:07

Guten Morgen zusammen,

ein Bekannter hat in Kohlscheid (bei Aachen) ein Haus in der "Martin-Niemöller-Straße" bezogen, das ist laut Auskunft eines Nachbarn ebenfalls eine "Ley-Siedlung". Der Großteil der Häuser ist allerdings mittlerweile stark umgebaut/erweitert worden, der ursprüngliche Charakter der Siedlung lässt sich bestenfalls erahnen.

Gruß
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Zwackelmann
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Re: "Ley-Häuser"

Beitrag von Zwackelmann » 18.05.2021 23:12

Hallo jettie,

Ich denke, dass die hier thematisierten Ley-Häuser (beachte den Wahnsinns-Wortwitz) nichts mit den üblichen DAF-Siedlungen zu tun haben, wie sie die Nazis in Fortsetzung der Siedlungsbewegung der dreißiger Jahre auch in meiner Heimatstadt Stolberg errichtet haben. Dort wurden ca. 1935 in Atsch und Mausbach Arbeitersiedlungen angelegt, aber das sind definitiv keine Behelfswohnungen für Luftkriegsgeschädigte.

Gruß, Thomas!
Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!

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Re: "Ley-Häuser"

Beitrag von erlenmeier » 24.05.2021 11:37

Moin Jettie,
nun wäre es doch hilfreich und gut, wenn Du ein Bild, eine Lageskizze oder einen Plan mit den Ley-Hütten" posten würdest.
jettie hat geschrieben: 18.05.2021 10:07 Guten Morgen zusammen,
ein Bekannter hat in Kohlscheid (bei Aachen) ein Haus in der "Martin-Niemöller-Straße" bezogen, das ist laut Auskunft eines Nachbarn ebenfalls eine "Ley-Siedlung". Der Großteil der Häuser ist allerdings mittlerweile stark umgebaut/erweitert worden, der ursprüngliche Charakter der Siedlung lässt sich bestenfalls erahnen.
Einen schönen Gruß von karl erlenmeier
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

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erlenmeier
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Re: "Ley-Häuser"

Beitrag von erlenmeier » 24.05.2021 11:40

Haus Nr. 16 in der Niemöller-Str. sieht im Sat-Bild wie ein noch einigermaßen erkennbares Behelfsheim aus.
Nur wer die Vergangenheit kennt, kann auch Gegenwart und Zukunft bewältigen.

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Re: "Ley-Häuser"

Beitrag von J.P. » 04.07.2021 12:05

Hallo allerseits,

hier sieht man übrigens den Vorteil "klassischer Foren" ggü. Facebook oder ähnlichem. Auch Jahre nach Start des Themas kann man immer noch ergänzen und nachlesen.
Das ist aber gar nicht mein Thema.

Ich wollte eigentlich ergänzen, dass meine Großeltern (Jahrgang um 1900) so ca. 30 Jahre ihres Lebens in einem Ley-Haus zugebracht haben. Da in der Familie viele Handwerker/Zimmerer waren, war es vermutlich kein Problem, das Haus um 1945 im Garten eines Bruders in Ahrensburg (Schleswig-Holstein) aufzubauen. 1947 zogen meine Großeltern dann samt Haus in den Orionweg in Hamburg-Wellingsbüttel auf ein kleines Garten-/Pachtgrundstück. Von 1953 bis 1955 wohnten in dem Häuschen dann sogar fünf Personen. Meine Großeltern, meine frisch verheirateten Eltern und die Schwester meiner Mutter. Dafür wurde das Häuschen mit einem kleinen Anbau versehen, aber luxuriös war das sicherlich nicht. Man kann sich aus der heutigen Wohlstandssituation heraus kaum noch vorstellen, wie das damals gewesen sein muss.

Meine Großeltern lebten noch bis Ende der 1970'er in diesem Häuschen, bis mein Großvater schwer krank wurde und das Häuschen nebst Grundstück aufgegeben wurde. Ich selbst habe nur schemenhafte Kindheitserinnerungen an das Häuschen. Es war sicherlich eng und klein, aber irgendwie auch "gemütlich". Der große Garten mit vielen Stachelbeerbüschen ist mir ebenfalls noch in Erinnerung. Trotzdem kann ich nicht behaupten, dort gerne gewesen zu sein, denn alles war natürlich auf dem Stand der 1940'er. Bis zuletzt gab es nur ein Außenklo.
Ich meine in Erinnerung zu haben, dass in der Gegend noch so das eine oder andere weitere Behelfshäuschen stand. Heutzutage sieht es dort natürlich völlig anders aus und ich erkenne im Grunde nichts wieder. Alles ist mit neuen Einfamilienhäusern oder Reihenhäusern überbaut.

Ich hänge nochmal ein (leider nicht zu tolles) Foto dieses Hauses an.

Generell meine ich als Kind der 70er in Erinnerung zu haben, dass es in der Stadt damals noch sichtbar häufig solche Behelfsbauten gab. Insbesondere auch in Kleingartenvereinen, die z.T. dem Wohnungsbau zum Opfer gefallen sind und aufgehoben wurden. So hatten noch zwei Klassenkameraden in der Grundschule lt. Klassenliste einen Wohnsitz in Kleingartenvereinen.
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ralf k.
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Re: "Ley-Häuser"

Beitrag von ralf k. » 14.09.2021 17:57

Moin aus Hamburg,
an den Beiträgen sieht man, wie schnell Begriffe, die früher fast jeder kannte, wie hier das "Ley-Haus", in Vergessenheit geraten.Ich (62 J.) bin mit diesen Lauben und seinen Erzählungen drumherum groß geworden.
Meine Eltern kannten eine alte Dame (1943 in HH-Rothenburgsort ausgebombt), die in einem Ley-Haus in Rellingen ca. 30 Jahre lebte. Im Spätsommer fuhren wir öfters im VW-Käfer zur Erntehilfe, zu ihr in den Garten. 1973 nahm sich mein Vater einen Kleingarten in HH-Horn, in dem noch ein Ley-Haus stand. Noch vor wenigen Jahren erzählte mir der Jüngste, der damaligen Erstbewohner (damals 16, heute 94 J. alt) alles über dieses Häuschen.
Aber nun zur Sache:
Der Begriff "Robert-Ley-Haus" ist natürlich Volksmund. So kommt es auch immer wieder vor, daß darunter nicht immer genau das gleiche verstanden wird. So zeigt der erwähnte Artikel in der MOPO aus meiner Sicht kein Ley-Haus. Denn für die meisten Leute war ein Ley-Haus ausschließlich eine kleine Holzbude für Ausgebombte!
Nach dem Hamburger Feuersturm im Juli 1943 befahl Hitler Robert Ley (NS-Arbeiterführer), für die Ausgebombten in Deutschland eine Notunterkunft in Serie bereitzuhalten. So entstand eine Holzlaube mit Pultdach über zwei Räume a' 10 qm. 4 mal 5 Meter groß. Der Eingang von hinten führte in die Küche mit Schornstein und Siedlerherd zum Kochen und Heizen. Von diesem Raum konnte man den zweiten Raum erreichen, zum Schlafen. Das war's! Die Möblierung und Enge kann sich wohl jeder vorstellen. Die Dämmung zwischen innerer und äußerer Bretterwand bestand aus Wellpappe. Jeder der beiden Räume hatte nach vorn ein 1qm großes Fenster mit Fensterkreuz. Die Zimmerdecken waren so schräge, wie das Dach darüber. Für 1.200 RM (sozusagen Hypothekenschuld) wurden diese Lauben 1944 und 45, meistens in Kleingärten der Städte aufgestellt. Sie wurden, häufig in Finnland (dt. Waffenbruder) vorgefertigt, in Form von Holzwänden angeliefert und aufgestellt. E-Strom wurde später zugeführt. Wasser fand sich immer draußen aus der Schwengelpumpe. Und ein Klo (Eimer unter einem Deckel!) war irgendwie, in Eigeninitiative, daneben oder dahinter in der Nähe oder angelehnt.
In Hamburg z. B. lebten ca. 250.000 Menschen nach dem Krieg in sog. Behelfsheimen und blieben manchmal viele Jahre. Die Ley-Häuser wurden meistens mit zusammengesuchten Trümmersteinen ummauert und so auch verlängert und erweitert. Da wurde mancher zwangsweise schnell zum Maurer, Zimmermann und Elektriker. In den 60er Jahren wichen die bewohnten Kleingärten dann Siedlung für Siedlung den städtischen Wohnungsbauprogrammen. In Hamburg besonders nach der Sturmflut 1962. Der Rest der hölzernen Ley-Häuser verfiel über die Jahre in der deutschen Witterung. Ich kenne nur noch drei hölzerne Ley-Häuser in HH-Horn, eines dank guter Pflege in gutem Zustand.
Das Freilichtmuseum "Kiekeberg" in HH-Harburg, beabsichtigt neben einer vor wenigen Jahren wieder aufgebauten "Nissenhütte" (engl. Notunterkunft nach 1945) auch ein Ley-Haus danebenzustellen und zu zeigen.
Gruß R.K.

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