Tallboy in Swinemünde gefunden

Militärische Objekte und Anlagen des 2. Weltkriegs (und 1933-1945)
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Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von Arctic » 01.10.2019 21:28

Vor mehr als einer Woche wurde im Fahrwasser von Swinemünde eine britische Tallboy Bombe gefunden. Sie wurde am wahrscheinlichsten im April 1945 gegen das deutsche Schlachtschiff Lützow abgeworfen und ist nicht explodiert. Die Bergung und Beseitigung dieser Bombe muss sorgfältig vorbereitet und durchgeführt werden. Die Vorbereitungen werden noch mindestens eine Woche dauern, weil Kampfmittelräumungsdienste in Polen mit Tallboy noch nie zu tun hatten.
Interessant ist, ob die Bombe nach der Bergung und Transport in ein sicheres Ort wie zum Beispiel Übungsplatz der Pioniere gesprengt oder auf einer anderen Weise zerlegt wird. Ich hoffe, das im Fall einer Sprengung eine Videoaufnahme mit einer automatischen Kamera gemacht und später im Internet veröffentlicht wird.

https://tech.wp.pl/swinoujscie-bomba-ta ... 788635265a (leider nur in Polnisch)

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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von zulufox » 01.10.2019 22:37

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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von bettika » 21.10.2019 22:38

Hallo,
Gibt es was neues aus Swinemünde ? Es sind schon 3 Wochen um .
Das "neueste" was ich auf polnisch gefunden habe
https://www.defence24.pl/swinoujscie-za ... -swiatowej
bringt auch nicht wie es weitergeht.
Interessant wäre auch
ob es grenzüberschreitende Zusammenarbeit gibt.
Grüsse
Beate
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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von Bunkerbob » 16.06.2020 08:23

Still ruht der See (bzw. der Tallboy)
https://www.svz.de/regionales/newsticke ... 39602.html

Man macht jetzt erst einmal ein paar andere Kampfmittel weg (bei der "britische Fliegerbombe vom Typ Mark VI mit 425 Kilogramm Sprengstoff" gehe ich von einer aus der Luft verlegten britischen Grundmine "A Mark VI" mit 454 kg Amatol oder 499 kg Minol aus, bei der "deutschen Wasserbombe" vom Typ "WBD" mit 125 kg Schießwolle 18)

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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von bettika » 17.06.2020 23:25

Hallo Robert,
Danke für den aktualisierten Stand.
In der Sache selbst scheint sich was zu bewegen, nur der "Tallboy" nicht.
Polnische Marine will den „Tallboy”-Sprengstoff teils verbrennen

Geklärt ist inzwischen, auf welche Weise sie unschädlich werden soll. Gegenwärtig bereitet sich die polnische Marine darauf vor, „Tallboy” zu neutralisieren. „Aufgrund der Größe und des Gewichts sowie des technischen Zustands ist ein Abbau nicht möglich. Die Bombe wird zerstört, indem der Sprengstoff teilweise verbrannt wird”, teilte ein Marinesprecher mit.

Damit ist der Plan vom Tisch, den „Tallboy” vom Fundort möglicherweise wegzubewegen. 
.....
Nach Angaben polnischer Behörden habe man es mit einem so schweren Objekt zum ersten Mal zu tun. Vor der Entschärfung und Bergung des „Tallboys”, der in 12 Metern Tiefe liegt, müsse man zunächst die Umgebung unter Wasser genau untersuchen, um etwaige weitere explosive Ladungen in der Nähe ausfindig zu machen und zu entschärfen, teilte die Stadt Swinemünde mit.
https://www.nordkurier.de/ueckermuende/ ... 6.html?amp
Das genannte Verfahren der Entschärfung durch Verbrennung des Sprengstoffs ist mir bisher unbekannt.

Grüsse
Beate
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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von redsea » 18.06.2020 18:39

Hallo Beate,

dieses Verfahren kommt wohl u.a. dann zur Anwendung, wenn eine Entschärfung durch Entfernen des Zünders nicht möglich oder zu gefährlich ist. Dazu gibt es auch Videos auf YouTube. Leider finde ich auf die Schnelle keines wieder.

Hier findet sich eine Patentanmeldung für eines der Verfahren: Verfahren zum Öffnen, Entschärfen und/oder Ausbrennen von Sprengstoff enthaltenden Bomben oder Geschossen sowie eine Verwendung dieses Verfahrens.

Aber vielleicht erläutert uns das hier ja ein Fachmann mal aus der Sicht der Praxis. ;-)

Viele Grüße

Kai

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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von bettika » 19.06.2020 00:27

Hallo Kai,
Danke für die Info,
Das Verfahren arbeitet mit Plasmabrenner, geht das auch unterWasser?
Es gibt ein neueres Forschungsprojekt mit Laser https://www.sifo.de/de/deflag-sichere-d ... -2282.html das als Grundlage der Forschung für Verfahren unter Wasser dienen soll.
Diese vielversprechenden Ergebnisse sind nun Grundlage für weitere Forschungsprojekte, um das Verfahren möglichst bald in der Praxis einsetzen zu können. Außerdem wollen die Partner den Prozess und die Systemtechnik für den Einsatz unter Wasser adaptieren. Denn mehr als 1,5 Millionen Tonnen Welt-kriegsmunition wird noch in Nord- und Ostsee vermutet.
Grüsse
Beate
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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von Pinguin der 2. » 19.06.2020 10:03

Das Ausbrennen lassen von UXO war ein battle EOD verfahren in unserer Radarstellung. Da sollte einfach mit 20mm Hartkern drauf gehalten werden bis die Bombe aufplatzt und ausbrennt.
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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von EPmuc » 20.06.2020 11:28

bettika hat geschrieben: 19.06.2020 00:27 Das Verfahren arbeitet mit Plasmabrenner, geht das auch unter Wasser?
Theoretisch ja. Da mit Plasmaschneider auch unter Wasserabdeckung geschnitten werden kann, sollte das mit einem entsprechend abgedichteten Gerät möglich sein.
Gruß, Eugen
Heute ist das Morgen vor dem Du dich gestern gefürchtet hast.

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Re: Tallboy in Swinemünde gefunden

Beitrag von Bunkerbob » 22.06.2020 21:46

Ich gehe davon aus, dass weder das Plasmaschneidverfahren von Prof. Spyra aus dem Jahr 2011
https://www.moz.de/nachrichten/brandenb ... /1/931686/ noch das "DEFLAG unter Wasser" (da läuft gerade ein neues Forschungsprojekt) schon anwendungsfähig aus den Kinderschuhen sind, sondern dass es bei der polnischen Marine um eine konventionelle "Großmütter" der Low-Order-Verfahren ist: Thermit.
Es geht darum, die Stahlhülle der Bombe durchzubrennen und den Sprengstoff zum Abbrand anzuregen (militärische Sprengstoffe haben mit den Nitrogruppen NO2 genügend Sauerstoff gespeichert, um auch ohne zusätzlichen Luftsauerstoff - also auch unter Wasser zu brennen).

Möglich wäre es auch mit einer Hohlladung mit Magnesium-Kegel wie Vulcan oder Pluton
https://www.eod-technology.com/catalog/alford/pluton/, die haben denselben Effekt.
Die Wandstärke einer DP12.000 ist aber schon heftig...

Gruß
Robert

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