Flugzeugbetankung durch U-Boote

Fliegerhorste, Feldflugplätze, Einsatzhäfen und E-Stellen der Luftwaffe und andere, zugehörige Infrastruktur
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bettika
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Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von bettika » 07.01.2020 21:06

bettika hat geschrieben:
05.01.2020 13:51
19.07.1943 20u422 U255 13 HARMS Erich 6Einlaufen im Stützpunkt Tromsön eemt 6 man Luftwaffe aan boordAB9929
04.08.1943 16u101 U255 13HARMS Erich 6 Sonderauftrag Wunderland tankerboot voor BV138, 3 landingsplaatsen,AT32(2) en AT31AT328122
04.08.1943 16u102 U255 13 HARMS Erich 6 Sonderauftrag Wunderland 7x bevoorrading BV138, AT32, tot 24/8AT32
Das Ereignis bei http://www.ubootarchiv.de/ubootwiki/index.php/U_255
U 255, unter Oberleutnant zur See Erich Harms, lief am 19.07.1943 von Narvik aus. Nach der Aufnahme von Geräten in Ramsund, und Übernahme von Reserveteilen, Ausrüstung und Betriebstoffen für eine "BV-138", sowie den Einstieg mehrer Personen in Tromsö, operierte das Boot im Eismeer sowie auf dem Sibirischen Seeweg. Es nahm am Unternehmen Wunderland II teil. Wo es als Tankstation für Flugboote diente. ....

Fazit des Führers der U-Boote Norwegen:
Das Boot hat seine Aufgabe als Betankungsboot sehr gut durchgeführt. Der Kommandant hat besonderes Verständnis für seine Aufgabe gezeigt. Einsatz der Flugboote litt unter der geringen Seetüchtigkeit des BV 138 und der Funkverbindung.
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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bettika
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Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von bettika » 07.01.2020 21:14

U 601 http://www.ubootarchiv.de/ubootwiki/index.php/U_601
U 601, unter Kapitänleutnant Peter-Ottmar Grau, lief am 31.07.1943 von Hammerfest aus. Das Boot operierte im Nordmeer, der Kara See. Die Aufgabe bestand im Erkunden eines Landeplatzes, einem Ort für die Aufstellung eines Wettergerätes auf Nowja Semlja. Anschließender Eiserkundung und Betankungsboot für ein BV-138-Flugboot
...
Fazit des Kommandanten:

Die Eisverhältnisse der Kara-See scheinen im Sommer 43 günstiger zu sein als im Vorjahr. Die Einsatzmöglichkeiten eines Ubootes als Betankungsboot bringen für das Uboot keine wesentlichen Schwierigkeiten.
„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana

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ROG
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Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von ROG » 08.01.2020 09:00

Liebe Beate, lieber Jörg,
vielen Dank für die ausführliche Recherche.
Wir können also davon ausgehen, dass auf dem Foto tatsächlich ein Tankschlauch zu sehen ist. Das es sich um einen Jumo 205 Motor handelt, erkennt man an der Form der Motorengondel, durch sein Gegenkolbenprinzip ist die Bauweise sehr schmal und hoch, im Gegensatz zu allen anderen Flugmotoren.
Gruß
ROG
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DeltaEcho80

Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von DeltaEcho80 » 21.01.2020 14:34

Hallo zusammen,

nach den ganzen Angaben in den Archivalien hat das für mich doch eher den Charakter einer einmaligen Aktion bzw. von Ausnahmesituationen, dass ein Flugboot durch ein U-Boot betankt wurde.

Oder von Erprobungszwecken. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass diese Betankungen der "Regelfall" waren.

Vielleicht müsste man auch den konkreten Einsatzauftrag der betankten Flugzeuge kennen. Aber das Nordmeer bzw. die Karasee waren doch nach meiner Auffassung nicht das "Standard"-Operationsgebiet der deutschen Kriegsmarine und der Luftwaffe, oder?

Hatten die U-Boote nicht selbst das latente Problem, dass der Treibstoff knapp wurde?

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turul
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Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von turul » 22.01.2020 11:26

1. Solche Betankungen von Flugzeugen durch U-Boote gab es bereits während der Besetzung Norwegens 1940. Sie dienten der Reichweitenerhöhung der eingesetzten Aufklärungsflugzeuge der Luftwaffe. Es war sicher nicht die Regel, aber über das Erprobungsstadium war man lange hinaus. Bei der Luftwaffe fehlte es permanent an Aufklärungsflugzeugen großer Reichweite.

2. Göring hatte irgendwann einmal verkündet: „Was fliegt gehört mir“ und hatte damit die Aufstellung eigenständiger Heeres- und Marineflieger verhindert, was dazu führte, das diese beiden Wehrmachtsteile nun ständig Bittsteller bei der Luftwaffe waren.
Gerade die Marine war aber auf möglichst raumdeckende und weiträumige Luftaufklärung angewiesen, da sonst die Chancen für U- und S-Boote feindliche Schiffe zu entdecken, aufgrund der geringen Sichtweiten von diesen Booten aus eher gering waren.
Genauso wäre die Luftraumüberwachung und ein ausreichender Jagdschutz auf den Zufahrtsrouten der Häfen für U-Boote, S-Boote und heimkehrende Blockadebrecher nötig gewesen, der aber nur höchst selten verfügbar war.
Die mögliche Unterstützung durch die Luftwaffe wurde im Laufe des Krieges immer geringer, so plante z.B. die Luftwaffe Ende 1943 den Bau von Seeflugzeugen, mit Ausnahme der Arado 196, weitgehend einzustellen. Auch weiträumige Aufklärung und Jagdschutz für die Hafeneinfahrten stand immer seltener zur Verfügung.
Dieses „Betteln“ der Marine bei der Luftwaffe lässt sich im KTB der SKL sehr gut nachvollziehen.

3. Kriegsmarine und Luftwaffe waren in Nordmeer und Kara-See schon recht aktiv. Die Einsätze hier richteten sich vor allem gegen die „Eismeergeleite“, die amerikanische Hilfslieferungen nach Murmansk und Archangelsk brachten.
Beispiele sind hier:
- das „Unternehmen Rösselsprung“ vom Juli 1942, bei dem deutscherseits schwere Überwasserkräfte, U-Boote und die Luftwaffe zum Einsatz kam. Der von Island kommende Konvoi PQ 17 löste sich angesichts der Bedrohung durch die deutschen Überwasserkräfte (u.a. TIRPITZ, drei Schwere Kreuzer und zahlreiche Zerstörer) auf und wurde dann durch U-Boote und die Luftwaffe weitgehend vernichtet, 24 von 35 Frachtern sanken. Zu einer direkten Konfrontation der deutschen Überwasserkräfte mit dem Konvoi kam es nicht.
- das „Unternehmen Wunderland“ im August 1942. Hier sollte der Schwere Kreuzer ADMIRAL SCHEER mit einigen Zerstören Geleitzüge angreifen , die aus den USA durch die Beringstraße über die nur im Sommer befahrbare Nordost-Passage nach Murmansk liefen. Besonders abgesehen hatte man es dabei auf die modernen russischen Eisbrecher, weil nur mit deren Hilfe eine sichere Passage durch das Eismeer möglich war. In diesem Zusammenhang ist auch die Betankung der BV 138 durch Flugzeuge zu sehen, die hier Thema ist. U-Boote wurden bei diesem Unternehmen auch zur Eisaufklärung eingesetzt, weil die Admiral Scheer nicht für Fahrten im Packeis gebaut war. Das Unternehmen Wunderland war allerdings ein Mißerfolg.

Literatur:
Neitzel, Sönke: Die Zusammenarbeit von Luftwaffe und Schnellboote im Westen 1940 – 1944, In: Militärgeschichte (NF) 4/95, S. 55 – 63.
Neitzel, Sönke: Der Einsatz der deutschen Luftwaffe über dem Atlantik und der Nordsee 1939 – 1945, Bonn 1995.
Rahn, Werner: Der Seekrieg im Atlantik und Nordmeer, In: MGFA (Hrsg.) Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd 6: Der globale Krieg. Die Ausweitung zum Weltkrieg und der Wechsel der Initiative. Stuttgart 1990, S. 275 - 425.

Grüße
Jörg

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Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von ROG » 23.01.2020 18:19

Danke Jörg für die umfangreiche Zusammenfassung. Wir können also davon ausgehen, dass die Einsätze regulär stattgefunden haben. Das in Wikipedia aufgeführte : " weit draußen im Atlantik" ist somit nicht belegt. Sicher war dies in der Planung, aber inwiefern es umgesetzt wurde bleibt zunächst offen. Auch wäre es gut, noch etwas konkreteres über die genauen Flugaufträge zu erfahren, aber es scheint hier die Suchaufgabe im Vordergrund gestanden zu haben. Da mein Ausgangspunkt, die von der Mimo hergestellten Jumo 205 und deren Einsatz in Aufklärungsflugzeugen, die sich auch auf See betanken ließen, ist, ist dieser Fakt für mich ausreichend geklärt, um es guten Gewissens so als Tatsache darstellen zu können.
Gruss
ROG

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Zwackelmann
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Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von Zwackelmann » 24.01.2020 22:55

Nach allem, was hier vorgebracht wurde, sehe ich das auch so. Schön, so schnell vom weiten Feld der Spekulation in den Bereich der harten Fakten gelangt zu sein, daher Danke an alle Zuträger!

Gruß, Thomas
Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!

DeltaEcho80

Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von DeltaEcho80 » 29.01.2020 08:56

Hallo Jörg,

wie immer: vielen Dank für die umfangreichen Informationen, inkl. der weiterverweisenden Literaturangaben.

Ich habe meinen Horizont wieder etwas erweitern können und Dinge dazu gelernt, die ich bislang nicht wusste.

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Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von radar » 09.02.2020 20:41

Hallo,
heute habe ich zufällig im Netz einen Operationsbefehl für die Betankung gefunden.
Somit müssten alle Zweifel beseitigt sein.
Gruß
radar
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Re: Flugzeugbetankung durch U-Boote

Beitrag von ROG » 10.02.2020 13:46

Hallo radar,
dass ist genau das, was ich Eingangs gesucht habe. Klar wird dadurch auch, dass nicht einfach jedes U-Boot die Flugzeuge spontan betanken konnte.
Vielen Dank für die Info.
Gruß
ROG

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