Planung und Realität bei der Schaffung von ZS-Anlagen

Zivile bzw. nicht-militärische Schutzbauwerke und Anlagen des Kalten Krieges
Antworten
Benutzeravatar
klaushh
Forenuser
Beiträge: 2552
Registriert: 14.05.2002 15:00
Ort/Region: Hamburg

Planung und Realität bei der Schaffung von ZS-Anlagen

Beitrag von klaushh » 20.09.2017 18:51

Moin, moin!
Während des Kalten Krieges gab es in zahlreichen Orten der alten Bundesrepublik immer wieder Pläne, bestehende alte LS-Anlagen aus dem 2. Weltkrieg zu reaktivieren bzw. neue ZS-Anlagen zu errichten, wobei letztere Pläne meistens nicht realisiert worden sind.
An einem Beispiel aus dem Hamburger Stadtteil Barmbek soll aufgezeigt werden, wie die Planungen aussahen und was daraus geworden ist.
Nach Beendigung des 2. Weltkriegs gab es im Bereich des Bahnhof Barmbek die folgenden Luftschutzbauten:
1. Ehem. Fußgängertunnel / Bahnsteigzugang unter dem Bahnhof Barmbek für 833 Personen, ausgebaut 1940;
2. Rundbunker (Zombeck-Turm) Wiesendamm für 600 Personen, gebaut 1939/40;
3. 4 – Röhrenschutzraum (ex) Pestalozzistraße für 114 Personen, erbaut 1940/41;
4. 2 – Röhrenschutzraum (ex) Stellbergstraße für 100 Personen, erbaut 1940.
Die beiden 5 – Röhrenschutzräume Starstraße und Drosselstraße gehörten nicht zum unmittelbaren Einzugsbereich Bahnhof Barmbek (hier wurde später die MZA Drosselstraße errichtet).
1959 wurde der Bau von drei weiteren Schutzbauten um den Bahnhof Barmbek erörtert und geplant:
5. Eingeschossig, unterirdisch für 1000 Personen auf dem Gelände des (heute) ehemaligen Busbahnhofs an der Drosselstraße;
6. Zweigeschossig, oberirdisch für 2000 Personen unmittelbar westlich vom (heute) ehemaligen Busbahnhof an der (ehemaligen) Pestalozzistraße;
7. Eingeschossig, unterirdisch für 1000 Personen unter dem (heutigen) Parkplatz zwischen dem Zombeck-Turm und Globetrotter.
Noch 1959 wurde gefordert, auch den Schutzbau 6 unterirdisch anzulegen.
1962 wurden die Pläne insofern aktualisiert, als der Schutzbau 6 nunmehr als Mehrzweckanlage (MZA) für 200 Stellplätze im Frieden errichtet werden sollte. Im gleichen Jahr wurde die Anlage 1 zurückgebaut und als zweiter Zugang zu den Bahnsteigen wieder freigelegt. Gleichzeitig wurde behördlicherseits Ersatz für 900 Personen gefordert.
Noch 1963 berichteten die Zeitungen über die Bemühungen, einen „atombombensicheren Schutzraum, der in Friedenszeiten als Tiefgarage benutzt werden kann ……“ zu errichten.
In den Folgejahren wurde es ruhig um die Planungen. Vermutlich noch in den 60-er Jahren wurden sie wegen Kompetenz—und finanzieller Schwierigkeiten ganz eingestellt. Auch die Forderung nach Ersatz für den Schutzraum 1 wurde nie realisiert. Die Anlagen zu 2, 3 und 4 sind heute noch vorhanden und werden als Lagerraum genutzt.
Kleine Randnotiz: die Schreibweise „Barmbeck“ galt nur bis zum 27.9.1946. An diesem Tag beschloß der Senat, die nach der Eingemeindung gem. Groß-Hamburg-Gesetz in Hamburg unterschiedlich vorkommenden Schreibweisen zu vereinheitlichen. So wurden aus den Formen „-beck“  „-bek“, aus „-wärder“  „-werder“ und aus „-fleth“  „-fleet“.
Gruß
klaushh
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Bei Interesse für Bunker und unterirdische Bauwerke in Hamburg mal http://www.hamburgerunterwelten.de besuchen!

Antworten