Luftbildinterpretation von Batterien der schweren Flak am Beispiel der Stadt Jena

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niemandsland
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Luftbildinterpretation von Batterien der schweren Flak am Beispiel der Stadt Jena

Beitrag von niemandsland » 21.01.2017 17:36

Hallo zusammen,

sozusagen als "Abfallprodukt" meiner Arbeit über die Flak im Raum Jena (Thüringen) entstand diese Arbeit, zum Thema "Luftbildinterpretation".

Ich habe exemplarisch drei Batterien im Raum Jena ausgewählt. Hier war für mich die Bildqualität des jeweiligen Luftbildes der ausschlaggebende Grund für die Verwendung.

Weiter hoffe ich, dass ich damit dem Einen oder Anderen bei seinen Recherchen weiterhelfen kann, der mit Luftbildern und dem Themenkomplex "Flak" erstmal nicht so viel zu tun hat.

Last but not least würde ich mich sehr über Rückmeldungen freuen, auch wenn es vielleicht Punkte gibt, wo der eine oder andere Fragen zu hat.

Jetzt bleibt eigentlich nur noch, viel Spaß beim Lesen zu wünschen.

Gruß aus Hannover
Guido Janthor
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Beitrag von Deichgraf » 24.01.2017 06:44

Hallo Guido,
bei den Flakstellungen in Coppanz und Wegau waren mir die Wohnbereiche schon aufgefallen. Ich war immer der Meinung, daß bei allen Stellungen und Lagern (nicht nur der Flak) die allgegenwärtige Standardbaracke verwendet wurde. Das war hier offenbar anders. Hier wurden, wie man sieht, quadratische "Gartenhäuser" verwendet. War das auch ein Standardtyp? Nur für die Küche und den Speiseraum gab es wohl eine Baracke. Schon merkwürdig, oder vielleicht eine regionale Notlösung?
Bis dann
Deichgraf

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niemandsland
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Beitrag von niemandsland » 26.01.2017 22:46

Deichgraf hat geschrieben:Hallo Guido,
bei den Flakstellungen in Coppanz und Wegau waren mir die Wohnbereiche schon aufgefallen. Ich war immer der Meinung, daß bei allen Stellungen und Lagern (nicht nur der Flak) die allgegenwärtige Standardbaracke verwendet wurde. Das war hier offenbar anders. Hier wurden, wie man sieht, quadratische "Gartenhäuser" verwendet. War das auch ein Standardtyp? Nur für die Küche und den Speiseraum gab es wohl eine Baracke. Schon merkwürdig, oder vielleicht eine regionale Notlösung?
Moin,

auch im Raum Hannover wurden nicht nur die Standart-Baracken verwendet. Hin und wieder sind man Finnenzelte und deutlich verkürzte Baracken. Irgendwie scheint das nie so wirklich einheitlich. Wahrscheinlich waren der Bedarf und was verfügbar war, ausschlaggebend.

Ich bin mir gerade nicht sicher, ob das die Stellung Bothfeld oder Langenhagen war, jedenfalls eine der ersten Stellungen hier in Hannover. Schaut man sich die Bilder von 1941/42 an, so sieht man einheitlich große Baracken. Dann erfolgte ein Angriff 1943 und danach sind Finnenzelte, kurze Baracken und so eine Art Mannschaftszelt (sorry, ich kann das nicht anders deuten) vorhanden. Jedenfalls schein die Aufteilung ähnlich wie in und um Jena zu sein. Die Bedienmannschaft ist offenbar immer in Gruppen untergebracht. Davon weichen nur die Stellungen Schulenburg und Bothfeld (jedenfalls fällt mir gerade keine weitere ein) wo die Baracken allesamt am Rand wie an einer Perlenschnur entlang errichtet wurden.
Bei den anderen Stellungen stehen die eher zentral bei den Geschützen. Ich hab den Eindruck das hier immer zwei Geschützebedienungen in je einer Baracken Ansammlung (2-3 Baracken oder später 4-5) untergebracht waren. Aber wie gesagt: das ist nur meine Vermutung.

Es gab hier in Hannover auch mal in Gesprächen die Überlegung, das die Materialknappheit zum Ende des Krieges zu sehr "eigenwilligen" Mannschaftsbaracken geführt hat. Aber auch dazu fand sich nichts.

Soweit...

Gruß aus Hannover
Guido Janthor
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Hungriger Wolf
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Beitrag von Hungriger Wolf » 29.01.2017 11:20

Moin Guido,
gefällt mir gut was du da zusammengestellt hast.da steckt sicher viel Arbeit drin.
Danke dafür,
Grüße aus dem Norden,
Achim

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Beitrag von niemandsland » 02.06.2017 22:49

Moin zusammen,

nachdem ich heute eine Kopie von einem Manuskript, das ein Dr. Müller (1996) erstellt hat, erhalten habe, habe ich mich spontan entschlossen, einige Informationen aus diesem Text in das Luftbild von der Stellung 3. Batterie, schwere Flak-Abteilung 432 bei Coppanz (Jena) zu übernehmen.

Darüber hinaus habe ich ein Anaglyph-3D-Luftbild eingefügt, das auf Luftbildern basiert, die aus der gleichen Quelle stammen, wie zuvor schon die einfachen Luftbilder ("GDI-Th").

Für die Betrachtung des ersten Luftbilds ist nichts weiter erforderlich. Für das zweite Luftbild wird eine sogenannte 3D-Brille in rot/grün oder rot/blau benötigt. Ich empfehle letztere.

Für dieses Update (Stellung Coppanz) wurde das teilweise eingefärbte Luftbild noch um einige Bezeichnungen erweitert, die direkt nach dem Luftbild erklärt werden. Die Informationen stammen zum größten Teil aus dem Text von "Dr. Müller".

Anzumerken wäre, das es mir nicht gelungen war, den Wasserturm unterhalb der B1 (rund) zu erkennen und auch der "vorgeschobene Beobachter" war auf dem Luftbild nicht auszumachen. Ebenso wie ein paar Latrinen, die man zwar erkennen kann (kleine Holzhäuschen) die jedoch an neuen Stellen aufgestellt wurden. Möglicherweise handelt es sich oberhalb des Notstromaggregats (NA) ebenfalls um eine Latrine für die Menschen der Baracke 1. Aber das ist nur eine Vermutung. Und wird von dem mir vorliegenden Manuskript nicht gedeckt.

Ich wünsche viel Spaß und möchte mich noch einmal bei Frank für die weiterführenden Informationen und den Gedankenaustausch, bedanken.

Gruß aus Hannover-Ahlem
Guido Janthor
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Coppanz 3. schwere Flakbatterie 432

Beitrag von Burgfridolin » 16.04.2018 11:47

Hallo Guido,
mit großem Interesse habe ich Deine Luftbildanalysen studiert. Das ist eine Super-Arbeit! Große Anerkennung. Nachdem ich gestern mit meinem Vater (*1928, LWH in Coppanz vom 14.1.1944 bis 23.3.1945, und damit einer der letzten Zeitzeugen) ein längers Gespräch hatte, möchte ich Dir noch Einiges ergänzend sagen. Im Ort Coppanz gab es ein Gebäude in dem ab und zu Versorgungsgüter von den LWH geholt werden mussen. Der Platz zwischen LWH-Baracke mit Schlaf-, Unterrichts-, und Waschraum und Wasserturm diente als Apell- bzw. Antretplatz. In unmittelbarer Nähe des Wasserturms waren auch die Latrinen. Die ersten Gebäude der als Perlenschnur aufgereihten Unterkünfte waren wohl die Schreibstubenbaracke und die Küchenbaracke. Das runde Gebilde neben der quadratischen B1 ist wrsl.das sogenannte FU-MG = Funkmessgerät. Die Flugzeuge wurden 2M links 2Mrechts mit einem optischen Ausläufer-Gerät anvisiert (das war die Aufgabe meines Vaters) und die rückkommenden Signale interpretiert. Aus der Höhe, Richtung, Geschwindigkeit des Flugzeugs, sowie der Windgeschwindigkeit wurde errechnet, wohin man schießen musste um den Flieger zu treffen. „Granate eingeschossen - Ziel aufgefasst - Feuergruppe Abschuss“. Bei einem Abschuss der gesamten Feuergruppe gingen 800 Reichsmark in die Luft. In der Batterie waren auch Jungs aus Pößneck - mein Vater z.B. stammt aus Pößneck. Ein Teil des Jahrgangs 1928 aus Pößneck war aber nicht LWH, sondern war zur Errichtung der Landebahn für die Me262 auf dem Walpersberg bei Großeutersdorf eingezogen worden. Die 3. schwere Flakbatterie 432 in Coppanz hatte bei Dienstende meines Vaters 13 Ringe an den 8,8er Geschützen - sprich 13 Abschüsse waren "anerkannt". Der erste Abschuss traf eine Fortress in der Mitte - westlich von Coppanz. Das Vorderteil stürzte senkrecht herunter und explodierte am Boden mit seiner Bombenlast - das Heck segelte spiralförmig zu Boden. Von der psychologischen Komponente - andere abschießen zu müssen, auch um selbst zu überleben - von der Angst bei der Bombardierung der Batterie – vom Umgang mit Schuldgefühlen brauchen wir hier gar nicht zu reden. Mein Vater war noch 15 als er als LWH eingezogen wurde. Die Batterie Coppanz wurde im Zeitraum des Dienstes meines Vaters mindestens einmal von aus Osten rückkehrenden Bomberflotten angegriffen. Die Bombenschächte wurden einmal zu früh / Bombe explodiert am Wald Nähe Weg zwischen Winzerla und Coppanz - einmal zu spät – Bombe im westlichen Feld Richtung Blankenhain – geöffnet. Überlebt. „Sie haben uns ja nicht getroffen.“ Zum westlichen Trichter sind die LWH hingelaufen. Es gab Bombensplitter mit einem halben Meter Länge. Mein Vater hat überlebt und wurde durch geschicktes Verhalten meiner Großmutter nicht mehr als Soldat eingezogen. Mein Vater: „ Das hätte alles nicht sein müssen, dieser ganze Krieg.“ Das Überleben meines Vaters ist der Grund warum ich diesen Beitrag überhaupt schreiben kann.
Danke nochmals für Deine hervorragende Arbeit.
Grüße Manfred

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