Stützpunkt der 6. Flottille Dranske-Bug

Militärische Objekte und Anlagen ab 1945
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nordfriese
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Beitrag von nordfriese » 24.09.2015 10:55

Moin!

Vielen Dank für den "Rundgang"!

Gruss aus NF!
Rolf
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Dole
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Beitrag von Dole » 24.09.2015 11:30

Eddy hat geschrieben:So, nun noch ein paar Technikbilder von Kampfbooten und dann könnt Ihr Fragen stellen oder auch nicht. Es gäbe noch viel mehr zu schreiben. Aber warten wir es ab.
Moin,

Sehr beeindruckend !!!

Danke für die Beiträge , bzw. Beschreibung und Bilder ,

Gruß aus der schönsten Stadt der Welt .

Dole

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Eddy
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Beitrag von Eddy » 27.09.2015 21:04

Ich mache mal Schritt für Schritt weiter.
Zunächst gab es neben dem Hauptstützpunkt in Dranske-Bug noch andere Orte auf Rügen, wo Einheiten der 6. Flottille stationiert waren (siehe modifizierte Ansichtskarte von Rügen). Da wären als wichtigste die RTA-6 (Raketen-Technische-Abteilung) in Tilzow bei Bergen und das ML-6 (Munitionslager) in Sehlen bei Bergen.
Der Hauptgefechtsstand am Kap Arkona wurde erst 1988 fertig und nur wenig genutzt. Er war aber auch vorgesehen für die Führung der BRF (Baltische Rotbannerflotte), die darin eine eigene Röhre hatte aber nie genutzt hat. Heute werden Gäste durch die Entkernte Anlage geführt und Geschichten zur 6. Flottille erzählt, die nicht immer Hand und Fuß haben. Ist aber ein anderes Problem.
Ein weiterer Standort war in Nonnevitz, nördlich von Dranske, fast direkt an der Ostseeküste. Hier waren anfänglich der Bergungsdienst und Chemische Dienst der 6. Flottille untergebracht. Ende der 1970er Jahre wurde dann daraus ein Naherholungszentrum für die 6. Flottille und auch andere NVA-Angehörige machten hier Urlaub. Diese Anlage steht heute noch und wird für Urlauber betrieben, etwas modernisiert.
Die Standorte Bobbin und Thießow waren für die Mobilmachung vorgesehen. In beiden Orten gab es Lager für alle notwendigen Ausrüstungen für die mobil zu Machenden.
Der Orts Handshagen bei Greifswald war ebenfalls mit der 6. Flottille verbunden, hier lagerte der 4. Kampfsatz von Gefechtsraketen für unsere RS-Boote OSA I.
Ich hänge Euch auch eine vereinfachte Struktur der 6. Flottille von 1986 an, wo alle Einheiten erfasst sind und auch das Unterstellungsverhältnis dargestellt ist. Und zum Schluß für heute noch drei Luftaufnahmen von 1992 aus unserem Archiv, die den Hafen zeigen. Der Stützpunkt wurde ja am 20.12.1991 für immer geschlossen.
Ach so, das Fahrwasser zum Verlassen und Befahren des Hafens hätte ich bald vergessen. Es war sehr kompliziert und hat etwa 40 Minuten gedauert bis die Boote mit normaler Geschwindigkeit die offene See erreichten. Mit hoher fahrstufe war das Fahrwasser sehr gefährlich, vor allem in den Kursänderungen und ist so manchem Kommandant zum Verhängnis geworden - Grundberührung!
Eddy
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Bug (und Dranske) 1953

Beitrag von zulufox » 28.09.2015 09:17

Hallo Freunde,

um zu verdeutlichen, welcher Wiederaufbau hier geleistet werden musste, anbei ein Luftbild vom Bug und von Dranske (ganz oben im Norden) aus dem Jahre 1953. Gut auch auf der Verkleinerung zu erkennen, dass seit 1945 unter der Regie der SMAD fast alle Gebäude des Fliegerhorstes See & Land Bug beseitigt wurden, selbst die Bodenplatten der Flugzeughallen und die Rollwege weisen Sprengtrichter auf.

MfG
Zf :holy:
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Beitrag von Eddy » 28.09.2015 20:00

Da hast Du recht @zulufox,
davon liegen noch heute Unmengen Rest im Wald. Aber zum Fliegerhorst 2. WK und auch zur Seeflugstation 1. WK komme ich noch an geeigneter Stelle.
Eddy
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Beitrag von bettika » 28.09.2015 21:06

Hallo Eddy,
Danke für den ausführlichen Rundgang :thumbup:

Eine Frage zum 2.Bild aus Deinem vorletzten Beitrag: Hatte das Häuschen an der Molenspitze was mit "Entmagnetisierung" zu tun. Nicht alle Schiffe mussten dafür nach Lauterbach.

https://www.geschichtsspuren.de/forum/e ... etisierung

Grüße
Beate
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Beitrag von Otto » 29.09.2015 12:28

Eddy hat geschrieben:...
Die Standorte Bobbin und ...
Eddy
Hallo Eddy,

kurze Frage zu Bobbin: handelt es sich bei diesem Areal um den jetzigen DinoPark? Siehe http://www.dinosaurierland-ruegen.de/.

LG
Gerd
... Wenn Menschen schweigen redet der Stein ...
http://www.unterirdisch-forum.de

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Beitrag von Eddy » 29.09.2015 19:11

bettika hat geschrieben:...
Eine Frage zum 2.Bild aus Deinem vorletzten Beitrag: Hatte das Häuschen an der Molenspitze was mit "Entmagnetisierung" zu tun. Nicht alle Schiffe mussten dafür nach Lauterbach....
Das hast Du richtig gesehen Beate,
dieses Häuschen war die EMP-Stelle für die Boote der 6. Flottille. Lauterbach war auch für die Schnellboote ein Muss, solange es den Stützpunkt Bug noch nicht gab.
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Beitrag von Eddy » 29.09.2015 19:14

Otto hat geschrieben:...
kurze Frage zu Bobbin: handelt es sich bei diesem Areal um den jetzigen DinoPark? ...
Richtig Gerd,
der heute Dino-Park ist ein Teil dieser ehemaligen Dienststelle. Hier waren übrigens auch die Diensthunde der 6. Flottille zu Hause. Herrliche Schäferhunde, sie wurden auch 1990 mit entlassen und kamen in gute Hände.
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Beitrag von Eddy » 29.09.2015 20:10

So nun noch die Auswirkungen des Schnellbootstützpunktes auf den Ort Dranske.
1960 als die NVA, sprich Volksmarine ihre Nutzung festlegte, war der Ort Dranske genauso wie er 1936 bis 1939 durch die Luftwaffe aufgebaut wurde - eine Militärsiedlung. Heute steht sie in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz. Zum alten Ort Dranske an anderer Stelle mehr.
Als am 08.05.1965 die Volksmarine mit einem symbolischen Einmarsch in Dranske ihre Anwesenheit für die Zukunft demonstrierte, waren noch keine Wohnungen für die Berufssoldaten vorhanden. Alles lebte auf dem Bug, in Gebäuden oder auf den Wohnschiffen. 1967 begann dann eine rege Bautätigkeit durch die Bauunion Nord. Es schossen acht Plattenbauten aus dem Boden, die schlagartig für viele Soldatenfamilien eine gute Lösung brachten. Das Wohnungsbauprogramm wurde 1976 bis 1989 fortgesetzt und es entstanden bis dahin 1.000 Wohneinheiten, 2-, 3-, 4- und 5-Raumwohnungen standen zur Verfügung. Notwendige Nachfolgeeinrichtungen wie eine Kaufhalle, zwei Kinderkombinationen (Kinderkrippe- und -garten), zwei Schulen, ein Dienstleistungsgebäude mit zwei Allgemeinärzten und zwei Zahnärzten, einer Post und einer Reinigung. Dazu gab es noch eine Kinderärztin zusätzlich.
Aber es kam ein neues Problem auf Dranske zu, die Ehefrauen der Berufssoldaten brauchten Arbeitsplätze und da viele Krankenschwestern oder Erzieherinnen waren, war das nicht so einfach. Also wurden Alternativen gesucht und gefunden. So entstand ein Betriebsteil vom Kleiderwerk Greifswald, wo Parker für den Export geschneidert wurden, es entstand ein Betriebsteil vom Elektronikwerk Frankfurt/Oder in dem Spulen gewickelt wurden.
Dranske hatte 1989 ca. 4.000 Einwohner. Größte Arbeitgeber waren die 6. Flottille, die Landwirtschaft und die Fischerei, dazu die Schulen und Kindereinrichtungen.
Die Bilder zeigen das Neubaugebiet von Dranske. In den Luftbildern habe ich mal beschriftet.
Bis denne
Eddy
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