Bergwerk zwischen Lüchow und Clenze im Wendland

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Walden

Bergwerk zwischen Lüchow und Clenze im Wendland

Beitrag von Walden » 11.11.2009 23:33

Hallo!

Auf einer älteren Karte (vor 1977) des Landkreises Lüchow-Dannenberg ist ein stillgelegtes Bergwerk eingezeichnet, das ich nicht zuordnen kann. Es liegt zwischen den Orten Steine und Bülitz, ziemlich in der Mitte zwischen Wustrow und Clenze.

Mit dem Kalibergbau Anfang des 20. Jahrhunderts in der Gegend hat es wahrscheinlich nichts zu tun, im Buch "Kali und Leinen - Industrialisierungsansätze im Raum Wustrow 1874 bis 1928" ist es nicht erwähnt.

Außer Kali wurde im Wendland auch in bescheidenem Umfang Braunkohle abgebaut, so z.B. in Trabuhn (ca. 15 km weiter östlich), wozu man aber keinerlei Informationen außer ein paar alten Postkarten findet:
http://www.wendland-archiv.de/ort/Trabuhn


Vielleicht weiß jemand aus der Gegend mehr; über das gesuchte Bergwerk zwischen Steine und Bülitz findet man per Internet-Recherche jedenfalls überhaupt nichts.

Beste Grüße,
Ralf
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MikeG
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Beitrag von MikeG » 12.11.2009 00:41

Moin!

In Rainer Slottas Kali-Standardwerk findet sich dazu nichts. Andererseits gab es bei Wustrow auch einen Schacht...

Mike

Spacehawk
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Beitrag von Spacehawk » 12.11.2009 00:54

Ich weis nicht wieweit sich Kalibergwerke unterirdisch ausdehnen können ...

Ein Wetterschacht ?

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Djensi
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Beitrag von Djensi » 12.11.2009 09:39

Moin,

naja, ein Wetterschacht wäre wahrscheinlich nicht als ehem. Bergwerk in der Karte verzeichnet.
Was lief denn in Wustrow, da gibt es vielleicht einen Zusammenhang?

Hier schon mal ein Link, also Kali und Salz!

http://www.wendlandinfo.de/1910-Wustrow.htm

Grüße
Djensi

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Beitrag von UK 56 » 12.11.2009 11:26

Moin zusammen,

auf dem Kartenserver des LBEG (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) ist in diesem Bereich ein Bergrecht verzeichnet:

Bergwerkseigentum

Bodenschätze: Braunkohle
Bergwerksfeld: Hoffnung (Braunkohle)
Berechtsamsakte: H 228 XVIII d 1
Feldgröße (m²): 2199840,6
aktueller Rechtsinhaber: Wintershall Holding AG
Laufzeit der Berechtigung:

In der Karte ist die Fläche als nahezu quadratische Abgrabung gekennzeichnet. Einen richtigen Reim kann ich mir allerdings darauf auch nicht machen.

Viele Grüße aus Hannover

Uwe

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Djensi
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Beitrag von Djensi » 12.11.2009 21:07

Unter Schreyahn findet man Schacht" Rudolph"

http://www.wendland-archiv.de/details/K ... lph%22/831

und hier ist auch noch was zur Kalibahn

http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstreck ... 3Schreyahn

Also n´büschen ist da ja was

Djensi

Walden

Beitrag von Walden » 12.11.2009 23:33

Moin moin,

erstmal danke für Eure Antworten! Dass das Bergwerk mit Kali nichts zu tun haben kann, glaube ich deshalb, weil die Kali-Vergangenheit der Region mittlerweile gut aufgearbeitet wurde (v.a. mit dem genannten Buch "Kali und Leinen", der gleichnamigen Ausstellung im Museum Wustrow und dem "Geschichtspfad Industriekultur Wustrow und Umgebung"), und dieses Bergwerk nirgends genannt wird.

Kalischächte waren:

Schacht Rudolph der Bergbaugesellschaft Teutonia (südlich von Schreyahn)
Schacht Wendland der Gewerkschaft Wendland (südöstlich von Nauden, nahe der Dumme)
Schacht Ilsenburg (auch Bohrung Wustrow genannt) der Gewerkschaft Ilsenburg (südwestlich von Wustrow)
Schacht Hildegard der Gewerkschaft Ilsenburg (unmittelbar südlich von Schacht Ilsenburg)

Die beiden letztgenannten sollten als zweiter Ausgang für Teutonia dienen, soffen aber jeweils noch während des Baus ab. Daher gehe ich davon aus, dass das gesuchte Bergwerk keinen Luftschacht o.ä. darstellt, da er dann auch Eingang in die Literatur gefunden hätte. Teutonia und Wendland hatten also immer nur je einen einzigen Schacht.
Der Vollständigkeit halber habe ich die Kalischächte nochmal auf dem angehängten GE-Bild markiert.


Was das gesuchte Bergwerk angeht, scheint tatsächlich Braunkohle die richtige Richtung zu sein (danke an Uwe für den Kartenserver-Tip!). Wann dort gebuddelt wurde, in welchem Ausmaß und warum (nur zur Erkundung?), das ist noch offen und geht aus den Kartenserver-Daten nicht hervor. Daher setze ich weiter auf die Wenden hier im Forum :-) !

Gruß
Ralf
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Beitrag von willem » 12.11.2009 23:56

Aus der Firmenchronik der Firma HOCHTIEF hab ich mal folgendes kopiert:

"Überall fehlte es an Lebensmitteln, aber auch an Baumaterial, Maschinen und Arbeitskräften. Die HOCHTIEF-Niederlassungen waren zum überwiegenden Teil durch Bomben beschädigt oder zerstört. Viele Baumaschinen und Werkzeuge waren gestohlen oder unbrauchbar. Die Not machte erfinderisch. Zum Beispiel baute ein HOCHTIEF-Ingenieur mit einem geretteten Bagger eine Art bergbaulichen Betrieb auf.
An zwei Standorten, in Bülitz an der Elbe und in Delliehausen bei Göttingen, baute er "Braunkohle" ab, deren Qualität aber wohl dermaßen schlecht war, dass sie "brennbare Blumenerde" genannt wurde. Immerhin warf der Betrieb soviel ab, dass er ein Grundstück in Hannover erwerben konnte, auf dem dann ein HOCHTIEF-Büro einrichtet wurde."

hier der ganze Text:http://www.hochtief.de/hochtief/99.jhtml

Vielleicht hat er dort gebaggert,den Bülitz liegt ja gleich nebenan.

gruß
willem

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Beitrag von Djensi » 20.11.2009 09:17

Moin,

zur Ergänzung Hinweise aus dem Tröger´schen Eisenbahnforum:

http://www.razyboard.com/system/morethr ... 413-0.html

Interessant ist der Kartenscan seite 3

Gruß
Djensi

Walden

Beitrag von Walden » 14.12.2009 21:59

Super, danke Euch fürs Mitsuchen!

Der Hinweis auf Hochtief und den (behelfsmäßigen) Abbau von Braunkohle in den Nachkriegsjahren dürfte der Schlüssel zu dem gesuchten ehem. Bergwerk in meiner Karte sein.
Ich konnte im Sommer leider nicht direkt auf das Areal vordringen (hätte sonst die Ernte platttrampeln müssen), aber irgendwann hole ich das nach, wenn ich in der Gegend bin. Außer Geländeverformungen wird aber sicher nichts mehr zu sehen sein.

Da fällt mir noch etwas zu der "Braunkohlegrube Trabuhn" südöstlich von Lüchow ein: Weiß jemand, wo genau diese lag?

Ich halte den im Bild unten markierten Bereich für wahrscheinlich, dort befindet sich heute eine Motocross-Strecke, und das ganze sieht auch in natura aus wie ein kleiner aufgelassener Tagebau. Sehr erfolgreich dürfte der Abbau wohl auch dort nicht gewesen sein.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass direkt nördlich der Elbe aktuell über einen neuen, größeren Tagebau nachgedacht wird:

http://braunkohle.fdog.de/bkbi/content/ ... eid,5.html

Man kann nur hoffen, dass es nicht dazu kommt; das Verschwinden ganzer Landstriche muss für die Bewohner der absolute Super-GAU sein. Eine Debatte über Energiepolitik will ich hier gar nicht erst vom Zaun brechen.

Viele Grüße
Ralf
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