Kalter Krieg unter Tage

Bauliche Infrastruktur der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und des Eisernen Vorhangs
Björn
Forenuser
Beiträge: 752
Registriert: 11.03.2003 21:35
Ort/Region: Igling

Kalter Krieg unter Tage

Beitrag von Björn » 23.01.2006 00:30

Im Zusammenhang mit dem "Enklave/ Exklave"-Thema ist mir gerade eingefallen, daß die gewaltigen Salzbergwerke im Bereich Bad Hersfeld-Bad Salzungen und bei Helmstedt doch eigentlich auch "unter" der Grenze BRD-DDR verlaufen sein müssten. Oft waren doch mehrere einzelne Bergwerke miteinander verbunden. Wie sah in diesem Fall eigentlich die "Grenzsicherung" unter Tage aus?! Würde mich echt mal interessieren...

Gute Nacht.

petzolde
Forenuser
Beiträge: 2103
Registriert: 05.09.2004 14:03
Ort/Region: Münster

Beitrag von petzolde » 23.01.2006 08:31

Daß der eine unter dem Territorium des anderen gebuddelt hat, ist mir eigentlich nicht bekannt. Die Salzlager sind ohnehin mächtig und großflächig. Im Raum Bad Hersfeld war es eher das Problem der Eisenbahn-Abfuhrstrecken, weil diese Strecken die Ländergrenzen schnitten. Dazu gab es gegenseitige Vereinbarungen.
Anders die Braunkohle bei Helmstedt: Die Grenze lief durch den Tagebau, und man mußte sich entsprechend arrangieren, damit von dem (eher kleinen) Vorkommen für jeden noch etwas zum Abbbauen blieb.
gruß EP

Harry (†)

Beitrag von Harry (†) » 23.01.2006 15:09

Soweit ich weiss bestand keine Verbindung zwischen den Bergwerken

Benutzeravatar
MikeG
Administrator
Beiträge: 8627
Registriert: 07.05.2002 14:38
Ort/Region: Bispingen
Kontaktdaten:

Beitrag von MikeG » 23.01.2006 16:03

Moin!

Die grenznächsten Salzschächte bei Helmstedt waren in Beendor (ca. 700m bis zur Grenze), Walbeck (ca. 1200m) und bei Weferlingen (ca. 100m). Auf Westseite lag Grasleben mit 600m Entfernung sehr nah an der Grenze. Walbeck/Weferlingen (eigentlich eine Anlage) wurde nach Kriegsende nicht mehr weiterbetrieben und geflutet. In Grasleben fürchtete man ein Durchsickern und damit Flutung des eigenen Schachts, aber das passierte nicht. Sowohl Grasleben als auch Beendorf waren noch Jahrzehnte in Betrieb, eine Verbindung gab es aber nicht.

Grasleben diente bis 1945 als U-Verlagerung "Gazelle" - Artikel im "redaktionellen" Teil der Site. In Beendorf ist noch heute eine Förderanlage vorhanden - ob das Werk noch fördert, weiss ich aber nicht.

Mike
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Gast

Beitrag von Gast » 23.01.2006 17:33

in der gegend um lüchow/wustrow im wendland gab es auch einige kalischächte. die gruben lagen direkt im grenzgebiet, die grube "teutonia" zB nur ca. 2 km luftlinie, dass man also wirklich annehmen könnte, dass hier ein grenzüberschreitender verkehr möglich ist.

teutonia & co sind lange vor dem 2.wk geschlossen worden und angeblich geflutet, was dort in der gegend auch kein großes problem sein sollte.

Benutzeravatar
Oliver
Forenuser
Beiträge: 2765
Registriert: 06.09.2003 15:37
Ort/Region: Nürnberg
Kontaktdaten:

Beitrag von Oliver » 23.01.2006 21:44

Hi zusammen,

liegen bzw lagen nicht auch die möglichen Atomendlager relativ nahe zur ehem. innerdeutschen Grenze?

Gruß
Oliver

petzolde
Forenuser
Beiträge: 2103
Registriert: 05.09.2004 14:03
Ort/Region: Münster

Beitrag von petzolde » 23.01.2006 22:08

In der Tat, die Staatsgrenzen waren von beiden "Endlagern" nicht weit weg. Aber daß man sich unter der Grenze durchbuddelte, um den Atommüll beim politischen Gegner abzulagern, ist wohl doch etwas weit hergeholt...
gruß EP

Rick (†)

Beitrag von Rick (†) » 25.01.2006 15:00

In Wildflecken befanden sich Stollen eines Salzbergwerks unter dem Truppenübungsplatz. Ihr Verlauf spielte bei der Errichtung eines Munitionslagers der Amerikaner eine Rolle, da sicher gestellt werden musste, dass keine Bodenveränderungen unter dem Lager eintreten würden. In diesem Zusammenhang war auch davon die Rede, dass Stollen "in östlicher Richtung" inzwischen geschlossen bzw. "aufgefüllt" worden seien; nach Kartenlage eindeutig aus Gründen der Nähe zur innerdeutschen Grenze.

cebulon66
Forenuser
Beiträge: 663
Registriert: 18.08.2003 20:24
Ort/Region: LG'er Heide

Gor- und Morsleben

Beitrag von cebulon66 » 25.01.2006 15:59

...liegen bzw lagen nicht auch die möglichen Atomendlager relativ nahe zur ehem. innerdeutschen Grenze? ...
was den Salzstock Gorleben anbelangt:
grenznächster Punkt gen Norden ("unter der Elbe durch" aber in entsprechender Tiefe :) ) sind es ca. 3,5 km; nach Südosten der nächstgelegene ca. 11,5 km.
Von Morsleben zu Grenze wären es ca. 2 km.
Allesamt für Berg(fach)leute keine Distanzen, aber ich stimme dem zu:
...Aber daß man sich unter der Grenze durchbuddelte, um den Atommüll beim politischen Gegner abzulagern, ist wohl doch etwas weit hergeholt...
..und ob das unbemerkt geblieben wäre (trotz Grenzsperrbezirk auf DDR-Seite) :?: :?:

cebulon66
Forenuser
Beiträge: 663
Registriert: 18.08.2003 20:24
Ort/Region: LG'er Heide

Gorleben

Beitrag von cebulon66 » 25.01.2006 16:09

anbei mal ein Original-Salzbrocken aus Gorleben;
wird interessant, wenn es nix wird mit Gorleben, dann wird's ein LOST PLACE :)

Manfred
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Antworten

Zurück zu „Kalter Krieg - innerdeutsche Grenze / Eiserner Vorhang“