Altes Mun Depot Zennwald bei Fürth

Depots, Tanklager, Munitionsniederlagen, Versorgungs- und Nachschub-Infrastruktur des Militärs
JohnDooe
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Altes Mun Depot Zennwald bei Fürth

Beitrag von JohnDooe » 12.03.2014 19:58

Wir haben zufällig entdeckt, daß von dem Mun-Depot aus ca. 10-15mm starke Stahldrähte mehrere hundert Meter weit in den Wald führen.
Verlegt sind die ca 20-30cm unter dem Waldboden.

Weiß jemand, warum man sowas früher gemacht hat?

radar
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Mun Depot

Beitrag von radar » 12.03.2014 20:05

Hallo
Vielleicht war es ein Potentialausgleich oder ein Teil der Blitzschutzanlage.
Gruß
Radar

JohnDooe
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Re: Mun Depot

Beitrag von JohnDooe » 13.03.2014 17:30

radar hat geschrieben:Hallo
Vielleicht war es ein Potentialausgleich oder ein Teil der Blitzschutzanlage.
Gruß
Radar
an Blitz hatte ich auch schon gedacht.
Aber mehrere hundert Meter....

Na ja ein Mun Depot ist kein Kartoffellager, aber ein paar vernünftig im immer feuchten Waldboden eingegrabene Bodenerder hätte doch auch reichen können, oder?

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argus
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Erdungsdrähte?

Beitrag von argus » 14.04.2014 17:39

Hallo John Dooe!

Es scheint ja offensichtlich eine Art von Erdung zu sein.

Damit ich mir das besser vorstellen kann zwei Fragen dazu:

Werden diese "Drähte" (1,5cm!) von anderen Drähten gekreuzt(Netzartig)
oder sind sie, ähnlich wie bei die Speichen beim Fahrrad,radial um das Objekt angeordnet?

Sind die Drähte endlos (Verschweißt / verlötet) oder werden sie mit Klemmen o.ä. verbunden?


Gruß!

argus

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Beitrag von JohnDooe » 15.04.2014 19:33

eher wie Speichen vom Objekt weg.

Habe nur 2 gefunden, aber auch nicht dediziert mehr gesucht.

Sie führen zur Zenn (einem kleinen Flüsschen) Ob sie bis dort, oder sogar weiter gehen hab ich nicht überprüft.

Wie und ob die verbunden sind... Keine Ahnung, ich habe nicht vor so lange einen Eisendraht auszugraben bis ich eine Stelle finde, an das beantworten kann ;-)

Ich vermute Rollenware.

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argus
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Zennwald

Beitrag von argus » 16.04.2014 10:14

Hallo JohnDooe!

Nein ausbuddeln brauchst Du die Leitungen nicht. Ich wollte nur wissen, ob die Drähte nicht untereinander verbunden sind,das spräche gegen eine Erdung.

Nach dem Studium von Wiki zum Thema "Erdung / Erdnetz" nehme ich an, daß es sich um den Dipol eines Sendemastes handeln könnte. Besonders bei Langwellen- und Längstwellensendern, benötigte man offensichtlich längere Erdleiter.

Längstwellen benötigte man aber vorwiegend zum Funkverkehr mit getauchten U-Booten. Da wäre das fränkische Binnenland möglicherweise aber nicht die geeignete Gegend.

Mal sehen ob ein Funkspezialist hierzu etwas beitragen kann, ich selbst bin aus dem Lager der Maschinenbauer und daher nur interessierter Laie.

Die Amis hatten dort offensichtlich nur ein Munitionslager.
Erdungen sind dort sinnvoll (Elektrostatik), aber eigentlich nicht in diesem Ausmaß. Hochleistungsfunkanlagen und Munitionsverarbeitung, schließen sich nach meinem Wissens aber aus.

Interessant wäre, was die deutsche Wehrmacht auf dem Gelände vor 1945 getrieben hat. Das habe ich bisher noch nicht herausgefunden. Vielleicht können hier unsere einschlägigen Fachleute etwas beitragen.


Gruß!

argus

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Beitrag von zulufox » 16.04.2014 12:09

Hallo JohnDooe,

wie wäre es, wenn du deinen Fundort mal mit Hilfe der Funktion GeoTag anfügen etwas genauer kennzeichnen würdest? Da könnte man dann doch als nicht unmittelbar Ortskundiger eventuell eher helfen.

MfG
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Beitrag von hollihh » 16.04.2014 18:28

Moin,

ein Srahlenerder - ich bin zwar auch kein Elektrikspezi..

Gruß

Holli

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Zennwald

Beitrag von argus » 17.04.2014 10:17

Hallo!

Meine Vermutung das dort ein Längstwellensender gestanden haben könnte, hat sich bei weiterer Recherche als nicht zutreffend herausgestellt.

Die Längstwellensendeanlagen benötigen mehr als 300 Ha Fläche, bei eine Höhe von knapp 200m pro Sendemast (Eine vergleichbare Anlage in Norddeutschland (Kalbe) hatte z.B. 17 Masten.

https://de.wikipedia.org/wiki/Goliath_%28Funk%29

Da kann der nur 10 Ha grosse Zennwald nun mal leider nicht mithalten.

Für Erdungungen werden üblicherweise Metallbänder verlegt und nicht Rundmaterial. Es kann allerdings auch an Materialmangel im Kriege liegen, wenn man anderes Material verwendet hat. Es kann aber auch der Hinweis auf eine andere Zweckbestimmung sein.

In der offiziellen IT-Seite der Stadt Fürth wird angegeben, daß sich im Zennwald vor 1945 ein Munitionsdepot befand.

http://fuerth.de/Portaldata/1/Resources ... sion-2.pdf

Zusammenfassend muss ich nun feststellen, das die eigentliche Bestimmung der "Drähte" für mich nicht erklärbar ist.

Allerdings habe ich durch die Recherche auf der "Konversionsseite" der Stadt Fürth so viele Informationen über ehem. militärisch genutze Liegenschaften in Fürth gefunden, daß ich mir in Zukunft einige mühsame Sucherei ersparen kann.

@ Zulufox: Auf der Fürther Seite findest Du auf Seite 13 eine Übersichtskarte mit den eingezeichneten Objekten in Fürth.

http://fuerth.de/Portaldata/1/Resources ... sion-1.pdf


Gruß!

argus

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Beitrag von Cremer » 17.04.2014 13:59

@JohnDooe,

ich tippe mal auf ein Erdungsnetz für eine (Rundfunk-)Sendeanlage.

Bei strahlenden Antennenträgern für Lang- und Längstwellen, aber auch für Kurzwellen, braucht man als "Gegengewicht" (Dipol) ein Erdleitungsnetz, auch Erdradials genannt, (kein Potentialausgleich). Es wird strahlenförmig vom Mast, teilweise in unterschiedlicher Länge, weg in die Erde verlegt wird. Sie sollen mindestens so lange sein wie die Antennenhöhe, besser aber 1,5 x Antennehöhe. Die Länge der Erddrähte sollen zwischen Lambda/4 und Lambda/2 sein.

Erdnetze werden in 25-30 cm Tiefe, im beackerten Gelände in 60 cm Tiefe verlegt. Meistens wird dieses mit einem Spezialpflug in eine Furche von ca. 40 cm Tiefe eingebracht. (siehe Beschreibung Goliath, Seite 178, 100 Jahre Funktechnik in Deutschland Band 1)

Um die Rotationssymmetrie um eine vertikale Antenne zu gewährleisten, sollten mindestens 12 Radials, zweckmäßig 18, besser 24 Radials gewählt werden. Kommerzielle Funkanlagen haben Erdnetze von 30, 60 oder 120 Erdleitern. Für Mittelwellen-Rundfunkanlagen sind 120 eingegrabene Erdradials Standard.

War dort mal ein militärischer Rundfunksender gewesen?
MfG Euer Fernmelder
Erich Fellgiebel 1935:Nachrichtentruppen sind kostbare, schwer zu ersetzende Mittel der Führung.

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