WiFo Hitzacker

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wobo
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WiFo-2

Beitrag von wobo » 03.06.2017 14:28

Hallo Leute

Bilder, Berichte über Zeitzeugen-Befragungen durch Otto Puffahrt und eine Ortsbesichtigung
der Trümmer von M-Block 01 haben uns (mich und "meinen"Ing.) davon überzeugt,
daß es sich beim HP-Tiessau um einen Wasserbehälter handelt.
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Druck und Dichtigkeitsprüfung von Tanks werden im allgemeinen mit Wasser durchgeführt,
dafür wird der Tank so weit wie möglich gefüllt
und dann mittels Kolbenpumpe auf einen vorgeschriebenen Nennüberdruck gebracht.
Dieser Überdruck muß über einen bestimmten Zeitraum gehalten werden,
was über einen Druckschreiber überwacht/dokumentiert wird.

Es kann als Sicher angenommen werden, daß man anschließend das Wasser bis nach dem Betonieren
in den Tanks gelassen hat, denn durch die enorme Länge des zylindrischen Teiles,
ohne jegliche Kammerschotten oder sonstige Aussteifungen, kann man ihn mit einer
Einweg-Wasserflasche vergleichen.
Gefüllt und unter Druck kann man sich daraufstellen, leer kann man sie mit 2 Finger zerdrücken.

Innenansicht: WiFo-Unterhausen =
http://bilder.augsburger-allgemeine.de/ ... 20Wifo.jpg

Genau so hätte der flüssige Beton die Tanks im leeren Zustand zerdrückt.
Und flüssig wurde der Beton in die Schalung gefüllt, dafür spricht die Oberflächengüte,
von der man sich vor Ort überzeugen kann (HP017) und der Hinweis von Zeitzeugen,
daß damals schon Betonpumpen im Einsatz waren. (HP018+019)

Ebenso kann man an der Betonstrucktur der Ruinen von M-01 erkennen, daß die Tanks nicht einzeln,
also nach und nach, sondern nach Fertigstellung der 5er-Gruppe als kpl. Einheit Betoniert wurde (HP020+021)

Bei den Einzeltanks der Gruppen 1-3 brauchte man pro Tank ca. 4.000 m³ Wasser, was man anschließend
sicherlich von Baustelle zu Baustelle weiter gegeben hat.
Bei den M-Blöcken waren es aber fast 25.000 m³ und die mußten anschließend auch wieder abgeführt werden.

Hier kommt der Punkt, den "mein" Ing. als Genial bezeichnet ... :thumbup:
Zum Befüllen der Tankgruppe konnte man mit einfachen, aber sehr robusten und Schmutz unempfindlichen
Membranpumpen Elbewasser in den Hochbehälter drücken, dieser fing die pulsierende Förderung der Pumpen ab
und gab das Wasser gleichmäßig im Freigefälle an die Baustelle weiter.
Zum Entleeren der Tankgruppe hat man dann das Pufferbecken abgeschiebert und eine durchgehende Leitung
in Betrieb genommen. Über diese konnte dann die Tankgruppe fast ohne Energieeinsatz zur Elbe
entleert werden (HP022)
Dieses System kennt jeder, der schon mal selbstgemachten Wein aus einem Ballon mittels Schlauch
in Flaschen gefüllt hat. (Oder Kraftstoff aus einem PKW abgezapft hat ... :mrgreen: )

Gruß Wolf
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wobo
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WiFo-2

Beitrag von wobo » 20.06.2017 08:38

Hallo Leute

Hier der letzte Teil von Tiessau, da müßt ihr nun durch ... :mrgreen:

010...Die Spur beginnt am Camping-Platz und verliert sich bei den unteren ??-Zeichen.

011-015...Vom Camping-Platz bis zum Hochpunkt.

016-018a...Vom HP aus Richtung M-Block 01.

019-021...Der Ablaufstutzen muß so groß, bzw. wertvoll gewesen sein,
daß man sich die Mühe gemacht hat ihn aus zu stemmen.
Ich vermute, die Wasserleitung hatte min. 20cm Durchmesser,
das würde Querschnittmäßig zu den 3 x 12cm Stutzen im Zulauf passen.

022...Hier wird die Spur langsam kalt, bzw. verliert sich auf den Wegen.

Gruß Wolf
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wobo
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WiFo-2

Beitrag von wobo » 20.07.2017 18:47

Hallo Leute

M-02.0... Max Lorenz hat in seinen Erinnerungen geschrieben, daß an den Baugruben in Hitzacker
(besser Tiessau), schon Material zum Tankbau lagerte, dieses aber wieder abtransportiert wurde.

M-02.1+2... Normalerweise ist es bei Sondengänger Ehrensache, seine Löcher wieder zu zumachen,
hier war die Enttäuschung über den Fund anscheinend so groß, daß man alles offen liegen lassen hat.

Für mich ein Glück, belegt doch dieser 10er Pack Montagewinkel die Aussage von Max Lorenz.

M-02.3-5...Zu den Streifenfundamenten an den Stirnseiten der Baugrube von M-02
haben wir folgende Erklärung:
Die Baustelle mit den 5 nebeneinander liegenden Tanks hatte sicher sehr viel Ähnlichkeiten mit einer Werft,
auch da müssen schwere Stahlsegmente zum vernieten in Position gebracht werden.
Bei den Einzeltanks hat sicher noch ein Portalkran gereicht, aber bei der 5er Gruppe lagen die Tanks
so dicht zusammen, daß da kein Kran mehr dazwischen passte. Warum also nicht auf eine Krananlage zurückgreifen,
die sich schon auf Werften bewährt hatte, der Kabel-oder Seilkran.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kabelkran ... somit wären die Betonstreifen an den Stirnseiten der Baugrube
die Fundamente für die Krananlage.

M-01.1...Übrigens findet man auch auf der Baustelle von M-01 schwere Betonplatten außerhalb der Tankanlage

Gruß Wolf
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Djensi
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Beitrag von Djensi » 28.08.2017 12:04

Moin,

bei den neuesten 100 Bildern der Eisenbahnstiftung, befinden sich zwei Bilder der BR 236 121,
die ursprünglich für die WiFo Hitzacker beschafft wurde.

http://h1336311.stratoserver.net/bildergalerie

Grüße
Djensi

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WiFo Hitzacker

Beitrag von wobo » 09.10.2017 23:22

Hallo Leute

Hier eine Ergänzung zu meinem Beitrag auf Seite 4

https://www.geschichtsspuren.de/forum/p ... tml#184979

Gruß Wolf

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niemandsland
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Beitrag von niemandsland » 09.02.2018 14:50

Guten Tag,

Adam Riese lässt grüßen... ich habe da ein Problem. ;-)

Ich habe mal eine Frage bzgl. der max. Werte im Bereich der WiFo Hitzacker.

Im BIOS-Bericht (120-30) auf Seite 17/18 (Fig.I: Skizze) "Schematische Übersicht" von 9/1944 werden folgenden Mengenangaben gegeben:

5 Ben. Gruppen = 2200 Kubikmeter Sonderstoff --> (Sonderstoff-Lager ?)
78 Ben ) 46800 Kubikmeter Öl

30 Ben = 100000 Kubikmeter Benz
2 M-Blöcke 40000 Kubikmeter

Insgesamt: 140000 Kubikmeter

Laut dem Text sollen die Tanks im Sonderstoff-Lager 4000 cbm gehabt haben. Laut der Schematischen Skizze hatten die aber nur 440 cbm. Bahnhof.

Und so geht das weiter... gibt es eigentlich irgendwelchen konkreten Angaben über die Tanks?

----

Im BIOS-Bericht ab Seite 3 (bzw. 5) werden die Tanks beschrieben.

Die Kraftstoffgruppen (3 Gruppen a 10 Tanks) hatten je Tank ein Fassungsvermögen von 3300 Kubikmeter (oder x * 1000 in Liter). Die Ölgruppen (6 Gruppen mit insgesamt 78 Tanks) hatten je Tank ein Fassungsvermögen von 600 Kubikmeter. Über die "M-Blöcke" im Bau (Skizze) habe ich in dem Bericht nichts entdeckt. Eben nur die angegebene Größe in der Skizze (Schematische Übersicht).

30x3300 = 99000
78x600 = 46800
5x4000 = 20000
2x20000 = 40000

Ergibt für mich eine Gesamtlagerkapazität von 205800 Kubikmeter (x * 1000 für Liter).

Kann mir jemand sagen wie die Diskrepanz zwischen den Maximalwerten und den von offizieller Seite gegebenen Werten erklärt? Selbst wenn man das Sonderstoff-Lager (20000 Kubikmeter) abzieht, bleiben nach Adam Riese 185800 Kubikmeter übrig.

Wie erklärt sich das?

Ich schreibe gerade dazu was und kann mir das gerade nicht erklären.
Den entsprechenden BIOS-Bericht findet Ihr hier im Thread.

Gruß aus Hannover
Guido Janthor
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WiFo-Hitzacker

Beitrag von wobo » 10.02.2018 20:17

Moin Guido

Sonderstofflager: 5 Behälter-Gruppen = 2.200 m³ Sonderstoff
Dazu mein Beitrag auf Seite 5 (Sonderstofflager)

Benzin:... 30 Behälter = 100.000 m³
Man sollte die Angaben in den Berichten nicht Wortwörtlich nehmen.
Ein Tank von 10 m Durchmesser und 50 m Länge hat ein rechnerisches Volumen
von 3.925 m³ zieht man davon nun die Abrundungen an beiden Enden ab,
dann bleiben ca. 3.800 m³, das mal 30 macht 114.000 m³.
Darin kann man jetzt pi x Daumen 100.000 m³ Benzin einlagern,
was pro Tank dann 3.333 m³ ergibt.
Dies ist natürlich alles Theorie, denn laut BIOS waren nur ca. 20 Tanks
für die Logistik verfügbar, die anderen waren entweder gefüllt oder
zur Wartung außer Betrieb.
Hitzacker war ja nicht einfach nur ein Tanklager, sonder dort wurde Benzin
von unterschiedlicher Qualität gemischt und dann mit Bleiaethyl
zu Flugbenzin veredelt.

Oel:... 78 Tanks zu 600 m³ = 46.800 m³
Nach den Trümmern, die ich gefunden habe, hatten die Oeltanks ca.8 m Durchmesser
und waren 15 m Lang, ergibt 750 minus Abrundungen = 700 m³, nutzbar = 600 m³.

Auch hier sagt BIOS, es waren nur 20 Behälter im "Arbeitseinsatz",
in den Anderen waren alle möglichen Oele eingelagert.

Die 2 M-Blöcke können ausgeblendet werden, sie waren noch nicht nutzbar.

PS: So kann sich jeder seine Zahlen alleine zusammenstellen ...:mrgreen:

Gruß Wolf

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Beitrag von niemandsland » 11.02.2018 10:39

Danke Wolf für Deine Antwort. ;-) Das bringt doch etwas mehr Licht in die Zahlen.

Ich habe da aber noch mal eine andere Frage... im Museum von Hitzacker wird beschrieben, das eine Firma zwar nicht bezahlt wurde, jedoch das Armierungseisen der Tanks behalten durfte. Was zum Rückbau einiger Tanks führte.

Das kann man z.B. auf dieser Seite nachlesen:
https://www.ich-war-hier.de/2017/09/03/ ... nt-page-1/

Ist evtl. bekannt um welche Bereiche es sich da dreht? Genannt werden die 5er Blocks wurden noch mehr Tanks systematisch abgetragen oder wie es andernorts heißt "nur" verfüllt?!

Auf jeden Fall scheint das Museum in Hitzacker einen Besuch wert zu sein.

Allerdings fällt es schwer dort was gescheites zu essen zu bekommen. Bei mir ist es seit Jahren üblich, das man nach mehreren Stunden im Gelände noch irgendwo einkehrt. In Hitzacker ist das so ein Problem. Bis auf Döner und Grieche (der erst um 18 Uhr öffnet) schaut es mau aus. Dafür gibt es aber gleich mehrere Cafes! :megawut: Egal... frische Luft... Beton... und der Blick über die Elbe entschädigen für vieles. ;-)
Zuletzt geändert von niemandsland am 11.02.2018 11:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von niemandsland » 11.02.2018 10:44

Hallo WoBo,

nichts verschwindet für immer... ;-)
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Beitrag von wobo » 11.02.2018 15:48

niemandsland hat geschrieben: Das kann man z.B. auf dieser Seite nachlesen:
https://www.ich-war-hier.de/2017/09/03/ ... nt-page-1/
Moin Guido
Ja, dort wird eine Fotosammlung des ehem. WiFo-Förster J.Stumpert öffentlich gemacht,
die in meinen Augen einen wahren zeitgenössischen Schatz darstellt... :thumbup:
(Bei den Bildern auch meinen Kommentar zum Rückbau der Tanks beachten)

In der WiFo-Abteilung des Museum sind diese Bilder leider nur durch Zufall zu entdecken,
denn sie widerlegen zum Teil die dortigen Bestrebungen, die WiFo in einem düsteren Bild
von Unterdrückung und Zwangsarbeit darzustellen.

Für mich ist das WiFo-Tanklager ein Technik-Denkmal und ich sehe es als völlig normal an,
daß ein Staat eine Armee und die dafür nötige Logistik unterhält.
Das war bereits zu Kaiser-Zeiten so und hat sich bis heute nicht geändert.

Und wenn du die Bilder dieser Seite ansiehst und diesen Fred noch einmal ruhig
durchliest, dürften eigentlich keine Fragen mehr offen sein ... :-)

Gruß Wolf

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