Bombardierung Ford Werke

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Josch
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Re: Bombardierung Ford Werke

Beitrag von Josch » 23.05.2020 21:37

Guten Abend Herr Aders,

dacore! Danke für die prompte Antwort.

Beste Grüße

P.S. Mein Vater, geboren 1928 erzählte. Als Messdiener und Pimpf wurde er während der Messe in der Kirche vom H.J. Fähnleinführer zitiert. Alle Messdiener mussten direkt zum Dienst antreten. Desweiteren, "Da kamen Mannschaftwagen mit SA Männern aus Düsseldorf und haben zusammen mit den Aktiven der Ortsgruppe vor allem die jüdische Bevölkerung drangsaliert." Einschüchterung bei Wahlen? u.s.w. Aber auch durchaus Ironisches. Bei einem Jabo Angriff auf den Güterbahnhof in Kaldenkirchen schlug die abgeworfene Bombe in das Reservoir der Latrine des Bahnhofsgebäude ein. Der ganze Bahnhof hat wohl nachher tagelang nach SCH...
gerochen. Nur gut das man nicht dabei war.

Josch
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Re: Bombardierung Ford Werke

Beitrag von Josch » 09.06.2020 20:11

Moin,

hier kommt noch ein Nachtrag zu einem fehlerfreien Bombenangriff auf die Ford Werke!

http://www.351st.org/351stMissions/Mis ... on220.html

Beste Grüße

Josch
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Re: Bombardierung Ford Werke

Beitrag von Josch » 09.06.2020 21:03


g.aders
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Re: Bombardierung Ford Werke

Beitrag von g.aders » 12.06.2020 17:34

Guten Tag, Josch,
danke für die Übermittlung diverser Links.
Kopien des originalen Mission-Reports, die im NARA liegen, sind im Hist.Archiv der Stadt Köln, Bestand Porz, Materialsammlung M12, Nr. 143 (unter derselben Signatur weitere Reports von den Oktober Missions der 8. USAAF).
Zu den Schäden, die damals in Köln entstanden, siehe PETER SIMON: Köln im Luftkrieg 1939-1945. Statistische Mitteilungen der Stadt Köln. 5. Jg., Heft 2, Köln 1950, Seite 106.

Die Tagesmeldung des Polizeipräsidenten für den 18 Oktober 44 ist in dem Aktenbestand BR 1131 im Landesarchiv NRW unter der Nr. 115 vorhanden.

Der Bericht der 351. Bomb Group wirft noch einige Fragen auf. Nach Fremann, Mighty Eigth, sollte die gesamte 1. BD mit 118 B-17 die Ford-Werke als Primary Target angreifen, ebenfalls nach Freemann waren es nur 30 Bomber der Rest sollte das Reichsbahnausbesserungswerk Nippes als TO bombardieren.
Nach dem Bericht der 351. BG sollte nur eine Squadron (12 Flugzeuge?) auf Ford angesetzt werden: One squadron from this group was dispatched to bomb the Ford motor transport factory at Cologne. Welches Ziel hatten die anderen Squadrons?
Mit Hilfe des GH-Verfahrens konnte Ford nicht gefunden werden: GH equipment was not working too well.
Und so ging der ganze Segen ins freie Feld 1 1/2 Meilen nordwestlich vom Ziel: Bursts are in open fields and no damage will be done.

Kopien aus dem NARA Washington betr. Fordwerke befinden sich im Hist.Archiv in der Porzer Materialsammlung unter den Signaturen M12/Nr. 153, 157, 162, 163, 216 und 223. Die haben allen den Einsturz vom 9. März 2009 überstanden.

An den Abschuss eines britischen Aufklärers kurz nach Kriegsausbruch kurz nach Kriegsbeginn mag ich nicht glauben. Die „Photographic Reconnaissane Unit“ flog ihre ersten Einsätze im Frühjahr 1940. Der erste Abschuss einer Spitfire war am 22. März 1940 durch Lt. Jung vom JG 51 nördlich Wesel. Die Spits der PRU flogen in über 10 000 m, da verhungerten die Bf 109, und die damalige Flak kam sowieso nicht auf diese Höhe.
Es gab allerdings einen Fliegeralarm im September 1939 und es wurde auch ein Flugzeug unter Beschuss genommen: das war allerdings die Bf 109 des Kommodores des JG 26, Gotthard Handrick, der in Köln-Ostheim landen wollte.
Beste Grüße
G. Aders

Josch
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Re: Bombardierung Ford Werke

Beitrag von Josch » 12.06.2020 22:29

Sehr verehrter Herr Aders,

ich denke wir sind uns einig. Man wird das Thema wohl in der Gänze kaum klären können.

“Description of Bombing Run – The squadron performed its own sighting operation. The briefed turn was made at the IP. The target was completely obscured by cloud. The target was located by a “GH” fix [Gee-H was a radio navigation system]. No interference was encountered on the bomb run. The C-1 Pilot functioned satisfactorily.”

Die Aussagen der Mission des 351.BG sind schwer zu deuten. Wenn ich es richtig verstehe wird bei „GH-fix“ der Einschlagspunkt über ein System berechnet und gesteuert, ohne das die Bombenschützen individuell eingreifen können, was bei 9/10 bis 10/10 Wolken sowieso kaum möglich ist. Die Zielgenauigkeit betrug 150 Meter im optimalen Fall. Zielpunkt 1-1,5 Meilen NW von Ford ist die nordwestliche Zufahrt des Industriegeländes Niehl über die Neusser Straße, die nach Düsseldorf führt. Ungefähr (Chempark, Glanzstoff, etc.)

Hätte man Ford als Punktziel aus großer Höhe treffen wollen, wäre ein H2S Gerät bei dieser Mission, wegen des Rheins, wohl die bessere Wahl gewesen, denke ich.

Wie dem auch sei, von 1941-1945 hätten die Allierten das Werk zerstören können, haben es aber nicht.

Auch die Dienste wussten Spätsommer 1944 über die Dezentralisierung der deutschen Rüstungsindustrie, da war Ford als strategisches Ziel sowieso keine Wahl mehr.

Mich wundert das keiner der alliierten Jabo Piloten sein Ei in die Sahnetorte geworfen hat, alleine schon nach dem Motto, „sorry, shit happens“. Von daher meine Meinung: Ford sollte nicht direkt getroffen werden.

Eine Spitfire ohne Bewaffnung in 10000 Meter Höhe abzufangen war nicht nur 1940 praktisch unmöglich. Überhaupt hatte die deutsche Luftwaffe nicht den Hauch einer Chance gegen die alliierte Luftwaffe. Bei der technischen und materiellen Überlegenheit nutzt auch kein Heldenepos. Die deutsche Funkmesstechnik war unterlegen, die Motorenfabrikation hinkte hinterher. Die hohen Abschusszahlen einiger deutscher Piloten ergaben sich aus der Masse der Angreifer. Die Allierten hätten ihre Piloten erst gar nicht auf solche Prototypen Wunderwaffen wie Me163 oder Me262 gesetzt. Mit der "Battle of Britain" war der Krieg für Deutschland verloren.

Fazit: Die Sache mit dem Dritten Reich stinkt zum Himmel!

Beste Grüße

g.aders
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Re: Bombardierung Ford Werke

Beitrag von g.aders » 13.06.2020 17:58

GutenTag,
das britisch/marikanische GH-Verfahren war alles anderes als genau und zuverlässig.
An dem 18.10.55 sollten ja auich das Reichsbaunausbessungswerk Nippes und die Bayer-Werke bombardfiert werden, was nicht geklappt hat. Auf Nippes fiel keine einzige Bombe, und die für Bayer-Leverkusen vogesehenen Bombenteppiche schlugen südöstlich in die Wälder von Köln-Dünnwald ein.

Am selben Tag gab es n och einen anderen missglückten GH-Einsatz: Das britische Bomber Command wolllte mittels G-H durch die Wolkendecke das Zentrum einer bislang weitgehend unzerstörten Stadt treffen: Bonn. Die Navigation versagte, die Bomber flogh östlich von bonn vorbei, aber dann erkannte die Spitze den Fehler und der Verband dreht nach Westen ein und warf verstreut die Bomben. Verhererende Verwüstungen in Bonn, aus britischer Sicht ein Fehlschlag.

Ähnlich schlechte Erfahrungen machte das BC mit Angriffen auf einer Reffinerie im Ruhrgebiet (ich habe die Unterlagen nicht mehr - abgegeben das das Stadtarchiv Köln). Die G-H-Angriffe gingen so oft daneben, dass Harris die Frage aufwarf, ob es diese Anlage überhaupt existiere oder nicht vielleicht eine Scheinanlage sei.

Deutsche Funkmessanlagen: Soooo schlecht waren die nicht - suchen Sie mal nach den "Post Mortem"-Übungen.
Beste Grüße
G. Aders

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Re: Bombardierung Ford Werke

Beitrag von Josch » 13.06.2020 19:11

Hallo Herr Aders,

die Funkmesstechnik war durch die Auslegung auf Langwelle störunganfällig. UKw war die allierte Lösung,
die sich durchsetzte. Ich hab da noch ein Buch, wo der Unterschied genau beschrieben wird.

Beste Grüße

P.S. Wem sag ich das!

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