Suche Informationen über Lager an der Garbsener Landstraße

Zwangsarbeit, Fremdarbeiter-, Konzentrations- und Kriegsgefangenenlager (STALAG, DULAG etc.) und deren Außenlager
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niemandsland
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Suche Informationen über Lager an der Garbsener Landstraße

Beitrag von niemandsland » 03.07.2013 11:46

Hallo zusammen,

ein Bekannter hat mich gebeten, hier einmal anzufragen, ob irgendjemand etwas über das Lager an der Garbsener Landstraße (Hannover, OT: Marienwerder) bekannt ist?

HINWEIS

Es geht dabei _nicht_ um das KZ Neuengamme, Außenlager AKKU (dies war gut 500 m Luftlinie von diesem Lager (in Richtung Seelze) entfernt. Etwa auf Höhe des Denkmals.

Dieses Lager befand sich an der Kölner Straße (heute: B6) / Ecke Garbsener Landstraße. An der Straße stehen etwa drei, vier alte Wohnhäuser und direkt dahinter lag das Lager.

Wichtig dabei ist, das es sich "möglicherweise" auch um ein Wehrmachtslager handeln könnte.

Wieso?

Nun, zum einen finden sich einige Hinweise in Tessin Werk:

Hannover -> Heer -> Alarmeinheit Accumulatorenfabrik Hannover-Stöcken
Hannover -> SS -> SS Kommando Hannover-Stöcken

Und zum andern fällt die Lage und Anordnung der Baracken ins Auge.

Hinter der ersten parallel zur Garbsener Landstraße errichteten u-förmingen Baracke, gab es eine Art "Empfangsplatz" mit (so sieht es zumindest auf Luftbildern aus) einer Art Gartenanlage. Ein Kreis, auf dessen Mitte - von vier Seiten aus - je ein Weg zuführt.

Sämtliche Baracken waren - zieht man eine Hilfslinie in Richtung AFA, später: Varta (heute: JC) - etwa in einem 30° Winkel rechts und links entlang der "Hilfslinie" angeordnet.

Auch die Luftschutzmaßnahmen waren hier deutlich besser, als in anderen Lagern hier im Raum Hannover. Mindestens _fünf_ Deckungsgräben konnten auf alten Luftbildern ausgemacht werden.

Anbei ein Kartenausschnitt aus dem Jahr 1949 der alle - soweit bekannten - Lager zeigt.

Und zum Schluß noch mal der Hinweis: ES GEHT NICHT um das KZ Neuengamme - AL AFA/AKKU (das ist auf dem Kartenausschnitt auch zu sehen), ebenso wie ein weiteres - bisher - unbekanntes Lager noch hinter dem KZ-AL.

Ich bin für jede "hilfreiche" Information dankbar.

Gruß
Wolf
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heiner.dallemann
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Also viel ist mir nicht bekannt.

Beitrag von heiner.dallemann » 03.07.2013 19:05

Mensch, warum fragst du das erst heute? Vater hättest du stundenlang fragen können. Aber der spielt bereits Harfe.
Großvater hatte die Firma nach dem Krieg in Stöcken. Einige Näherinnen wohnten in diesem Lager. Sie sprachen Dialekt und sagten immer: Wir wohnen nicht im KZ. Es waren wohl Damen, die nicht heimgekehrt sind. Ich war damals noch nicht mal schulpflichtig. Später gingen die Damen nach VW, da dort Industrielöhne gezahlt wurden.
In der ehemaligen Ziegelei am Stöckener-Friedhof sollen auch Bewohner gearbeitet haben. Aber die ist auch geschliffen und neu bebaut. Wo soll man da ansetzen ?
Unterlagen habe ich keine. Man kann die Sache nur über Personen aufgreifen. Aber das ist 2 Generationen her. Wenn ich mal in Stöcken zigeunere, kann ich fragen. Ich fange dann immer in Kirchen, alten Kneipen und alten Firmen an. Aber das schleift sich immer mehr.

Zu der Vor- und Kriegszeit kann ich nichts sagen. Da waren wir in Berlin, noch ohne mich.

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niemandsland
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Beitrag von niemandsland » 18.07.2013 01:19

@ Heiner.Dallemann

Auf jeden Fall mal besten Dank für den Hinweis. Für die Personen um den AK BgeD hier in Ahlem wäre es wichtig zu wissen, wer dort "im Krieg" der Nutzer des Lagers war. Da immer noch fraglich, ob es sich hier um ein "normales" Lager gehandelt hat, oder ob dort am Ende NS-Stellen "residierten".

Es gibt zumindest einen Hinweis, das dort "bis Kriegsende" ein Teil des SS-Kommandos Stöcken untergebracht war. Auf jeden Fall gehörte wohl das eine alte Gebäude an der Mecklenheiderstr., das heute wohl zur Feuerwache gehört, dazu. Das Lager ist nur etwa 500, 600 m Luftlinie von dort entfernt.

Nochmals Danke.

Mit freundlichem Gruß
i.A. Guido Janthor

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karl143
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Beitrag von karl143 » 29.07.2013 08:53

Hier der entsprechende Ausschnit aus einer Karte der BOAR von 1955.
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http://grenzstreife.de - Der Bundesgrenzschutz in Braunschweig

heiner.dallemann
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Beitrag von heiner.dallemann » 29.07.2013 16:53

Mecklenheider Str. ? ?
Die Feuerwache ist doch in der Strasse, die früher zur Klappenburgkreuzung führte.
Und noch früher war dort eine Fähre.
Na, ich braus mal kurz hin.

PS: Am Klagesmarkt ist ein Gestell. Da kann man wunderbar höher klettern wie der Zaun.

heiner.dallemann
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Niemannsland, ich brauche Hilfe.

Beitrag von heiner.dallemann » 31.07.2013 22:54

Ich war mal da. Bin aber verwirrt.

Wenn ich das Gebäude auch nicht gefunden habe, kann ich das gezeigte wenigstens ausschließen. War ich zu weit östlich ?
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niemandsland
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Re: Niemannsland, ich brauche Hilfe.

Beitrag von niemandsland » 05.08.2013 09:27

Hallo Heiner,

Du schreibst:
heiner.dallemann hat geschrieben:Ich war mal da. Bin aber verwirrt.

Wenn ich das Gebäude auch nicht gefunden habe, kann ich das gezeigte wenigstens ausschließen. War ich zu weit östlich ?
Wieso nicht gefunden?

Deine Fotos "100_0988.JPG", "100_0989.JPG" und "100_0990.JPG" zeigen das alte Gebäude, in dem im Krieg die SS Außenstelle gewesen sein soll. Es gab dazu bis vor ein paar Jahren auch noch eine Homepage.

Aber wie gesagt... ob das Gebäude irgendwas mit dem Lager zu tun hatte oder hat, ist nicht bekannt.

Und das mit der Fähre an der Klappenburg liegt ja wohl doch um einiges weiter zurück. Zwar war die "alte" Brücke damals wohl aus Holz gebaut, aber hier gab es doch das Gerücht, das ein Deutscher Panzer oder Panzerspähwagen im April 1945 den Abgang in die Fluten der Leine gesucht hatte, und dort "angeblich" über Jahre lag. In der Ortschronik von Letter findet sich auch ein wenig an Information über die Brücke.

Wie dem aber auch sei...

Ich bin auf der Suche nach Infos über das Lager. :-)

Gruß
Wolf

guste
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Beitrag von guste » 30.09.2014 13:06

Hallo niemandsland,

ich bin ganz neu hier und bitte erst mal um Verständnis dafür, dass ich mich (noch) nicht so richtig vorstelle.

Zufällig bin ich auf Deine Frage gestoßen. Da es ja nun schon eine Weile her ist, weiß ich nicht, ob aktuell noch Interesse besteht, bzw. ob der Zeitraum über den ich ein wenig berichten könnte, überhaupt interessant ist.

Ich habe bis etwa Mitte der 50er Jahre (kann ich noch genau nachsehen) im "Flüchtlingslager" Garbsener Landstraße 7 gelebt. Ich verbrachte also einen Teil meiner frühen Kindheit dort.

Eventuelle Informationen wären rein persönliche Erinnerungen aus der Kindheit und hätten absolut keine politische Relevanz bzw. politischen Hintergrund.

Also, falls Interesse besteht ...

Viele Grüße
guste

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Beitrag von MikeG » 30.09.2014 20:45

Moin und herzlich Willkommen, Guste! Ich bin sicher, dass die eine oder andere Erinnerung interessant sein könnte, also nur zu...

In "Orte des Erinnerns in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt" (Reinhard Jacobs, Berlkin 2001) steht u.a.: Im Hannover-Marienwerder, an der Ecke Garbsener Landstraße/Auf der Horst, erinnert seit dem 8. Mai 1989 ein Mahnmal an die Neuengamme-Außenlager „Accu Stöcken“ (Varta) und „Conti Stöcken“. Im Lager „Accu-Stöcken“ waren vom 19. Juli 1943 bis zum 5./8. April 1945 ständig zwischen 1.500 und 2.000 männliche Häftlinge als Arbeitskräfte für die Accumulatorenfabrik untergebracht. Mindestens 449 Häftlinge kamen hier ums Leben. Ein Teil der Häftlinge wurde am 5. April in das völlig überfüllte KZ Bergen-Belsen evakuiert, ein anderer Teil am 8. April 1945 nach Gardelegen. Sie waren unter den 1.016 Häftlingen, die hier in der Isenschnibber Feldscheune lebendigen Leibes verbrannt wurden.

Geht es evtl. um das Conti-Lager, Guido?

Mike

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Beitrag von guste » 01.10.2014 09:09

Hallo Mike,

ja erstmal danke für das Willkommen.

Ich denke, dass wir - meine Eltern und ich - ca. 1949 in das Stöckener Lager "Garbsener Landstraße 7" gekommen sind. Meine Erinnerung reicht nicht ganz so weit. Meine Schwester wurde 1950 geboren und das war eindeutig schon dort.

Das gesamte Lager teilte sich grob in zwei Hälften. Es gab ein großes Tor, durch das es zu dem von allen als "Kreis" bezeichneten Platz führte. Rechts vom Kreis war das sog. Lettenlager und links das Akku- bzw. Polenlager. Rechts erschließt sich mir im Nachhinein die Bezeichnung Lettenlager schon, weil die meisten Bewohner aus Lettland kamen; es waren aber auch einige andere Nationen vertreten. Zu der Benennung der linken Seite weiß ich nicht wirklich viel. Wir kannten dort eigentlich auch kaum jemanden.

Das genannte Tor hatte aber keine wirkliche Funktion, es war zu der Zeit sozusagen der "Haupteingang", neben dem es unzählige Möglichkeiten gab, auf die Garbsener Landstraße 7 bzw. in das Lager zu kommen.

Übrigens war die Lageradresse insgesamt wirklich "Garbsener Landstraße 7" - individueller wurde dann nach Baracken unterschieden (wir wohnten z. B. in Baracke 7).

Auf dem Gelände gab es auf der anderen Seite, gegenüber dem Tor, eine Baracke, in dem ein Kaufmannsladen war. Der wurde von einem - ich vermute mal - Deutschen namens Voges betrieben. Er wohnte nicht im Lager, sondern kam morgens immer mit seinem dreirädrigen Auto mit Ware zu seinem Laden gefahren. So weit ich mich erinnere, gab es bei Herrn Voges wohl alles für den täglichen Bedarf.

Ein weiteres Geschäft mit Lebensmitteln und sonstigem Bedarf gab es außerhalb des Lagers auf der anderen Straßenseite. Es wurde von einem Ehepaar Mauruschat betrieben. Mauruschats wohnten auch in dem Häuschen - ja, sie und ihr großer schwarzer Hund "Prinz". Da konnte man im Notfall auch mal nach Feierabend "hintenrum" noch etwas einkaufen.

Je mehr ich dahin zurück denke, desto mehr fällt mir ein. - Aber es bewegt sich eben alles so im normalen Lebensrahmen.

Z. B. weiß ich noch, dass meine Eltern und auch andere Nachbarn zunächst Arbeit bei einer Firma Afina (stellte Schuhe oder insbesondere Hausschuhe her) fanden. Was mit Afina passierte, weiß ich nicht; vielleicht wurde die Firma geschlossen? Als kleines Kind bekommt man da wohl nicht zwangsläufig alles so genau mit. Dann arbeiteten fast alle bei der Akku und noch einige Zeit später gingen viele zur Conti und zu VW.

Ich kann noch einiges zum Lagerleben niederschreiben, weiß aber nicht wirklich, ob es für jemanden so interessant ist, dass es geschrieben werden muss. Sollte das der Fall sein, sehr gerne. Allerdings nicht im Verlauf der nächsten Tage, da ich so viele andere Dinge zu tun habe. In einer guten Woche könnte ich noch etwas berichten, wenn es denn jemand wissen möchte.

Zunächst noch so viel: das Lager wurde aufgelöst. Die Menschen wurden - ich weiß nicht, nach welchen Kriterien - verteilt. Sie landeten in Hannover- Buchholz, Misburg, Linden und auch in Seelze. Das sind jedenfalls die Orte, die mir noch bekannt sind. Es mag sein, dass es noch weitere Gebiete gab. Dort waren jeweils Neubauten für Flüchtlinge errichtet worden, die aus allen möglichen Lagern der Umgebung umgesiedelt wurden. Das war gegen Mitte der 1950er. Wie schon geschrieben, kann ich das noch genauer benennen.

Für heute soll es das erst einmal gewesen sein.

Ich hoffe, dass es nicht zu langweilig, sondern vielleicht auch etwas lesenswert ist.

Viele Grüße
guste

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