Bemerkenswerte Flugzeughalle/Hangar

Fliegerhorste, Feldflugplätze, Einsatzhäfen und E-Stellen der Luftwaffe und andere, zugehörige Infrastruktur
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patchman
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Beitrag von patchman » 19.04.2006 14:53

Drei dieser bemerkenswerten Hallen stehen noch bei Jüterbog auf einem ehemaligen Gelände der GSSD. Sie stehen zwar unter Denkmalschutz, aber hält die allseits bekannte Finanzsituation den Bund davon ab, diese Bauwerke zu sichern und zu erhalten. So wurden bereits die Tore entfernt, wobei bei einer Halle dabei auch die Fensterfront oberhalb der Tore mit "entsorgt" worden ist. Die Hallen wurden zu Zeiten der Koljas als Fahrzeughallen genutzt.
Das Gelände ist heute abgesperrt und wird an einen Schafzüchter verpachtet. Vom "einfachmalsohinfahrenundüberdenzaunklettern" rate ich ab, das gibt nur Ärger mit dem Pächter. Man kann aber auch mit nem guten Tele brauchbare Fotos von nem benachbarten Radarhügel aus machen, welcher sich außerhalb des umzäunten Geländes befindet Anbei einige Bilder von letzter Woche.

Gruß
Patchman
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MikeG
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Beitrag von MikeG » 19.04.2006 15:11

Danke für den Hinweis, Jan :thumbup:

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Oliver
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Beitrag von Oliver » 27.12.2016 17:57

Oliver hat geschrieben:Hi zusammen,

also in Gablingen bin ich est die Tage vorbeigekommen und direkt an de Bahnstrecke stehen da noch ein zwei Hallen die ins Bild passen würden.
Mit Fotos machen ist dort aber nix, da ja auf dem Areal noch was aktives ist.

Gruß
Oliver
Moin

inzwischen steht nur noch eine der Hallen. Die andere würde restlos abgetragen. Befürchtet hatte ich ja, dass beide Hallen abgeräumt werde. Dem scheint aber zumindest im Moment nicht so.

Gruß
Oliver

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zulufox
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Beitrag von zulufox » 27.12.2016 19:52

Hallo Oliver,

welche der beiden (von ehemals fünf) Hallen steht denn noch?
Die, die parallel zur Bahnstrecke ausgerichtet ist/war?
Oder die am Außenzeun der JVA?

MfG
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Oliver
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Beitrag von Oliver » 28.12.2016 06:54

Hi,

übrig geblieben ist die nördliche Halle wenn man so will. Also jene die näher zur JVA steht.

Gruß
Oliver

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Beitrag von zulufox » 28.12.2016 10:17

Hallo Oliver,

danke für die schnelle Antwort. Damit behält die bayerische Polizei zumindest zeitweilig noch ihre Übungshalle :-)

Die Hallen in Gablingen sind übrigens in meinem Band

Flugplätze der Luftwaffe 1934 – 1945 – und was davon übrig blieb Band 9 – Bayern – Luftgau VII - München
VDM Heinz Nickel, Zweibrücken, 1. Auflage 2015; ISBN: 978 – 3 – 86619 – 093 – 1

im Kapitel 18 Gablingen auf den Seiten 155 bis 171 im Bild zu sehen.

@all:

Diese Halle(n) ist (sind) aber nicht identisch mit den Betonschalenhallen von Döberitz und Jüterbog-Damm, das sind die ovalen Stahlbinderhallen, wie sie in fünffacher Ausfertigung in Gablingen und ebenfalls fünf Mal in Erfurt-Bindersleben standen.
Ebenso wie die von Mike erwähnten Hallen in Döberitz und in Jüterbog-Damm (patchman) wurden sie in den Anfangstagen des Baus der Fliegerhorste errichtet, später aber wegen des Bauaufwands und technischer Anfälligkeit nicht in das Standard-Bauprogramm aufgenommen. Die Anfälligkeit der Hallen in Gablingen und Binderleben ergaben sich duch die Tatsache, dass die Halletore nach oben geklappt und dann etwas eingezogen wurden.

Anbei einige bereits veröffentlichte Aufnahmen.

MfG
Zf :holy:
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Beitrag von zulufox » 28.12.2016 11:18

Michael K hat geschrieben:Hallo ,

es handelt sich um die Hangars des ehem. Fliegerhorstes Döberitz.
Bild 1 ist auch zu sehen auf S.113 in dem Buch :
"Flugplatz Döberitz - Geburtsort der militärischen Luftfahrt in Deutschland " .
Entworfen wurden die Anlagen in Döberitz von dem Architekten Ernst Sagebiel ,der in der damaligen Zeit alle wichtigen Bauten der Luftwaffe schuf , z.B. Luftfahrtministerium und Flughafen Berlin-Tempelhof.
Hallo Michael,

wie kommst du darauf, dass die Anlagen des Fliegerhorstes Döberitz von Ernst Sagebiel entworfen wurden?

Bereits am 1. Oktober 1933 wurde dort eine Technische Schule der Luftwaffe behelfsmäßig untergebracht, und am 1. Mai 1934 wurde dort die "Reklamestaffel Mitteldeutschland des Deutschen Luftsport-Verbandes" aufgestellt.

Quelle:
Völker, Karl-Heinz
Dokumente und Dokumentarfotos zur Geschichte der Deutschen Luftwaffe 1919 – 1939
Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart; 1968

In der Chronik über Ernst Sagebiel

Dittrich, Elke
Ernst Sagebiel – Leben und Werk 1892 – 1970
Lukas Verlag, Berlin; 1. Auflage 2005; ISBN: 978-3936872392


steht aber auf der Seite 73:

Zum 1.Juli 1934 wurde Ernst Sagebiel somit Leiter des Referats 8 (S) für Sonderaufgaben. Die Beschreibung seiner Tätigkeit liest sich wie folgt: »Der Bauleitung 8 (S), Sonderaufgaben ist die Planbearbeitung sowie die verantwortliche Bauleitung der Fahrabteilung Döberitz-Elsgrund, die Bauaufsicht über den Neubau einer Fliegerakademie bei Cladow-Gatow, [.... ..] [unleserlich] im Wildpark,die Planbearbeitung u. Bauleitung f.d. Nachrichtenzug Gatow sowie die Bauaufsicht über die Nachrichtenschule Halle übertragen.

Mit anderen Worten, Ernst Sagebiel kam erst ins Reichsluftfahrtministerium, als der Fliegerhorst Döberitz schon lange geplant und zu großen Teilen fertiggestellt war.

Nix für ungut, aber bitte Fakten beachten.
Zf :holy:
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HansG
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Re: Bemerkenswerte Flugzeughalle/Hangar

Beitrag von HansG » 15.10.2019 22:19

Hallo,

hier noch eine kleine Ergänzung: Derartige Hallen gibt es noch im "Kleinformat" - nämlich als 1935 errichtete Fahrzeughallen ("Flak-Hallen" genannt - unklar ist, woher die Bezeichnung stammt) in der Nähe des Flugplatzes Döberitz, an der Haupstraße der Siedlung Elstal in Wustermark (Havelland). Die eine Halle an der Hauptstraße 10 nutzt die Tragency GmbH, ein Servicebetrieb für historische Autos. Die anderen Hallen sind größtenteils ungenutzt. Darüber wird in der Zeitschrift "Industriekultur", Ausgabe 4.18, S. 23, berichtet und auf folgende Quelle verwiesen:

Jörn Teichmann: Flugzeughangars in Schalenbauweise, Bestandsaufnahme und Bewertung von 1933 bis 1945 in Berlin und Brandenburg im System Zeiss-Dywidag errichteter Flugzeughangars, Masterarbeit Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg, Cottbus 2015

Danach sind diese - damals hochmodernen - Stahlbetonschalen von dem Bauingenieur Ulrich Finsterwalder für die Dyckerhoff & Widmann KG entwickelt worden. Im Mai 1934 stürzten auf dem Flugplatz in Cottbus zwei ähnliche, von Finsterwalder entworfene Hangars ein und zerstörten abgestellte Flugzeuge. Deshalb wurde er wegen Sabotage mit der Todesstrafe bedroht, dann aber freigesprochen.
Die Erklärung für den Einsturz lieferte eine bis dahin unbekannte Werkstoffeigenschaft: Beton kriecht bei Beanspruchung. Das Kriechen vergrößerte den Krümmungsradius der Schale so lange, bis sie versagte. Nun wurden Tonnenschalen mit großen Radien mit Rippen ausgesteift, um die Knicksicherheit zu verbessern. Die Flugzeughallen in Döberitz und Jüterbog bekamen deshalb von außen Rippen aufgesetzt.

Übrigens: Architekten war an diesen Projekten vermutlich nicht oder nur am Rande beteiligt. Umgekehrt sollten die (selbstverständlich hoch-kreativen) Entwurfsleistungen von Bauingenieuren nicht unterschätzt werden...

Der Grund, für mich heute abend ins Forum zu gucken, war aber der an der Heider Bahn stehende Hangar des Flugplatzes Neumünster, lt. Fabrikschild des Hallenkrans (von der DEMAG) 1939 entstanden. Was mich aber fast umgehauen hat, war die sehr leichte Bauweise des Dachtragwerkes mit Dreigurt-Bogenbindern, wo ich dachte, dass derartige Bauweisen erst nach dem Krieg umgesetzt wurden. Bisher hatte ich aus der Zeit des 2. Weltkrieges nur Flugzeughallen mit (schweren) Stahlfachwerkträgern u.a. von Lavis (Würzburg) gesehen. Beispiele dafür bieten Ludwigslust in Mecklenburg und Perleberg in der Prignitz.

Nun durfte ich heute in Neumünster von der Halle leider keine Fotos machen (eine Außenaufnahme gibt es bei Wikipedia). Der Bau gehört einem angeblich "schwierigen" Privatbesitzer.

Aber: Weiß jemand mehr über die Bauweisen dieser Hangars?

Viele Grüße,
Hans

HansG
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Re: Bemerkenswerte Flugzeughalle/Hangar

Beitrag von HansG » 15.10.2019 23:22

...2. Teil - denn manchmal hilft der Blick in das eigene Bücherregal:

Dort fand ich eben den Aufsatz von Marie-Louise Buchinger zu "Alt Daber - die Fallschirmschule der Luftwaffe" in "Brandenburgische Denkmalpflege", 22. Jg. (2013), Heft 2, S. 72-83

Die Hangars II und III des Flutplatzes Alt Daber bei Wittstock in der Nordost-Prignitz haben für meine Begriffe ähnliche Binder wie die von mir genannten in Perleberg und Ludwigslust. Interessant ist aber, was Frau Buchinger allgemein dazu schreibt:

"Der dortige Fliegerhorst [Rangsdorf] entstand nach einem Entwurf von Ernst Sagebiel - ein Name, der im Zusammenhang mit der Architektur der Fliegerhorste immer wieder fällt. Sagebiel war ab 1933 für das Reichsluftfahrtministerium tätig, wo er die Leitung des Referats für Sonderaufgaben innehatte und vor allem für hochrangige Planungen von nationaler Bedeutung zuständig war. Wenn sich bei manchen Brandenburger Fliegerhorsten auch seine Handschrift erkennen lässt, so konnte seine Beteiligung an den Planungen bisher jedoch - außer in Rangsdorf - nirgends nachgewiesen werden."

Und an anderer Stelle: "Verantwortlich für Planung unt Entwurf der bauten der Luftwaffe und somit der Fliegerhorste war eine eigens innerhalb des Reichsluftfahrtministeriums eingerichtete Bauabteilung unter der Leitung von Regierungsbaurat Karl Gallwitz (1882-1945). Als Mitarbeiter wurden vor allem junge Architekten eingestellt, die ihre Ausbildung in den 1920er Jahren durchlaufen hatten; einige von ihmen kamen aus Robert Vorholzers 'Bayerische Postbauschule', die eine vergleichsweise moderne Architekturauffassung vertrat."
Und: "Eine Ermittlung der jeweils verantwortlichen Architekten ist indes in den wenigsten Fällen möglich, da Bauakten meist fehlen...." Der Fliegerhorst in Rangsdorf, mit den Bücker-Werken dort verbunden, sei eine Ausnahme.

Schließlich gibt die Autorin in Zusammenhang mit dem Bau der Hangars einen konkreten Hinweis auf die Bauingenieure: "Unter der Leitung des Bauingenieurs Alfred Mehmel (1896-1972), der bei der Bauverwaltung der Luftwaffe für die Hangars zuständig war, kamen Konstruktionen führender deutscher Firmen wie Dyckerhoff & Widmann (...) zur Ausführung." Das betrifft u.a. wieder die bisher genannten Schalenbauten in Jüterbog, Döberitz etc.

Zu Mehmel gibt es einen ausführlichen Wikipedia-Eintrag - und er selbst hat wohl zu "Neuzeitlichen Flugzeuhallen" einen großen Beitrag im Zentralblatt der Bauverwaltung publiziert, allerdings ist die Literaturangabe bei den Seitenzahlen etwas unklar: 1936, Heft 14, S. 315, sowie 1937, Heft 9, S. 211-34. Diese Literaturstelle aber hat ja wohl nix mit den unten genannten Abbildungen (Zentralblatt der Bauverwaltung 1937, Heft 3) zu tun.

Und dann nennt die Autorin noch eine offensichtlich interessante Diplomarbeit:
Andreas Skopnik: Flugzeughallen in Brandenburg, Ingenieurbauwerke unter Denkmalschutz - schutzwürdige Ingenieurbauwerke, FH Potsdam 1998

Soweit erst einmal. Ich wünsche fröhliches Weiterforschen.

Gruß

Hans

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