Fliegerhorst Venlo-Herongen

Fliegerhorste, Feldflugplätze, Einsatzhäfen und E-Stellen der Luftwaffe und andere, zugehörige Infrastruktur
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Josch
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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von Josch » 31.12.2020 12:09

Zwackelmann hat geschrieben: 13.12.2020 19:55 Hi Josch,

Eine Musealisierung könnte auch modular aufgebaut werden: die niederländische Geschichte des Flugplatzes, die Luftwaffe in Venlo, Bau und Zwangsarbeit, die britische Nachnutzung, die Nachkriegsgeschichte, die Fauna und Flora etc. etc.
Dann könnten Touren mit unterschiedlichen Schwerpunkten angeboten werden und die Module je nach Bedarf individuell kombinierbar gebucht werden.
Der Leitstand böte sich evtl. als Zentrum an.

Bin mal gespannt...

Gruß, Thomas!
Hallo Thomas,

so gesehen ist die Musealisierung schon weit fortgeschritten. Hier gibt es zwei versierte Führer zum Thema Fliegerhorst. Auf niederländischer Seite gibt es Führungen und auf deutscher Seite. Hierzulande ist der Förderverein Fliegerhorst tätig, der auch schon eine eigene Ausstellung in einem alten Gebäude im Nordlager installiert hatte. Die dann aber aufgegeben werden musste, weil die BIMA (Bundesimmoblien) ziemlich rücksichtslos, die Vermarktung bzw. Zukunftsplanung des ehemaligen Nordlagers, das lange Jahre Depot der Bundeswehr war, durchgesetzt hat. Überdies gibt es noch den Schießstand (es gibt ein Bild im Netz: He 219 beim Justieren der Bordwaffen in Venlo, es fehlt noch ein Foto Auftritt der Glen Miller Band) Schießstand, der ebenfalls zum Aufgabenbereich der BIMA gehört.
Ansonsten gibt es das breite Angebot der Biologischen Station Hinsbeck, vom Fotografierkurs, Klettern am Flugleitstand bis zum Nordic-Walking u.s.w.. Reiseveranstalter haben das hiesige Naherholungsgebiet seit Jahren im Programm. Seit dem Euro gibt es die Grenze im alten Sinne nicht mehr, so das Niederländer und Deutsche das Gebiet für sich entdeckt haben. Mithin Interessierte sind genug da. Es fehlt (verständlicherweise auf deutscher Seite seit Ende des Krieges) auch der politische Wille zu einer Erinnerungskultur, im Gegensatz zu den Engländern und Niederländern. (von der Rüstungsindustrie mal ganz zu schweigen, immerhin sind die Deutschen dabei vorne). Dazu kommen noch regionale Dinge, in einer Großstadt wie Köln, gehen die Menschen ganz anders miteinander um, als hier auf dem platten Land an der, man muss heute sagen, Sprachengrenze. Beste Grüße und guten Rutsch, Jo

Josch
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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von Josch » 01.01.2021 21:54

Hallo, hier kommt ein Schmankerl!
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Josch
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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von Josch » 01.01.2021 23:16

Hallo, hier kommt noch ein Nachtrag, ich antworte mir selbst! lol

Mein Vater geb.1928 in Kaldenkirchen erzählte folgendes: Bei einem Jabo Angriff auf den Güterbahnhof ist eine Bombe in den Latrinenkeller des Bahnhofsgebäudes eingeschlagen, so das der ganze Bahnhof mehrere Tage nach Sch...... gerochen hat.

Habe den ganzen Thread noch mal durchgelesen! Die sogenannte Kleinbahn (Vom Kaldenkirchener Bahnhof nach Brüggen in Normalspur) diente schon vor dem Krieg den im Rheinland bedeutetenden Ziegeleien in Bracht und Brüggen. Die Familien der sogenannten Ziegelbarone gibt es heute noch, zu Ihnen gehörte auch Anton van Eyk, dessen Atelier (ein Fragment eines Hangar im Südlager, dessen Bau durch das Kriegsende nicht fertiggestellte wurde) heute von der gebürtigen Niederländerin Frau Spolders geleitet wird. Ihr verdanken die Interessierten die Gedenkfeiern, die Nahe Tor 9 stattfinden. Angeblich wurde im Wehrmachtsdepot, das in Kesselwagen angelieferte Benzin in Fässer umgefüllt und dann über den Gleisanschluß bis zum Flugfeld gebracht (In der Nähe des heutigen Segelfliegervereins). Im Rahmen der zunehmenden Angriffe wurden Jagdflugzeuge auch östlich der heutigen Bundesstraße unter Bäumen abgestellt bzw. wurden die Motoren dort gestartet. (Heutige Stichstraße zum Poelvensee). Der Zeitzeuge Ernst Holthausen, anerkannter Fledermausexperte des Kreises, machte sich wohl einen Spaß daraus den startenden Flugzeugen hinterherzulaufen, wegen der Propellerboen. Als kleiner Junge durfte er im Lkws durchaus auch über den Flugplatz mitfahren. Er kennt die Außenanlagen Funkmess- und Beleuchtungsanlagen, bzw. die Absturzstellen von Flugzeugen auf deutscher Seite. Deren Wracks zum Teil erst Mitte der 60er Jahre geborgen wurden (Moor und Sümpfe erschwerten die Arbeit). Bald nachdem die Operation Grenade das Ende des Krieges für die Grenzregion brachte (Die Wehrmacht zog sich kampflos von der Maasfront Richtung Rhein zurück, die nächsten Kampfhandlungen zum Platz waren zwischen Viersen und Krefeld an der Niers, wo das letzte Aufgebot der Wehrmacht zwecklosen Widerstand leistete) wurde der Platz "Y-55" für die amerikanische Luftwaffe Station. Venlo Hilton und der Auftritt der Glen Miller Band, waren neben den Girls die Hauptattraktion der Zeit. Zunächst machten sich die Amerikaner gar nicht die Mühe das bombardierte Flugfeld zu reparieren. Gestartet wurde von den gut ausgebauten Taxiways im Südlager (Rollbahnen), die vorher von der 1 und 3 Staffel der I Gruppe NJG1 genutzt wurden. Da waren die Hallen allerdings mittels deutscher Fliegerbomben von Pionieren bereits zerstört. Die Amerikaner sorgten aber für Bombennachschub, die in den letzten Kriegsmonaten antlang der Rollbahn, an der alten Heerstraße, zwischen Süd-und Nordlager gestapelt wurden. Im weiteren Nachkriegsverlauf, verschwanden dann die Ruinen von Hallen und anderen Anlagen (vornehmlich im Südlager), wie z.B. die Kompensierscheibe. Englische Pioniere erledigten bei Manövern diese Arbeit, zumindest auf deutscher Seite. Erwähnenswert ist noch der Start von Harriern und Helikoptern, die im Rahmen von Manövern auf dem Platz eingesetzt wurden.

Auf jeden Fall kann man sagen, früher wie heute. Der Flugplatz hat Leute nicht nur zusammengebracht. Die Ränke zwischen den einzelnen Fraktionen vor Ort über die "genaue" Geschichte zieht sich bis in unsere Zeit.

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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von Zwackelmann » 02.01.2021 08:02

Hallo Josch,

Erst einmal alles Gute für's neue Jahr! Danke für die tollen Luftbilder und Deinen informativen Beitrag! Was die verschiedenen Fraktionen betrifft, so würde mich das nicht zu sehr stören. Sollen doch die Fachleute unter sich streiten - solange sie sich zu einer gemeinsamen Arbeit zusammenraufen könnten. Schließlich zählt nur das, was man an Informationen weitergibt, und nicht, was man für sich im stillen Kämmerlein zusammenträgt...In diesem Sinn ist es erfreulich zu hören, dass es schon so viele Aktivitäten in Venlo gibt. Es fehlt also anscheinend 'nur noch' eine Art Dachverband, so etwas wie eine Marke 'Fliegerhorst Venlo IP'
(nicht ganz ernst gemeinte Anspielung auf 'Vogelsang ip').

Schönen Gruß, Thomas
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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von M.S.Laarman » 02.01.2021 15:05

Mir wurde es interessieren mal ein Tag zu verbingen alle überresten und Unterkünfte an zu sehen...vielleicht können wir das als Forumausflug tun? Die Bücher von Jan Derix geben auch viel Auskünfte dazu. Wurde mich freuen!

Geschichte am Rande: in 2018 habe ich mit ein Mit-author von das Buch 'Crash in Crooswijk, de laatste vlucht van Short Stirling EF357' Bilder gemacht einige überreste der Flugplatz. Diese wurde im Buch veröffentlicht.

Der Link zwischen Rotterdam und Venlo besteht darauf das der Englische Bomber am 12/13 Mai 1943 abgeschossen wurde durch Hans-Dieter Frank, mit basis Venlo, und in ein Wohnviertel abstürtzte.
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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von Bertill » 03.01.2021 22:42

Moin, moin!
Mir wurde es interessieren mal ein Tag zu verbingen alle überresten und Unterkünfte an zu sehen...vielleicht können wir das als Forumausflug tun? Die Bücher von Jan Derix geben auch viel Auskünfte dazu. Wurde mich freuen!


Ich freue mich auch zum besuch Venlo-Herongen!

Mit freundliche grusse,
Bertill.

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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von Josch » 04.01.2021 18:12

Hallo Bertill, Hallo Maurice, verehrte Gemeinde,

ich habe euch eine PN geschickt. Vornweg https://www.facebook.com/ArchiefVenlo/p ... 126132465/ ein sehr interessanter Facebook Link (Bitte Kommentare auf der rechten Seite lesen), den mein Vater so betätigt hat. Im Krieg war das Kloster Bethanie, direkt an der Grenze, vis a vis zum Flugplatz, auch Casino für die Nachtjagdpiloten. Die Herren Flieger (Kleiner Kalauer nebenbei "Auch Piloten sind Idioten") haben wohl um sich selbst Mut zumachen, Wrackstücke von abgeschossenen Flugzeugen vor dem Eingang drappiert, wie auch an anderen deutschen und allierten Fliegerhorsten.

Aber auch heute findet man noch allerhand aus den verschiedenen Epochen des Fliegerhorst beim Spaziergang. Sei es, wie hier im Bild ein verbuddeltes Wehrmachtsfass, das zur Heizung umfunktioniert wurde (Bitte nachher das gebuddelte Loch schließen, damit keine Tiere hinein fallen können). Aber auch andere Metallstücke, die den "Sondlern" wohl zu nichts sagend waren und dann achtlos am Wegesrand liegengelassen wurden. Oder ein Schild mit der Aufschrift "workshops, stations" aus der amerikanischen oder englischen Zeit des Fliegerhorstes. Wie gesagt, Kampfmittelräumdienste interessieren sich für Gefahrgut, auf dem Fliegerhorst kann man davon ausgehen, das davon nicht mehr viel zu finden ist, dafür haben niederländische, deutsche und britische Räumdienste gesorgt. Wenn denn Bombenblindgänger vorhanden sind, sicherlich gibt es das noch, liegt das Zeug wahrscheinlich über sechs Meter tief in der Erde, da wo man mit normalen Suchgeräten nicht mehr so leicht hinkommt. Anders als in den Ardennen oder um Köln, wo tatsächlich Kriegsgerät auf Grund von Kampfhandlungen einfach in vorhandene Trichter entsorgt wurde (Großer Schrotthaufen beim Neubau von Toyota Köln), haben hier keine Kampfhandlungen stattgefunden. Der Platz wurde organisiert von den Deutschen geräumt. Trotzdem geht auch hier das Märchen um, das es unterirdische Anlagen gegeben haben soll. Wenn es den versierte Leute hier im Forum gibt, würde ich ja gerne mal einen Lokaltermin vereinbaren, aber bitte mit mindestens 10 Meter Suchtiefe und Detektion von Hohlräumen, da man nicht davon ausgehen kann, das dort Metall zu finden ist. Gemütlicher ist es bei einem lokalen Mechaniker, der hat noch ein Fass mit der Aufschrift: Eigentum der Wehrmacht, allerdings verschönert in metallic blau. Beste Grüße Josch
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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von EricZ » 23.02.2021 16:20

Moin,


am zurückliegenden Wochenende habe ich auf ZDF Info eine Terra X Sendung über die Geschichte der Drogen gesehen. Hier kam u.a. zur Sprache, dass während des 2. WK Nachtjagd-Piloten zur besseren Bewältigung ihrer Einsätze Pervitin erhalten haben.

Ist jemandem bekannt, ob auch die Piloten der in Venlo stationieerten Einheiten hiermit "versorgt" worden sind?


Viele Grüße, Eric
And I'm hovering like a fly, waiting for the windshield on the freeway...

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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von EricZ » 19.03.2021 20:39

Moin,


Aktueller Artikel zum Fliegerhorst: heute vor achtzig Jahren landeten die ersten deutschen Nachtjäger auf der Grote Heide:

https://venlovanbinnen.nl/historie/venl ... eRbonov3wY

Grüße, Eric
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Re: Fliegerhorst Venlo-Herongen

Beitrag von Josch » 06.04.2021 21:40

Hallo Eric,

die Frage ob die Nachtjägerbesatzungen verpflichtet waren Pervitinpillen zu schlucken kann man klar verneinen. Die Jungs waren hochmotiviert und bestens mit allem versorgt. Im Gegensatz zu den allierten Fliegern dauerten die Einsätze kürzer. Auch wenn zwei Einsätze geflogen wurden, waren die Me110er und andere Flugzeugtypen der Nachtjagd mit Reservetanks dann max. 7 Stunden in der Luft. Eine Me 109 im Einsatz schafft gerade mal drei Stunden mit Reserve. Die Zeit am Feind war kürzer. Kein Vergleich zu der Einsatzzeit an Großkampftagen der Wehrmacht, der Fallschirmjäger oder der Marine. Von daher, da gibt es bessere Möglichkeiten zur Leistungssteigerung. Aber wer wollte konnte das Zeug bekommen, ich verorte das aber mehr bei der SS Wachmannschaft im KZ Außenlager Venlo, das waren die menschlichen Bestien, die durch den Konsum von Pervitin enstehen. Die drangsalierten neben den Häftlingen aber auch die niederländische und deutsche Bevölkerung. Hier eine Arbeit von Ludger Peters zu diesem Thema.

https://www.kreis-viersen.de/c12575a800 ... penelement

Beste Grüße

P.S. Venlovanbinnen ist ein Pamphlet der Gemeinde Venlo, da kann man nicht mehr erwarten. Ansonsten geht es den Niederländern, in diesem Fall meinem direkten Nachbarn, primär ums Geld, wie man dem Artikel entnehmen kann, das ist auch heute noch so. Weiteres auf Wunsch gerne per PN.

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